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Kulturnachrichten

Montag, 13. Juli 2020

Publizistin Rachel Salamander erhält Heine-Preis

Die Publizistin Rachel Salamander (71) erhält den mit 50 000 Euro dotierten Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Die Literaturwissenschaftlerin habe couragiert maßgeblich zum Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beigetragen, erklärte die Jury zur Begründung. Mit ihren Buchhandlungen habe sie die jüdischen Autoren, deren Bücher einst verbrannt worden waren, in den Kanon deutscher Literatur zurückgeholt. Die in München lebende Salamander hatte dort 1982 unter dem Namen "Literaturhandlung" eine Fachbuchhandlung für Literatur zum Judentum eröffnet.
Mittlerweile gibt es Zweigstellen in mehreren deutschen Städten. Der seit 1972 vergebene Preis ist nach dem in Düsseldorf geborenen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) benannt. Die Auszeichnung soll im Dezember überreicht werden.

Preis der Pressefreiheit an vier Journalisten

Als Anerkennung für ihre Arbeit erhalten vier Medienschaffende den diesjährigen Internationalen Preis der Pressefreiheit des US-Journalismusverbands "Committee to Protect Journalists". Die Auszeichnung geht an den Fotojournalisten Shahidul Alam aus Bangladesch, den freiberuflichen iranischen Reporter Mohammad Mosaed, die russische Journalistin Swetlana Prokopjewa sowie an den nigerianischen Zeitungsverleger Dapo Olorunyomi, wie die Nichtregierungsorganisation in New York mitteilte. Die vier seien wegen ihrer Tätigkeit zeitweilig inhaftiert oder vor Gericht gestellt worden. Das 1981 gegründete Komitee zum Schutz von Journalisten setzt sich für verfolgte und drangsalierte Journalisten ein.

Russischer Journalist wegen Hochverrats angeklagt

Unter Protest ist in Russland der frühere Reporter Iwan Safronow wegen angeblichen Hochverrats angeklagt worden. Das bestätigte sein Anwalt in Moskau. Safronow, der früher für die angesehenen Zeitungen "Kommersant" und "Wedomosti" arbeitete, war in der vergangenen Woche festgenommen worden. Angeblich soll er für den tschechischen Geheimdienst gearbeitet und Staatsgeheimnisse an die USA weitergegeben haben. Die Festnahme des 30-jährigen sorgte für einen großen Aufschrei, weil er als kritischer Journalist in Russland bekannt ist. Safronow drohen bei einem Schuldspruch bis zu 20 Jahre Haft. Er wies die Vorwürfe als absurd zurück und betonte, dass er unschuldig sei.

Grütters will Preußen-Stiftung in drei bis fünf Jahren reformieren

Kulturstaatsministerin Grütters will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz innerhalb von drei bis fünf Jahren reformieren. Sie wünsche sich dabei mehr "Mutige als Bremser". Die heute vorgestellte Studie sei ein erster, sehr wichtiger Schritt, um die Stiftung zukunftsfest zu machen. Voraussichtlich im September werde sich wohl der Kulturausschuss des Bundestages mit den Empfehlungen beschäftigen, so Grütters. Sie hatte den Wissenschaftsrat 2018 mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Nach zweijähriger Evaluation hat dieser empfohlen, die Stiftung aufzulösen und in vier eigenständige Einrichtungen aufzuteilen.

Bundesregierung bedauert Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee

Die Bundesregierung hat ihr Bedauern über die geplante Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee zum Ausdruck gebracht. Deutschland messe dem interreligiösen Dialog einen hohen Wert bei, so Regierungssprecher Seibert. Als Museum habe die Hagia Sophia Menschen aller Glaubensrichtungen zu jedem Zeitpunkt freien Zugang ermöglicht. Ein Außenamtssprecher bedauerte, dass die Unesco bezüglich einer Umnutzung des Welterbes nicht konsultiert worden sei. Es sei derzeit noch unklar, wann die wegen der Corona-Pandemie abgesagte Sitzung der UN-Organisation nachgeholt werde, aber die Hagia Sophia werde dann mit Sicherheit auf die Tagesordnung kommen.

Pfarrer: Mohrenstraße in Köln erinnert an schwarzen Märtyrer

Die Mohrenstraße in Köln ist Stadtpfarrer Dominik Meiering zufolge nach einem schwarzen christlichen Märtyrer benannt. Die frühere römische Kolonie Köln sei von Söldnern aus der Thebäischen Legion, also aus Nordafrika, vor den Barbaren auf der rechten Rheinseite beschützt worden, sagte der Pfarrer und Kunsthistoriker dem Kölner Internet-Portal domradio.de. Diese Söldner seien oft Christen gewesen - darunter auch ein schwarzer "Maure", der für seinen Glauben enthauptet worden sei. Die Straße habe ihren Namen zur Verehrung des heiligen Gregor Maurus bekommen, so Meiering. Insgesamt begrüße er die Debatte um Straßenumbenennungen, jedoch dürfe die Herkunft der Namen nicht vergessen werden. In Berlin fordern Aktivisten einen neuen Namen für die Mohrenstraße im dortigen Stadtteil Mitte. Die Berliner Verkehrsbetriebe kündigten an, den U-Bahnhof "Mohrenstraße" neu zu benennen.

Kinoverband befürchtet großes Kinosterben

Obwohl die Kinos nach monatelangen Schließungen bundesweit wieder geöffnet haben, ist die Krise für sie längst nicht vorbei. Sollten die Auslastungsmöglichkeiten durch die Abstandsregelungen auf dem Niveau bleiben und die publikumsstarken Filme dadurch weiter fehlen, werde ein erheblicher Anteil der Kinos verloren gehen, erklärte Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater, der Nachrichtenagentur DPA. Die Filmtheater hätten in den letzten Monaten ihre Reserven aufgebraucht und Kredite ausgereizt. Hinzu komme ein Besuchereinbruch von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Thalia-Schauspieler Peter Maertens ist tot

Der Thalia-Schauspieler Peter Maertens ist tot. Das berichtet das Online-Portal "Nachtkritik" unter Berufung auf seinen Sohn, Michael Maertens. Maertens starb bereits am am 11. Juli. Er wurde 88 Jahre alt. Mit kleinen Unterbrechungen war der Schauspieler über 60 Jahre lang am Thalia Theater Hamburg engagiert – er startete dort, als sein Vater Willy Maertens es noch leitete. Danach arbeitete er unter den Intendanten Jürgen Flimm und Ulrich Khuon mit Regisseuren wie Jürgen Gosch, Martin Kusej sowie der Regisseurin Katharina Thalbach. Trotz etlicher Ausflüge zum Film blieb Peter Maertens dem Theater treu und stand noch im März auf der Bühne.

Hamburgs Kultursenator will Wettbewerb zu Bismarck-Denkmal

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda will mit einem künstlerischen Wettbewerb eine Gegenposition zum umstrittenen Bismarck-Denkmal schaffen. "Wir brauchen etwas, was alle, die das Denkmal sehen, jenseits des "Ich erkläre euch das mal" anspricht.", sagte Brosda der Deutschen Presse-Agentur. Otto von Bismarck, Reichskanzler von 1871 bis 1890, gilt für viele als Wegbereiter des deutschen Kolonialismus. Das Bismarck-Denkmal im Alten Elbpark oberhalb der Landungsbrücken ist mit 34,3 Metern Gesamthöhe das größte weltweit und wird seit Anfang des Jahres saniert. Vor einer Woche hatten die Initiativen "Intervention Bismarck-Denkmal Hamburg" und "Decolonize Bismarck" gegen die Sanierung demonstriert. Brosda sagte, er sei kein Fan davon, solche Spuren des Erinnerns aus dem Stadtbild zu tilgen. Sich immer wieder auch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, halte er für eine "Tugend unserer Gesellschaft".

"Save The Children" warnt vor Bildungs-Notstand

Die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" warnt vor einem globalen Bildungs-Notstand durch die Corona-Pandemie. Bis zum Jahresende könnten fast zehn Millionen Kinder endgültig die Schule abbrechen, heißt es in einem Bericht der Organisation. Besonders gefährdet seien Mädchen in ärmeren Ländern oder Konflikt-Regionen. Danach stehen an der Spitze zwölf Staaten, die überwiegend in West- und Zentralafrika liegen. Aber auch der Jemen und Afghanistan zählen dazu.
Wegen der Schul-Schließungen und wirtschaftlichen Probleme würden viele zur Arbeit gedrängt oder zu Früh-Ehen gezwungen, teilte "Save the children" mit.

US-Schauspielerin Kelly Preston ist tot

Die Schauspielerin Kelly Preston, Ehefrau von US-Star John Travolta, ist im Alter von 57 Jahren gestorben. "Schweren Herzens teile ich Euch mit, dass meine wunderbare Ehefrau Kelly ihren zweijährigen Kampf gegen den Brustkrebs verloren hat", schrieb Travolta auf Instagram. Die Schauspielerin war aus Filmen wie "Twins - Zwillinge" mit Arnold Schwarzenegger und "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" an der Seite von Tom Cruise bekannt. Mit ihrem Ehemann John Travolta hatte Preston drei Kinder, ihr Sohn Jett war 2009 mit 16 Jahren gestorben. Das Paar war seit 1991 verheiratet.

Antisemitismusbeauftragter kritisiert Übergriff

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle hat den Übergriff auf einen Rabbiner in München scharf verurteilt. Der CSU-Politiker kritisierte außerdem mangelnde Zivilcourage von Passanten. Es mache ihn betroffen, dass einige Menschen zwar den Vorfall beobachtet hätten. Sie seien jedoch weder dem Rabbiner zur Hilfe geeilt, noch hätten sie die Polizei gerufen, kritisierte Spaenle. Nötig sei eine Kultur des Hinschauens und der Solidarität. Nach Polizeiangaben war der Münchner Gemeinderabbiner am Donnerstag in der Münchner Innenstadt von vier jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren verfolgt und beleidigt worden.

Kunstausstellung fordert Besucher zum Diebstahl auf

Eine Kunstausstellung in Tokio hat ihre Gäste zum "Diebstahl" von Kunstwerken aufgefordert. Daraufhin ist sie innerhalb weniger Minuten ausgeräumt worden. Ziel der Ausstellung sei es laut Veranstalter Tota Hasegawa gewesen, die Beziehung zwischen Künstler und Besucher zu verändern. Eigentlich sollte sie zehn Tage dauern. Der Aufruf der Organisatoren hatte sich im Internet aber so schnell verbreitet, dass sie nach nur einem Abend beendet wurde.

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Fazit

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