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Kulturnachrichten

Sonntag, 23. Februar 2020

Gedenken an Opfer von Hanau bei Berlinale

Die beiden großen Kirchen haben bei ihrem Ökumenischen Empfang zur Berlinale der Opfer des Anschlags von Hanau gedacht. Erneut würden in unserer Gegenwart Wegsehen, Gleichgültigkeit und Hass mehr und mehr hoffähig, warnte der katholische Medienbischof Gebhard Fürst in Berlin. Die Schlüsse aus Auschwitz und dem Holocaust "sind für uns heilige Verpflichtung". Mit einer Schweigeminute setzten die evangelische und die katholische Kirche ein Zeichen gegen Rassismus, Islamfeindlichkeit und Gewalt. Die Kirchen vergeben traditionell bei der Berlinale auch Preise für Filme, die für spirituelle, menschliche und soziale Werte sensibilisieren.

Aalster Karneval gegen Antisemitismus-Vorwürfe

Der Bürgermeister der belgischen Stadt Aalst, Christoph D'Haese, hat den Karnevalsumzug in seiner Stadt zu Beginn der heutigen Parade gegen Antisemitismus-Vorwürfe verteidigt. Wegen judenfeindlicher Figuren hatte die Unesco den Aalster Karneval vergangenes Jahr in einem beispiellosen Schritt von der Liste des Immateriellen Weltkulturerbes gestrichen. Es gehöre zum "Ritual der Grenzüberschreitung" beim Aalster Karneval, dass über alles und jeden gelacht werden dürfe, sagte D'Haese. Ziel sei es nicht, irgendjemanden zu verletzen. Die Kontroverse um den 600 Jahre alten Aalster Karneval, der seit 2010 auf der Unesco-Liste stand, war im März vergangenen Jahres entbrannt. Auf einem Festwagen waren damals orthodoxe Juden mit Hakennasen auf Geldsäcken stehend und von Ratten umgeben dargestellt worden. Das judenfeindliche Motiv hatte Kritik der EU und jüdischer Organisationen ausgelöst.

Berlinale weist Zensur-Vorwürfe zurück

Nach Forderungen des Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong für einen Boykott der Berlinale hat das Festival Vorwürfe über einen angeblichen Einfluss Chinas auf die Filmauswahl zurückgewiesen. Der Aktivist Wong hatte zuvor in einem Interview mit der Zeitung "Welt am Sonntag" den Festivalmachern vorgeworfen, den Dokumentarfilm "Vivos" des chinesischen Dissidenten Ai Weiwei auf Druck Pekings abgelehnt zu haben. Die Vorwürfe seien haltlos, erklärte die Berlinale heute. Festivalleiter Carlo Chatrian sagte, Ai Weiwei habe sich entschieden, seinen Film auf einem anderen Festival zu zeigen, bevor die Berlinale über eine Aufnahme ins Programm entscheiden konnte. Ai Weiweis Filme waren wiederholt von den Verantwortlichen der Berlinale abgelehnt worden. Der Künstler selbst vermutete dahinter die Einflussnahme Chinas und chinesischer Sponsoren. Die Berlinale-Verantwortlichen wiesen die Vorwürfe mehrfach zurück.

Karneval in Venedig wird wegen Corona-Virus beendet

Die beiden letzten Tage des Karnevals in Venedig sind wegen der Bedrohung durch den Corona-Virus gestrichen worden. Das ließ der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, mitteilen. Die heutigen Umzüge würden noch stattfinden. Danach würden aber alle öffentlichen Veranstaltungen in der Region, inklusive der Sportveranstaltungen, bis zum 1. März ausgesetzt. Ebenso würden bis dahin alle Schulen und Museen geschlossen. Im Laufe des Tages wurden in Venedig die ersten Infektionen mit dem Virus gemeldet. Ebenfalls wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat die Mailänder Scala ihre Aufführungen gestrichen. Dies gelte als Vorsichtsmaßnahme, bis die Behörden weitere Anweisungen geben würden, teilte das Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit. Insgesamt liegt die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in Italien bisher bei mehr als 100.

Intendant des Weill-Festes geht überraschend

Eine Woche vor Beginn des Kurt-Weill-Festes in Dessau hat Intendant Jan Henric Bogen seinen Rückzug bekanntgegeben. "Er hat um die Auflösung seines Vertrages gebeten", sagte der Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft, Thomas Markworth, der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte MDR Kultur berichtet. Bogen hatte erst mit Beginn dieses Jahres die Leitung übernommen. Das bevorstehende Fest vom 28. Februar bis 15. März werde er auch wie geplant als Intendant begleiten, sagte Markworth. Danach gehe er in die Schweiz nach St. Gallen, wo er mit Beginn der Saison 2021/2022 als Operndirektor am Theater tätig sein soll. Die Gründe für den Rückzug des studierten Musikwissenschaftlers und Juristen seien private. Sein Nachfolger soll laut MDR Kultur Gerhard Kämpfe werden.

Kritik an Präsident Bolsonaro bei Karneval in Rio

Beim Karneval in Rio de Janeiro beginnt heute der traditionelle Wettstreit der Sambaschulen. Das zweitägige Spektakel wird in diesem Jahr vom Streit um Präsident Bolsonaro begleitet. Der Vorjahressieger, die Mangueira-Karnevalsgruppe, und auch die erfolgreichste Sambaschule des Landes, Portela, kritisieren in ihren geplanten Shows sowohl das Staatsoberhaupt, als auch den umstrittenen Bürgermeister von Rio, Marcelo Crivella. Crivella hat den Karneval in Rio seit seinem Amtsantritt 2016 immer wieder offen kritisiert und die finanziellen Zuschüsse von umgerechnet einst 5,8 Millionen Euro für die Sambaschulen kontinuierlich gekürzt. In diesem Jahr erhalten die 13 Sambaschulen erstmals überhaupt kein Geld von der Stadt.

Amazon wegen Nazibüchern in der Kritik

Die Gedenkstätte Auschwitz hat Amazon-Chef Jeff Bezos aufgefordert, auf der Plattform angebotene antisemitische Kinderbücher aus der Nazizeit zu entfernen. "Hasserfüllte, bösartig antisemitische Nazi-Propaganda" sei in mehreren Ländern auf Amazon erhältlich, darunter auch in Deutschland, schrieb das Auschwitz-Museum auf Twitter. "Diese Bücher sollten sofort entfernt werden", twitterte die Gedenkstätte direkt an Bezos. In den vergangenen 18 Monaten hat Amazon mehrere Bücher rechtsextremer Autoren zum Kauf angeboten, darunter welche von David Duke, einem ehemaligen Führer des Ku-Klux-Klans, und von George Lincoln Rockwell, dem Gründer der Amerikanischen Nazi-Partei. Das berichtete die New York Times Anfang des Monats. Amazon habe im selben Zeitraum aber auch mehrere Bücher mit antisemitischem Inhalt entfernt.

Für viele ist Karneval ein Kulturgut

Knapp 60 Prozent der Menschen in Deutschland sehen Fasching, Fastnacht und Karneval als Kulturgut. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey, die der Deutsche Kulturrat in Auftrag gegeben hatte. Und pünktlich zum Höhepunkt der Karnevalszeit sind die Karnevalsverbände jetzt auch im Deutschen Kulturrat vertreten. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, nannte diesen Schritt im Deutschlandfunk richtig und überfällig. Am Karneval könne man beispielhaft nachvollziehen, was uns zusammenhalte und welche integrativen Möglichkeiten Kultur habe, sagte Zimmermann.

Künstler demonstrieren für Julian Assange

Kurz vor Beginn der Anhörung des Wikileaks-Gründers Julian Assange haben Prominente auf einem Protestmarsch in London dessen Freiheit gefordert. Sie demonstrierten gegen die mögliche Auslieferung des gebürtigen Australiers an die USA. Zu den Teilnehmern gehörten der Musiker und Produzent Brian Eno, Roger Waters (Pink Floyd), Chrissie Hynde (The Pretenders), die Rapperin M.I.A. und der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis. Der Protestzug endete in der Nähe des Parlaments. Modedesignerin Vivienne Westwood nannte sich einen "Engel der Demokratie" und verlangte von der Justiz, Assange auf freien Fuß zu setzen.

Chemnitzer Theaterpreis: Kritik könnte Folgen haben

Die wiederholte Auszeichnung des Berliner Autors Sören Hornung mit dem Chemnitzer Theaterpreis könnte Folgen für das Verfahren haben. Im Deutschlandfunk Kultur sagte Jury-Mitglied René Schmidt, man wolle in Zukunft die Zusammensetzung des Auswahlgremiums überdenken und erwäge ein anonymisiertes Verfahren. Zuvor hatte das Portal "nachtkritik" von "Vetternwirtschaft" geschrieben, weil Schmidt und ein weiteres Jurymitglied bereits mit Hornung zusammengearbeitet hatten. Die Jury sei bewusst so zusammengesetzt gewesen, dass möglichst breit auf die Texte geschaut werde, verteidigte Schmidt das Vorgehen. Unter den mehr als 30 Einreichungen habe es zunächst unterschiedliche Favoriten gegeben. Erst nach langen, intensiven Diskussionen sei Hornung als Preisträger hervorgegangen. Er bekommt nun 5.000 Preisgeld, außerdem wird sein Text „Arche Noa. Das Ende vom Schluss“ im Theater Chemnitz uraufgeführt.

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