Montag, 26.10.2020
 

Kulturnachrichten

Sonntag, 12. Juli 2020

Ex-Dombaumeisterin ist erleichtert über originalgetreuen Wiederaufbau von Notre-Dame

Die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ist erleichtert, dass die Pariser Kathedrale Notre-Dame originalgetreu wieder aufgebaut werden soll. Chefarchitekt Philippe Villeneuve habe das von Anfang an propagiert. Zwischenzeitlich habe er deshalb einen Maulkorb von offizieller Seite bekommen, sagte Schock-Werner im Domradio. Sie ist die Koordinatorin der deutschen Hilfe für den Wiederaufbau von Notre-Dame. Seit dem Großbrand der Pariser Kathedrale im vergangenen Jahr hatte es Diskussionen über die Art der Rekonstruktion gegeben. Im Gespräch waren unter anderem ein Turm aus Glas, ein begrüntes Dach bis hin zur Errichtung eines Parkhauses oder eines Schwimmbads auf dem Dach.

Nahostkirchen: Hagia Sophia-Umwidmung verletzt Religionsfreiheit

Der Nahostkirchenrat hat an die die Vereinten Nationen und die Liga der Arabischen Staaten appelliert, sich gegen die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu stellen. Die vom Obersten Gericht der Türkei gebilligte und von Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigte Umwidmung des Wahrzeichens sei ein Angriff auf die Religionsfreiheit, erklärte der Nahostkirchenrat (Middle East Council of Churches/MECC) in Beirut. Besonders gefährlich sei, dass die am Freitag in der Türkei gefällte Entscheidung im Kontext der christlich-muslimischen Koexistenz-Bemühungen stehe, so das MECC weiter. Deren prominenteste Manifestation sei das "Dokument zur Brüderlichkeit aller Menschen", das Papst Franziskus und Großimam Al-Tayyeb in einer historischen Geste am 4. Februar 2019 in Abu Dhabi unterzeichnet hatten. Die in der Türkei lebenden gesellschaftlichen und religiösen Autoritäten sollten sich auf allen Ebenen mobilisieren, um dieser "Aggression" und Grenzüberschreitung ein Ende zu setzen, so dass ein friedliches Zusammenleben weiter möglich sei.

Umbau der Sankt-Hedwigs-Kathedrale erneut vor Gericht

Der Innenumbau der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale kommt wieder vor Gericht. Diesmal vor das Landgericht Berlin. Am Dienstag findet dort eine mündliche Verhandlung über Urheberrechtsklagen statt, teilte die Pressestelle der Berliner Zivilgerichte mit. Kläger sind Künstler, die um 1960 an der Ausgestaltung der wiederaufgebauten Kathedrale beteiligt waren, oder deren Rechtsnachfolger. Sie wollen die geplante Umgestaltung des Innenraums verhindern. (Aktenzeichen 15 O 389/18) Vor dem Verwaltungsgericht Berlin hatten die Kläger im vergangenen Jahr keinen Erfolg. Seit vielen Jahren wird schon über die Sanierung und den Umbau der Kathedrale diskutiert. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hatte den Umbau vor über drei Jahren schließlich beschlossen. Die zentrale Bodenöffnung mit einer Treppe zur Unterkirche soll beseitigt werden, um besser nach den gegenwärtigen kirchlichen Vorgaben Gottesdienste feiern zu können.

Papst zu Hagia Sophia: großer Schmerz

Papst Franziskus hat sich zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee geäußert. Wenn er an das Wahrzeichen in Istanbul denke, empfinde er "großen Schmerz", sagte er am Sonntag nach dem Angelus-Gebet auf dem Petersplatz. Mehr zu der international umstrittenen Entscheidung sagte das Kirchenoberhaupt nicht. Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hatte am Freitag den Status des berühmten Bauwerks als Museum aufgehoben. Präsident Recep Tayyip Erdogan unterzeichnete daraufhin ein Dekret zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee.

Stärkere Auseinandersetzung mit Rassismus gefordert

Der Bochumer Bildungsforscher Karim Fereidooni hat eine Auseinandersetzung "mit den rassistischen Bildern in unseren Köpfen" gefordert. Wir redeten von einem "Trugbild, das seit Jahrhunderten transportiert wird und unser Denken und Handeln bestimmt," sagte Fereidooni dem Evangelischen Pressedienst. Schon kleine Kinder erlernten rassistische Vorstellungen, etwa dass Männer mit weißer Haut für wichtige Berufe und Entscheidungen stünden. Transportiert würden die Einstellungen durch Alltagsbeobachtungen, aber auch durch Figuren in Kinderbüchern. Eine wichtige Rolle spielten auch Schulinhalte und -materialien. Diese sollten dringend überprüft werden. Man müsse fragen "Kommt Rassismus jenseits der NS-Zeit überhaupt als Thema vor?", betont der Bildungsforscher von der Ruhr-Universität. Werde diese Frage nicht gestellt, würden die Schüler denken: "Rassismus, das haben die Nazis gemacht, und das ist jetzt zu Ende."

