Seit 05:05 Uhr Studio 9
Donnerstag, 22.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Kulturnachrichten

Mittwoch, 8. Juli 2020

Mehr Besucher bei Kunst und Kultur in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Söder will in der kommenden Woche die in der Corona-Krise zulässigen Besucherzahlen für Kunst- und Kulturveranstaltungen verdoppeln. Im BR-Fernsehen sagte der CSU-Chef: "Wir werden nächste Woche vorschlagen, das für die Kultur nochmals zu verdoppeln, auf 200 innen und 400 außen - allerdings mit Vorgaben, weil wir das anders nicht machen können". Erst in dieser Woche hatte das Kabinett die Begrenzungen für Besucherzahlen in dem Bereich auf 100 in Innenräumen und 200 in Außenbereichen erhöht. Die Entscheidung muss das bayerische Kabinett treffen. Dessen nächste Sitzung findet am Dienstag auf der Insel Herrenchiemsee statt. Zu der Sitzung wird auch Kanzlerin Merkel erwartet.

Corona-Pandemie trifft Buchbranche schwer

Die coronabedingten Ladenschließungen haben der Buchbranche in Deutschland massiv zugesetzt. In den vier Wochen vom 23. März bis 19. April lag der Umsatz etwa zwei Drittel unter dem des Vorjahreszeitraums, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mitteilte. Auch die Verlage verzeichneten durch die Schließung der Buchläden sowie die Absage von Veranstaltungen wie Lesungen und Messen deutliche Umsatzeinbußen. Laut einer Umfrage des Börsenvereins verzeichneten die Verlage während der Ladenschließungen einen Umsatzrückgang von 30,9 Prozent. Mehr als die Hälfte der Verlage gab an, Titel ins nächste Jahr verschoben zu haben. Über ein Drittel sagte aus, dass manche geplanten Titel nun gar nicht erscheinen werden, ein großer Teil davon von unbekannten Autoren.

Prominente beklagen Klima der Intoleranz

Mehr als 150 Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Journalisten haben in einem offenen Brief in der US-amerikanischen Zeitschrift "Harper's Magazine" fehlende Toleranz in der Debatte um Rassismus und soziale Gerechtigkeit beklagt. Freiheit und Gerechtigkeit seien zwei Seiten derselben Medaille. Das eine sei ohne das andere nicht zu haben, heißt in dem Brief. Zu den Unterzeichnenden gehören Salman Rushdie, Margaret Atwood und Daniel Kehlmann.

Serebrennikow dreht einen neuen Film

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bringt nach einem jahrelangen Prozess wegen angeblichen Betrugs im kommenden Jahr einen neuen Film heraus. Er heißt "Die Petrows mit Grippe". In der Hauptrolle wird die bekannte russische Schauspielerin Tschulpan Chamatowa zu sehen sein, die auch in "Good Bye, Lenin" mitgespielt hat. Wie Sony Pictures in Moskau mitteilte, soll der Film im kommenden Jahr in die Kinos kommen. Zur ersten Produktion Serebrennikows seit seiner umstrittenen Verurteilung veröffentlichte das Unternehmen einen Trailer. Auch das ZDF ist an der Produktion beteiligt. In dem Film nach einem Roman von Alexej Salnikow geht es um eine Familie in der russischen Großstadt Jekaterinburg, die an der Grippe erkrankt und daraufhin zu halluzinieren beginnt.

Wiederaufbau des Goetheturms in Frankfurt beginnt

Mit der Montage der ersten Holzelemente hat der offizielle Wiederaufbau des Goetheturms in Frankfurt begonnen. Das beliebte Wahrzeichen werde in den kommenden Wochen originalgetreu rekonstruiert, teilte die Stadt mit. Die Kosten für den neuen Turm lägen bei rund 2,4 Millionen Euro und würden größtenteils von der Versicherung getragen. Voraussichtlich im kommenden Herbst könne der Aussichtsturm, der sich optisch kaum vom historischen Vorbild unterscheiden werde, wieder bestiegen werden. Der 1931 komplett aus Holz erbaute, rund 43 Meter hohe Aussichtsturm im Stadtwald war in der Nacht zum 12. Oktober 2017 nach einem Anschlag vollständig abgebrannt.

Studie: Zuwanderer kommen beim Thema Migration selten zu Wort

In der Berichterstattung über Migration und Flucht lassen deutsche Leitmedien laut einer Untersuchung nur selten Migrantinnen und Geflüchtete selbst zu Wort kommen. In gerade einmal 12,3 Prozent der Berichte zum Thema fänden die Gruppen Gehör, schreibt Journalistik-Professor Thomas Hestermann von der Hamburger Hochschule Macromedia in der Studie "Die Unsichtbaren". Wenn Menschen nichtdeutscher Herkunft in der Debatte vorkämen, seien sie meist Randfiguren. Erfolgsgeschichten bildeten die Ausnahme. Die Hochschule hatte fünf auflagenstarke Zeitungen sowie Hauptnachrichten und Boulevardmagazine der acht reichweitenstärksten Sender zwischen Januar und April 2019 vier Mal jeweils eine Woche lang ausgewertet.

Tagebücher bringen neue Erkenntnisse zu NS-Kunstraub

Hans Posse war Adolf Hitlers wichtigster Manager für Raubkunst: Er sollte als Sonderbeauftragter die Kunstsammlung für das geplante "Führermuseum" in Linz zusammenstellen und geraubte Kunst auf die Museen im Deutschen Reich verteilen. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat nun erstmals fünf Tagebücher erforscht und digitalisiert, in denen Posse seine Dienstreisen im Auftrag Hitlers dokumentiert. Dies bringt nach Ansicht von Fachleuten neue Erkenntnisse zum NS-Kunstraub, zur NS-Museumspolitik und für die Provenienzforschung. Von den ersten drei Bänden ist inzwischen jede einzelne Seite im Internet abrufbar - versehen mit leserlichem Text und einordnenden Kommentaren.

Neuer Vorschlag für Potsdamer Garnisonkirche

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert will nach dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche diesen mit dem benachbarten Rechenzentrum aus DDR-Zeiten architektonisch zusammenführen. So könne man den Bruch mit der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche in der Architektur deutlich machen, sagte der SPD-Politiker. Einen Antrag der CDU-Fraktion, die gesamte Kirche originalgetreu wieder aufzubauen, hatte eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Juni abgelehnt.

Filmfest Venedig wegen Coronavirus kleiner als sonst

Die Filmfestspiele in Venedig sollen im September trotz der Corona-Pandemie stattfinden – allerdings kleiner als sonst. Statt 55 sollen 50 Filme in die Auswahl kommen, teilten die Organisatoren der 77. Ausgabe des Festivals mit. Gezeigt werden sollen die Werke in den traditionellen Veranstaltungsorten, aber auch in zwei Außenanlagen. Laut Filmfest-Direktor Alberto Barbera werden keine großen Kassenschlager aus den USA erwartet - entweder weil sie noch nicht fertig sind oder weil sie auch wegen des Oscar-Termins verschoben wurden. Aber die Welt werde gut vertreten sein, zum Beispiel mit Filmen aus China, Indien oder dem Nahen Osten. Die Liste der Wettbewerbsfilme und das ganze Programm werden für Ende Juli erwartet. Die Filmfestspiele in Venedig mit der australischen Schauspielerin Cate Blanchett als Jury-Chefin sind vom 2. bis zum 12. September geplant. Wird der Zeitplan eingehalten, wäre es das erste große Filmfestival, seit die Corona-Pandemie Mitte März die gesamte Branche praktisch zum Erliegen gebracht hat.

Staatliche Unterstützung für in Not geratene Chöre

Kulturstaatsministerin Grütters fordert Chöre auf zu prüfen, ob sie im Rahmen eines Bundesprogramms Corona-Hilfen bekommen können. Die Lage der Chöre sei zurzeit extrem schwierig, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, sie seien mit am härtesten getroffen. Grütters verwies auf das Bundesprogramm "Neustart Kultur". Darin seien auch 150 Millionen Euro für die überwiegend privatwirtschaftlich organisierte Musikkultur vorgesehen.

Kulturnachrichten hören

Juli 2020
MO DI MI DO FR SA SO
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Fazit

Neu im Kino: "Bohnenstange"Bruch mit dem Heldenmythos
In einem Filmstill aus "Bohnenstange" ist eine Schauspielerin mit Kopftuch zu sehen. (Eksystent Distribution / Liana Mukhamedzyanova)

Leningrad nach dem Zweiten Weltkrieg: Zwei traumatisierte Frauen schlagen sich durch die zerstörte Stadt. "Bohnenstange" von Regisseur Kantemir Balagow ist kraftvolles Kino mit herausragenden Darstellerinnen und setzt auch politisch neue Akzente.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

Zum Tod von Designer Enzo MariUrvater des Do-it-Yourself
Porträt von Enzo Mari. (Getty Images / Hulton Archive / Leonardo Cendamo )

Das Entwerfen um des Entwerfens willen lehnte Enzo Mari ab: Berühmt wurde der nun verstorbene Italiener mit schlichten Holzmöbeln zum Selberbauen. Der Architekt Andreas Glücker erinnert an einen Designer, der das Design für tot erklärte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur