Seit 20:03 Uhr Konzert
Donnerstag, 22.10.2020
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Kulturnachrichten

Donnerstag, 7. Mai 2020

Große Theater in NRW öffnen wohl erst im September

Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen rechnet damit, dass der Betrieb an den großen nordrhein-westfälischen Theatern erst zur kommenden Spielzeit ab September wieder beginnt. Bei diesen Häusern mit ihren vielen Mitarbeitern und dem aufwendigen Probenbetrieb sei die Umstellung naturgemäß nicht so schnell umsetzbar, teilte die parteilose Ministerin mit. Die Landesregierung hatte gestern beschlossen, dass Theater unter Auflagen am 30. Mai wieder mit dem Spielbetrieb beginnen könnten. Darüber hatte sich die Intendantin der Ruhrtriennale im Deutschlandfunk Kultur irritiert gezeigt. Der Ausichtrat hatte das Kultur- und Theaterfestival vor zwei Wochen abgesagt. Carp hatte daraufhin angekündigt, die Situation mit den Verantwortlichen "neu diskutieren" zu wollen, weil es "richtig schwer" zu begründen sei, dass ausgerechnet die Ruhrtriennale mit ihren Riesenhallen nicht stattfinden dürfe. Die Ruhrtriennale sollte am 14. August beginnen.

Weiteres Mitglied der türkischen Band "Grup Yorum" gestorben

Ein weiteres Mitglied der türkischen Folk-Band "Grup Yorum" ist gestorben. Bassist Ibrahim Gökcek war vor 325 Tagen in den Hungerstreik getreten. Zwei Tage nach dem Abbruch starb er in einem Krankenhaus in Istanbul. Die Sängerin der Band war Anfang April nach 288 Tagen Hungerstreik gestorben. Mit ihrer Aktion protestierten die beiden Musiker, denen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation vorgeworfen wurde, auch gegen die Inhaftierung von anderen Bandmitgliedern, Razzien, Repressionen und ein jahrelanges Konzertverbot.

Frankfurter Goethepreis für Dzevad Karahasan

Der bosnische Schriftsteller Dzevad Karahasan wird in Zeiten eines wachsenden Nationalismus als politischer und kultureller Grenzüberwinder mit dem Frankfurter Goethepreis ausgezeichnet. Sein umfangreiches Werk aus Romanen, Dramen, Essays und theoretischen Schriften vermittle zwischen Ost und West, Islam und Christentum, heißt es zur Begründung. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig erklärte, Dzevad Karahasan sei ein großer europäischer Schriftsteller, dessen Schriften das Fremde im Eigenen lebendig werden ließen. Der 67 Jahre alte studierte Literatur- und Theaterwissenschaftler sei als literarischer Brückenbauer für das geistige Klima Europas unverzichtbar. Die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro dotiert ist, wird alle drei Jahre am Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe am 28. August vergeben.

Shutdown halbiert Buchhandelsumsatz

Im Vergleich von März zu April dieses Jahres ist der Umsatz des Buchhandels in Deutschland um 46,9 Prozent gefallen. Das Berichtet das "Börsenblatt" in Frankfurt. Das Magazin beruft sich auf den "Branchen-Monitor Buch" von Media Control. Betrachte man alle Vertriebswege zusammen, sank der Umsatz um ein Drittel. Schlusslicht beim Verkauf waren Reise- und Sachbücher.

Leipziger Universitätskirche erhält Europäischen Kulturerbepreis

Die Epitaphien in der wiedererrichteten Leipziger Universitätskirche sind so "qualitätsvoll" restauriert worden, dass sie mit einem der Europäischen Kulturerbepreise/Europa-Nostra-Preise ausgezeichnet worden sind. Das gaben die Europäische Kommission und der Denkmalschutz-Verbund Europa Nostra in Brüssel bekannt. Der undotierte Preis gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für das Kulturerbe und würdigt herausragende Beispiele für dessen Pflege. Die Leipziger Universitätskirche war 1968 gesprengt worden. 45 Gedenktafeln für Verstorbene konnten vorab gerettet werden. Die Kosten für die Restaurierung in Höhe von rund 800.000 Euro übernahmen Spender.

Spanische Ausstellung über Auschwitz ausgezeichnet

Die Ausstellung "Auschwitz: Nicht lange vorbei. Nicht weit weg" erhält einen der europäischen Kulturerbepreise. Die 2017 von 600.000 Menschen besuchte Schau bewahre auf der Grundlage gründlicher historischer Forschung die Erinnerung an eines der schlimmsten Kapitel der Menschheitsgeschichte, begründete die Jury ihre Entscheidung.
EU-Kulturkommissarin Mariya Gabriel sagte bei der Bekanntgabe in Brüssel: "In einem Moment, in dem Millionen Europäer physisch getrennt bleiben, bringt unser Kulturerbe die Menschen weiterhin zusammen." Derzeit ist die Ausstellung in New York zu sehen. Auch London und Berlin sind geplant.

Berliner Charité mit Vorschlägen für Orchesterkonzerte

Wissenschaftler der Berliner Charité haben Vorschläge gemacht, mit denen Orchester ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen könnten. Das 13 Seiten umfassende Papier wurde auf Initiative von sieben Berliner Orchestern verfasst und ist nach Aussage von Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Universitätsklinik, eine wichtige Grundlage für den Proben- und Konzertbetrieb. Die beteiligten Forscher raten je nach Instrument unterschiedliche Abstände: Bei den Streichern sollten die Stühle 1,5 Meter voneinander entfernt stehen, für die Bläser zwei Meter. Den Blechbläsern wird zudem zum Plexiglasschutz geraten.

Denkmalschutz-Sonderprogramm erhält 30 Mio Euro

Für Substanzsicherung und Restaurierungsarbeiten von gut 250 kulturell bedeutsamen Denkmälern und historischen Orgeln in ganz Deutschland, hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages 30 Millionen Euro freigegeben. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte dazu: „In Zeiten der COVID19-Pandemie ist dies auch ein wichtiges Signal an bürgerschaftlich Engagierte und mittelständische Handwerksbetriebe: Kulturerbe ist ein unverzichtbares ‚Lebensmittel‘ – es bietet geistige Nahrung und sorgt für Beschäftigung.“ Die Bundesmittel werden in gleicher Höhe durch Länder, Kommunen, Eigentümer und bürgerschaftliches Engagement ergänzt.

Sächsischer Oberbürgermeister erhält Deutschen Nationalpreis

In Weißwasser im Osten von Sachsen ist Torsten Pötzsch Oberbürgermeister. Für seinen Einsatz gegen Hass und die Spaltung seiner Kommune erhält der 49-Jährige Lokalpolitiker den Deutschen Nationalpreis. Obwohl Pötzsch bedroht werde und bereits ein Anschlag auf sein Leben verübt wurde, suche er "unermüdlich" den Dialog mit den Bürgern, heißt es in der Begründung der mit 30.000 Euro dotierten Auszeichnung. Der Nationalpreis wird seit 1997 im Zeichen der Einheit Deutschlands von der Deutschen Nationalstiftung vergeben.

PEN meldet 212 Angriffe auf Schriftstellerinnen weltweit

Im vergangenen Jahr hat das Internationale PEN-Zentrum 212 Übergriffe auf Schriftsteller, Journalistinnen und Verleger gezählt. Zwei Autoren wurden in Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet, die anderen durch Gefängnisstrafen und Gewalt schikaniert. 18 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die zu Haftstrafen verurteilt oder gegen die Verfahren eingeleitet wurden, kamen wieder frei. Das hat die deutsche Sektion des Schriftstellerverbandes mitgeteilt. „Schriftstellerinnen und Autoren verkörpern eine stete Bedrohung für alle despotischen und demokratiefeindlichen Regime dieser Welt", erklärte Vizepräsident Ralf Nestmeyer. Alle inhaftierten Autoren benötigten unsere grenzenlose Solidarität.

Verdächtigter für Angriff auf ARD-Team frei

Nach dem Angriff vom Mittwoch auf ein Kamerateam der ARD, ist der Tatverdächtige in Berlin aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Das sagte ein Sprecher der Behörde. Gegen den 46-Jährigen liege aber eine Strafanzeige wegen Körperverletzung vor. Bei einer nicht genehmigten Demonstration war vor dem Reichstagsgebäude ein Tonassistent von einem Mann angegriffen worden. Dieser habe versucht zu flüchten, sei dann aber festgenommen worden. Bereits am 1. Mai war in Berlin ein Team der ZDF-Satiresendung "heute-show" attackiert worden.

Aufsichtsrat von Facebook steht

Er soll Entscheidungen auch von Mark Zuckerberg kippen können: Der Aufsichtsrat von Facebook, dessen Mitglieder nun namentlich bekannt sind. Im Kontrollgremium des Internetgiganten sitzen unter anderem: Die ehemalige dänische Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, der ehemalige Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Andras Sajo, die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman und der ehemalige Chefredakteur des britischen "Guardian" Alan Rusbridger. Der Aufsichtsrat soll nach vehementer Kritik am Umgang mit den Inhalten von Facebook vor allem beurteilen, welche politischen Botschaften mit Unterstützung der Socialmediaplattform um die Welt gehen.

Banksy dankt Krankenhauspersonal mit Gemälde

Der Streetart-Künstler Banksy hat sich beim medizinischen Personal in der Corona-Krise bedankt. Ein großes Gemälde in einem Krankenhaus im englischen Southampton zeigt einen spielenden Jungen, der eine Krankenschwester-Puppe in seiner Hand durch die Luft schweben lässt. Sie streckt dabei wie Superman ihre Hand aus - und trägt Gesichtsmaske, Umhang und eine Schürze mit einem roten Kreuz, das einzige farbige Element. Im Papierkorb vor dem Jungen liegen eine Spiderman- und eine Superman-Figur. Der Künstler hinterließ laut BBC im Krankenhaus einen Zettel, auf dem stand: "Danke für alles, was Sie tun. Ich hoffe, dies erhellt den Ort ein wenig, auch wenn es nur schwarz und weiß ist." - Das ein Quadratmeter große Gemälde mit dem Titel "Game Changer" (Spielwende) soll zunächst im Krankenhaus bleiben und dann versteigert werden, so die BBC.

Digitalkonferenz Republica im Online-Format

Die Digitalkonferenz Republica experimentiert in der Corona-Krise mit einem Online-Format. Das Szene-Treffen wird heute auf Live-Kanälen im Internet stattfinden. Zu den prominenten Rednern der Konferenz gehören der Internet-Pionier Vint Cerf, Außenminister Maas, Umweltministerium Schulze sowie der Youtuber Rezo. Normalerweise hätte die Republica in dieser Woche an drei Tagen in Berlin stattfinden sollen.

Kraftwerk-Mitgründer Schneider-Esleben gestorben

Florian Schneider-Esleben, Mitgründer der legendären Gruppe Kraftwerk, ist tot. Das hat das Unternehmen Sony in Berlin unter Berufung auf Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter mitgeteilt. Schneider-Esleben sei nach einer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 73 Jahre alt. Schneider und Hütter gründeten 1970 das berühmte Kling-Klang-Studio in Düsseldorf und starteten Kraftwerk. Schneider-Esleben, Sohn des berühmten Architekten der Nachkriegsmoderne Paul Schneider-Esleben, gilt als einer der Pioniere elektronischer Musik. Er war an den wegweisenden Kraftwerk-Alben von "Autobahn" (1974) bis "Tour De France" (2003) beteiligt. Ende 2008 verließ Schneider-Esleben die Gruppe. 2014 wurde er mit einem Grammy für sein Lebenswerk geehrt.

Ruhrfestspiele stoppen Pläne für Herbstausgabe

Nach der Absage der Ruhrfestspiele in diesem Frühsommer wegen der Corona-Pandemie verzichtet die Festivalleitung auch auf ein Alternativprogramm im Herbst. In enger Abstimmung mit den Gesellschaftern sei entschieden worden, die Planungen für Oktober abzubrechen, hieß es am Mittwoch. Die bis in den Spätsommer reichenden Bestimmungen zu Eindämmung des Coronavirus machten Planungen auf seriöser Grundlage unmöglich. Außerdem gebe es keine klaren Hinweise der Behörden zu Hygiene-Regeln für Zuschauerräume oder Publikumsgrößen. Nächstes Jahr begehen die Ruhrfestspiele ihr 75-jähriges Jubiläum.

"My Boy Lollipop"-Sängerin Millie Small gestorben

Die jamaikanische Sängerin Millie Small ist tot. In den 60er Jahren hatte sie mit ihrem Song "My Boy Lollipop" einen Welthit gelandet. Nach einer Erkrankung sei sie in London gestorben, teilte ihre frühere Plattenfirma Island Records mit. Die Mutter einer Tochter wurde 73 Jahre alt. "My Boy Lollipop" war Island Records zufolge der erste jamaikanische Song, der es in die britischen und amerikanischen Hitparaden schaffte. 1964 stand er in beiden Ländern auf Platz zwei der Charts.
Mit ihrem Hit habe Millie Small einem breiten Publikum die Ska-Musik vorgestellt, hieß es in der Mitteilung.

Interpol stellt 19 000 gestohlene Kunstwerke sicher

Bei weltweiten Razzien im Herbst 2019 hat Interpol 19 000 gestohlene archäologische Artefakte und andere Kunstwerke sichergestellt. 101 Personen seien festgenommen und 300 Ermittlungen eingeleitet worden, teilte die internationale Polizeibehörde in Lyon jetzt mit. Mit der Aktion sollten internationale Netzwerke von Kunst- und Antiquitätenhändlern zerschlagen werden. Sie hätten mit archäologischen Gütern und Kunstwerken gehandelt, die aus Kriegsländern und aus Museen und archäologischen Stätten gestohlen wurden.

Zentrum für Kulturgutverluste fördert Provenienzen

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste unterstützt in diesem Jahr zunächst 25 Forschungsprojekte der Provenienzforschung im Bereich „NS-Raubgut“ finanziell. Der Vorstand habe auf Empfehlung seines Förderbeirates in der ersten Antragsrunde rund 2,87 Millionen Euro für Museen, Bibliotheken, wissenschaftlichen Einrichtungen sowie für vier Privatpersonen bewilligt, teilte die Stiftung in Magdeburg mit. In 17 Projekten würden Museen und Bibliotheken ihre Bestände auf NS-Raubgut untersuchen, darunter auch vier Einrichtungen in privater Trägerschaft. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist der nationale und internationale Ansprechpartner für unrechtmäßig entzogenes Kulturgut. Es wird auf der öffentlich zugänglichen Datenbank des Zentrums „Lost Art“ als Such- und Fundmeldungen dokumentiert.

Kulturnachrichten hören

Mai 2020
MO DI MI DO FR SA SO
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Fazit

Neu im Kino: "Bohnenstange"Bruch mit dem Heldenmythos
In einem Filmstill aus "Bohnenstange" ist eine Schauspielerin mit Kopftuch zu sehen. (Eksystent Distribution / Liana Mukhamedzyanova)

Leningrad nach dem Zweiten Weltkrieg: Zwei traumatisierte Frauen schlagen sich durch die zerstörte Stadt. "Bohnenstange" von Regisseur Kantemir Balagow ist kraftvolles Kino mit herausragenden Darstellerinnen und setzt auch politisch neue Akzente.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur