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Montag, 26.10.2020
 
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Kulturnachrichten

Samstag, 2. Mai 2020

Ägypten stellt Sphinxen am Tahrir-Platz auf

Ägypten hat vier antike Sphinxen an den viel befahrenen Tahrir-Platz im Zentrum Kairos verlegt. Mostafa Wasiri, der Chef der Altertümerverwaltung, sagte, die Statuen blieben bis zur offiziellen Enthüllung in Holzbehältern. Wann diese sein werde, sagte er nicht. Archäologen und andere Menschen hatten die Verlegung an den Platz im Vorfeld kritisiert und die Sorge geäußert, dass die hohe Luftverschmutzung in der Hauptstadt den Statuen schaden könnte. Eine Klage gegen den Umzug durchläuft die Gerichte. Die Sphinxen waren für Ausbesserungsarbeiten von Luxor nach Kairo gebracht worden. Der Tahrir-Platz war das Epizentrum der Proteste des Arabischen Frühlings im Jahr 2011.

Medienverbände verurteilen Angriff auf ZDF-Team

Journalisten-Verbände haben den Angriff auf ein Fernsehteam des ZDF in Berlin scharf verurteilt. Es handele sich um einen feigen und durch nichts zu rechtfertigenden Überfall, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall. Es bestehe eine veritable Gefahr für die freie Berichterstattung, wenn die Ausführenden Angst um sich und ihre Familien haben müssten, sagte Cornelia Berger, die Geschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union. Sieben Mitarbeiter der "heute show" waren gestern Abend in Berlin-Mitte von einer Gruppe Vermummter mit Schlaginstrumenten angegriffen worden. Vier von ihnen mussten ins Krankenhaus. Sechs Verdächtige sind festgenommen worden.

Journalist Harder kritisiert "Hygienedemos"

Der Journalist Bernd Harder hat im Deutschlandfunk Kultur die sogenannten Hygiene-Demos kritisiert, deren Teilnehmer in den Corona-Eindämmungsmaßnahmen eine Verletzung der Menschenrechte sehen und sich gegen eine vermeintliche Verschwörung zur Wehr setzen. Zwar sei es legitim und sehr notwendig, Maßnahmen der Politik zu hinterfragen. Man müsse aber kritische Wachsamkeit von destruktiver Pseudoskepsis unterscheiden. Der Übergang zur Verschwörungstheorie sei dann vollzogen, wenn die Maßnahmen nicht als Reaktion auf eine tatsächliche Gefahr oder Krise wahrgenommen werden, sondern der Politik unterstellt werde, die Krise als Vorwand für ebendiese Maßnahmen zu nutzen. Einem solchen Gedankengebäude liege ein nachvollziehbares Grundbefinden von Machtlosigkeit und Kontrollverlust zugrunde.

Psychologe Grünewald sieht Spaltung der Gesellschaft

Der Psychologe Stephan Grünewald sieht eine starke Aufspaltung der Lebenswirklichkeit in der Coronakrise. Es gebe Menschen, die den Alltag als eine Art Vorhölle erlebten, und andere, die die Entschleunigung genießen könnten, sagte er in einem Interview im Deutschlandfunk. Grünewald betonte, im Zuge der Krise rückten mittlerweile weitere Bedrohungsszenarien wie Arbeitslosigkeit und die Vernichtung von Existenzen in den Vordergrund. Zudem spalte sich die Gesellschaft stark auf. "Die Polarisierung zeigt sich in einer Spreizung der Lebenswirklichkeit. Also wenn wir Tiefeninterviews mit Bürgern, mit Menschen machen, wie es ihnen geht, merken wir: Es gibt zwei diametral entgegengesetzte Realitäten in Corona-Zeit." Einige Bürger beschrieben die Corona-Einschränkungen als Drangsal, andere hätten sich wunderbar zu Hause eingerichtet.

Schauspieler Sam Lloyd gestorben

Der US-Serienschauspieler Sam Lloyd ist im Alter von 56 Jahren in Los Angeles an Krebs gestorben. Das bestätigten Freunde auf einer Spendenseite im Internet und sein Agent Kevin Turner in der Zeitung "USA Today". Bekannt wurde Lloyd als zerstreuter Anwalt Ted Buckland in fast 100 Folgen der Krankenhaus-Comedy "Scrubs", er spielte auch in anderen Serien wie "Desperate Housewives" und Filmen wie "Galaxy Quest" und "Flubber". Lloyd hatte im Januar 2019 die Krebsdiagnose erhalten. Nach einer kurzzeitigen Verbesserung seines Zustands hatte Ende des vergangenen Jahres ein Medikament nicht mehr angeschlagen. Lloyd hatte dann zwei Monate im Koma gelegen, heißt es auf der von "Scrubs"-Produzent Tim Hobert ins Leben gerufenen Spendenseite.

EU warnt vor Beschränkung der Pressefreiheit

Vor dem morgigen Tag der Pressefreiheit hat die Europäische Union Hindernisse für Medien in der Corona-Krise scharf kritisiert. Die Pandemie werde in einigen Ländern als Vorwand benutzt, der Presse unzulässige Beschränkungen aufzuerlegen, heißt es in einer Erklärung, die der Außenbeauftragte Borrell im Namen der 27 EU-Staaten abgab. Borrell betonte, die Krise zeige, wie wichtig die Arbeit von Journalisten sei. In Zeiten der Unsicherheit sei der Zugang zu zuverlässiger und faktengeprüfter Information ohne unzulässige Einflussnahme unverzichtbar. Unlängst hatte die Organisation Reporter ohne Grenzen vor weiteren Einschränkungen in der Krise gewarnt und unter anderem Vorwürfe gegen China erhoben. Auch im EU-Land Ungarn fürchten Kritiker nach der Verschärfung von Strafen für sogenannte Falschnachrichten um die freie Berichterstattung.

Erste Berliner Ausstellungen wieder zugänglich

Die ersten Berliner Galerien haben wieder ihre Türen für Besucher geöffnet. Da Galerien nicht nur als Präsentations-, sondern auch als Verkaufsräume gelten, können Galeristen Interessierte in ihre Räume lassen - sofern die allgemein geltenden Regeln von Abstand und Hygiene eingehalten werden. Staatliche Museen und andere größere Ausstellungshäuser planen für Mitte Mai die Rückkehr zu einem coronabedingt eingeschränkten Publikumsverkehr. Den Planungen zufolge sollen Museen auf der Museumsinsel und am Kulturforum dabei sein. Als erstes der wichtigen Kunstmuseen hat das Brücke-Museum seine Wiedereröffnung für den 15. Mai angekündigt.

Hohenzollern-Einigung mit St. Goar wird 2021 umgesetzt

Der Vergleich im Rechtsstreit zwischen dem Haus Hohenzollern und der Stadt St. Goar um die Burg Rheinfels wird ab 2021 umgesetzt. Dem Vergleich zufolge will die Kleinstadt am Rhein mit der Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung zusammenarbeiten, die sozial benachteiligte Jugendliche fördert. Die Stadt St. Goar hatte das Gemäuer vom Haus Hohenzollern mit der Auflage erworben nicht zu verkaufen, hatte dann aber einen Erbpachtvertrag für 99 Jahre mit einem benachbarten Hotel abgeschlossen. Dagegen klagte Georg Friedrich Prinz von Preußen: Der Vertrag komme einem Verkauf gleich. In erster Instanz verlor der Ururenkel des letzten deutschen Kaisers, in zweiter Instanz akzeptierte er den Vergleich und verzichtete somit auf die Burg.

Mailänder Wandgemälde zu Ehren des Pflegepersonals

In Mailand hat der Graffiti-Künstler Lapo Fatai im Auftrag der Stadt ein Wandgemälde zu Ehren des Pflegepersonals fertiggestellt. Damit wolle die Gemeinde ihre Dankbarkeit in der Coronakrise zeigen, sagte ein Vertreter der Stadt gegenüber der Agentur AFP. Das Bild befindet sich gegenüber des Krankenhauses Auxologico San Luca und trägt den Titel „Nicht vergessen". Es zeigt eine lächelnde Krankenschwester mit Handschuhen und herabgelassener Schutzmaske. Sie sei ein Symbol der Hoffnung und des positiven Geistes, sagte Fatai. Das Coronavirus hat bisher in Italien rund 28.000 Menschenleben gefordert, davon die Hälfte in der Lombardei, dem wirtschaftlichen Herzen des Landes.

Online-Portal für Beiträge aus der Corona-Zeit

Vier Historiker haben ein Online-Portal ins Leben gerufen, das Texte, Bilder und Gedanken zur Corona-Pandemie für die Nachwelt sichert. Ein Foto zeigt beispielsweise eine lange Schlange aus bunt angemalten Steinen, ein Video zum Geigenunterricht online, selbstgenähten Mundschutz, oder einen Toilettenpapierbaum. In das offene Onlineportal "Coronarchiv" kann jeder seine Fotos, Texte, Gedanken und Videos zur Corona-Pandemie einstellen. Die Einsendungen sollen langfristig dokumentiert werden und später auch Forschern eine Rückschau auf das Jahr 2020 ermöglichen.

Auktionshaus Sotheby´s will Auktion im Juni nachholen

Wenn die Beschränkungen der Corona-Krise es zulassen, will das Auktionshaus Sotheby's seine traditionelle Frühjahrsauktion Ende Juni in New York nachholen. Dabei solle unter anderem ein Werk des US-Malers Roy Lichtenstein versteigert werden, das bis zu 30 Millionen Dollar einbringen könnte, teilte das Auktionshaus mit. Das Bild «White Brushstroke I», das der Pop-Art-Künstler 1965 malte, zeigt einen einzelnen großen Pinselstrich. Die Frühjahrsauktionen moderner und zeitgenössischer Kunst, die in der Vergangenheit immer hohe Millionenbeträge eingebracht haben, finden bei Sotheby's eigentlich traditionell im Mai statt.

Kamerateam der „heute show“ angegriffen

Ein Kamerateam ist am 1.Mai-Feiertag in Berlin-Mitte angegriffen worden. Vier Menschen kamen nach ersten Erkenntnissen verletzt ins Krankenhaus, wie Polizeisprecherin Sara Dieng sagte. Es habe sich um Mitarbeiter des ZDF gehandelt. Sie wollten mit dem Komiker Abdelkarim für die „heute show“ drehen. Abdelkarim selbst blieb unverletzt. Sechs Menschen seien festgenommen worden. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauerten an.

Berliner Theatertreffen online eröffnet

Wegen der Coronapandemie findet das Berliner Theatertreffen erstmals im Internet statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung am Freitagabend mit einer Grußbotschaft der Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer. Anschließend wurde eine Fernsehaufzeichnung der Bochumer Inszenierung des "Hamlet" in der Regie von Johan Simons gezeigt. Bis zum 9. Mai werden sechs weitere Inszenierungen der diesjährigen Auswahl präsentiert. Zu sehen sind sie auf der Online-Plattform "Berliner Festspiele on Demand", auf nachtkritik.de sowie auf den Websites der produzierenden Partnertheater.

Europäische Hilfen auch für Kunst und Medien

Die europäischen Hilfsprogramme angesichts der Corona-Pandemie sollen nach dem Willen der EU-Kulturminister auch Kultur und Medien zugute kommen. Eine gemeinsame Erklärung, die mit Ausnahme Ungarns von allen EU-Mitgliedsstaaten mitgetragen wurde, würdigte die Bedeutung von Kreativen und Journalisten für eine demokratische Gesellschaft, teilte das Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Freitag mit. Die auf EU-Ebene geplanten Hilfen aus den Fonds und Programmen müssten Kultur und Medien erreichen. Die kroatische Ratspräsidentschaft hatte die Erklärung von 26 Kultur- und Medienministern zur "Kultur in Zeiten der Covid 19-Krise" vorgelegt. Darin mahnen die Minister an, das für die Kultur wichtige Förderprogramm "Kreatives Europa" so flexibel wie möglich auszugestalten.

Steinmeier bezeichnet Kunst als "Lebensmittel"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu europäischer Solidarität in der Corona-Krise aufgerufen. Nur gemeinsam könnten Schwierigkeiten gemeistert werden. "Das gilt gerade in diesen für uns alle schweren Zeiten", sagte er in seiner Ansprache beim Europakonzert der Berliner Philharmoniker in Berlin. Steinmeier würdigte Europa als "eine Schatzkammer großer Musik". "Europa ist unser gemeinsames Zuhause, und besser als in der Musik, dieser unverwechselbaren gemeinsamen europäischen Sprache, kann das kaum zum Ausdruck kommen", sagte der Bundespräsident. Kunst und Kultur seien keine verzichtbaren Nebensachen: "Gerade in diesen Tagen erfahren wir: Kunst und Kultur sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel." Das Europakonzert hätte eigentlich während Steinmeiers Staatsbesuch zum Jahrestag der Unabhängigkeit Israels in Tel Aviv stattfinden sollen, fiel aber der Coronavirus-Pandemie zum Opfer.

Schlagzeuger-Legende Tony Allen ist gestorben

Die Schlagzeuger-Legende Tony Allen ist tot. Der nigerianische Musiker starb am Donnerstag mit 79 Jahren in Paris, sagte sein Manager Eric Trosset der Nachrichtenagentur AFP. Die Todesursache sei unklar, Allen sei aber nicht an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Allen war in den 60er und 70er Jahren der Schlagzeuger und musikalische Direktor seines Landsmannes Fela Kuti, mit dem er den Afrobeat entwickelte. Dieser verbindet Genres wie Jazz, Funk und traditionelle nigerianische Trommelrhythmen und wurde zu einer der wichtigsten Strömungen afrikanischer Musik im 20. Jahrhundert. Der britische Musiker und Produzent Brian Eno bezeichnete Tony Allen einst als "den vielleicht größten Schlagzeuger, der je gelebt hat".

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