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Kulturnachrichten

Donnerstag, 30. Juli 2020

Schriftsteller Milan Kundera gibt Archiv nach Brünn

Der Schriftsteller Milan Kundera überlässt seine Privatbibliothek und sein Archiv der Mährischen Landesbibliothek im tschechischen Brünn. Das habe der 91-Jährige gemeinsam mit seiner Frau entschieden, teilte die Einrichtung mit. Die Privatbibliothek Kunderas umfasst Ausgaben seiner Bücher auf Tschechisch und in mehr als 40 Weltsprachen - insgesamt rund 1000 Bände. Hinzukommen eine Sammlung seiner Essays, Rezensionen seiner Bücher, Zeitungsausschnitte und Fotografien. Auch Zeichnungen aus der Hand Kunderas sind dabei. Sie sollen im Herbst aus der Pariser Wohnung des Paares nach Tschechien überführt werden. Der tschechische Kulturminister Lubomir Zaoralek begrüßte die Entscheidung und sprach von einem Geschenk mit Symbolik: es zeige, die Verbundenheit Kundera zu seinem Land. Der Autor von Bestsellern wie "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Scherz" wurde am 1. April 1929 in Brünn geboren und wuchs dort auf. Seit seiner Emigration 1975 lebt er in Frankreich.

Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale genehmigt

Der Bauantrag für die Sanierung und die umstrittene Umgestaltung der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale ist genehmigt. Das teilte das Erzbistum mit. Mit der Umgestaltung werde man der Architektur des Rundbaus gerecht, der Altar werde dadurch ins Zentrum gesetzt, sagte Dompropst Tobias Przytarski zur Baugenehmigung. Das sei ein liturgisch stimmiger und konsequenter Aufbruch in die Zukunft. Gegner des Umbaus mussten zuletzt eine juristische Niederlage hinnehmen. Das Berliner Landgericht hatte entschieden, dass die Neugestaltung des Kircheninnenraums nicht gegen das Urheberrecht ihres Architekten Hans Schwippert (1899-1973) verstößt. Die Kirche habe das Recht, das Gotteshaus nach ihren Wünschen umzugestalten. Das Gericht wies damit eine Klage gegen Veränderungen in der katholischen Hauptkirche von Berlin ab. Die Arbeiten sollen bis 2023 dauern, die Kathedrale ist seit September 2018 geschlossen.

Filmschaffende setzen sich für "Grünes Drehen" ein

Mit der Initiative Changemakers.film setzen sich Schauspielerinnen und Schauspieler zum "Grünen Drehen" ein. Vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise will die Initiative einen Beitrag für klimaneutrale Film- und Fernsehproduktionen leisten. Eine freiwillige Selbstverpflichtung, die bereits von mehr als 100 Personen unterstützt wird, listet Möglichkeiten auf, mit denen eine sichtbare Verringerung des CO2-Verbrauchs bei Dreharbeiten erreicht werden kann - vor allem in den Bereichen Transport, Unterbringung, Catering und Technik. Changemakers.film ist eine Initiative der Schauspieler Miriam Stein, Pheline Roggan und Moritz Vierboom sowie der Regisseurin Laura Fischer. Zu den Unterstützern gehören u.a. der Produzentenverband, die UFA, die Film Commissions sowie der Green Shooting-Experte Philip Gassmann.

Jackie Karuti erhält Henrike Grohs Art Award

Jackie Karuti aus Kenia wird mit dem "Henrike Grohs Art Award" ausgezeichnet.
Ihr Werk berge eine einzigartige poetische Dimension - sie interessiere sich für Erkundungen von Technologien und Betrachtungsweisen, so die Jury in ihrer Begründung. Karuti setzt sich in ihren Projekten mit den Themen Tod, Sexualität, Identität, Wissen und urbane Kultur auseinander. Ihre Kunstprojekte realisiert sie mit Videos, Zeichnungen und interaktiven Performances. Als Zweitplatzierte erhalten Akwasi Bediako Afrane aus Ghana und Sabelo Mlangeni aus Südafrika ein Preisgeld von jeweils 5 000 Euro. Die Auszeichnung wird vom Goethe-Institut und der Familie Grohs vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert. Goethe-Instituts Präsident Florian Grohs unterstrich, dass der Preis, die dynamische und vielfältige afrikanische Kunstszene fördern will und sich für eine multikulturelle Gesellschaft in Afrika einsetzt.

Gericht lässt weitere Klage gegen Harvey Weinstein zu

Ein US-Bundesberufungsgericht hat die Klage der Schauspielerin Ashley Judd wegen sexueller Belästigung gegen den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein zugelassen. Eine niedrigere Instanz hatte dies zuvor abgelehnt. Die 52-jährige Judd wirft Weinstein vor, bei einem Treffen in einem Hotel in Beverly Hills in den 1990er Jahren versucht zu haben, sie dazu zu bewegen, dass sie ihm beim Duschen zusehe und ihm eine Massage gebe. Nachdem sie dies abgelehnt habe, habe er sie in Hollywood als jemanden dargestellt, mit dem die Zusammenarbeit sehr schwierig sei. Judds Anwalt Theodore Boutrous lobte die Entscheidung des Gerichts als wichtigen Sieg für Judd, sowie aller Opfer sexueller Belästigung in beruflichen Beziehungen. Weinstein wurde in einem Prozess in New York wegen Vergewaltigung und sexuellen Übergriffs gegen zwei Frauen verurteilt.

20 Millionen Euro für freie Tanzszene in Deutschland

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will die freie professionelle Tanzszene
mit einem mehrteiligen Hilfsprogramm unterstützen. Es stünden bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung, um Künstler, Produktionsstätten, Festivals und weitere Bereiche zu stärken, sagte die CDU-Politikerin. Die Tanzszene sei von der Corona-Krise besonders hart getroffen - auch hinsichtlich der Tatsache, dass Tänzerinnen und Tänzern oft nur ein begrenzter Zeitraum zur Verfügung stehe, in dem sie künstlerische Höchstleitungen erbringen könnten. Mit dem Hilfsprogramm sollen die Strukturen im nicht überwiegend aus öffentlichen Mitteln getragenen Tanzsektor gestärkt und Tänzer unmittelbar unterstützt werden, hieß es. Ziel der Unterstützung sei, dass Künstlerinnen und Künstler so bald wie möglich wieder ihr Einkommen erwirtschaften und ihr Publikum finden könnten.

US-Bürgerrechtler John Lewis wird beigesetzt

Der US-Bürgerrechtler John Lewis wird heute in Atlanta bestattet. Die Trauerfeier findet in der Ebenezer Baptist Church statt, der Kirche, in der früher Martin Luther King gepredigt hatte. Dort wird der frühere US-Präsident Barack Obama die Grabrede für Lewis halten - auch die Ex-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush werden an der Feier teilnehmen. Für Lewis war der Bürgerrechtler Luther King Vorbild, dieser habe ihn zu dem gemacht, der er war, schrieb er in seiner Autobiographie "Walking in the Wind". Im Ringen um Wahlrechte organisierte er mit King 1965 Protestmärsche von Selma nach Montgomery - sie bildeten den Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung. John Lewis war mehr als drei Jahrzehnte im US-Kongress tätig. Er starb am 17. Juli im Alter von 80 Jahren.

Holocaust-Überlebender Peter Höllenreiner gestorben

Peter Höllenreiner, Überlebender mehrerer NS-Konzentrationslager, ist tot. Der gebürtige Münchner Sinto starb gestern in seiner Heimatstadt. Höllenreiner wurde 81 Jahre alt. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, würdigte Höllenreiners Zeitzeugenarbeit: Sein Name sei weit über München und Bayern hinaus zu einem Vorbild für historische Aufklärung und gelebte Versöhnung geworden. Die KZ-Nummer auf seinem Unterarm ließ Höllenreiner nach dem Krieg erst entfernen und dann erneut stechen, als Protest gegen fortgesetzte Diskriminierung seiner Ethnie, etwa durch die Polizei. Das «Z» für «Zigeuner» ersetzte er durch ein «J», weil er über seine Großmutter auch jüdische Wurzeln hatte.

Weiss gegen Aufspaltung der SPK

Die frühere Kulturstaatsministerin Weiss, hat sich gegen eine Aufspaltung der "Stiftung Preussischer Kulturbesitz" ausgesprochen. Damit reagiert sie auf eine Initiative des Wissenschafts-Rates. Dieser hatte Mitte des Monats vorgeschlagen, die Kultur-Institution in vier Sparten zu unterteilen. Sollte das umgesetzt werden, käme dem Bund künftig eine entscheidende Rolle bei der Finanzierung zu, obwohl Kulturpolitik eigentlich Länder-Sache ist. Auch wenn die Stiftung mit finanziellen Problemen zu kämpfen habe, sei eine Zerschlagung der falsche Weg. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Weiss: "Eine Zerschlagung der Stiftung Preussischer Kulturbesitz halte ich für politisch erstens nicht machbar und zweitens auch nicht wollbar. Die Stiftung Preussischer Kulturbesitz ist der größte Kulturschatz in unserem Land."

Felicitas Hoppe erhält Großen Preis des Literaturfonds

Die Autorin Felicitas Hoppe erhält den erstmals vergebenen Großen Preis des Deutschen Literaturfonds. Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 7. Oktober in Berlin verliehen, wie der Literaturfonds in Darmstadt mitteilte. Die Jury begründete: "Felicitas Hoppe stellt Fragen an Sein und Wirklichkeit und lässt uns über den Horizont unserer alltäglichen Wahrnehmung hinausblicken." Weiter würdigte sie das vielfältige Werk der Autorin, deren "wache Wahrnehmung" und die "funkensprühende Vielschichtigkeit ihres Schreibens". Hoppe stammt aus Hameln und debütierte 1996 mit "Picknick der Friseure". Weitere Werke sind "Johanna", die fiktive Autobiografie "Hoppe" und der Roman "Prawda. Eine amerikanische Reise". Die Autorin erhielt bereits zahlreiche Ehrungen, darunter den Georg-Büchner-Preis.

Schwere Vorwürfe gegen die Ellen DeGeneres Show

"Seid freundlich zueinander" - das ist das Motto der erfolgreichen Ellen DeGeneres Show im US-amerikanischen Fernsehen. Millionen schauen täglich ihre Sendung, sie wurde mit 31 Emmys ausgezeichnet. Seit einigen Wochen werfen zehn ehemalige und eine aktuelle Mitarbeiterin der Produktionsfirma rassistisches und herabwürdigendes Verhalten vor. Ellen DeGeneres selbst hat sich bislang noch nicht geäußert, die Produktinsfirma Warner Media hat jetzt eine Untersuchung der Vorwürfe angekündigt.

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Fazit

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