Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Montag, 09.12.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kulturnachrichten

Samstag, 7. Juli 2018

Filmfest München zeichnet "Shoplifters" aus

In Cannes hatte der Streifen bereits die Goldene Palme gewonnen

Das Drama "Shoplifters" des Japaners Hirokazu Koreeda ist auf dem Filmfest München als bester internationaler Film ausgezeichnet worden. Erzählt wird von einer Familie, die sich mit Ladendiebstählen über Wasser hält und eines Tages ein obdachloses Mädchen bei sich aufnimmt. Hirokazu Koreeda breche die Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft auf, so dass sie sich selbst neu sortieren und erfinden könne, urteilte die Jury. Bei den Filmfestspielen in Cannes hatte der Streifen bereits die Goldene Palme gewonnen. Der Preis für den besten internationalen Nachwuchsfilm ging an "Border" von Ali Abbasi. Die dänisch-schwedische Produktion erzählt von einer Frau mit einem außerordentlichen Geruchssinn. Sie sei die gejagte Außenseiterin, deren Perspektive einen Blick hinter die Maske des vermeintlich Normalen und in das groteske Gesicht dessen werfen lässt, was wir Menschheit nennen, urteilten die Juroren. Der Publikumspreis von Bayern 2 und Süddeutsche Zeitung ging an den Kinofilm "Wackersdorf" mit Anna Maria Sturm über Proteste gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage.

Ai Weiwei: "Schicksal der Rohingya ist eine Warnung"

Appell auch an Merkel, das Menschliche nicht aus den Augen zu verlieren

Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat den politischen Entscheidungsträgern der Welt vorgeworfen, Rückschritte im Umgang mit Flüchtlingen zu machen. "Staaten werden zunehmend ausländerfeindlicher, abweisender und verschlossener gegenüber einer Diskussion bedeutender Fragen der Menschlichkeit", sagte Ai Weiwei bei einem Besuch in Myanmars größter Stadt Rangun der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte zugleich die politischen Führer einschließlich Kanzlerin Angela Merkel auf, "fundamentale Menschenrechte und das Menschliche" in der Migrationspolitik nicht aus den Augen zu verlieren. Der Künstler, der seit einigen Jahren in Berlin lebt, will sich in dem südostasiatischen Land ein eigenes Bild von der Lage der muslimischen Minderheit der Rohingya machen. Von dieser Volksgruppe sind seit Ende August 2017 mehr als 700 000 vor der Gewalt des Militärs aus ihrer Heimat in Myanmar ins benachbarte Bangladesch geflohen. Das Schicksal der Rohingya sei "eine Warnung, wie zerbrechlich die Gegebenheiten im 21. Jahrhundert sind und wie ineffektiv sich die Weltpolitik in Bezug auf Menschenrechte und das Menschliche zeigt", sagte der chinesische Künstler.

Deutscher Kamerapreis für "Fremde Tochter"

Der 28. Deutsche Kamerapreis wurde am Samstagabend in Köln verliehen

Für seine Kamera-Arbeit beim Drama "Fremde Tochter" vom Südwestrundfunk ist Michael Kotschi mit dem Deutschen Kamerapreis geehrt worden. Die mit der Handkamera gefilmten Bilder zögen den Zuschauer sofort emotional in die Geschichte um eine Schülerin, die sich in einen Muslim verliebt und zum Islam übertreten will, begründete die Jury ihre Wahl. Der 28. Deutsche Kamerapreis wurde am Samstagabend in Köln verliehen. Florian Ballhaus erhielt die Auszeichnung für den Kinofilm "Der Hauptmann" von Robert Schwentke. Ballhaus nutze "sehr souverän, ja nahezu perfekt die Vielfalt der Schwarz-Weiß-Fotografie", urteilte die Jury. Der Ehrenpreis geht in diesem Jahr an die gebürtige Isländerin Birgit Gudjonsdottir, die bei Produktionen wie "Die Hochzeit meiner Eltern", "Zappelphilipp" und "Schätze der Welt" die Kamera führte. Den Preis für den besten Dokumentarfilm bekam der Moskauer Sergej Amirdzhanov, der für den ZDF-Film "Drei Engel für Russland - Glaube, Hoffnung, Liebe" eine "moderne, frische und intensive Bilderwelt entwickelt" habe.

Weltmusik-Preise Ruth übergeben

Hauptpreis erhält Sängerin Cymin Samawatie

Beim Rudolstadt-Festival sind die Weltmusik-Preise Ruth übergeben worden. Der Hauptpreis ging an die deutsche Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie, die in ihren Ethno-Jazz unter anderem Elemente der Musik der Heimat ihrer iranischen Eltern einfließen lasse. Sie verstehe es, in die "Brücke zwischen westlicher und persischer Musik deutlich sichtbare Elemente einzufügen", urteilte die Jury. Dafür erhalte sie den Hauptpreis der RUTH 2018. Dine Doneff und Maria Dafka bekamen den sogenannten Förder-Ruth für ihre Zusammenarbeit als Interpreten einer Musik, die auf mazedonische Lied- und Tanztraditionen verweist. Den Ehren-Ruth bekam der Journalist Michael Kleff, ehemaliger Chefredakteur des Fachblatts "Folker", für sein langjähriges Engagement für die Folk- und Weltmusikszene. Das Festival verwandelt die Kleinstadt im Südosten Thüringens jährlich zum Treffpunkt für Folkmusikfans.

