Mittwoch, 28.07.2021
 

Kulturnachrichten

Sonntag, 23. Mai 2021

Rückgabe der Benin-Bronzen soll sich nach Nigerias Bedürfnissen richten

Die geplante Restitution von als Raubgut geltenden Benin-Bronzen aus deutschen Beständen muss sich an den Bedürfnissen des Empfängerlandes Nigeria ausrichten, sagt Barbara Plankensteiner, Direktorin des Hamburger Museums am Rothenbaum gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Man muss dort auch genügend Möglichkeiten haben, sich entsprechend vorzubereiten und vor Ort zu organisieren." Außerdem sei es wichtig, die Sammlungen online zu stellen. Noch lasse sich nicht sagen, wie viele Güter vom kommenden Jahr an zurückgegeben werden können. "Jedes Objekt hat einen anderen Stellenwert. Das müssen wir mit den Experten in Nigeria besprechen. Diese Gespräche werden sicher länger dauern." Plankensteiner rechnet damit, dass die Rückgaben "alle emotional überwältigen, nicht nur unsere nigerianischen Freunde, sondern auch uns".

Zwei Drittel lehnen gendergerechte Sprache ab

Fast zwei Drittel der Deutschen lehnen einer Umfrage zufolge eine gendergerechte Sprache ab. 65 Prozent der Bevölkerung halten nichts von einer stärkeren Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter, wie eine Befragung von Infratest Dimap für die "Welt am Sonntag" ergab. Im vergangenen Jahr lag die Ablehnung noch bei 56 Prozent. Die Mehrheit der Deutschen lehnt damit Formulierungen wie "Zuhörende" statt "Zuhörer" und die Nutzung des großen Binnen-I ("WählerInnen") in der Schriftsprache ebenso ab wie eine Pause vor der zweiten Worthälfte ("Pendler_innen") in der gesprochenen Sprache. Frauen bewerten die gendergerechte Sprache insgesamt positiver als Männer, dennoch stieg bei ihnen die Ablehnung von 52 auf 59 Prozent. Ein Verbot der gendergerechten Sprache in öffentlichen Einrichtungen, so wie es die französische Regierung kürzlich als Gesetzentwurf in die Nationalversammlung eingebracht hat, lehnen jedoch 51 Prozent der Deutschen "eher ab".

Cartoonist Haderer wünscht mehr Gelassenheit

Auch misslungene Satire hat aus Sicht des österreichischen Star-Karikaturisten Gerhard Haderer eine Daseinsberechtigung. Für Haderer war die Videoaktion #allesdichtmachen so ein Fall. "Ich weiß dass sie wirklich kontraproduktiv war und dass sie auch in die Hose gegangen ist", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Aber es sei ihm auch schon passiert, dass er Zeichnungen produziert habe, die dann niemand verstanden habe. Man müsse anerkennen, dass Minderheiten mittels Satire ihre subjektive Wahrheit ausdrücken. "Und die hat in unserer demokratischen Grundverfassung das Recht, eine Bühne zu beanspruchen." Bei der Aktion #allesdichtmachen hatten im April rund 50 Schauspielerinnen und Schauspieler in unterschiedlichen Videos die Corona-Politik in Deutschland ironisch-satirisch kommentiert. Nach heftiger Kritik und teils Zustimmung auch aus dem rechten Lager distanzierten sich mehrere Teilnehmer von ihren Beiträgen.

Umfrage zeigt Vertrauensschwund bei Katholiken

Eine aktuelle Umfrage zeigt einen erheblichen Vertrauensverlust unter deutschen Katholiken in die Kirche. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuen Ausgabe berichtet, halten laut einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens Civey 56,5 Prozent der Befragten ihre Kirche für "weniger vertrauenswürdig" oder "gar nicht vertrauenswürdig". Noch negativer fallen demnach die Zahlen aus, wenn nach der Zufriedenheit mit der "Aufarbeitung der sexuellen Missbrauchsfälle" gefragt wird: 78 Prozent bewerten diese "eher negativ" oder "sehr negativ". Auch beim Thema Reformen wird die katholische Kirche kritisch gesehen. 77 Prozent der befragten Kirchenmitglieder sprechen sich für mehr Rechte und Ämter für Frauen aus, so etwa für die Zulassung als Priesterin. 84 Prozent befürworten die Aufhebung des Zölibats.

Ex-BBC-Chef gibt Vorsitz der Nationalgalerie ab

Nach der heftigen Kritik am Zustandekommen des BBC-Interviews mit Prinzessin Diana im Jahr 1995 ist der frühere BBC-Chef Tony Hall als Vorsitzender der National Gallery in London zurückgetreten. Ein Verbleib in seinem Amt würde von den Errungenschaften des renommierten Museums ablenken, das "ihm so sehr am Herzen liege", erklärte Hall. Ein unabhängiger Untersuchungsbericht war zuvor zu dem Ergebnis gekommen, dass der Journalist Martin Bashir sein berühmtes Interview mit Prinzessin Diana 1995 mit unlauteren Mitteln erschlichen hatte.
Hall, der als damaliger Redaktionschef eine interne Untersuchung geleitet hatte, räumte ein, dass diese "weit hinter dem zurückblieb, was erforderlich war". 2013 hatte Hall die Leitung der BBC übernommen, im vergangenen Juli trat er dann den Vorsitz der Nationalgalerie an.

Gewerkschaft warnt vor Antisemitismus an Schulen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor einer Zunahme von Antisemitismus an Schulen und fordert mehr Aufklärung sowie die Entschärfung kultureller Konflikte. Früher hätten die Schülerinnen und Schüler noch häufiger mit Zeitzeugen sprechen können, heutzutage sei das Thema Holocaust bei der Schülerschaft verblasst, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Hinzu kämen ethnische und religiöse Konflikte, die die Schulen überforderten. "Auch durch die sozialen Medien ist der Ton in den Schulen rauer geworden, viele leben in ihren Blasen und können ihre Vorurteile weiter pflegen, ohne dass die Schulen das mitbekommen." Hoffmann forderte ein schnelles Hilfsangebot für die Bekämpfung von Antisemitismus an Schulen. Aktuell fühlten sich viele Lehrkräfte mit dem Problem alleingelassen.

Italien gewinnt den 65. "Eurovision Song Contest"

Die italienische Glamrock-Band Måneskin hat in Rotterdam mit "Zitti e Buoni" (auf Deutsch: still und brav) den 65. "Eurovision Song Contest" gewonnen. Platz zwei ging an Frankreich mit Barbara Pravi und "Voilà", Platz drei an die Schweiz mit Gjon's Tears und "Tout l'univers". Der deutsche Beitrag kam auf den 25. und damit vorletzten Platz. Der populäre Musikwettbewerb wurde dieses Jahr in den Niederlanden wieder mit Publikum veranstaltet. Alle Teilnehmer und die 3500 Zuschauer in der zu 20 Prozent gefüllten Halle mussten sich vorher einem Coronatest unterziehen.

Mülheimer KinderStückePreis für Nino Haratischiwili

Nino Haratischwili ist für ihr Theaterstück "Löwenherzen" am Samstag mit dem Mülheimer KindertstückePreis 2021 ausgezeichnet worden. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen der in einer Textilfabrik in Bangladesch arbeitet und eine geheime Botschaft in einem Stofflöwen versteckt, der für den Versand nach Deutschland bestimmt ist. Haratischwili erzählt in ihrem ersten Stück für Kinder von den Problemen der heutigen Welt, in der unterschiedlichste Erfahrungen gelten. Die Jury-Debatte wurde per livestream übertragen. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert. Fünf Stücke waren nominiert. Die Aufführungen der KinderStücke in Mülheim sind für November geplant. Wegen der andauernden Corona-Pandemie wurden die Mülheimer Theatertage mit der Verleihung des renommierten Dramatikpreises zum großen Teil ins Netz verlegt. Im vergangenen Jahr waren die Theatertage wegen der Pandemie abgesagt worden.

Indien wehrt sich gegen "indische Variante"

Angesichts der weltweiten Angst vor der zuerst in Indien entdeckten Coronavirus-Mutante geht Neu Delhi gegen die Verbreitung des Begriffs "indische Variante" in den Online-Medien vor. Die indische Regierung forderte Online-Plattformen auf, alle Inhalte mit dem Begriff "indische Variante" zu löschen. Zur Begründung hieß es, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die Variante B.1.617 nicht mit einem bestimmten Land in Verbindung bringe. Eine Reihe von Ländern hatte Einreisen aus Indien untersagt oder mit strikten Auflagen versehen.

Pinault-Museum in Paris feiert Eröffnung

In Paris ist heute das Pinault-Museum eröffnet worden. Der Kunsttempel liegt inmitten der französischen Hauptstadt zwischen dem Louvre und dem Centre Pompidou in der ehemaligen Handelsbörse "Bourse de Commerce". Drei Jahre dauerte der Umbau unter der Regie des japanischen Architekten Tadao Ando. Die Kosten werden auf über 160 Millionen Euro geschätzt. Es ist das dritte Museum des französischen Milliardärs und Kunstsammlers Francois Pinaults. Zwei Museen hat er schon in Venedig, den Palazzo Grassi und die Punta de la Dogana. Pinaults Sammlung gehört mit rund 10 000 Werken zu den bedeutendsten für zeitgenössische Kunst; etwa 200 werden nun in Paris präsentiert. Immer wieder allerdings musste wegen der Pandemie die Eröffnung verschoben werden. „Ouverture“ heißt die erste Ausstellung.

17. Architekturbiennale in Venedig eröffnet

In Venedig ist am Samstag die 17. Internationale Architekturbiennale eröffnet worden. Die Biennale gilt als eine der weltweit wichtigsten Präsentationen der Baukunst. Mehr als 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus 46 Ländern zeigen ihre Ideen und Entwürfe. Darüber hinaus sind 61 Länderpavillons gestaltet worden, die unter pandemiebedingten Auflagen auch für Publikum zugänglich sind. Die Biennale dauert bis zum 21. November. Sie steht unter dem Motto "How will we live together?" - "Wie werden wir zusammenleben?" Auch Deutschland ist mit einem Länder-Beitrag vertreten. Im August vergibt eine Jury Goldene Löwen für den besten nationalen Beitrag und den besten Teilnehmer oder die beste Teilnehmerin. Die Ausstellung war wegen der Corona-Pandemie von 2020 auf 2021 verschoben worden.

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