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Kulturnachrichten

Montag, 6. Juli 2020

Keine WhatsApp-Daten für Hongkonger Behörden

Der zum Facebook-Konzern gehörende Messengerdienst WhatsApp reagiert auf das umstrittene neue Sicherheitsgesetz in Hongkong. Nach den Worten eines WhatsApp-Sprechers sollen Nutzerdaten bis auf weiteres nicht mehr an die Hongkonger Justizbehörden ausgehändigt werden. Die Bearbeitung entsprechender Anfragen werde ausgesetzt, sagte er. Zunächst sollten die Auswirkungen des Sicherheitsgesetzes geprüft werden. Dazu werde es Beratungen mit Menschenrechtsexperten geben. Das vergangene Woche in Kraft getretene Gesetz ist der radikalste Einschnitt in die Autonomie Hongkongs, die der früheren britischen Kronkolonie bei der Übergabe an China 1997 für mindestens 50 Jahre zugesagt wurde.

Serebrennikow verzichtet auf Berufung

Nach dem jahrelangen Verfahren wegen angeblichen Betrugs will der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow nicht gegen die verhängte Bewährungsstrafe vorgehen. Es sei für alle offensichtlich, dass die Angeklagten unschuldig seien und dem Staat keinen Schaden verursacht hätten, sagte der Anwalt Serebrennikows russischen Nachrichtenagenturen. Ein Moskauer Bezirksgericht hatte ihn Ende Juni schuldig gesprochen, umgerechnet 1,6 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern veruntreut zu haben. Der international bekannte Film- und Theatermacher bekam eine Bewährungsstrafe und muss gemeinsam mit weiteren Verurteilten die angeblich veruntreute Summe zurückzahlen. Er hatte eigentlich angekündigt, in Berufung zu gehen.

Künstler Günther Uecker vergeblich als Zeuge vor Gericht

Im Prozess um ein angebliches Werk von Günther Uecker ist der Künstler vergeblich vor Gericht erschienen. Der Beklagte, ein Kunsthändler, ist nicht erschienen. Damit ist auch der zweite Anlauf einer Gerichtsverhandlung fehlgeschlagen. Zum ersten Termin war der Nagel-Künstler Uecker nicht erschienen. Er soll sagen, ob das Werk „Sandbild 1986 auf Büttenpapier" das Original sei. Anlass ist die Klage einer 56-jährigen Büroangestellten gegen einen Kunsthändler, der ihr das Bild verkauft hatte. Die Käuferin hält das Werk inzwischen für eine Fälschung und fordert 7.500 Euro Anzahlung zurück. Der Kunsthändler dagegen beteuert, das Bild sei echt und weit mehr wert als die insgesamt vereinbarten 15.000 Euro.

Christa-und-Gerhard-Wolf-Kunststiftung gegründet

In der Stiftung Stadtmuseum Berlin ist eine nach dem Schriftsteller-Paar Christa und Gerhard Wolf benannte Kunststiftung gegründet worden. Die Wolfsche Kunstsammlung umfasst rund 50 Werke überwiegend ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler, die sich in ihrer Kunst mit den literarischen Werken von Christa und Gerhard Wolf auseinandergesetzt haben. Das Ehepaar hatte über Jahrzehnte teils enge Freundschaften mit bildenden Künstlerinnen und Künstlern aufgebaut und einige von ihnen entscheidend gefördert und begleitet. Der Direktor des Stadtmuseums, Paul Spies, sprach von einem wertvollen Zuwachs für die Sammlung, die von einem außerordentlich breiten Spektrum an Stilen, Schulen aber auch regionalen Bezügen geprägt sei. Künftig soll sie für Öffentlichkeit und Forschung zugänglich gemacht werden.

Ehemaliger "Tatort"-Kommissar Tilo Prückner ist tot

Der Schauspieler Tilo Prückner ist tot. Das teilte seine Agentin der Deutschen Presse Agentur mit. Der Schauspieler mit dem markanten Schnauzbart wurde durch viele Nebenrollen im deutschen Fernsehen bekannt, etwa in der Krimiserie „Adelheid und ihre Mörder oder in „Kommissarin Lucas". Einer seiner größten Erfolge: Von 2001 bis 2008 ermittelte er als Tatort-Kommissar Holicek in Hamburg. Seine Karriere begann Prückner Anfang der 60er Jahre mit einer Schauspielausbildung in München. Später wurde er Mitbegründer der Schaubühne Berlin, spielte am Schauspielhaus Zürich und gastierte am Bayrischen Staatsschauspiel. Tilo Prückner wurde 79 Jahre alt.

Katastrophenbilanz bei deutschen Kinos

Die deutschen Kinos haben im ersten Halbjahr 2020 mehr als die Hälfte ihres Umsatzes verloren. Das errechnete das Fachblatt "Blickpunkt Film" im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen sanken in diesem Zeitraum von 430 auf 206 Millionen Euro. Etwas besser fällt die Bilanz beim deutschen Film aus. Hier war der Einbruch mit 22 Prozent deutlich geringer. In der Top Ten der erfolgreichsten Neustarts des Jahres finden sich drei deutsche Filme: "Lindenberg - Mach dein Ding" von Hermine Huntgeburth, "Die Känguru-Chroniken" von Dani Levy
und "Die Hochzeit" von Til Schweiger.

Rettungspaket für britische Theater und Museen

Mit einem großen Rettungspaket in Höhe von 1,57 Milliarden Pfund (1,74 Milliarden Euro) will die britische Regierung Kultureinrichtungen in der Corona-Krise vor dem Kollaps bewahren. Das Geld kommt unter anderem Theatern, Galerien, Museen und Veranstaltungsorten für Musik-Events im Land zugute. Auch unabhängige Kinos und Kulturerbe-Stätten sollen von den Maßnahmen profitieren. Zuvor hatten die Einrichtungen wochenlang eindringlich um Unterstützung gebeten, weil sie einen Zusammenbruch befürchteten. Viele Kulturschaffende zeigten sich nun positiv überrascht über die Höhe der Unterstützung. Neben Zuschüssen gibt es auch Darlehen.

Ex-Museumsdirektor soll Bild unterschlagen haben

Die Stadt Oldenburg wirft ihrem früheren Museumsdirektor Friedrich Scheele vor, ein wertvolles Bild des Malers Franz Radziwill (1895-1983) unterschlagen zu haben. Der ehemalige Spitzenbeamte soll das Gemälde verkauft und den Gewinn in die eigene Tasche gesteckt haben, wie die Oldenburger "Nordwest-Zeitung" berichtete. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) habe den Vorfall gegenüber der Zeitung bestätigt. Die Ermittlungen dauerten an. Scheele war bis 2015 Direktor der Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg.

Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist tot

Der italienische Filmkomponist Ennio Morricone ist tot. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldet, starb Morricone im Alter von 91 Jahren in einer Klinik in Rom. Der Italiener, der 1928 im römischen Stadtteil Trastevere geboren wurde, komponierte die Musik zu über 500 Filmen und galt als einer der größten Musikschaffenden der Filmgeschichte. Besondere Bekanntheit erlangte seine Musik zum Western-Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod" von Sergio Leone aus dem Jahr 1968. Neben Filmmusik komponierte Morricone auch Kammermusik für Solisten und Ensembles sowie Kantaten und Messen. Er wurde sechsmal für den Oscar nominiert, bis er ihn endlich erhielt: 2016 für die Musik von „The Hateful Eight" von Quentin Tarantino. 2007 war Morricone bereits mit dem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

Der Broadway trauert um Nick Cordero

Der Broadway-Star Nick Cordero ist tot. Wie seine Frau mitteilte, ist der Schauspieler nach mehr als 90 Tagen in einem Krankenhaus in Los Angeles an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Er war 41 Jahre alt. Cordero spielte in Stücken wie "Waitress", "A Bronx Tale" und "Bullets over Broadway" und wurde auch für den Tony Award nominiert. Im Fernsehen war der Kanadier in mehreren Episoden von "Blue Bloods" und "Law and Order" zu sehen. Cordero war am 30. März in die Notaufnahme gekommen und nach einer Reihe von Schlaganfällen, Blutgerinseln und septischen Infektionen künstlich beatmet worden. Schauspiel-Kollegen hatten geholfen, Geld für die medizinische Behandlung zu sammeln.

Pariser Louvre öffnet wieder

Ab morgen ist der Louvre in Paris wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet - allerdings unter strengen Hygiene-Auflagen. So muss der Kunstpalast seine Besucherzahlen drastisch einschränken: Nur rund 30 Prozent der üblichen 30.000 bis 40.000 Menschen pro Tag wird der Zutritt gewährt. Als das meist besuchte Museum der Welt sei die bevorstehende Wiedereröffnung eine große Herausforderung, sagte Louvre-Direktor Martinez. Im vergangenen Jahr besuchten insgesamt 9,6 Millionen Menschen das Museum.

Kritische Bücher aus Hongkongs Bibliotheken entfernt

Nachdem das neue "Sicherheitsgesetz" in Hongkong in Kraft getreten ist, haben offenbar mehrere öffentliche Bibliotheken Werke china-kritischer Autorinnen und Autoren entfernt. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, sind bestimmte Titel nicht mehr verfügbar. Betroffen seien unter anderem Bücher des Demokratie-Aktivisten Joshua Wong, der Civic-Party-Abgerdneten Tanya Chan und des Gründers der Hongkonger Autonomie-Bewegung, Chin Wan. Auf Facebook erklärte Wong, das neue Sicherheitsgesetz sei im Grunde ein Instrument, mit dem die Redefreiheit eingeschränkt werden könne. Von offizieller Stelle hieß es, dass derzeit überprüft werde, ob die Inhalte der Bücher gegen die neue Regelung verstießen. Das neue Gesetz gibt den chinesischen Behörden weitreichende Vollmachten in der Sonderverwaltungszone.

Elf Millionen Jahre alte Schildkröte gefunden

In einer Tongrube nördlich von Hamburg sind Überreste einer rund elf Millionen Jahre alten Lederschildkröte gefunden worden. Wie bereits am Samstag bekannt wurde, seien neben mehreren Hundert Platten aus dem Rückenpanzer auch Knochen an der Fundstelle in Groß Pampau aufgetaucht, die vermutlich zu den Extremitäten des mindestens zwei Meter langen Reptils gehörten. Die Platten seien in einer mehrwöchigen aufwendigen Aktion von den Mitgliedern des Grabungsteams freigelegt und geborgen worden. Vor allem fossile Schildkrötenfunde seien extrem selten, da die Kadaver der toten Reptilien meist gefressen wurden und die Panzer schnell zerfallen sind, so der Grabungsleiter. Die präparierten Funde sollen im Lübecker Museum für Natur und Umwelt ausgestellt werden.

Neuer Generaldirektor der italienischen Museen

Massimo Osanna, Leiter des Archäologischen Parks Pompeji, übernimmt die Gesamtleitung der staatlichen Museen in Italien. Das gab das Kulturministerium in Rom am Wochenende bekannt. Der aus der süditalienischen Basilikata stammende Klassische Archäologe, der unter anderem in Heidelberg und Berlin forschte und lehrte, übernimmt damit die Verantwortung für die Koordination und touristische Entwicklung von mehr als 500 Museen, Monumenten und Ausgrabungsstätten. Osanna, ordentlicher Professor für Klassische Archäologie an der Universität Federico II in Neapel, löst auf dem Posten des Generaldirektors der staatlichen Museen den Juristen und Kulturmanager Antonio Lampis ab.

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