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Kulturnachrichten

Donnerstag, 27. Juni 2019

Nan Goldin mit Kunstpreis geehrt

Die amerikanische Fotografin Nan Goldin hat den mit 20 000 Euro dotierten Kunstpreis Ruth Baumgarte erhalten. Goldin thematisiert in ihren intimen Porträts immer wieder die Themen Drogen, Sex, Gewalt und Tod. Sie zeige die Kehrseite des Siegeszugs des Kapitalismus in den 80er Jahren, sagte der Direktor des Sprengel Museums Hannover, Reinhard Spieler. "Letztlich ist sie auch eine ganz große Zeitzeugin der Aids-Epidemie." Das Preisgeld werde sie für eine neue Arbeit verwenden, sagte Goldin. "Ich bewundere Ihren Aktivismus im Kampf gegen Opiate", sagte der Sohn der Stifterin, Alexander Baumgarte, an Nan Goldin gerichtet. Die 65-Jährige engagiert sich gegen abhängig machende Schmerzmittel, die in den USA massenweise von Hausärzten verschrieben wurden.

Frankfurter Museum restituiert Bild an jüdischen Erben

Nach 80 Jahren gibt das Historische Museum Frankfurt ein Gemälde von Karl Peter Burnitz an den Erben des jüdischen Juweliers Hermann Netter zurück. "Mit dieser Restitution können wir nicht nur ein Objekt an seinen rechtmäßigen Eigentümer übergeben, sondern zugleich einen weiteren Baustein dieses düsteren Kapitels der Museums- und Stadtgeschichte erforschen und bekannt machen", erklärte Museumsdirektor Jan Gerchow. Der Erbe hatte das Museum 2012 gebeten, die Herkunft des undatierten Gemäldes "Motive aus dem Frankfurter Stadtwald" von Peter Burnitz zu prüfen. Der Juwelier Hermann Netter habe seine Kunstsammlung 1938 im Zusammenhang mit der bei einer Auswanderung zu zahlenden "Reichfluchtsteuer" schätzen lassen, hieß es in einer Mitteilung des Museums. Bei seiner Auswanderung im Sommer 1939 ging das Bild neben weiteren Werken zunächst in den Besitz eines Kunsthändlers, bevor es einige Tage später vom heutigen Historischen Museum erworben wurde.

10.000 Menschen demonstrieren nach Mordfall Lübcke

Rund 10 000 Menschen haben dreieinhalb Wochen nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in Kassel gegen Rechtsextremismus und rechte Gewalt demonstriert. Aufgerufen zu der Kundgebung hatte die Stadt zusammen mit einem Bündnis von Institutionen und Organisationen, darunter auch die documenta und Museum Fridericianum GmbH. Der Intendant des Kasseler Staatstheaters, Thomas Bockelmann, nannte es eine Schande, wie Walter Lübcke ums Leben gekommen sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass er ohne die rechte Hetze noch leben würde. Der dringend Tatverdächtige hat ein Geständnis abgelegt. Die Ermittler gaben mittlerweile die Festnahme von zwei weiteren Männern bekannt. Einer soll dem Täter die Waffe verkauft haben, der andere den Kontakt zwischen den beiden hergestellt haben.

Wissenschaftler stützen Peter Schäfer

Mehr als 400 Wissenschaftler des Judentums vor allem aus den USA, Israel und Deutschland haben sich mit dem zurückgetretenen Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, solidarisch erklärt. "Als Wissenschaftler auf dem Gebiet der jüdischen Studien protestieren wir energisch gegen die Verleumdung eines verdienten Kollegen", heißt es in einer auf Englisch im Internet verbreiteten Erklärung. Nach falschen Beschuldigungen sei Schäfer zum Rücktritt gezwungen und dessen Reputation öffentlich in Zweifel gezogen worden, heißt es weiter. Schäfer sei der wichtigste Wissenschaftler des Judentums im Nachkriegs-Deutschland. Er habe sich unermüdlich für ein Verständnis des Zionismus und der Rolle des Staates Israel eingesetzt. Zu den Unterzeichnern gehören Micha Brumlik und Christina von Braun aus Berlin, Stefanie Schueler-Springorum, vom Zentrum für Antisemitismusforschung, der Historiker Mark Roseman, sowie die Philosophen Yitzhak Melamed und Judith Butler.

Programm soll 700 neue Ateliers in Berlin schaffen

Angesicht zunehmend fehlender Arbeitsräume für Künstler hat der Atelierbeauftragter für Berlin, Martin Schwegmann, ein Sonderprogramm gefordert. Mit vier Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren geeignete Räume erschlossen werden. So könnten 700 neue Ateliers entstehen, sagte Schwegmann bei der Vorstellung einer Studie zur Lage für bildende Künstler in Berlin. Seit rund zehn Jahren fallen nach Einschätzung der Experten jährlich etwa 350 bezahlbare Arbeitsräume für Künstler etwa durch Neunutzungen weg. Gleichzeitig gebe es freie Flächen zum Beispiel im alten Flughafen Tempelhof oder auch im ICC. Zuletzt bewarben sich 553 Künstler um eine Atelierförderung. Aussicht auf Förderung haben sie bei einem Einkommen von maximal 20 000 Euro. In dem Weißbuch geht Schwegmann von rund 8000 bildenden Künstlern in Berlin aus. Ein Drittel davon verfügt nicht über einen Arbeitsraum.

Weiter Streit um Mahnmal für NSU-Opfer in Köln

Die Politik will anderes als Künstler und Anwohner. Deshalb gibt es das Angebot eines runden Tisches, der vermitteln soll, wo in Köln an die Nagelbomben-Opfer des rechtsextremistischen NSU erinnert werden soll. Bei der Präsentation des Mahnmal-Modells von Ulf Aminde im Museum Ludwig beharrte Mitat Özdemir von der Initiative "Herkesin Meydani - Platz für alle" auf den Standort Keupstraße/Schanzenstraße. Der Tatort sei "wichtig für unsere Gesellschaft und Demokratie". Das Grunstück gehört nicht der Stadt Köln, sondern einem privaten Investor. Oberbürgermeisterin Reker hatte kürzlich für einen anderen Standort geworben. Denn der geplante Platz an der Ecke Keupstraße/Schanzenstraße sei der «entscheidende Faktor», warum das Mahnmal bisher nicht realisiert werden konnte. Der Kölner Integrationsrat will jetzt alle Beteiligten zusammenbringen.

Auch Deutschlandhaus in Berlin öffnet später

Die Wiedereröffnung des Berliner Deutschlandhauses verschiebt sich auf 2021. Ursprünglich sollte die Sanierung 2016 abgeschlossen sein. Zuletzt war von 2020 die Rede, um dort das Dokumentations- und Informationszentrums zu Flucht und Vertreibung zu öffnen. Der Termin hänge von der Übergabe des Gebäudes durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ab, habe die Pressestelle von Kulturstaatsministerin Monika Grütters dem rbb mitgeteilt, heißt es. Demnach solle das Gebäude im Februar 2020 übergeben werden. Im Anschluss sei mit einer Einrichtungszeit von mindestens einem Jahr zu rechnen. Das Dokumentationszentrum soll an die Vertreibung von Millionen von Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnern.

Teodor Currentzis erklärt Rückzug aus Perm

Politische Gründe waren für den Dirigent Teodor Currentzis entscheidend, der Oper in der russischen Stadt Perm den Rücken zu kehren. "All die Jahre waren wir in einem ständigen Kampf", schreibt der 47-Jährige gebürtige Grieche in einem Offenen Brief. Die Behörden und Politiker des Permer Gebiets hätten nie etwas von der künstlerischen Arbeit verstanden und jedes Feingefühl vermissen lassen. Currentzis, der auch Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters in Stuttgart ist, hatte immer wieder Kolleginnen und Kollegen gegen Eingriffe in die künstlerische Freiheit in Russland verteidigt. Zurückhaltend war er aber immer, wenn es um seine Person ging. Am vergangenen Freitag hatte er erklärt, seinen Posten als künstlerischer Leiter des Staatlichen Opern- und Balletttheaters in diesem Sommer abzugeben. Behalten will er aber die künstlerische Leitung des internationalen Djagilew-Festivals.

Architekturpreis für saniertes Schloss in Wittenberg

Denn das Bundesbauministerium und die Bundesarchitektenkammer haben sich entschieden, das erweiterte und sanierte Schloss Wittenberg mit dem Deutschen Architekturpreis 2019 auszuzeichnen. Die mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die Bruno Fioretti Marquez Architekten in Berlin. Sie werden damit für ihre "kraftvolle und zeitgemäße" Umsetzung des Auftrags zum 500. Reformationsjubiläum gelobt. Die Sanierung zeige, dass moderne Architektur mit einem Kulturdenkmal im Einklang stehen könne, erklärte Bundesbauminister Horst Seehofer.

Kein "Rohkunstbau" in diesem Jahr

Die Ausstellung "Rohkunstbau" für zeitgenössische Kunst wird es 2019 nicht geben. "Wir bedauern zutiefst, dass die Ausstellung zum 25. Jubiläum nicht wie geplant in diesem Sommer stattfinden kann", erklärte der Vorsitzende des Vereins, Arvid Boellert. Die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg, habe sich aus dem Projekt, das zuletzt im Schloss Lieberose im Dahme-Spreewaldkreis Obdacht gefunden hatte, zurückgezogen. Aus diesem Grund sei auch die Förderung der Kulturstiftung des Bundes für dieses Jahre ausgeblieben.Der Verein müsse die Trägerschaft nun selbst übernehmen, bis ein geeigneter Partner gefunden sei.

Berlin erinnert an ägyptischen Kulturmanager

Berlin ehrt den Kulturmanager und Kinobesitzer Mohamed Soliman, der um die Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert als einer der ersten auf das Kino setzte und nach dem Ersten Weltkrieg Charlie Chaplin uraufführte, mit einer Gedenktafel. Wie die Senatskulturverwaltung mitteilte, habe sich der einstige Zirkuskünstler aus Ägypten um den Film in der deutschen Hauptstadt äußerst verdient gemacht. Zudem rettete er in wirtschaftliche Not geratene Theater. Die Gedenktafel wurde an Solimans letzter Berliner Adresse in der Oranienburger Straße 65 in Mitte angebracht. Er starb 1929.

Neuer DOK-Preis für Regisseurinnen

Das Dokumentarfilmfestival Leipzig will mit einer neuen Auszeichnung ausschließlich Regisseurinnen ehren. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro sollen vor allem noch nicht finanzierte und realisierte Projekte in der Findungsphase gefördert werden. Ausgelobt werde der Preis von DOK Leipzig gemeinsam mit dem sächsischen Wissenschafts- und Kunstministerium. Frauen drehen den Angaben zufolge nur 23 Prozent der Dokumentarfilme in Deutschland.

Film "Grâce à Dieu" darf auf DVD erscheinen

Der französische Berlinale-Spielfilm "Grâce à Dieu" (deutscher Titel: "Gelobt sei Gott") darf auch künftig vertrieben werden und beispielsweise auf DVD erscheinen. Ein Pariser Gericht lehnte einen entsprechenden Berufungsantrag eines französischen Priesters ab. Er hatte durch die Verbreitung des Films die Unschuldsvermutung für seinen Fall gefährdet gesehen. Das Gericht entschied, ein entsprechender Hinweiskasten am Ende des Films sei ausreichend. In "Grâce à Dieu" zeigt der Regisseur François Ozon, wie mehrere Männer öffentlich machen, dass sie als Kinder von einem Priester missbraucht wurden.

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