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Kulturnachrichten

Mittwoch, 6. Juli 2016

Edgar Hilsenrath erhält den Hilde-Domin-Preis

Der Preis für Exilliteratur würdigt das Lebenswerk des Holocaust-Überlebenden

Der deutsch-jüdische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Edgar Hilsenrath erhält den Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil der Stadt Heidelberg. Der 90-Jährige wird ausgezeichnet als "Schriftsteller, dessen Lebenswerk der Erfahrung von Exil in literarisch einzigartiger, kühner Weise Ausdruck verliehen hat", teilte heute die Stadt Heidelberg mit. Hilsenraths zum Teil in den USA entstandene Hauptwerke sind die Groteske "Der Nazi & der Friseur" sowie die Romane "Nacht" und "Das Märchen vom letzten Gedanken". Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und soll im Herbst überreicht werden.

Kulturetat des Bundes soll um sechs Prozent steigen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will den Etat auf 1,35 Mrd. Euro anheben

Der Kulturetat des Bundes steigt im kommenden Jahr voraussichtlich um 5,8 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. In den Gesprächen zum Bundeshaushalt 2017 habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters mehr Geld unter anderem für die Filmförderung (15 Millionen Euro), die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (6 Millionen Euro) und die Deutsche Welle (7,5 Millionen Euro) ausgehandelt, teilte das Bundespresseamt heute mit. Dem Haushaltsentwurf muss allerdings im Herbst noch der Bundestag zustimmen.

Hilde Léon gewinnt Architektenwettbewerb in Berlin

Die Architektin soll die letzte Baulücke am Leipziger Platz schließen

Ein Berliner Filetgrundstück wird wohl bald verbaut: Wo bisher eine gigantische Werbeplane die letzte Baulücke am Leipziger Platz verdeckt, soll nach Plänen der Architektin Hilde Léon ein neungeschossiges Geschäfts- und Bürohaus für rund 40 Millionen Euro entstehen. Der Leipziger Platz in der Nähe des Brandenburger Tors und direkt neben dem Potsdamer Platz bekomme zum Abschluss ein repräsentatives Projekt, wie die Vorsitzende des Architektenwettbewerbs Ulrike Lauber und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel heute ankündigten. Baubeginn soll voraussichtlich im Sommer 2017 sein, die ersten Mieter könnten bereits im Herbst 2019 einziehen. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude rund um den achteckigen Leipziger Platz sind in den vergangenen Jahren schrittweise wieder errichtet worden. Zu dem Wettbewerb wurden sieben Büros eingeladen, darunter die renommierten David Chipperfield und Sauerbruch Hutton.

Denis Scheck übernimmt SWR-Sendung "Kunscht!"

Der Literaturkritiker moderiert außerdem die Sendung "lesenswert" ab September alleine

Literaturkritiker Denis Scheck moderiert von September an das wöchentliche Kulturmagazin "Kunscht!" im SWR Fernsehen. Lars Reichow gibt die Leitung nach zwei Jahren ab, wie der Südwestrundfunk mitteilte. Der gebürtige Stuttgarter Scheck wurde vor allem als Moderator von "Druckfrisch" im ARD-Fernsehen bundesweit bekannt. Seit September 2014 moderiert er bereits die SWR-Sendung "lesenswert" - eigentlich im Wechsel mit der Verlegerin und Autorin Felicitas von Lovenberg. Die 41-Jährige steigt jetzt aber aus, und Scheck moderiert laut SWR ab September alleine.

"Digitales Deutsches Frauenarchiv" ab 2018 online

Dort sollen wichtige Dokumente der Frauenbewegung zugänglich sein

Wichtige Dokumente aus der Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland werden künftig online abrufbar sein. Bis 2018 soll das "Digitale Deutsche Frauenarchiv" als Plattform im Internet freigeschaltet werden und den Online-Zugang zu historischen Fotos, Briefen oder Aufsätzen ermöglichen. Wie das Bundesfamilienministerium heute in Berlin mitteilte, soll dort etwa der Nachlass von Elisabeth Selbert abrufbar sein. Das Ministerium unterstützt den Aufbau des Angebots bis 2019 mit 1,2 Millionen Euro jährlich. Hinter dem Projekt steht der ida-Verband, in dem Lesben- und Frauenarchive aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Italien organisiert sind.

Deuflhard bleibt Intendantin von Kampnagel

Amelie Deuflhard wird die Hamburger Kulturfabrik für weitere fünf Jahre leiten

Amelie Deuflhard bleibt für weitere fünf Jahre Intendantin der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel. "In den bisherigen neun Jahren ihrer Intendanz hat Amelie Deuflhard Kampnagel zu einem der bedeutendsten Häuser für darstellende Künste entwickelt", sagte heute Hamburgs Kulturstaatsrat Carsten Brosda. Deuflhard und ihr Team greifen lokale und globale Themen auf und bringen sie konsequent ins Stadtgespräch. Dabei verstehe es die Intendantin "auf hervorragende Weise, mit Kampnagel der Freien Szene nicht nur auf höchstem Niveau eine Bühne zu bieten, sondern diese auch zu einem lebendigen Ort des gesellschaftlichen Diskurses zu entwickeln." Deuflhard leitet die Kulturfabrik seit 2007.

Grafiker Werner Schinko mit 86 Jahren gestorben

In der DDR gehörte er zu den bedeutendsten Illustratoren

Der Grafiker und Buchgestalter Werner Schinko ist tot. Wie der Berliner Aufbau-Verlag mitteilte, starb der Künstler aus Röbel in Mecklenburg-Vorpommern in der Nacht zu Dienstag. Ein Sprecher der Familie bestätigte die Angaben. Schinko wurde 86 Jahre alt. Er wurde vor allem mit seinen Illustrationen in Kinderbüchern sowie für Werke des niederdeutschen Schriftstellers Fritz Reuter bekannt. Der Aufbau-Verlag würdigte Schinko als "einen der bekanntesten Buchgestalter und Grafiker der DDR". Nach 1990 hatte der aus Böhmen stammende Künstler auch zahlreiche Ausstellungen im Westen Deutschlands.

Gerichtsurteil zu Rechten von freien Musiklehrern

Stadt im Münsterland muss Sozialabgaben für einen freien Musiklehrer nachzahlen

Die Stadt Ahaus muss für einen früheren Honorar-Musiklehrer an der Musikschule Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen. Dies hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen heute in Essen entschieden. Der 61-jährige war von 2011 bis 2014 an der Musikschule als selbstständiger, freier Musiklehrer beschäftigt. Dies geschah auf der Grundlage von Honorarverträgen. Auf Antrag des Musiklehrers hatte die Deutsche Rentenversicherung festgestellt, dass er sozialversicherungspflichtig sei und die Stadt entsprechende Abgaben zahlen müsse. Der Senat habe eine Eingliederung in die Arbeitsorganisation der Musikschule bejaht und nicht die typische Freiheit eines Selbstständigen gesehen, sagte ein Gerichtssprecher. "Der Musiklehrer war in erheblichem Umfang vertraglichen Vorgaben unterworfen, unter anderem durch die Rahmenlehrpläne des Verbandes deutscher Musikschulen." Die Stadt unterlag nun auch im Berufungsverfahren. Das Gericht ließ keine Revision zu. Der Fall habe natürlich eine Signalwirkung für vergleichbare Fälle, sagte ein Sprecher.

SPD will Debatte um Einheitsdenkmal neu beleben

Dem Denkmal liege immerhin ein Beschluss des Bundestags zugrunde

Die SPD will die Debatte über ein Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin neu beleben. Es reiche nicht aus, wenn allein der Haushaltsausschuss das Projekt stoppe, schließlich liege dem Denkmal ein Beschluss des Bundestags zugrunde, sagte heute der Sprecher der SPD-Arbeitsgruppe Kultur im Bundestag, Martin Dörmann. "Das Thema ist nicht vom Tisch. Der Bundestag muss sich selbst ernst nehmen mit seinem Beschluss." Der Haushaltsausschuss hatte das als begehbare Wippe geplante Denkmal im April wegen einer Kostensteigerung um fast 50 Prozent überraschend gestoppt. Jetzt müsse die Debatte "auf neue Füße gestellt werden", sagte Dörmann. Ziel sei ein möglichst breiter Konsens zwischen den Fraktionen.

Französischer Ritterorden für Künstler Imi Knoebel

Glasfenster für die Kathedrale Reims seien wichtiges Zeichen für europäischen Frieden

Der Künstler Imi Knoebel wird zum französischen Ritter der Künste ernannt. Frankreichs Botschafter Philippe Etienne werde Knoebel am Samstag in Düsseldorf die Ehrenauszeichnung "Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres" verleihen, teilte das Generalkonsulat heute mit. Knoebel habe mit der Schenkung dreier von ihm geschaffenen Glasfenster für die Kathedrale von Reims ein Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft und den Frieden in Europa gesetzt. 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sei mit der Übergabe des Werks eines deutschen Künstlers an den französischen Staat vor einem Jahr symbolisch eine Wunde geschlossen worden. Träger des Ritterordens sind unter anderem die Schauspieler Mario Adorf und Alexandra Maria Lara, der frühere Frankfurter Städel-Chef Max Hollein und der Direktor des Von der Heydt-Museums Wuppertal, Gerhard Finckh.

"Mumford & Sons" gegen sexuelle Gewalt auf Musikfestival

Die Band trete erst wieder auf, wenn etwas gegen die Übergriffe getan werde

Bei zwei Musikfestivals in Schweden ist es am Wochenende zu sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen gekommen. Die britische Band "Mumford & Sons", die beim Bravalla Festival in Norrköping gespielt hatte, erklärt auf ihrer Facebook-Seite, sie sei entsetzt und am Boden zerstört über diese Berichte. Sie würden nicht mehr auf dem Festival spielen, wenn Veranstalter und Polizei nicht glaubhaft etwas gegen sexuelle Gewalt unternähmen. Ministerpräsident Stefan Löfven kündigte eine Verschärfung der Gesetze für sexuelle Straftaten an. Bei dem Festival "Putte i Parken" im schwedischen Karlstad waren bereits am Montag Fälle von sexuellen Übergriffen publik geworden. Am Dienstag wurden dann auch die Vorwürfe rund um das Bravalla Festival in Norrköping bekannt. Die Polizei in den Städten Karlstad und Norrköping ermittelte gestern in Dutzenden Fällen.

Halbjahres-Hit 2016 kommt von einem norwegischen DJ

Bei der Auswertung der Alben liegt Udo Lindenberg vorne

Der Elektropop-Song "Faded" des norwegischen DJs Alan Walker ist bisher der Hit des Jahres. In einer Halbjahresauswertung der Offiziellen Deutschen Charts kommt das Lied mit der Stimme der Sängerin Iselin Solheim auf Platz eins, wie GfK Entertainment mitteilte. Platz zwei erreicht das eingängige deutschsprachige Lied "Die immer lacht" von Stereoact feat. Kerstin Ott. Die Liedermacherin Ott schrieb den Ohrwurm einst für eine erkrankte Freundin, die ihre wahren Gefühle kaschierte. Bei den Alben kommt Altrocker Udo Lindenberg mit seinem Werk "Stärker als die Zeit" auf Platz eins, vor Schlagerkönigin Andrea Berg ("Seelenbeben").

Hartmut Haenchen dirigiert "Parsifal" in Bayreuth

Gebürtiger Dresdner ersetzt Letten Andris Nelsons

Die Bayreuther Festspiele haben einen Nachfolger für Dirigent Andris Nelsons präsentiert. Der 73-jährige Hartmut Haenchen soll am 25. Juli die diesjährigen Festspiele eröffnen. Leiterin Katharina Wagner erklärte: "Ich bin Maestro Haenchen sehr dankbar, dass er sich kurzfristig bereit erklärte, das Dirigat der Neuproduktion zu übernehmen, und freue mich auf sein erstes Mitwirken bei den Bayreuther Festspielen." Ende Juni war bekannt geworden, dass Nelsons Vertrag auf seinen Wunsch aufgelöst wurde, die genauen Gründe für die Trennung wurden nicht genannt. Der erneute Zwist auf dem Grünen Hügel hatte für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Nutzung von Streamingdiensten gestiegen

US-Amerikaner hörten im ersten Halbjahr 114 Milliarden Musikstücke

Zum ersten Mal haben Nutzer in den USA mehr Musik über Streaming-Dienste gehört als über Videokanäle wie Youtube. Einer Studie der Firma BuzzAngle Music zufolge wurden im ersten Halbjahr 2016 114 Milliarden Musikstücke auf Spotify, Apple Music, Tidal und Rhapsody gehört. Demgegenüber standen 95 Milliarden Klicks auf Videos bei Youtube und ähnlichen Seiten. Die USA sind der wichtigste Musikmarkt der Welt. Künstler kritisieren die niedrige Gewinnbeteiligung bei Streamingdiensten, insbesondere bei Spotify. Die Musikindustrie weist jedoch darauf hin, dass diese immer noch höher sei als bei kostenlosen Videokanälen.

Stücke von "Floating Piers" werden versteigert

Erinnerungsstücke sind vor Ort kostenlos

Kurz nach dem Ende der Installation "Floating Piers" des Künstlers Christo auf dem italienischen Iseo-See sind die ersten Erinnerungsstücke bei Internet-Auktionen aufgetaucht. Die orangefarbenen Stoffstücke werden vor Ort größtenteils kostenlos verteilt. Im Netz wurden Medienberichten zufolge Dutzende Euro geboten. Der rund drei Kilometer lange Steg auf Schwimmpontons und orangefarbenen Stoffbahnen hatte in gut zwei Wochen etwa 1,2 Millionen Besucher zu dem See bei Mailand gelockt. Mitarbeiter einer Lübecker Firma hatten das Spezialgewebe geschnitten und genäht.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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