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Kulturnachrichten

Sonntag, 2. Juli 2017

Stoppard: Kirchgang und Theaterbesuch haben Gemeinsamkeiten

Britischer Regisseur über den Zustand des Theaters

Theater habe für Tom Stoppard (79) vor allem etwas mit Unterhaltung in Gesellschaft anderer verbunden mit tiefen Fragestellungen zu tun, sagte der britische Dramatiker und Regisseur im Deutschlandfunk: "Das Denken wird angeregt, der Diskurs gefördert und so weiter." Blicke man ganzheitlich auf das Theater in England, seien es gute Zeiten. Eine moralische oder soziale Pflicht müsse ein Stück nicht erfüllen. Entscheidend sei, ob etwas gut oder schlecht gemacht sei. "Ich sehe unsere Aufgabe darin, das Publikum auf den Sitzen zu halten", sagte er. Stoppard sieht Parallelen zwischen dem Theater und der Kirche: "Es macht keinen Sinn, in die Kirche zu gehen, wenn man kein Interesse an Religion hat." Es solle allen offenstehen, "und ich glaube, dass die Leute, die am meisten davon haben, die sind, die dem Theater begegnen wollen". Zugleich wäre eine Art moralische Pflicht zum Theaterbesuch nicht sinnvoll, so der Regisseur weiter. Stoppard wurde mit dem Film "Rosenkrantz und Güldenstern sind tot" (1990) international bekannt.

Konzeptkünstler Toroni geehrt

Der 13. Rubenspreis der Stadt Siegen verliehen

Für sein Lebenswerk, das traditionelle Methoden der Kunst radikal ablehnt, wurde der 80-jährige gebürtige Schweizer Niele Toroni am Sonntag in Siegen mit dem renommierten Rubenspreis geehrt. Toroni reduziere durch seine in regelmäßigen Abständen aufgetragenen einfarbigen Pinselabdrücke die malerischen Mittel auf ein Minimum und öffne sie gleichzeitig in den Raum, urteilte die Jury. Der in Paris lebende Maler blieb seiner in den 60er Jahren entwickelten konzeptuellen Arbeitsmethode bis heute treu: Auf verschiedene Oberflächen setzt Toroni mit dem immer gleichen Pinselmodell (Nr. 50) Abdrücke in Abständen von je 30 Zentimetern - auf Wänden, Glas, Papier oder Leinwand. Der mit 5200 Euro dotierte Rubenspreis wird alle fünf Jahre vergeben und gilt als eine der wichtigen Auszeichnungen für zeitgenössische Künstler. Das Museum für Gegenwartskunst der Stadt Siegen widmet dem Schweizer Konzeptkünstler eine große Ausstellung.

Gates: "Migration nach Europa wird zunehmen"

Microsoft-Gründer fordert mehr Engagement für Afrika

Microsoft-Gründer Bill Gates (61) stiftet Milliarden für Afrika, warnt aber Deutschland vor einer falschen Form der Großzügigkeit. "Deutschland kann unmöglich diese gewaltige Masse an Menschen aufnehmen, die sich dann auf den Weg machen würde", sagte er der "Welt am Sonntag". Es gebe ein Dilemma in der deutschen Haltung gegenüber Flüchtlingen: "Einerseits möchten Sie Flüchtlinge aufnehmen, sich großzügig zeigen. Doch je großzügiger Sie sind, umso mehr spricht sich das herum – was wiederum noch mehr Menschen motiviert, Afrika zu verlassen", unterstrich er. Die Migration nach Europa werde zunehmen, der Druck werde wachsen, dies bedeute unglücklicherweise, "dass Sie es Menschen aus Afrika erschweren müssen, die bisherigen Transitrouten nach Europa zu benutzen", so Gates weiter. Er hoffe, dass andere europäische Länder dem Beispiel Deutschland folgen würden, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungshilfe aufzuwenden, da "Afrika nach wie vor der ärmste Kontinent ist und immer noch unter der Instabilität leidet, die eng mit der extremen Armut zusammenhängt, mit schlechter Regierungsführung und nicht funktionierenden Bildungs- und Gesundheitssystemen". Die Bill & Melinda Gates Foundation ist mit rund 40 Milliarden Dollar die vermögendste Privatstiftung der Welt. Sie vergibt Fördermittel von jährlich rund vier Milliarden Euro für Projekte und Forschung zur Armuts- und Hungerbekämpfung, Landwirtschaft und Gesundheit.

Ehebegriff im Wandel

"Reproduktion" des Staates über Wahlen, nicht über Nachwuchs

Der Literaturwissenschaftler Andreas Kraß erwartet, dass sich auch Konservative an die nun beschlossene Ehe für alle gewöhnen werden. Er glaubt, dass man sich schon bald an die Stirn fassen werde, wie es jemals anders gewesen sein konnte, sagte er im Deutschlandfunk. Im Übrigen treffe das Argument, dass Ehe und Familie Keimzelle des Staates seien, gar nicht zu. Der Staat sei ein abstraktes Gebilde, und die "Reproduktion" des Staates erfolge über demokratische Vorgänge wie Wahlen - nicht darüber, dass Menschen Kinder hätten. Dass die Ehe für alle geöffnet werde, hieße vielleicht am Ende nur, dass alle ein Recht auf das Glücksversprechen der Ehe hätten und darauf, den Ehealltag zu erleiden und sich daran zu erfreuen, betonte Kraß. Freude und Bürde liefen in der Ehe parallel, ganz unabhängig davon, ob sie jetzt zwischen Mann und Frau, Mann und Mann oder Frau und Frau geschlossen würden: "Auf der einen Seite ist das ein großes Glücksversprechen, dass man ja auch niemandem nehmen möchte, und auf der anderen Seite weiß man, dass die Romantik sich ja im Alltag bewähren muss", so Kraß weiter. Mit Blick auf den Streit zwischen Union und SPD meinte Kraß, es sei interessant, dass es in dem Moment der Öffnung der Ehe politisch gesehen zu einer Art Scheidung komme. Allerdings sei das Parlament ja auch keine Liebesgemeinschaft, sondern ein Ort der Verhandlungen.

Claus Peymann verlässt das Berliner Ensemble

Abschied mit vielen prominenten Gästen

Claus Peymann verabschiedet sich heute Abend als Direktor des Berliner Ensembles. Nach 18 Jahren gibt der Theatermacher die Leitung der einstigen Brecht-Bühne ab - mehr oder weniger freiwillig. Als letzte Vorstellung hat der 80-jährige einen Abend mit dem schlichten Titel "Der Abschied" auf das Programm gesetzt. Dazu versammelt Peymann noch einmal ihm verbundene Künstler und viele prominente Gäste um sich. Schauspieler wie Klaus Maria Brandauer, Cornelia Froboess, Carmen-Maja Antoni, Meike Droste und Sabin Tambrea sind dabei. Auch Herbert Grönemeyer kommt zur Verabschiedung. Der Sänger und Komponist brachte am Berliner Ensemble zusammen mit US-Regisseur Robert Wilson gefeierte Versionen von Goethes "Faust" und Büchners "Leonce und Lena" auf die Bühne. Zur neuen Spielzeit tritt dann Oliver Reese (53), der vom Schauspiel Frankfurt kommt, als neuer Intendant an. Theatermacher Frank Castorf (65) hatte sich bereits gestern nach 25 Jahren als Intendant der Berliner Volksbühne verabschiedet. Nach der letzten Vorstellung unter Castorfs Leitung gab es am Samstagabend frenetischen Applaus des Publikums. Anschließend spielte auf der Bühne eine Balkan-Brass-Band auf. Auch Stars wie Henry Hübchen und Margarita Broich waren gekommen. Danach wurde bei einem Straßenfest vor dem Theater am Rosa-Luxemburg-Platz weitergefeiert. Als letzte Vorstellung stand die mehr als vierstündige Castorf-Inszenierung von Ibsens "Baumeister Solness" auf dem Programm. Die ausverkaufte Vorstellung wurde auch per Video ins Foyer der Volksbühne übertragen.

Erhöhter Personenschutz für Seyran Ates

Zahlreiche Morddrohungen in den sozialen Medien

Die Gründerin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, wird nach zahlreichen Drohungen verstärkt von der Polizei geschützt. Ates sagte der "Welt am Sonntag", über die sozialen Medien habe sie wegen der Moschee so viele Morddrohungen bekommen, dass das Landeskriminalamt zu der Einschätzung gelangt sei, sie rund um die Uhr schützen zu müssen. Ates war 1984 bereits Opfer eines Attentats geworden und dabei lebensgefährlich verletzt worden. Die Anwältin und Frauenrechtlerin hatte im Juni im Berliner Stadtteil Moabit einen Gebetsraum eröffnet. Dort können Frauen und Männer gemeinsam beten. Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee steht zudem Sunniten, Schiiten und Anhängern anderer islamischer Glaubensrichtungen offen.