Staatliche Museen in Berlin auf dem Prüfstand

Berlins Staatliche Museen verlieren auf internationaler Ebene an Bedeutung - dieser Auffassung ist der Wissenschaftsrat von Bund und Ländern. Den Anspruch, für Ausstellungen von Weltrang zu stehen, würden die Staatlichen Museen unter den gegebenen Bedingungen kaum einlösen, heißt es in einem Entwurf für Strukturempfehlungen bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der die Museen gehören. Die Sammlungen schöpften das Potenzial für sammlungs- und standortübergreifende thematische Ausstellungen derzeit nicht aus. Die Strukturen innerhalb von Stiftung und Museen ließen "eine kreative Ausgestaltung der Rolle von Museen in der modernen Gesellschaft nur eingeschränkt zu". Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa, der der Entwurf vorliegt. Der Wissenschaftsrat will morgen seine Pläne zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentieren.

Grüne fordern Existenzgeld für Kreative in Not

Bündnis90/Die Grünen fordern in Zeiten von Corona mehr Hilfen für Selbstständige in der Kreativbranche. Wenigstens eine Milliarde Euro mehr für die Kultur sei nötig, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der "Bild am Sonntag". Zudem müsse die Bundesregierung die bisherigen Hilfsgelder unbürokratisch auch für den Lebensunterhalt freigeben. "Wir brauchen ein bundesweites Existenzgeld für Selbstständige in Not von monatlich rund 1.200 Euro." Wer wegen der Pandemie faktisch ein Auftrittsverbot habe, brauche diese Sicherheit für ein Jahr. Um die Kulturszene weiter zu stärken, schlägt Göring-Eckardt zudem eine Lockerung der Sperrstunde vor. Die Verlagerung des kulturellen Lebens ins Freie sei eine "Chance für Kulturschaffende und das Publikum". Veranstaltungen und Gastronomie im Freien seien dann grundsätzlich nicht nur bis 22 Uhr, sondern vorübergehend bis Mitternacht möglich. Sie habe "große Sorge, dass nach der Krise ganz viele Musikerinnen, Schausteller und Künstlerinnen nicht mehr da sind", sagte die Grünen-Politikerin.

Kammerspiele mit Performance zu Lilienthal-Abschied

Zum Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal gab es für die Münchner Kammerspiele die wohl größte Bühne der Stadt: Im Münchner Olympiastadion zeigte das Ensemble am Samstag die Performance "Opening Ceremony" von Toshiki Okada. Das Stück kreist um "ein globales Event", vielleicht die Olympischen Spiele in Tokio, die dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Im Stadion pflegen Arbeiter den Rasen für das Ereignis, von dem aber keiner weiß, wann und ob es überhaupt kommt. Nur ein ominöser Super Mario, so wie der aus dem Videospiel, weiß vielleicht etwas. Und während alle warten, erobern Pflanzen, Vögel und Insekten das Stadion. Münchens Kulturreferent Anton Biebl erinnerte an den schwierigen Start, den Lilienthal in München hatte, weil sein Theater viele zunächst befremdete. Inzwischen genieße er aber die Liebe und Anerkennung des Publikums.

Griechenland droht der Türkei wegen Hagia Sophia

Die Umwidmung der Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee stößt außerhalb der Türkei auf deutliche Kritik. Die EU, Russland und die USA nannten die Entscheidung bedauerlich. Die russisch-orthodoxe Kirche zeigte sich entsetzt. Griechenland hat seinem Nachbarn nun Konsequenzen angedroht. Der türkische Präsident Erdogan habe einen historischen Fehler begangen, erklärte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben. Details nannte er nicht. Der griechische Regierungschef Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. Griechenland und der Nachbar der Türkei streiten sich ohnehin schon um Erdgasvorkommen im Mittelmeer und über verschiedene Migrationsthemen. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte gestern den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete Präsident Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. In dem am Samstag für Besucher geschlossenen Wahrzeichen begannen bereits die Vorbereitungen für die Umwidmung.

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