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Kulturnachrichten

Montag, 9. Juni 2014

Täter im Politkowskaja-Mordfall zu Straflager verurteilt

Im Oktober jährt sich die Ermordung der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja zum achten Mal.

Heute hat das Moskauer Stadtgericht den mutmaßlichen Organisator der Tat sowie den Todesschützen zu lebenslanger Lagerhaft verurteilt. Den Komplizen droht ebenfalls die Strafkolonie. Der Prozess lasse viele Fragen offen, sagte der Leiter von Amnesty International in Russland. Erst wenn die Drahtzieher bekannt seien, könne das Verbrechen aufgeklärt werden.

Die Bluttat vom 7. Oktober 2006 hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Familie Politkowskajas sowie ihre Kollegen suchen weiter nach den Hintermännern.

Politkowskaja, die eine Gegnerin von Kremlchef Wladimir Putin war, wurde vor ihrer Wohnung durch mehrere Schüsse getötet. Sie hatte aus dem früheren Kriegsgebiet Tschetschenien über schwerste Menschenrechtsverletzungen berichtet.

Papst drängt zu neuem Anlauf für Nahostfrieden

"Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen."

Davon ist Papst Franziskus überzeugt. Gemeinsam mit Israels Staatschef Peres und Palästinenserpräsident Abbas hat er im Vatikan für Frieden im Nahen Osten gebetet. Er hoffe, dass die Begegnung dabei helfe, Gemeinsames zu sehen und Trennendes zu überwinden, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche. Auch Peres und Abbas brachten ihre Sehnsucht nach Frieden im Nahen Osten zum Ausdruck. Am Ende der Zeremonie reichten sich Peres, Abbas und Franziskus demonstrativ die Hände.

Das Gebet in den Vatikanischen Gärten geht zurück auf eine Einladung, die der Papst während seiner Nahost-Reise vor gut zwei Wochen ausgesprochen hatte.

Gauck eröffnet in Köln Kundgebung gegen Rechts

Seit Samstag erinnert das Kulturfest "Birlikte - Zusammenstehen" in Köln an den Nagelbombenanschlag in der Keupstraße vor zehn Jahren.

Mit einer großen Kundgebung geht die Gedenkfeier heute zu Ende. Zum Abschluss wird Bundespräsident Gauck sprechen. Außerdem treten Künstler wie Udo Lindenberg, Peter Maffay und die Kölner Musikgruppe BAP auf. Zu der Kundgebung werden zehntausende Besucher erwartet. - Bei dem Anschlag am 9. Juni 2004 in der Keupstraße, wo viele Migranten leben, waren 22 Menschen verletzt worden. Erst Ende 2011 kam heraus, dass der Anschlag vermutlich auf das Konto der Neonazi-Gruppe NSU geht.

Polen diskutiert Putins Stalingrad-Erklärung

Besonders in Polen, wo man seit Jahren vor Wladimir Putin als Autokraten mit imperialen Absichten warnt, hat diese Nachricht für große Aufmerksamkeit gesorgt.

Wolgograd könnte wieder Stalingrad heißen. Die Umbenennung wünschen sich seit Jahren viele Russen, denen Stalin als Kriegsheld und Garant eines starken Russlands gilt. Wladimir Putin hat sich bislang aus dieser Debatte herausgehalten. Doch während der Feiern zum 70. Jahrestag des D-Days sprach er sich für ein Referendum über die Rückbenennung Wolgograds in Stalingrad aus. Während Putins Erklärung in Deutschland nur sporadisch aufgegriffen wurde, berichteten fast alle polnischen Medien kritisch darüber.

1925 erhielt das ehemalige Zaricyn den Namen des sowjetischen Diktators, 1961 benannte es die damalige Staatsführung im Rahmen ihrer Politik der Entstalinisierung in Wolgograd um. Weltweit ist der Name Stalingrad vor allem ein Symbol für die Wende im Zweiten Weltkrieg. In der Schlacht von Stalingrad stoppte die Rote Armee 1943 den Vormarsch der Deutschen.

Zehelein: Theaterzuschauer sind keine Konsumenten

"Nur weil Zuschauer Theaterkarten kaufen, sind sie noch lange keine Verbraucher oder Konsumenten."

Das sagt` Klaus Zehelein. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur warnte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins vor einer Dominanz der Ökonomie im Kulturbetrieb. Das Kosten-Nutzen-Denken dürfe nicht alles bestimmen. Heute werde nicht mehr getrennt zwischen profitorientierten Unternehmungen und künstlerischer Praxis, kritisierte Zehelein. Kunst sei jedoch keine Dienstleistung. Vielmehr gehe es um die Chance, das gesellschaftliche Sein anders zu erfahren als durch vorgeformte Modelle, die der Markt feilbiete.

Intendanten und Direktoren der deutschen Theater und Orchester treffen sich von Freitag an für zwei Tage in Mannheim. Bei der Jahreshauptversammlung des Bühnenvereins geht es um das Spannungsverhältnis zwischen Kultur und Ökonomie.

Comic-Zeichnerin: Interkulturelle Gemeinsamkeiten größer als viele denken

"Den einen bin ich zu liberal, weil ich keine Burka trage. Für andere bin ich Fundamentalistin, weil ich Kopftuch trage."

Das sagt Soufeina Hamed dem Evangelischen Pressedienst. In ihren Comic-Zeichnungen halte sie fest, was ihr als Muslimin in Deutschland auffalle und was sie störe. Früh habe sie gemerkt, dass die Auseinandersetzung mit der Religion ihr Thema sei. Mit ihren Bildern wolle sie falsche Assoziationen und Missverständnisse entlarven, erklärte Hamed. Die Gemeinsamkeiten seien größer als viele annähmen, die Unterschiede seien nicht selten rein äußerlich.

Eine Auswahl von Hameds Zeichnungen ist von morgen bis zum 1. August unter dem Titel "EbenSo" im Institut für Islamische Theologie in Osnabrück zu sehen.

"Liebesschlösser" bringen Brückengeländer in Paris zum Einsturz

Die schwere Last der Liebenden war am Ende zu viel für den Pont des Arts.

Ein Teil des mit tausenden "Liebesschlössern" behängten Brückengeländers über der Pariser Seine ist gestern eingestürzt. Die berühmte Fußgängerbrücke wurde sofort evakuiert und abgesperrt, wie die Polizei mitteilte. Verletzte habe es nicht gegeben. - Seit 2008 befestigen immer mehr Paare als Beweis ihrer Liebe ein Schloss an der Brücke, sodass das Gewicht stetig steigt. In manchen europäischen Städten, in denen die Mode ebenfalls verbreitet ist, werden Schlösser regelmäßig abmontiert - oder sie sind gleich ganz verboten. In der Paris war man vor derart drastischen Schritten bislang zurückgeschreckt.

Ungarn: "Theater wird zum Raum der Reflektion"

Die Politik in Ungarn beeinflusst das Theater.

Davon ist Andrea Tompa überzeugt. In den letzten zwei Jahrzehnten habe es politisches Theater nicht allzu oft gegeben, schreibt die Theaterwissenschaftlerin im Fachmagazin "Theater heute". Doch nun im Wahljahr sei es präsenter denn je. Andere Plattformen für abweichende Gedanken gebe es in Ungarn kaum. Im Land habe sich eine konservative Elite formiert, die ihre Deutungshoheit in Schulen, Massenmedien und Kultur durchgesetzt habe. In diesem Klima werde das Theater zu einem Raum der Reflexion, der Kritik und des analytischen Denkens.

Astronaut Gerst auf dem Weg zum Twitter-Star

Erst der Griff nach den Sternen, nun mausert sich Alexander Gerst zum Helden der sozialen Medien.

Der deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS schickt über Twitter und Facebook regelmäßig Fotos und Informationen. Die ungewöhnliche Chance, direkt aus dem All Nachrichten zu erhalten, zieht immer mehr Nutzer an. So schnellte die Zahl seiner Anhänger etwa beim Kurznachrichtendienst Twitter binnen kurzer Zeit auf mehr als 42.000. Bis in die Höhen der deutschen Twitter-Charts ist es allerdings noch weit: Dort hat sich zum Beispiel Fußballer Mesut Özil mit fast sechs Millionen so genannter Follower eingerichtet. Aber Gerst hat auch noch Zeit, er wird bis November im All bleiben.

In China fehlen 2014 mindestens zwei Millionen Studienplätze

Seit Jahren steigt die Zahl chinesischer Studierender im Ausland rasant.

Dieser Trend wird sich vermutlich auch in diesem Jahr fortsetzen. Über neun Millionen chinesische Schüler absolvierten in den vergangenen Tagen die landesweite Aufnahmeprüfung für Hochschulen. Doch Staatsmedien berichteten, dass es nur knapp sieben Millionen Studienplätze gebe. - Viele chinesische Schulabgänger schrieben sich in den USA ein, hieß es weiter. Im vergangenen Jahr studierten dort 236.000 Chinesen, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Letztes "Rock am Ring" in der Eifel beendet

"Rock am Ring" ist in der bisherigen Form Geschichte.

Zum letzten Mal ging das Musikfestival in der Eifel über die Bühne. 80.000 Besucher feierten vier Tage lang am Nürburgring. Den Abschluss markierte gestern Abend die Heavy-Metal-Band Metallica. Insgesamt traten mehr als 90 Gruppen auf. Hintergrund des Abschieds vom Nürburgring sind gescheiterte Verhandlungen mit dem neuen Inhaber des Geländes, dem Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn. Zur 30. Ausgabe im kommenden Jahr wird "Rock am Ring" voraussichtlich nach Mönchengladbach umziehen.

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Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

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