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Kulturnachrichten

Sonntag, 6. Juli 2014

Bachmann-Preisträger Rubinowitz: "Ich misstraue der Idylle"

Dem Musiker, Cartoonist und Autor sei es zu einfach, "nur witzig zu sein"

Tex Rubinowitz, Träger des mit 25 000 Euro dotierten 38. Ingeborg-Bachmann-Preises, sagte dem Deutschlandradio Kultur, er setze beim Erzählen oder Zeichnen kleine Brüche als Stilmittel ein, um den Focus auf "das Elend, was da stattfindet" zu richten. Bei seiner Geschichte haben die Zuschauer in Klagenfurt anfangs gelacht, weil sie dachten "da kommt so ein Außenseiter, der eigentlich aus der Witzbranche kommt und jetzt haben wir was zu lachen". Zum Schluss haben sie gemerkt, dass die Geschichte gar nicht lustig, sondern grausam sei. Die Ästhetik erinnere ein bisschen an David Lynchs Film "Blue Velvet". Tex Rubinowitz heißt eigentlich Dirk Wesenberg. Der 52-Jährige gebürtige Hannoveraner war bislang vor allem für seine "gezeichneten Witze" bekannt, die seit Jahren in Magazinen und Tageszeitungen veröffentlicht werden.

Hunderttausende Zuschauer verfolgen Christopher-Street-Day-Parade in Köln

98 Gruppen mit bunten und schrillen Kostümen nahmen an der Parade teil, darunter auch Vertreter politischer Parteien

Sie demonstrierten für die rechtliche Gleichstellung und die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transsexuellen. Erstmals dabei war ein Wagen des Fußballvereins 1. FC Köln, der damit ein Zeichen gegen Homophobie im Sport setzen wollte. Die CSD-Parade in Köln ist den Veranstaltern zufolge mit rund 40 000 Teilnehmern die größte in Europa. Sie wird seit 1991 vom Kölner Lesben- und Schwulentag veranstaltet.

Trauerfeier für Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer

Hunderte Menschen nahmen in der Leipziger Nikolaikirche Abschied von dem Pfarrer, der als eine der Schlüsselfiguren der friedlichen Revolution in der DDR galt

Durch seine prägende Rolle bei den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989 erlangte Christian Führer bundesweite Bekanntheit. Am Montag war der Theologe im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer schweren Lungenerkrankung gestorben. In einem Nachruf würdigte die Nikolaikirchgemeinde Christian Führer als aufrichtigen Menschen, der sich auch in der DDR nicht habe einschüchtern lassen. An der Trauerfeier nahmen auch der evangelische sächsische Landesbischof Jochen Bohl, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und der frühere Oberbürgermeister der Stadt und ehemalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) teil.

Kunstsammlung NRW in Düsseldorf: 80 000 Besucher sahen "Kandinsky, Malewitsch, Mondrian"

Die Ausstellung "Kandinsky, Malewitsch, Mondrian - Der weiße Abgrund Unendlichkeit" ist heute zu Ende gegangen

Für die Ausstellung zur Bedeutung weißer Flächen in den Werken von Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian hatte die Kunstsammlung berühmte Meisterwerke der drei Abstraktionskünstler aus Museen der ganzen Welt ausgeliehen. Die
Präsentation war Teil des Düsseldorfer Kunstfestivals "Quadriennale", das noch bis zum 10. August dauert. Weil einige der Meisterwerke auch in anderen internationalen Museen als Leihgaben erwartet werden, musste die Ausstellung der NRW-Landesgalerie schon nach zwölf Wochen schließen.

Weltmusikpreis "Ruth" geht an das Duo Alpenklezmer

Der Preis wird seit 2002 auf Deutschlands größtem Folk-Festival im thüringischen Rudolstadt verliehen

Neben dem Hauptpreis gingen weitere Ehrungen an den Kabarettisten und Sänger Rainald Grebe, die Band Liloba aus Leipzig und die Volksmusikarchivarin Barbara Book. Mehr als 87 000 Weltmusikfans haben in diesem Jahr das Tanz&FolkFest Rudolstadt besucht. Bei dem viertägigen Spektakel gaben 160 Bands fast 300 Konzerte auf 20 Bühnen. Das Festival wird im kommenden Jahr sein 25. Jubiläum feiern.

Der Philosoph Michael Hampe warnt vor Technisierung und Spezialisierung in der Philosophie

Er sieht einen Graben zwischen der Philosophie, die sich an die nicht-akademische Öffentlichkeit wende und der akademisch relevanten Philosophie

Michael Hampe, der eine Professur an der ETH Zürich innehat, sagte im Deutschlandradio Kultur, er halte solch einen Graben für unnötig, weil er nur da existieren müsse "wo die technischen Ansprüche an bestimmte Verfahren in den Wissenschaften in der allgemeinen Öffentlichkeit nicht vorhanden sind". Er plädiert für eine nicht-doktrinäre Philosophie, die gar keine Erklärungsansprüche stelle, sondern die sich die Frage stelle, "was eigentlich das gute Leben ist und wie die menschliche Lebensform beschaffen sein sollte". Diese Art des Philosophierens gehe bereits auf Sokrates zurück. Der habe seine Gesprächspartner so lange gefragt und getriezt, bis diese die Bedeutung von Begriffen wie "Freiheit" hinterfragt und zu eigenen Bedeutungen gefunden hätten. Beim Sokratischen Dialog gehe es darum, Menschen zur Selbständigkeit zu erziehen, so Hampe.

Betrugsaffäre um Kunstberater Helge Achenbach weitet sich aus

Nach Recherchen der Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" verweist eine Liste Achenbachs von Käufen und Verkäufen auf weitere Kunden und mögliche Betrugsopfer

Seit Wochen sitzt der 62-Jährige, der auch Restaurants betreibt
und Chef der "Achenbach Art Consulting" ist, in Untersuchungshaft in der Essener Justizvollzugsanstalt. Die Erben von Theo Albrecht, einem der Gründer der Supermarktkette Aldi, haben Strafanzeige gegen Achenbach erstattet. Demnach gehe es um gefälschte
Rechnungen, in denen Beträge nach oben gesetzt wurden und somit auch die Provisionen stiegen. Bei mehreren Werken habe Achenbach anscheinend die Währung von Dollar zu Euro geändert. Nach einem "Focus"-Bericht schätzen die Anwälte der Familie Albrecht den Schaden für die Familie inzwischen auf 20 bis 30 Millionen Euro. Bisher war von bis zu 18 Millionen Euro die Rede gewesen. Die Familie des Kunstberaters hat die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen.

38. Tage der deutschsprachigen Literatur: Neben Hauptpreis noch weitere Auszeichnungen in Klagenfurt vergeben

Neben Tex Rubinowitz, der neuer Bachmann-Preisträger ist, dürfen sich noch zwei weitere Autorinnen und zwei Autoren über Preise freuen

Der in Bern lebende Autor Michael Fehr erhielt den Kelag-Preis in Höhe von 10 000 Euro für "Simeliberg". Den 3sat-Preis, der mit 7500 Euro dotiert ist, gewann der in Sri Lanka geborene Senthuran Varatharajah mit "Vor der Zunahme der Zeichen". Den Ernst-Willner-Preis in Höhe von 5000 Euro bekam die in Berlin lebende Autorin Katharina Gericke für "Down, down, down".
Den Publikumspreises über 7000 Euro vergaben die Zuschauer an die Wienerin Gertraud Klemm für "Ujjayi", einen Text über ein Schreibaby.

Der Cartoonist, Musiker und Schriftsteller Tex Rubinowitz erhält den 38. Ingeborg-Bachmann-Preis

Der 52 Jahre Autor wurde im österreichischen Klagenfurt für den Text "Wir waren niemals hier" ausgezeichnet

Bis zuletzt blieb es in diesem Jahr spannend, nach dem dreitägigen Wettlesen hatte sich unter den 13-Teilnehmern kein klarer Favorit herauskristallisiert. Die Jury habe sich "nach einem spannenden Stechen" auf Rubinowitz geeinigt, der von der Jurorin Daniela Strigl eingeladen worden war. In "Wir waren niemals hier" beschreibt der Ich-Erzähler eine lang vergangene Beziehung mit einem Mädchen aus Litauen, einem "durch und durch pragmatischen
Menschen". Strigl lobte in ihrer Laudatio Rubinowitz' Text als "eine wilde, schöne und sehr seltene Liebesgeschichte", er sei eine Studie über die "Mühen der Verständigung zwischen Mann und Frau". Rubinowitz wurde 1961 in Hannover geboren und lebt seit vielen Jahren in Wien. Zuletzt erschien 2013 sein Buch "Die sieben Plurale von Rhabarber“ im Rowohlt-Verlag. Der mit 25 000 Euro dotierte Preis ist nach der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannt und gilt als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Filmfest München: zum Abschluss zahlreiche Preise verliehen

Am Samstag Abend ist das Filmfestival, das in diesem Jahr einen Besucherrekord verzeichnet, zu Ende gegangen

Zum Abschluss wurde der russische Regisseur Andrey Zvyagintsev
für seinen Spielfilm "Leviathan" mit dem Arri/Osram Award geehrt, der den besten ausländischen Film auszeichnet. Die epische Geschichte tauche tief in die russische Seele ein und zeige den Kampf eines einfachen Mannes gegen die Autoritäten und die Kirche, begründete die Jury ihr Urteil bei der Vergabe des mit 50 000 Euro dotierten Preises. Bereits beim Filmfestival in Cannes erhielt Zvyagintsev, zusammen mit seinem Co-Autor Oleg Negin, eine Palme für das beste Drehbuch. In München wurde außerdem der Internationale Nachwuchsfilmpreis CineVision Award an die italienische Regisseurin Alice Rohrwacher für "La Meraviglie - Die Wunder" verliehen. Wim Wenders und Juliano Ribeiro Salgado erhielten für ihren Dokumentarfilm "Das Salz der Erde" den One Future Preis der Interfilm Akademie, dem Netzwerk der kirchlichen Filmarbeit. Der Streifen schildert die Reisen des Fotografen Sebastiao Salgado, der auf der ganzen Welt auf der Suche nach unberührten Landschaften war. Die beiden Filmemacher haben ihn auf einigen dieser Reisen begleitet. In den vergangenen acht Tagen waren beim Filmfest München rund 160 Filme aus mehr als 50 Ländern zu sehen.

Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung an Rüdiger Safranski verliehen

Der Schriftsteller und Philosoph wird unter anderem für seine "brillianten Biografien" über deutsche Dichter und Denker geehrt

Der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemalige EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering überreichte Rüdiger Safranski die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung heute in Weimar. Safranskis Biografien zeichnen sich durch Anschaulichkeit und Eleganz aus, so das Jury-Urteil. Durch einen souveränen Stil, der philosophische Essayistik und politische Ethik verbinde, erweise Safranski sich als faszinierender Erzähler der europäischen Kulturgeschichte. Die Jury verwies insbesondere auf Safranskis 2013 erschienene Goethe-Biografie, die den Wert von "geistigem Reichtum, schöpferischer Kraft und Lebensklugheit" zeige. Der Literaturpreis wird seit 1993 an Autoren verliehen, die "der Freiheit das Wort geben". Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Hilde Domin, Herta Müller, Daniel Kehlmann, Uwe Tellkamp und Arno Geiger.

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