Unesco berät in Krakau über Welterbe

Mehrere deutsche Stätten nominiert

Das Unesco-Welterbekomitee entscheidet ab diesem Sonntag (bis 12. Juli) in Krakau über die Aufnahme neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste. 35 Stätten auf der ganzen Welt sind nominiert. Deutschland hat sich mit den Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg, dem Naumburger Dom und der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut sowie Bauhausstätten in Dessau und Bernau beworben. Über die deutschen Anträge wird laut dem Deutschen Unesco-Komitee in Bonn voraussichtlich zwischen dem 7. und 9. Juli entschieden. Außerdem sind in diesem Jahr unter anderem die Altstadt der indischen Stadt Ahmedabad sowie der Lake District in Großbritannien nominiert. Die Experten werden in Südpolen auch über gefährdetes Welterbe diskutieren. Dazu zählen alle sechs Stätten in Syrien, wie die vom Bürgerkrieg zerstörte Altstadt von Aleppo. Doch auch Österreich setzt mit dem geplanten Bau eines Hochhauses im historischen Zentrum von Wien einen Welterbetitel aufs Spiel.

Deutsche Forschungsgemeinschaft tagt in Halle

Vorstellung der Jahresbilanz 2016

Rund 30.000 Projekte fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nach eigenen Angaben pro Jahr. Rund drei Milliarden Euro fließen auf diesem Weg in die Spitzenforschung. Die aktuelle Bilanz für 2016 soll nun bei der Jahrestagung in Halle vorgestellt werden. Von diesem Sonntag bis zum Mittwoch kommen die Gremien von Deutschlands größter Organisation zur Forschungsförderung in der Saalestadt zusammen. Die DFG folgt einer Einladung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Universität Halle, die gerade den 200. Jahrestag der Vereinigung mit der Universität Wittenberg feiert.

Zwei Raffael-Gemälde bei Restaurierung entdeckt

Ölgemälde stellen allegorische Figuren "Freundschaft und Gerechtigkeit" dar

Bei Restaurierungsarbeiten in einem Saal der Vatikanischen Museen in Rom sind Experten auf zwei Ölgemälde des Renaissance-Malers Raffael gestoßen. Man sei sich nun sicher, dass die beiden allegorischen Figuren an Wänden der Konstantin-Halle von dem großen Meister selbst stammten, sagte Restaurator Fabio Piacentini in einem Video, das der Vatikan-Fernsehsender veröffentlichte. Die beiden Ölgemälde seien von "viel höherer Qualität als alles andere, das sie umgibt", sagte der deutsche Kunsthistoriker Arnold Nesselrath in demselben Video. Der Universitätsprofessor arbeitet für die Vatikanischen Museen. Raffael soll die beiden Figuren, die Freundschaft und Gerechtigkeit darstellen, kurz vor seinem Tod 1520 gemalt haben. Er wurde 37 Jahre alt. Es war bekannt, dass der Meister die Konstantin-Halle dekorierte. Doch Kunsthistoriker hatten bisher geglaubt, er habe keine Zeit gehabt, auch nur eine dieser Arbeiten selbst zu Ende zu bringen.

Berlin bewertet Kulturgutschutzgesetz positiv

Umstrittenes Gesetz trat vor einem Jahr in Kraft

Trotz mancher Befürchtungen sieht sich Berlin mit dem neuen Kulturgutschutzgesetz auf einem guten Weg. "Das neue Gesetz verursacht zwar einen größeren Verwaltungsaufwand, aber es gibt keine wesentlichen Probleme bei der Umsetzung", sagte Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur knapp ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Regeln. Anfang Juli hatten sie im Bundesrat die letzte Hürde genommen. Seither wurden in Berlin 36 Ausfuhrgenehmigungen für Kulturgüter in den EU-Binnenmarkt erteilt. Zudem gab es fast 100 sogenannte offene Genehmigungen. In keinem Fall wurde laut Kulturverwaltung ein Antrag zurückgewiesen.

Neues Landesmuseum für moderne Kunst gegründet

Cottbuser Dieselkraftwerk und Museum Junge Kunst Frankfurt fusionieren

In Brandenburg ist das Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder) gegründet worden. Die beiden Museen Dieselkraftwerk Cottbus und Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) fusionierten zu diesem Zweck. Die gemeinsame Sammlung besteht aus mehr als 35 000 Werken, ein Schwerpunkt bildet Kunst zu DDR-Zeiten. Beide Standorte bleiben erhalten und agieren eigenständig. Die neue gemeinsame Einrichtung verfügt künftig auch über mehr Geld. Das Land erhöht seine Zuschüsse um 450 000 Euro. Insgesamt stehen dem Landesmuseum 1,3 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Der Landtag hatte am Mittwoch grünes Licht für die Fusion gegeben.

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