Seit 04:05 Uhr Tonart

Sonntag, 08.12.2019
 
Seit 04:05 Uhr Tonart

Kulturnachrichten

Montag, 13. Juni 2016

Rechtliche Prüfung von Hitler-Versteigerung gefordert

Israelitische Kultusgemeinde verlangt Untersuchung

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, fordert eine rechtliche Prüfung der geplanten Versteigerung von Habseligkeiten Adolf Hitlers und Hermann Görings. Diese Auktion sei nicht nur geschmacklos. Sie zeuge von einem mehr als fragwürdigen Umgang mit unserer Geschichte, sagte sie der "Abendzeitung". Es müsse außerdem geprüft werden, ob das unserer politischen Kultur entsprechen, heißt es von der Kultusgemeinde - nicht zuletzt angesichts von Hitlergruß und Reichskriegsflagge auf Fanmeilen bei der Fußball-Europameisterschaft. Das Münchner Auktionshaus Hermann Historica hat die Versteigerung angeblich persönlicher Gegenstände von Adolf Hitler und Hermann Göring für den 18. Juni angekündigt. Sie sollen aus der Sammlung eines Arztes stammen, der während der Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse für die medizinische Versorgung der Angeklagten verantwortlich war. Die Sammlung soll unter anderem den Messingbehälter für die Blausäure enthalten, mit der sich Göring umbrachte.

"Hürriyet"-Chefredakteur erhält Redefreiheits-Preis

Sedat Ergin nimmt Preis mit gemischten Gefühlen entgegen

Der Chefredakteur der türkischen Tageszeitung "Hürriyet", Sedat Ergin, hat den "Deutsche Welle Freedom of Speech Award" erhalten. Er nehme die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen entgegen, sagte Ergin heute in Bonn auf dem "Global Media Forum" des Auslandssenders: Es sei traurig, dass die Welt im Jahr 2016 weiterhin um Meinungsfreiheit ringen müsse. Die Pressefreiheit sei auch in Europa nicht mehr selbstverständlich, so Ergin weiter. Sie leide in mehreren europäischen Ländern. Europa stehe vor der großen Herausforderung, globale Werte zu erhalten. Ergin steht in der Türkei wegen Beleidigung von Präsident Recep Tayyep Erdogan vor Gericht. "Hürriyet" ist die auflagenstärkste unabhängige Tageszeitung in der Türkei. Ihre Redaktionsräume wurden im vergangenen Jahr zweimal von Unterstützern der Regierungspartei AKP gestürmt. Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg erklärte, man könne nicht zuschauen, wenn Journalisten, Künstler und Wissenschaftler "systematisch eingeschüchtert und drangsaliert" würden. Der Freedom of Speech Award wurde zum zweiten Mal vergeben. Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte saudische Blogger Raif Badawi den Preis erhalten.

Musical "Hamilton" erhält elf Preise bei Tony-Awards

Preis-Gala in New York stand dabei im Zeichen der Tragödie von Orlando

Das Musical "Hamilton" von Lin-Manuel Miranda ist bei der diesjährigen Verleihung der wichtigsten Theater- und Musicalpreise als großer Sieger hervorgegangen. Die Gründungsgeschichte der USA mit Gesang, Hip-Hop und Jazz bekam elf Auszeichnungen, unter anderem für das beste Musical. Das Bühnenstück „The Humans" über das Leben im Mittelstand der USA holte den Preis für das beste Theaterstück. Schauspielerin Jessica Lange wurde als beste Hauptdarstellerin in dem Stück „Long Day's Journey Into Night". Frank Langella gewann den Tony als bester Hauptdarsteller in dem Theaterstück "The Father". Die 70. Verleihung der Tony Awards wurde den 50 Opfern des Massakers in Orlando gewidmet. Gewinner und Gäste, die auf der Bühne Preise überreichten, äußerten sich zu dem Blutbad in Florida. "Ich bitte dich, Orlando, sei stark", sagte Schauspieler Langella. Der Abend sei von Leid überschattet, erklärte Barbra Streisand, die den Hauptpreis des Abends überreichte. Kunst könne "in einer Zeit wie dieser auch trösten."

Innovationspreis für Dresdner Mikrochip-Experten

Ehrung für Forschung an der Hochfrequenzschaltung

Der Dresdner Mikrochip-Experte Frank Ellinger ist mit dem Vodafone Innovationspreis ausgezeichnet worden. Die Ergebnisse der Arbeit des Professors für Schaltungstechnik und Netzwerktheorie an der TU Dresden machten schnellere, energieeffizientere und preiswertere Chips für die Mobil- und Festnetzkommunikation möglich, teilte die Universität mit. Deshalb wurde er für seine Forschung auf dem Gebiet der Hochfrequenzschaltungen geehrt. Ellinger habe wichtige Grundlagen gelegt etwa für die Mobilfunkgeneration 5G, das Internet der Dinge und das vernetzten Fahren. Der Wissenschaftler sieht die Energieeffizienz als zentrale Herausforderung der Digitalisierung. Die Vodafone Stiftung für Forschung vergibt den mit 25 000 Euro dotierten Preis jährlich für herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologie.

1,5 Millionen Euro für die Provenienzforschung

Deutsches Zentrum für Kulturgutverluste unterstützt Suche nach NS-Raubgut

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg hat rund 1,5 Millionen Euro für die Herkunftsforschung von Kulturgütern zugesagt. Das Geld soll in 15 Projekte der Provenienzforschung fließen, wie das Zentrum heute in Magdeburg mitteilte. Die Einrichtung bewilligt damit Forschungsanträge von Museen, Bibliotheken, wissenschaftlichen Institutionen und Archiven, die sich der dezentralen Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut widmen. "Die Anzahl der Anträge verdeutlicht, dass das Bewusstsein für die Erkundung der Herkunft von Kulturgütern ungebrochen ist", sagte der Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Uwe M. Schneede. Er freue sich, dass mehr und mehr kleinere Einrichtungen auch abseits von Kunstmuseen ihre Bestände auf NS-Raubgut untersuchen würden und damit die Bandbreite der geförderten Projekte steige. Seit Beginn der von Bund und Ländern ermöglichten Förderung von Projekten zur Provenienzforschung haben 156 Institutionen Projektmittel von insgesamt rund 17,5 Millionen Euro erhalten. Damit konnten den Angaben der Einrichtung zufolge bisher 234 Projekte realisiert werden. Unter den jetzt geförderten Einrichtungen sind u.a. das Kunstmuseum Stuttgart, die Universitätsbibliothek Mainz und die Bayerische Staatsbibliothek München.

Bildhauer Tony Cragg: Brexit wäre ein Rückschritt

Kulturpolitische gesamteuropäische Entwicklung sei für alle Menschen von Vorteil

Der britische Bildhauer Tony Cragg tritt für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ein. Er fände es "wirklich sehr schade", wenn es zum Brexit käme, sagte Cragg der Deutschen Presse-Agentur: "Das wäre ein Schritt rückwärts in der Entwicklung." Als Künstler profitiere er davon, dass er in Kontinentaleuropa leben und arbeiten könne. "Ich denke, dass es eine kulturpolitische Entwicklung in Richtung Gesamteuropa gegeben hat, die für alle Menschen vorteilhaft ist", sagte der 67-jährige gebürtige Liverpooler. Cragg, der einen britischen Pass hat, lebt seit rund 40 Jahren in Wuppertal, wo er den Skulpturenpark Waldfrieden als internationales Ausstellungszentrum betreibt. Von 2009 bis 2013 war er Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie. Die Briten stimmen am 23. Juni über den Brexit ab.

Erster Spatenstich für Deutsches Romantik-Museum

Projekt entsteht in direkter Nachbarschaft zum Goethe-Haus

In Frankfurt am Main haben heute offiziell die Bauarbeiten für das Deutsche Romantik-Museum begonnen. Dort sollen ab 2019 vor allem Handschriften von Romantikern wie Novalis oder Joseph von Eichendorff aus einer weltweit einzigartigen Sammlung gezeigt werden, die das Freie Deutsche Hochstift zusammengetragen hat. Beim symbolischen ersten Spatenstich nannte Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Romantik eine "Schlüsselepoche der deutschen und der europäischen Geistesgeschichte". Mit dem Museum werde eine wichtige Lücke geschlossen. Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann verwies auf das große Bürgerengagement, das den Bau des Museums erst möglich mache. 16 Millionen Euro sind für das dreiteilige Gebäude eingeplant. An den Baukosten beteiligen sich der Bund und das Land Hessen mit jeweils 4 Millionen Euro. Rund 6,3 Millionen Euro kommen aus Spenden von Bürgern und Unternehmen. Die Stadt Frankfurt, die 2013 aus finanziellen Gründen zuerst aus dem Projekt ausgestiegen war, gibt 1,8 Millionen Euro. Der Entwurf des Museums stammt von dem Frankfurter Architekten Christoph Mäckler.

Moses Mendelssohn wird mit Denkmal in Berlin geehrt

Realisiert wurde das Denkmal von dem israelischen Künstler Micha Ullman

In Berlin wird morgen ein Denkmal für den berühmten jüdischen Philosophen der Aufklärung Moses Mendelssohn (1729-1786) eingeweiht. Es ist das erste Denkmal für Mendelssohn in Berlin. Mit einer Bodenskulptur erinnert der israelische Künstler Micha Ullman an der Spandauer Straße/Ecke Karl-Liebknecht-Straße an das historische Wohnhaus, in dem Moses Mendelssohn mit seiner Frau Fromet seit seiner Heirat 1762 lebte. Die Initiative für das Denkmal ging von der Mendelssohn-Gesellschaft aus. Der Senat von Berlin hatte die Idee 2012 aufgegriffen und Micha Ullman mit dem Entwurf beauftragt. Es ist die fünfte Skulptur, die der 1939 in Tel Aviv geborene Nachfahre deutscher Juden in Berlin realisiert. Sein bekanntes Werk ist das Denkmal "Bibliothek" auf dem Bebelplatz, das an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten 1933 erinnert.

Opernstreit um den "Ring des Nibelungen" schwelt weiter

Deutsche Oper und Staatsoper verhandeln wegen Dopplung in der Spielzeit 2020

Der Streit zwischen den beiden größten Berliner Opernhäusern um ihre Pläne, gleichzeitig den "Ring des Nibelungen" im Jahr 2020 aufzuführen, schwelt weiter. Die Deutsche Oper und die Staatsoper seien noch in Gesprächen, sagte Kulturstaatssekretär Tim Renner heute im Abgeordnetenhaus. Die Deutsche Oper hatte angekündigt, im Jahr 2020 den "Ring" vom norwegischen Starregisseur Stefan Herheim über vier Spielzeiten inszenieren zu lassen. Ein Jahr später gab Daniel Barenboims Staatsoper bekannt, Richard Wagners Hauptwerk in der Regie des Russen Dimitri Tcherniakov auch 2020 auf die Bühne bringen zu wollen. Weder künstlerisch noch ökonomisch gebe es Gründe gegen zwei Ring-Produktionen in Berlin, sagte Barenboim. Die Deutsche Oper war von der Ankündigung überrascht worden. Nach den Regeln der Opernstiftung müssen die Häuser Doppelungen in einer Spielzeit vermeiden. Der Kulturausschuss bewilligte außerdem mit den Stimmen der rot-schwarzen Koalition den Etat für die Opernstiftung. Rückwirkend für dieses Jahr wurden dafür 136 Millionen bewilligt. Die Staatsoper erhält 47,8, die Deutsche Oper 44,3, die Komische Oper 34,6 und das Staatsballett 8,6 Millionen Euro.

Runder Tisch entscheidet im Juli über Portigon-Sammlung

Verhandlungen zu WestLB-Nachfolgerin seien auf gutem Wege

Die Zukunft der millionenschweren Kunstsammlung der WestLB-Nachfolgerin Portigon soll bei Verhandlungen am 4. Juli besiegelt werden. Dann werde erneut ein Runder Tisch mit Vertretern des NRW-Kultur- und Finanzministeriums, Portigon und der Kunstsammlung tagen, teilte heute eine Sprecherin von Kulturministerin Christina Kampmann mit. Ein Großteil der rund 380 Kunstwerke soll nach früheren Angaben mit Hilfe einer landeseigenen Stiftung angekauft werden. Unklar ist bislang, welche Werke für das Land Nordrhein-Westfalen gesichert werden sollen. Die Kaufsumme der Sammlung wurde bislang auf 30 Millionen Euro geschätzt. Allerdings fehlen elf kapitale Werke wie die "Stier"-Lithografien von Pablo Picasso und ein Bild der Expressionistin Gabriele Münter. Die Arbeiten waren schon vor über einem Jahr aus einem Portigon-Tresorraum gestohlen worden. Die Verhandlungen über die WestLB-Sammlung ziehen sich seit Monaten hin. Portigon muss die Kunst sowie drei wertvolle Streichinstrumente im Zuge der Abwicklung der zerschlagenen Landesbank veräußern. Der drohende Kunst-Ausverkauf hatte bei Museen scharfe Proteste ausgelöst.

Zensur bei Aufführung von "Les Misérables" in Singapur

Künstler reagieren empört

Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur ist ein Kuss zwischen zwei männlichen Darstellern in einer Version des Musicals "Les Misérables" vom Zensor moniert worden. Die Showveranstalter strichen den Kuss, um Sanktionen der Medienbehörde zu umgehen, wie der Promoter Moses Lye berichtete. Homosexualität ist in dem kleinen reichen Stadtstaat verboten. Die Behörden ergreifen allerdings keine Strafmaßnahmen gegen gleichgeschlechtliche Paare, wie sie betonen. Künstler reagierten empört. Es gebe zwar "stolzen Konservatismus", aber die Linie zur einem Statement darüber, "was für verschlafene Kulturbanausen wir sind", sei schmal, schrieb der Dramatiker Alfian Sa'at auf Facebook. Diese Linie sei nun leider überschritten worden.

Kulturnachrichten hören

Juni 2016
MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3

Fazit

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur