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Kulturnachrichten

Montag, 3. Juni 2019

"Bloggerin des Jahres 2017" bekommt Titel aberkannt

Eine deutsche Autorin, die für sich selbst eine jüdische Familiengeschichte erfunden haben soll, bekommt als Konsequenz den Titel "Bloggerin des Jahres 2017" wieder aberkannt. "Wir haben die Autorin um eine Stellungnahme gebeten», teilte das Netzwerk Goldene Blogger mit. "Mit der aktuellen Informationslage sehen wir uns gezwungen, den Preis abzuerkennen." Dem "Spiegel" zufolge soll die in Irland lebende Historikerin Marie Sophie Hingst sowohl in ihrem Blog "Read on my dear, read on" als auch gegenüber dem Archiv der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem falsche Angaben über ihre Abstammung gemacht haben. Der Bericht hat auch Yad Vashem auf den Plan gerufen, wo nun Prüfungen laufen.

Ehren-Oscars für u.a. David Lynch und Lina Wertmüller

Die ersten Oscars der neuen Saison stehen fest: David Lynch, Lina Wertmüller, Wes Studi und Geena Davis erhalten Ehrenpreise. Das teilte die amerikanische Filmakademie mit. Akademie-Präsident John Bailey erklärte, die Governor Awards würdigten jedes Jahr Persönlichkeiten, die ihr Leben künstlerischer Vollendung gewidmet und außerordentliche Beiträge "für unsere Branche und darüber hinaus" erbracht hätten.

Thüringer Kirchen schenken neue Thora-Rolle

Zum geplanten Themenjahr "Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen" lassen die katholische und die evangelische Kirche im Freistaat eine neue Thora-Rolle anfertigen. "Es soll unser Geschenk an die jüdische Landesgemeinde sein", kündigte die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann nach einem Spitzentreffen zwischen Kirchenvertretern und Landesregierung in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt an. Eine Thora-Rolle für den jüdischen Gottesdienstgebrauch wird per Hand von einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber geschrieben. Mit dem Themenjahr 2020/21 soll die Bewerbung Erfurts um den Unesco-Welterbetitel für seine jüdischen Stätten unterstützt werden.

Goethe-Medaillen gegen Trend der Simplifizierung

Die Goethe-Medaillen gehen in diesem Jahr an den deutsch-türkischen Schriftsteller Dogan Akhanli, die aus dem Iran stammende Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat und den mongolischen Verleger Enkhbat Roozon. Wie das Goethe-Institut mitteilte werden damit drei Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich beispielhaft mit dem Verhältnis von Dichtung und Wahrheit auseinandergesetzt haben. Präsident Klaus-Dieter Lehmann hob hervor, dass damit ein Zeichen gesetzt würde gegen Simplifizierung und für mehr Genauigkeit, intensiveres Recherchieren und präziseres Denken. Die Goethe-Medaille wird immer am 28. August, dem Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe in Weimar verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der Dirigent Daniel Barenboim und der Autor John le Carré.

Lehrerverband hält Abi-Aufgabenpool für gescheitert

Der Deutsche Lehrerverband hält das Konzept der Kultusministerkonferenz für vergleichbare Abitur-Prüfungsstandards für "komplett gescheitert". Grund für den Ärger ist der unterschiedliche Umgang einzelner Bundesländer mit dem von Schülern als zu schwierig kritisierten Matheabitur. Nachdem zehntausende Schüler gegen das diesjährige Matheabitur protestiert hatten, reagierten die Bundesländer unterschiedlich. Im Saarland werden die Matheergebnisse nun aufgewertet, in Hamburg kann die Note durch eine mündliche Prüfung verbessert werden. Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger erklärte, das dadurch diejenigen Prüflinge benachteiligt seien, deren Landesregierungen nicht dem öffentlichen Druck durch die Kritik nachgegeben haben. Es sei zu befürchten, dass künftig jedes Jahr wieder über Onlinepetitionen die Abiprüfungen hinterfragt werden. "Von vergleichbar konzipierten und bewerteten Abiturprüfungen sind wir weiter entfernt denn je", erklärte Meidinger.

Literatur im Weserstadion

Das Literaturfest Niedersachsen will neue Besuchergruppen ansprechen. Dafür zieht man mit bekannten Künstlern an ungewöhnliche Orte. Geplant sind Veranstaltungen unter anderem im Marinefliegerstützpunkt Nordholz an der Nordsee, im Bremer Weserstadion und im Automobilmuseum PS-Speicher in Einbeck. Traditionell hat das Literaturfest das gleiche Motto wie die etwas früher startenden Niedersächsischen Musiktage - in diesem Jahr lautet es "Mut!". Es gehe um eigene und mutige Wege junger Künstler, um deutsche Geschichte und Emanzipation sowie um neue Formen der Sprach- und Tonkunst, sagte Festivalchefin Susanne Mamzed. "Tu was!" ist eine Diskussion im Weserstadion überschrieben mit Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald sowie den Autoren Hilal Sezgin und Nicol Ljubic. Es soll um die Möglichkeiten gehen, gegen Gewalt und Rassismus aufzustehen. Das Literaturfest Niedersachsen findet vom 5. bis 22. September statt.

Joachim Meyerhoff wechselt zur Berliner Schaubühne

Der Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff wird das Wiener Burgtheater nach dieser Spielzeit verlassen und an die Berliner Schaubühne wechseln. Dies bestätigte das Theater dem rbb. Meyerhoff ist seit 2005 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Außerdem gehört er zum Ensemble des Hamburger Schauspielhauses. Der Schauspieler ist vielfach ausgezeichnet. Für seine Rolle in Thomas Melles "Die Welt im Rücken" erhielt er 2017 zum zweiten Mal den Nestroy-Theaterpreis als bester Schauspieler. Außerdem wurde er zum "Schauspieler des Jahres" gekürt und mit dem Gustav Gründgens Preis geehrt. Meyerhoff ist auch mit seinem autobiografischen Romanzyklus "Alle Toten fliegen hoch" erfolgreich.

Deutsche Verleger in China mit Tabus konfrontiert

Eine Gruppe deutscher Verleger, Lektoren und Literaturagenten haben auf ihrer gerade beendeten Reise durch China nur unter der Hand von Erinnerungen an das Massaker am Tienanmen-Platz erfahren. Internetzensur sei allgegenwärtig gewesen, so berichtete die mitreisende Literaturkritikerin Katharina Borchardt im Deutschlandfunk Kultur. 2019 ist mit dem 30. Jahrestag des Massakers und dem 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik ein besonderes Jahr für China. In Veranstaltungen mit chinesischen Verlagen wurden drei offizielle chinesische Tabuthemen für dieses Jahr genannt. Chinesische Verlage sind angewiesen, die Themen „Chinesische Republik vor Mao", das Thema DDR und das Thema Religion zu meiden. Die Informationsreise, an der unter anderem die Verlage Suhrkamp, Heyne und Matthes&Seitz teilnahmen, wurde vom Büro der Frankfurter Buchmesse in Peking organisiert und diente dem Austausch und der Kontaktpflege.

Theater-Ikone Rühle sieht Theater ausgehöhlt

Günther Rühle, Intendant und Publizist, vermisst geistige Herausforderung auf der Bühne. "Es kann nicht alles reines Entertainment sein. Die Gesellschaft ist voller Themen, aber das Theater ist von den Autoren, die solche Themen gestalten könnten, völlig verlassen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es gebe sehr gute Schauspieler, "aber sonst scheint das Theater wie ausgehöhlt", beklagte Rühle, der als einer der wichtigsten deutschen Theaterkritiker gilt. Neunzig Prozent der Stücke, die heute gezeigt würden, "taugen nichts". Günther Rühle der heute seinen 95. Geburtstag feiert, war Feuilletonchef der FAZ bevor er 1985 als Intendant ans Frankfurter Theater wechselte. Mit seiner Intendanz verbindet sich der Skandal um Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod".

Ausstellung wegen AfD-nahem Künstler abgesagt

Wegen eines AfD-nahen Künstlers ist die 26. Leipziger Jahresausstellung abgesagt worden. Das hat der Vorstand des Trägervereins mitgeteilt. Der Verein sehe sich nicht in der Lage, einen Veranstaltungsablauf wie in den vergangenen 25 Jahren zu gewährleisten. Zudem sei Vereinsmitgliedern, ausstellenden Künstlern, Förderern und Besuchern die stark politisierte und aufgeheizte Situation nicht zuzumuten. Auf der geplanten Schau sollten Werke von 36 Künstlern gezeigt werden, darunter auch Werke des Malers Axel Krause. Das hatte im Vorfeld zu Protesten geführt. Mehrere Künstler drohten mit ihrem Rückzug. Krause soll in jüngster Zeit durch öffentliche Sympathien für "Pegida" und die "Identitären" aufgefallen sein. Er ist zudem Mitglied des Kuratoriums der von der AfD gegründeten Desiderius-Erasmus-Stiftung. Wegen seiner politischen Gesinnung hatte sich 2018 bereits die Leipziger Galerie Kleindienst von dem Maler getrennt. Am Freitag hatte der Vorstand der Leipziger Jahresausstellung zunächst beschlossen, Krause von der Ausstellung auszuschließen und gleichzeitig geschlossen zurückzutreten. Die Schau sollte aber zunächst weiter stattfinden. Nun ist die Jahresausstellung abgesagt worden und der Verein will sich neu konstituieren.

Bloggerin soll Familiengeschichte erfunden haben

Eine in Irland lebende deutsche Bloggerin soll sich für ihren preisgekrönten Blog eine jüdische Familiengeschichte erfunden haben. Das berichtet der "Spiegel". Die Historikerin Marie Sophie Hingst soll sowohl in ihrem Blog "Read on my dear, read on" als auch dem Archiv der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gegenüber falsche Angaben über ihre Abstammung gemacht haben. Hingst war zur "Bloggerin des Jahres 2017" gekürt worden. Das Team hinter dem Preis "Goldene Blogger" teilte auf Twitter mit, man habe die Preisträgerin um Stellungnahme gebeten und berate über eine Reaktion auf die Vorwürfe. Ein Sprecher von Yad Vashem sagte, man untersuche den Fall. Über einen Anwalt ließ Hingst dem "Spiegel" zufolge mitteilen, dass die Texte ihres Blogs, der am Wochenende nicht mehr erreichbar war, "ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit" für sich in Anspruch nähmen. Es handele sich um Literatur, nicht um Journalismus oder Geschichtsschreibung. Den "Spiegel"-Recherchen zufolge habe Hingst in Wirklichkeit keine nähere jüdische Verwandtschaft. Sie stamme aus einer evangelischen Familie, wie u.a. Recherchen im Stadtarchiv von Stralsund ergeben haben.

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