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Kulturnachrichten

Donnerstag, 19. Mai 2016

Protest gegen Aus für Europäisches Jugendorchester

Musikrat macht EU für drohende Schließung verantwortlich

Der Deutsche Musikrat macht die EU für das bevorstehende Aus des renommierten Europäischen Jugendorchesters verantwortlich. Zum 1. September 2016 droht die Schließung, weil die EU ihre finanzielle Förderung einstellen möchte. Aus Sicht der EU-Kommission ist das Orchester selbst für seine weitere Entwicklung verantwortlich. Es habe zwischen 2000 und 2014 10,5 Millionen Euro EU-Fördergelder erhalten, erklärte EU-Kulturkommissar Navracsics. Nun sei die EU-Kulturförderung umgestellt worden, statt Institutionen werden nun Projekte gefördert. 2015 war das Europäische Jugendorchester mit seinem Antrag auf Projektförderung noch erfolgreich, in diesem Jahr nicht. Aus EU-Kreisen verlautete, die von den EU-Staaten und dem EU-Parlament gemeinsam beschlossene Umstrukturierung der Kulturförderung sei effektiv. Wenn das Orchester nun dennoch einfach weiter Geld erhielte, würden der EU-Rechnungshof und die europäische Betrugsbehörde ermitteln. In dem 1976 gegründeten Ausbildungsorchester musizieren 140 Nachwuchs-Musiker aus allen EU-Ländern gemeinsam mit weltberühmten Dirigenten. Sie verstehen sich dabei als "europäische Kulturbotschafter". Musikalischer Leiter ist derzeit der russische Dirigent Vasily Petrenko.

Kritik an "Museum for Urban Contemporary Art"

"Urban Art braucht keine Kuration"

Im Berliner Stadtteil Schöneberg hat der Bau des "Museum for Urban Contemporary Art" begonnen. Dort sollen von Mitte 2017 Street-Art-Künstler aus Deutschland und der ganzen Welt zu sehen sein. Tobias Morawski, Mitglied des Grafittiarchivs und Autor des Buches "Reclaim your City", sieht das Projekt kritisch. Das Spannende an Urban Art sei ja eigentlich, dass diese Kunst aus sich heraus passiere, sagte er im Deutschlandradio Kultur: "Es gibt eben keine Kuration davon. Jeder kann es machen. Jeder kann sich Pinsel, Dose oder was auch immer nehmen und selber in den öffentlichen Raum eingreifen. Und das ist ja eigentlich das, was es spannend macht: Eine offene Debatte im öffentlichen Raum zu befeuern, an der jeder teilnehmen kann." Die Institutionalisierung von Street Art in einem Museum werfe bestimmte Probleme auf, unterstreicht Morawski: "Wer entscheidet, was gezeigt wird? Wer entscheidet, welche Meinungen zur Sprache kommen? Wer wird gefördert, wer nicht? Wer ist drin und wer ist draußen? Es geht um die ganzen Kriterien, die auf der Straße gar nicht da sind, und dann möglicherweise wieder aufgemacht werden." Leiterin und Kuratorin des Museums ist die deutsch-amerikanische Galeristin Yasha Young. Das Land Berlin unterstützt das Projekt mit 1,4 Millionen Euro aus Lotto-Mitteln.

Theaterfestival "Wilder Osten. Ereignis Ukraine" beginnt

Künstlerische Antwort auf die Schrecken der Realpolitik

Das Theaterfestival "Wilder Osten" im Theater Magdeburg wird dem "Ereignis Ukraine" gewidmet. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sei in vielen Stücken und in vielen Veranstaltungen präsent, sagte die Schauspieldirektorin, Cornelia Crombholz, im Deutschlandradio Kultur. Man verpacke diese Themen auf theatralische Weise: "Die Ukrainer versuchen, ihre Themen letztendlich zu verarbeiten. In dem Moment, wo ein Land in einer so schwierigen Situation ist, werden natürlich wieder die grundsätzlichen Fragen gestellt: 'Würde ich zum Beispiel töten? Was ist mit Folter? Ist ein böser Anteil auch in mir drin?'", so Crombholz. Die ukrainischen Künstler pflegten auch eine sehr skurrile, unsentimentale Art des Umgangs mit politischen Themen, sagte Crombholz: "Es ist gefühlvoll, aber es ist auch sehr expressiv. Es ist sehr komödiantisch. Das ist sehr überraschend, obwohl es teilweise so schwere Themen sind. Das macht Freude." Drei ukrainische Regisseure erarbeiten mit den Schauspielern des Theaters Magdeburg Stücke zeitgenössischer ukrainischer Autoren. Das Theater Festival endet am Sonntag.

Puschkin-Museum relativiert sensationellen Kunstfund

Bestand der Skulpturen sei angeblich schon immer bekannt gewesen

Für die Pressesprecherin des Puschkin-Museums, Evgeniya Kiseleva, ist der gestern bekannt gewordene Kunstfund von bislang 59 verloren geglaubten Skulpturen, die bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zum Bestand des Bodemuseums gehörten, keine Sensation: "Die Skulpturen waren immer da, es ist also kein besonderer Fund. Es ist allgemein bekannt, dass diese Kunstwerke vorhanden sind." Wer das nicht gewusst habe, tue ihr leid, sagte sie. "Auf einer Konferenz wurde darüber gesprochen, dass sie bei einer gemeinsamen Ausstellung gezeigt werden, die zusammen von Berliner Museum und Puschkin Museum durchgeführt wird", sagte Kiseleva weiter. Die Sammlung gehörte früher dem Berliner Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bodemuseum. Dies ist auf einer Fachtagung in Florenz bekannt geworden, an der Kuratoren aus Berlin und Moskau teilnahmen. Die Kunstwerke stammen von bedeutenden Meistern der frühen italienischen Kunst, darunter Künstlern wie Donatello, Lucca della Robbia, Niccola und Giovanni Pisano. Die Skulpturen waren während des 2. Weltkriegs in den Flakbunker Friedrichshain ausgelagert worden, der unmittelbar nach Kriegsende vollständig ausbrannte. Bislang galten sie als zerstört, jetzt gibt es erstmals eine offizielle Bestätigung des Puschkin-Museums, dass die Kunstwerke noch existieren und sich in Moskau befinden.

Politiker würdigen Fritz Stern

Der Historiker starb im Alter von 90 Jahren

Mit tiefer Trauer habe Bundeskanzlerin Merkel von Sterns Tod erfahren. "Sterns Schriften über das moderne Europa, insbesondere über Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert sind unverzichtbare Werke für das Verständnis unserer Nation und unseres Kontinents", so Merkel. Bundespräsident Gauck nannte ihn einen "weisen, großartigen Menschen" und einen Mann "großer Gelehrsamkeit" und aufrechten "Verteidiger der Freiheit und Würde des Menschen". Zu Recht habe Stern von den Deutschen gefordert, die Verbrechen an den Juden im kollektiven Gedächtnis zu bewahren. "Ich werde diesen bedeutenden und leidenschaftlichen Mann vermissen. Er war ein aufrechter, eingreifender Verteidiger der Freiheit und Würde des Menschen", sagte Gauck weiter. EU-Kommissionspräsident Juncker sagte, Stern habe "für uns Europäer viele Brücken zwischen Zeiten und Menschen gebaut". "Er wird uns fehlen." Bundestagspräsident Lammert würdigte Stern als "einen hochangesehenen Historiker, einen liberalen politischen Denker und einen versierten Kenner der deutschen Zeitgeschichte". Der 1926 in Breslau geborene Sohn jüdischer Eltern war 1938 vor den Nazis in die USA geflohen und lebte seitdem in New York. Am Mittwoch starb er im Altern von 90 Jahren.

Prinzessin-von-Asturien-Preis an US-Fotograf

Dar Amerikaner Nachtwey erhält angesehene spanische Auszeichnung

Der US-Fotograf James Nachtwey erhält den angesehenen spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Kommunikation und Geisteswissenschaften. Dies entschied heute die Jury in Oviedo in Nordspanien. Der Amerikaner sei mit seiner Arbeit zu einem Zeugen des menschlichen Leidens geworden, begründete die Jury ihre Entscheidung: "Nachtwey erwies sich in den vergangenen Jahrzehnten als einer besten Kriegsreporter." Der 68-Jährige habe von etwa 30 kriegerischen Auseinandersetzungen und humanitären Katastrophen berichtet. Mit seiner Kamera habe er dabei ein ungeschminktes Bild der Realität gezeichnet. Die Prinzessin-von-Asturien-Preise sind nach der spanischen Thronfolgerin benannt und werden alljährlich in acht Sparten vergeben. Die Preisträger erhalten jeweils 50 000 Euro und die Nachbildung einer Statue von Joan Miró.

Museumsbund-Chef fordert Ende des Sparens

Köhne: "Kultur ist kein Sahnehäubchen"

Für ein Ende des Sparens an der Kultur hat sich Museumsbund-Chef Eckart Köhne ausgesprochen. Politik müsse qualitativ über Kultur diskutieren, appellierte Köhne wenige Tage vor dem Internationalen Museumstag am Sonntag. Das gängige Wertesystem, mehr und mehr wirtschaftlich zu denken und zu beurteilen, werde Museen nur bedingt gerecht, unterstrich er. Es muss allen klar sein, dass "Kultur kein Sahnehäubchen ist, sondern so etwas wie die Hefe im Teig der Gesellschaft", betonte der Museumsbund-Chef. "Es braucht ein klares Bekenntnis dazu, dass Museen genauso wie Theater, wie Musikhochschulen, wie Bibliotheken fester Teil des kulturellen Lebens der Gesellschaft sind", mahnte er. Über Kultur aber werde oft im Zusammenhang mit Spardebatten gesprochen, obwohl deren Etats am unteren Ende der Skala lägen. "Da reden wir über ein, vielleicht mal zwei Prozent." Allein das Sparen an der Kultur könne die Probleme der Haushalte nicht lösen.

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