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Kulturnachrichten

Dienstag, 26. Mai 2020

Museum sucht Fotos aus Ostdeutschland

Das Deutsche Historische Museum (DHM) sucht in Kooperation mit der Stiftung Reinbeckhallen für ein Forschungs- und Dokumentationsprojekt private Fotos aus Ostdeutschland zwischen 1980 und 2000. Amateurfotografen könnten bei "Albensichtungen" ihre Aufnahmen des ostdeutschen Alltags dieser Jahre den Projektverantwortlichen zeigen und kommentieren, teilte das Museum in Berlin mit. Die Gespräche werden demnach aufgezeichnet und finden in mehreren Städten in Ostdeutschland statt. Ausgewählte Alben und Gesprächsaufzeichnungen würden in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums aufgenommen. Anhand der Dokumnete sollen die biografischen und familiären Brüche und Kontinuitäten in Ostdeutschland vor und nach der Wende aufgezeigt werden. Das Projekt "Biografie und Geschichte. Private Fotografie in Ostdeutschland 1980-2000" wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Corona-Krise bringt digitalen Schub für Museen

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, kann dem bisherigen Shutdown in der Corona-Krise auch Positives abgewinnen. Das Digitale könne zwar nie das Original ersetzen. Doch um insbesondere junge Menschen für die Themen der Museen zu gewinnen, sei die virtuelle Präsenz entscheidend: "Da hat die Corona-Krise noch einmal einen Extra-Schub gegeben", erklärte Parzinger in der aktuellen Sonderausgabe des MuseumsJournals der Kulturprojekte Berlin GmbH. Das Berliner Bode-Museum etwa biete attraktiv gestaltete virtuelle Rundgänge durch das ganze Haus. Zudem stellten Museumsdirektoren auf Youtube ihre Sammlungen vor. Für die Stiftung mit ihren Museen bringe die Schließung Einnahmeverluste von etwa zwei Millionen Euro pro Monat, so Parzinger. Die schrittweise Öffnung einzelner Häuser ohne touristisches Publikum werde daran wenig ändern, denn für deutlich weniger Besucher benötige man wegen der Hygienemaßnahmen erheblich mehr Aufsichtspersonal.

Verleger fordern mehr Staatshilfe für Zeitungszustellung

Der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV) verlangt von der Politik eine stärkere Unterstützung der Zeitungszustellung. Der Kostendruck in den Verlagen habe durch die Corona-Krise massiv zugenommen, teilte der VBZV mit. Der Vorsitzende Andreas Scherer kritisierte, dass die Infrastrukturförderung, die der Bundestag letztes Jahr beschlossen hat, immer noch nicht ausgezahlt wurde. In der Krise sei diese aber besonders dringlich, um weiter eine tägliche und flächendeckende Zeitungszustellung anbieten zu können. Zudem seien durch sinkende Printauflagen und staatliche Eingriffe die Zustellkosten in den vergangenen fünf Jahren um 41 Prozent gestiegen, so Scherer. Diese Kostenexplosion könnten die Verlage nicht mehr kompensieren. Der Bundestag hatte für die Förderung der Zustell-Infrastruktur von Zeitungen 40 Millionen Euro bereitgestellt, das Geld aber gesperrt, bis ein staatliches Förderkonzept vorliegt.

#UnitedWeStream jetzt auch aus französischen Clubs

Der deutsch-französische Sender Arte will #UnitedWeStream der Berliner Clubcommission mit DJ-Sets aus leeren Clubs jetzt auch aus Locations in Frankreich senden. Seit Projektbeginn im März in Berlin habe #UnitedWeStream auf den Arte-Kanälen rund elf Millionen Aufrufe erzielt, sagte die Kulturchefin des Senders, Claire Isambert. Nach Streams aus Clubs in Deutschland, Österreich und England werde #UnitedWeStream immer mehr zu einem großen europäischen Projekt. Damit versorgen bekannte Clubs die durch die Coronakrise ausgebremsten Partygänger mit täglichen Live-Sets internationaler DJs und DJanes. Zusätzlich werden Spenden für die Clubszene gesammelt. Mitte Mai lag das internationale Spendenvolumen bei rund 900 000 Euro. In Berlin kamen bisher knapp 475 000 Euro von gut 15 000 Spendern zusammen.

Lebenshilfe-Medienpreis für Sandra Maischberger

Der Medienpreis "Bobby" der Bundesvereinigung Lebenshilfe geht an die Journalistin Sandra Maischberger und den Fotografen Florian Jaenicke. Beide setzten sich für eine inklusive Gesellschaft ein und erreichten damit eine große Öffentlichkeit, heißt es zur Begründung. Maischberger hat mit ihrer Firma die Fernseh-Reihe "Manuel Down Under" über einen jungen Mann mit Down-Syndrom produziert, der mit einem Sozialarbeiter und einem Kamerateam durch Australien reiste. Jaenicke veröffentlichte ein ganzes Jahr lang Bilder seines heute 15-jährigen, behinderten Sohnes im Zeit-Magazin. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe zeichnet Menschen mit vorbildlichem Engagement für Menschen mit Behinderung aus. Bisherige Preisträger waren unter anderen Eckart von Hirschhausen, Annette Frier und der FC Bayern München.

Gloger-Orgel wird "Orgel des Jahres"

Die historische Orgel des Baumeisters Dietrich Christoph Gloger (1705-1773) im Nordseebad Otterndorf ist von der bundesweiten Stiftung Orgelklang zur "Orgel des Jahres" gewählt worden. Die 1742 erbaute Orgel sei ein wunderschönes und klangstarkes Instrument, sagte Geschäftsführerin Catharina Hasenclever. Mit rund 2.700 Pfeifen und 46 Registern gehört das Gloger-Bauwerk zu den größten Barockorgeln in Norddeutschland. Die undotierte Auszeichnung ist ein Publikumspreis. In den vergangenen Wochen konnte unter den "Orgeln des Monats" des vergangenen Jahres online abgestimmt werden. Die Stiftung Orgelklang ist Teil der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland. In diesem Jahr fördert sie eigenen Angaben zufolge 19 Orgel-Projekte mit rund 55.500 Euro.

Schauspielerin Renate Krößner gestorben

Die Schauspielerin Renate Krößner ist tot. Sie starb gestern im Alter von 75 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Das bestätigte ihr Ehemann, der Schauspieler Bernd Stegemann der "Bild"-Zeitung. Zuvor hatte die Berliner Zeitung darüber berichtet. Renate Krößner war 1980 als Hauptdarstellerin in dem Film "Solo Sunny" von Konrad Wolf bekannt geworden. Darin spielte sie die Schlagersängerin Sunny, für deren Darstellung sie auf der Berlinale einen Silbernen Bären erhielt. In ihrer 50-jährigen Karriere wirkte sie in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit: zunächst in der DDR und dann auch im Westen - unter anderem im "Tatort" und in der "Lindenstraße".

Uwe Ochsenknecht: Kunst wird zu wenig unterstützt

Uwe Ochsenknecht beklagt eine mangelnde Wertschätzung für Kulturschaffende in Deutschland, insbesondere in der Coronakrise. Kunst und Kultur werde generell viel zu wenig unterstützt, sagte der 64-jährige Schauspieler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. In anderen europäischen Ländern laufe das besser. Hierzulande habe man immer noch nicht die Wertstellung und Wichtigkeit von Kunst und Kultur verstanden, so Ochsenknecht. Dies sei vor allem schade, weil man gerade sehe, wie viel Geld in Deutschland vorhanden sei und welche "Reserven aus dem Boden gestampft werden" könnten.

Unesco-Welterbestätten präsentieren sich im Internet

Am Unesco-Welterbetag am 7. Juni präsentieren sich die deutschen Welterbestätten in diesem Jahr erstmals im digitalen Format. Hierzu wurde eine eigene Webseite freigeschaltet. Sie ermöglicht nach Angaben des Vereins Unesco-Welterbestätten eine "virtuelle Entdeckungstour durch das vielfältige Kultur- und Naturerbe Deutschlands." Damit sollen Einschränkungen, die durch die Corona-Pandemie verursacht wurden, überwunden werden. Interviews mit lokalen Welterbeexperten sollen persönliche Eindrücke zur Erhaltungs- und Vermittlungsarbeit widerspiegeln. Kinder können sich mithilfe von Malvorlagen und Bastelanleitungen kreativ mit dem Welterbe auseinandersetzen. 46 der weltweit mehr als 1000 Welterbestätten liegen in Deutschland, unter anderem der Aachener Dom, die Altstadt von Quedlinburg oder das Wattenmeer.

Kulturrat fordert großes Hilfsprogramm

Der Deutsche Kulturrat fordert, dass der Bund Kulturschaffende und Kultureinrichtungen in der Corona-Krise stärker unterstützt. Geschäftsführer Olaf Zimmermann sagte im Norddeutschen Rundfunk, beim Wiederhochfahren des Kulturbetriebes sei es unglaublich schwierig, Normalität zu finden. Wenn unter Coronabedingungen etwa nur ganz wenige Menschen in Kinos oder Museen gehen könnten, funktionierten die Finanzierungsstrukturen solcher Betriebe nicht mehr. Die bisherige Unterstützung reiche nicht aus, so Zimmermann. Auch die Hilfe für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler, die Ende Juni auslaufe, müsse verlängert werden. Der Kulturbereich könne die Krise nur dann überstehen, wenn es zusätzliches Geld für einen spezifischen Kulturtopf gebe. Dieser sei aber trotz der Zusage von der Regierung immer noch nicht da.

Die Recherchen zum Gurlitt Kunstfund sind beendet

Rund acht Jahre nach der Beschlagnahmung des spektakulären "Schwabinger Kunstfunds" von Cornelius Gurlitt sind von deutscher Seite die Recherchen zur Herkunft der rund 1500 Kunstwerke weitgehend beendet. Bei mehr als 1000 Werken sei nach wie vor unklar, woher sie stammten, bilanzierte der Kunsthistoriker Gilbert Lupfer. Er ist Vorstand des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, das seit 2016 die Forschungsarbeit zu der bei Gurlitt (1932-2014) gefundenen Kunstkollektion fortführte. Nur 14 Werke von Künstlern wie Max Liebermann oder Henri Matisse wurden bisher eindeutig als Raubkunst identifiziert und an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert. Aufsätze zum aktuellen Forschungsstand, der vor allem die Rolle und die Geschäftspraktiken von Gurlitts Vater dokumentiert, sind in einem Sammelband ("Kunstfund Gurlitt. Wege der Forschung") zusammengefasst. Der Kunsthändler - nach dem Krieg Leiter des Kunstvereins Düsseldorf - war einer der Chefeinkäufer Hitlers im besetzten Frankreich. Er sei ein "skrupelloser Händler" gewesen, der "sein Geschäft machen wollte", so Lupfer.

Bürgermeister von Radebeul votiert gegen Bernig-Wahl

Die Wahl des Schriftstellers Jörg Bernig zum neuen Kulturamtsleiter im sächsischen Radebeul soll wiederholt werden. Wie Oberbürgermeister Bert Wendsche am Montagabend mitteilte, befürchtet er einen Imageschaden für die Stadt. Er habe daher den Stadtrat aufgefordert, eine Neuwahl durchzuführen. Bei seinem Einspruch beruft sich Wendsche auf einen entsprechenden Paragrafen der Sächsischen Gemeindeordnung. Bernig wird vorgeworfen, ein Vordenker der Neuen Rechten zu sein und immer wieder auch in deren Publikationen zu veröffentlichen. Bei seiner Wahl am vergangenen Mittwoch soll der 54-Jährige nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks hauptsächlich von Ratsleuten der CDU und der AfD unterstützt worden sein. Die örtliche Kulturszene hatte einen offenen Brief gegen die Wahl Bernigs veröffentlicht, den inzwischen mehrere hundert Menschen unterschrieben haben.

Der US-Schlagzeuger Jimmy Cobb ist tot

Der legendäre US-Schlagzeuger Jimmy Cobb ist im Alter von 91 Jahren in New York gestorben. Das bestätigte seine Frau dem amerikanischen Sender "NPR". Cobb war überwiegend Autodidakt und brachte es zum ältesten Stammspieler in den meisten Miles-Davis-Formationen. Zwischen 1958 und 1963 trommelte er bei einigen der berühmtesten Aufnahmen mit, darunter auch beim Miles-Davis-Album "Kind Of Blue" von 1959. Außerdem spielte er mit Billie Holiday und John Coltrane. 2009 wurde Jimmy Cobb zum "NEA Jazz Master" ernannt, die höchste offizielle US-Auszeichnung für Jazzmusiker. Bis ins hohe Alter trat er regelmäßig auf und veröffentlichte noch im vergangenen Jahr das Album "This I Dig Of You".

Salzburger Festspiele 14 Tage kürzer

Die Salzburger Festspiele sind wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr 14 Tage kürzer als ursprünglich geplant. Wie das österreichische Bundesland Salzburg mitteilte, soll die Jubiläumsausgabe vom 1. bis 31. August dauern. Statt 200 Vorstellungen an 16 Spielstätten sind rund 90 Vorstellungen an höchstens sechs Spielstätten geplant. Alle Produktionen des Jubiläumsprogramms, die 2020 nicht zur Aufführung kommen, sollen 2021 gezeigt werden. Bereits vor zehn Tagen hatte das Land Salzburg mitgeteilt, dass das weltgrößte Klassik-Festival ausgerechnet im Jubiläumsjahr wegen der Corona-Krise abgespeckt werden müsse. In Österreich sind Kulturveranstaltungen ab Freitag wieder erlaubt - allerdings nur mit bis zu 100 Menschen im Publikum. Diese Zahl wird bis 1. August schrittweise auf bis zu 1000 Gäste gesteigert, sofern ein genehmigtes Sicherheitskonzept vorliegt.

Grütters gibt Träger des Verlagspreises bekannt

Die Verlage Matthes & Seitz Berlin, Liebeskind und DOM Publishers sind Spitzenpreisträger des Deutschen Verlagspreises 2020. Das teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in Berlin mit. Der Deutsche Verlagspreis wird in drei Kategorien verliehen: Drei Verlage erhalten für die Qualität und Innovationskraft ihrer Arbeit je ein Gütesiegel und eine Prämie in Höhe von 60.000 Euro. 60 weitere Verlage werden für ihre Leistungen mit einem Gütesiegel und je 20.000 Euro ausgezeichnet. Die ursprünglich für den 25. Mai in München geplante Verleihung musste aufgrund der Covid-19-Pandemie abgesagt werden.

Petition für umstrittene Leiter an Berliner Ballett-Schule

Vertreter der Tanzszene haben sich für die freigestellten Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin und der verbundenen Schule für Artistik eingesetzt. Die Freistellung solle aufgehoben und die Wiederbeschäftigung erreicht werden, heißt es in der Petition der Initiative "Save the Dance" an das Abgeordnetenhaus. Die Schule habe sich internationale Reputation erworben. Die Petition haben unter anderen Tanzpädagogen, Dramaturgen oder Choreographen unterzeichnet. Schulleiter und Künstlerischer Leiter der Ballettschule waren im Zuge von Untersuchungen nach zunächst anonymen Vorwürfen vom Dienst freigestellt worden. Eine Expertenkommission hatte zuvor eine "Kultur der Angst" an der Schule festgestellt. Bis zum Herbst sollen abschließende Berichte vorliegen.

Humboldt Forum erhält umstrittenes Kuppelkreuz

Das weitgehend fertiggestellte Humboldt Forum in Berlin bekommt nun auch das umstrittene Kreuz auf seine weit sichtbare Kuppel. Laterne mitsamt Kreuz sollen am Freitag aufgesetzt werden, wie die Stiftung Humboldt Forum mitteilte. Das christliche Symbol auf der Rekonstruktion des monarchistischen Schlosses wird unter anderem deshalb in Frage gestellt, weil das Humboldt Forum als Kultur- und Ausstellungszentrum völker- und religionsübergreifende Fragen thematisieren will. Der religiöse Anspruch des Kreuzes wird unterstrichen durch ein Schriftband, das die Kuppel umfasst und in dem die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert wird. Die für September geplante erste Teileröffnung des Humboldt Forums war coronabedingt verschoben worden. Der 644 Millionen Euro teure Bau soll nach dem Willen der Stiftung aber noch in diesem Jahr eröffnet werden.

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