Elvis Costello bricht Europa-Tour ab

Britischer Popsänger kündigt aber neues Album an

Popsänger Elvis Costello muss wegen einer Krebserkrankung seine Europa-Tour abbrechen. Er habe die Diagnose erst vor sechs Wochen erfahren, teilte der 63-jährige Brite auf seiner Internetseite mit. Sein Arzt habe ihm in dem Telefonat im Scherz empfohlen, mit dem Lottospielen anzufangen, berichtete Costello. Costello verriet nicht, an welcher Krebsart er leidet. Der Tumor habe aber mit einer einzigen Operation entfernt werden können. Costello muss nun eine drei- bis vierwöchige Pause einlegen. Er habe sich daher entschlossen, lieber seine Fans zu enttäuschen, als schlechte Konzerte zu geben, die letztendlich auch ein Risiko für seine Gesundheit sein könnten, erklärte der Musiker. Insgesamt sagte er noch geplante Konzerte seiner Europa-Tournee ab. Costello kündigte aber ein neues Album an. Er habe zusammen mit seiner Band, den Imposters, eine "großartige" Platte aufgenommen, die voraussichtlich im Oktober erscheinen werde.

Geplantes Exilmuseum am Anhalter Bahnhof in Berlin

Museum soll neu gebaut werden

Das geplante Exilmuseum Berlin soll nach Wunsch der Initiatoren am Anhalter Bahnhof gebaut werden. Ursprünglich sollte das Museum in eine Stadtvilla in Berlin-Charlottenburg einziehen, dem heutigen Sitz des Käthe-Kollwitz-Museums. Inzwischen präferiere die Stiftung, die sich gerade gründet "Exilmuseum Berlin" einen Neubau auf einer Freifläche hinter der Portalruine des Anhalter Bahnhofs, berichtete die "Berliner Morgenpost". Von Anhalter Bahnhof aus seien in der Zeit des Nationalsozialismus Zehntausende ins Exil gegangen und ins Ungewisse aufgebrochen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Kunsthändler Bernd Schulz der Zeitung. Zudem sei klar geworden, dass die ursprünglich geplanten Räume nicht ausreichen würden. Das Museum solle ein Ort sein, der den Inhalt des Wortes Exil begreifbar mache und so ein Zeichen gegen Totalitarismus und Inhumanität setze. Die Idee eines Exilmuseums geht auf Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller zurück.

Mit-Schöpfer von "Spider-Man" gestorben

Comis-Zeichner Steve Ditko starb mit 90 Jahren

Der als Mit-Schöpfer der legendären "Spider-Man"-Figur bekannt gewordene Comic-Zeichner Steve Ditko ist tot. Der US-Künstler wurde bereits am 29. Juni in seiner New Yorker Wohnung tot aufgefunden, teilte die Polizei jetzt mit. Ein Hausmeister habe Ditko leblos vorgefunden. Ditko wurde 90 Jahre alt. Zusammen mit seinem Kollegen Stan Lee (95) hatte sich Ditko Anfang der 1960er Jahre für den Verlag Marvel Comics die Figur des "Spider-Man" ausgedacht. Hinter dem Spinnen-Mann versteckte sich der Highschool-Junge Peter Parker, der durch den Biss einer mutierten Spinne übernatürliche Kräfte erlangt. Ditko arbeitete danach an der Figur "Doctor Strange", doch nach einem Streit mit Lee habe er den Marvel Verlag 1966 verlassen, berichtete das Branchenblatt "Hollywood Reporter". Für DC Comics und andere Verlage schuf er weitere Charaktere, später auch wieder für Marvel. 1990 gab die vom ihm gezeichnete Superheldin "Squirrel Girl" ihr Debüt.

Theaterfestival Avignon startet mit Kannibalismusdrama

Regie-Star Thomas Jolly inszenierte das Werk

Mit einem der grausamsten Werke des römischen Dichters und Philosophen Seneca hat Avignon den Startschuss zu seinem rund dreiwöchigen Theaterfestival gegeben. "Thyestes" (französisch: Thyeste) handelt von Inzest, Verrat, Mord und Kannibalismus. Inszeniert hat der französische Regie-Star Thomas Jolly das Werk im Ehrenhof des Papstpalasts mit viel Musik, Effekten und - ohne Blutszenen. Jolly hat aus dem Werk ein Spektakel gemacht. Mit vielen Licht- und Musikeffekten erzählt er die Geschichte von zwei Brüdern, die mit allen Mitteln um die Macht kämpfen. Lange galt das Werk von Seneca als unaufführbar. Jolly gehört mit seinen 36 Jahren zu den Stammgästen des Festivals. Schon 2014 nahm er in seiner rund 18-stündigen Version von Shakespeares "Heinrich VI" den Zuschauer auf eine Reise in die menschlichen Abgründe mit.

Paul-Celan-Preis an Übersetzer Thomas Brovot

Formal hochkomplexen Text zum Lesegenuss gemacht

Der Übersetzer Thomas Brovot erhält den diesjährigen Paul-Celan-Preis für herausragende Übersetzungen ins Deutsche. Der 59-Jährige werde für sein Gesamtwerk geehrt, das unter anderem Übersetzungen von Mario Vargas Lllosa enthält, schrieb der Deutsche Literaturfonds in der Entscheidung. Besonders würdigte die Jury Brovots Übersetzung des Romans "Reise zum Vogel Simurgh" von Juan Goytisolo. Darin sei es ihm gelungen, einen formal und thematisch hochkomplexen Text in ein flüssiges, präzises und virtuos rhythmisiertes Deutsch zu übersetzen und zu einem seltenen Lesegenuss zu machen. "Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 11. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vergeben.

"Zaman"-Journalisten in der Türkei verurteilt

Haftstrafen zwischen acht und zehn Jahren

Ein Gericht in Istanbul hat langjährige Haftstrafen gegen sechs Journalisten der mittlerweile geschlossenen Zeitung "Zaman" verhängt. Es befand sie wegen Verbindungen zum Putschversuch vom Juli 2016 und zur Gülen-Bewegung für schuldig. Verurteilt wurden sie wegen Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrorgruppe zu Haftstrafen zwischen acht und zehn Jahren. Für fünf weitere Zeitungsmitarbeiter gab es Freisprüche. Die Zeitung "Zaman" galt als Sprachrohr der Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft Gülen vor, hinter dem Putschversuch zu stecken, was dieser zurückweist.

Deutsch-russischer Schriftsteller Oleg Jurjew ist tot

Wiederkehrendes Thema des Antisemitismus

Der deutsch-russische Schriftsteller Oleg Jurjew ist im Alter von 58 Jahren gestorben. "Mit Oleg Jurjew verlieren wir alle einen wunderbaren Autor - und die Literatur hat einen großen und unermüdlichen Vorkämpfer für ihre Sache verloren", teilte der Verbrecher Verlag in Berlin mit. Der in Leningrad geborene Romancier, Lyriker, Dramatiker und Übersetzer lebte seit 1991 in Frankfurt. Er war mit der Schriftstellerin und Lyrikerin Olga Martynova verheiratet. Jurjew veröffentlichte auf russisch und in deutscher Übersetzung unter anderem die Romane "Frankfurter Stier", "Spaziergänge unter dem Hohlmond", "Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise" und "Die russische Fracht" sowie mehrere Dramen und zahlreiche Essays und Aufsätze zur Literatur. Eines seiner wiederkehrenden Themen war der Antisemitismus.

Bad Hersfelder Festspiele: Alles neu?

Bürgermeister regt Gründung einer gGmbH an

Der Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling hat eine Ausgründung der Bad Hersfelder Festspiele in eine gemeinnützige GmbH angeregt. Die bisherige Organisationsform Regiebetrieb sei ein sehr riskantes Spiel mit dem Feuer, weil die Stadt im Falle sinkender Steuereinnahmen dann auch ihre Mittel kürzen müsste, sagte er bei der Eröffnung der 68. Festspiele. Das könne sehr schnell existenzgefährdend für das Theater-Festival werden. Die Festspiele seien im städtischen Haushalt eine sogenannte freiwillige Leistung, die im Falle sinkender Steuereinnahmen sofort an die aktuellen Finanzentwicklungen angepasst werden müsste, erläuterte Fehling laut Redemanuskript. Die Finanzaufsicht habe in dieser Frage in den vergangenen Jahren die Zügel angezogen und schaue den Städten stärker auf die Finger. Fehling kündigte an, eine entsprechende Beschlussvorlage zur Ausgründung demnächst zur Entscheidung ins Stadtparlament einzubringen.

Historiker: Anne Franks Familie wollte in die USA fliehen

Einreisebedingungen vereitelten Fluchtversuch

Nach Erkenntnissen von Historikern wollte die Familie von Anne Frank (1929-1945) vor den Nazis in die USA oder nach Kuba fliehen. Der Fluchtversuch sei aber an den strikten Einreisebedingungen der US-Behörden gescheitert und dann durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vereitelt worden, berichtet die britische Zeitung "Jewish News". Schließlich blieb der jüdischen Familie nur noch das Versteck in der Amsterdamer Prinsengracht, bevor die Nazis sie 1944 entdeckten und deportierten. Anne und ihre Schwester wurden in Bergen-Belsen umgebracht. Ihr Vater, Otto Frank, überlebte und veröffentlichte nach dem Krieg die Tagebücher seiner Tochter, die weltberühmt wurden.

Kulturnachrichten hören

Juli 2018
MO DI MI DO FR SA SO
25 26 27 28 29 30 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur