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Kulturnachrichten

Freitag, 24. April 2020

Junge Wissenschaftler beklagen Benachteiligung

Mehr als 500 Wissenschaftler haben gegen eine Benachteiligung von Nachwuchsforschern und Menschen mit Kindern im Uni- und Hochschulbetrieb während der Corona-Krise protestiert. Sie kritisierten in einem offenen Brief an die Bundesregierung, dass viele Expertengremien vor allem aus älteren Männern bestünden und die gesamte Diskussion recht einseitig geführt werde. Der Aspekt der Kinderbetreuung werde in der Debatte zu wenig berücksichtigt. Die Betreuung eines kleinen Kindes sei eine Vollzeitaufgabe. Pro Familie falle ein Erwachsener für die Arbeit weitgehend aus. Besonders Frauen würden in das traditionelle Rollenmodell zurückgedrängt und stellten ihre Karriere hinter häuslichen Aufgaben zurück.

Lars Tietje wird Intendant in Bremerhaven

Der Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, Lars Tietje, wird neuer Intendant des Stadttheaters Bremerhaven. Er werde mit Beginn der Spielzeit 2021/22 die Nachfolge von Ulrich Mokrusch antreten, der an das Theater Osnabrück wechsele, teilte das Staatstheater in Schwerin mit. Tietje hatte im Juli vergangenen Jahres erklärt, seinen seit 2016 laufenden Vertrag in Schwerin nicht zu verlängern. Sein Führungsstil war im Haus umstritten. Er selbst hatte seinen Rückzug mit mangelnder Rückendeckung der Politik für sein Leitungsteam erklärt. Das Staatstheater mit Standorten in Schwerin und Parchim leidet unter den Einsparvorgaben im Zuge des Einstiegs des Landes als Mehrheitsgesellschafter. Auf den Generalintendanten soll am Mecklenburgiscnen Staatstheater eine Doppelspitze aus einem künstlerischen und einem kaufmännischen Leiter folgen.

Museumschefs aus aller Welt konferieren zu Pandemie

Mehr als 50 Museumsdirektoren aus aller Welt werden am 8. Mai in einer virtuellen Konferenz in Dresden über die Folgen der Corona-Pandemie diskutieren. Das sagte die Gastgeberin Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Deutschen Presse-Agentur. An der Beratung nehmen laut Ackermann Kollegen von MoMa und Guggenheim in New York, Getty in Los Angeles, Tate, British Museum, Victoria & Albert sowie der National Gallery in London, dem Louvre und Museé d'Orsay in Paris und aus Indien teil. Ackermann sieht in einer grundsätzlichen Reduzierung der Programme eine Konsequenz der aktuellen Situation. Auch die Rolle des Digitalen im Analogen müsse neu austariert und der internationale Austausch forciert werden. Letzteres sei auch mit weniger Reisen möglich.

Beethoven-Jubiläum bis 2021 verlängert

Die Feiern zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens werden aufgrund der Corona-Pandemie bis September 2021 verlängert. So soll Beethovens Tauftag am 17. Dezember nicht das Finale, sondern einen Höhepunkt der Feierlichkeiten des in Bonn geborenen Komponisten markieren, wie die Jubiläumsgesellschaft BTHVN2020 in Bonn mitteilte. Auch halte man weiter an dem für diesen Tag geplanten Konzert mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchester fest, hieß es. Das Programm unter dem Motto "Beethoven neu entdecken" umfasst rund 300 Projekte.

Katja Riemann: Künstler sind auch systemrelevant

Die Schauspielerin Katja Riemann ("Fack ju Göthe") hat die Bedeutung von Künstlern in Zeiten der Corona-Krise betont. "Es sind Künstler, die momentan die Menschen im Netz unterhalten und aufbauen. Mit Lesungen, mit Videos, mit Kunst, mit Tanz", sagte die 56-Jährige am Rande des Kunstprotests der Klimabewegung Fridays for Future vor dem Bundestag. Für sie sei es daher unverständlich, dass Künstler nicht zu den systemrelevanten Gruppen zählten. Nach eigenen Angaben ist Riemann wie viele andere Künstler aufgrund der Corona-Pandemie aktuell arbeitslos. "Der Film, den wir im Begriff waren zu drehen, wurde eingestellt", sagte sie. Auch am Berliner Gorki Theater könne sie zurzeit natürlich nicht spielen.

Vertrag mit Flick Collection in Berlin läuft aus

Die Berliner Museen verlieren überraschend eine der wichtigsten Privatsammlungen. Der Leihvertrag über die Friedrich Christian Flick Collection endet im kommenden Jahr. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Contemporary Art Limited haben sich darauf geeinigt, den im Jahr 2003 geschlossenen Leihvertrag über die Flick Collection am 30. September 2021 auslaufen zu lassen, wie die Stiftung mitteilt. Die Sammlung wurde im Hamburger Bahnhof der Nationalgalerie präsentiert. Nach der Eröffnungsausstellung 2004 wurden jährlich ein bis drei Ausstellungen mit Werken aus der Sammlung gezeigt. Die Friedrich Christian Flick Collection umfaßt rund 2.500 Werke von 150 Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts.

Komponistin Neuwirth erhält Schumann-Preis

Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth wird mit dem diesjährigen Robert-Schumann-Preis für Dichtung und Musik geehrt. Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz zeichnet sie damit für ihr künstlerisches Lebenswerk aus, das unter anderen Orchesterkompositionen, Musiktheater, Performances, Installationen, Filmmusiken umfasst. Mit ihrem "enorm vielseitigen Schaffen erhebt Olga Neuwirth die Stimme des Widerstands gegen Mainstream, schnelle Gewissheiten und wohlfeile Übereinkünfte", heißt es in der Begründung der Jury. Die 51jährige stehe auch für den Austausch zwischen den Künsten. Die Akademie vergibt den mit 15.000 Euro dotierten Robert-Schumann-Preis für Dichtung und Musik alle zwei Jahre an Persönlichkeiten für ein herausragendes Werk auf dem Gebiet der Musik, der Dichtung sowie der Musikvermittlung.

Corona-Überraschung: Stones veröffentlichen Song

Die Rolling Stones haben seit acht Jahren ihre erste Single veröffentlicht, die wie für die Corona-Zeit geschrieben scheint: Das Leben war so schön, dann wurden wir alle eingesperrt, singt Mick Jagger mit seiner unnachahmlichen Röhre zu einer mächtigen Blues-Rock-Reggae-Mixtur. Und weiter: Man fühlt sich wie ein Geist, der in einer Geisterstadt lebt. Am Donnerstag wurde "Living In A Ghost Town" überraschend veröffentlicht. Keith Richards verriet in einem Statement, dass das schon im letzten Jahr geschriebene Stück als "Teil eines neuen Albums, einer laufenden Sache", aufgenommen worden sei. Der Song passe momentan einfach so gut in die Landschaft, daher habe man ihn rausgehauen.

Berliner Theatertreffen findet im Netz statt

Das Berliner Theatertreffen wird in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie im Internet stattfinden. Das Haus der Berliner Festspiele zeigt vom 1. bis 9. Mai sechs der zehn Inszenierungen auf der Online Plattform "Berliner Festspiele on Demand" und auf nachkritik.de. Neben den Inszenierungen wird ein Diskursprogramm mit Themenschwerpunkt „Digitale Praxis am Theater“ausgestrahlt. Außerdem werden Live-Nachgespräche mit Publikumsbeteiligung gestreamt sowie die Jury-Abschlussdiskussion. Die öffentliche Verleihung des Theaterpreis Berlin an die Schauspielerin Sandra Hüller ist ins nächste Jahr verschoben worden.

Presse hat Recht auf unveränderte Online-Archive

Presse-Online-Archive müssen alte Artikel unverändert vorhalten können. Das hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden. Nur weil ein Anwalt sein Kindschaftsverhältnis zu einem prominenten Politiker nicht in einem alten, im Online-Archiv des "Spiegel" abrufbaren Artikel lesen will, könne er sich nicht auf ein "Recht auf Vergessen" und damit der Löschung seines Namens berufen, befanden die Richter. Presse und Allgemeinheit hätten ein grundsätzliches Interesse an der "fortgesetzten Verfügbarkeit" inhaltlich nicht veränderter Artikel in Online-Archiven. Im Streitfall hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" 1978 einen Beitrag über den Oberbürgermeister einer bayerischen Großstadt veröffentlicht und dabei offenbart, dass der Beschwerdeführer, ein Anwalt, der Sohn des Politikers ist.

Kinderbuch-Expertin wirbt für Programmstraffung

"Gesundschrumpfen" könnte Verlage im Kinder- und Jugendbuchbereich durch die Krise helfen. Das sagte Renate Reichstein, Leiterin der Oetinger-Lizenzabteilung und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage der "Süddeutschen Zeitung". Es sei wichtig, über Programmstraffung nachzudenken und über die Zielgruppen. Reichstein wörtlich: "Wir müssen uns viel genauer anschauen, was Kinder und Jugendliche wollen." Momentan veröffentlichten alle Verlage "wellenartig das Immergleiche", kritisierte die Expertin. So erschienen momentan viele Bücher zur Umwelt oder zur "MeToo"-Debatte, Bücher über Corona seien geplant. Reichstein "findet das entsetzlich", man solle mindestens ein halbes Jahr abwarten, um etwas Fundiertes zu schreiben. Für die Branche insgesamt werde es schwierig, wenn die Frankfurter Buchmesse nicht stattfinden könne. Die weltgrößte Bücherschau ist vom 14. bis 18. Oktober geplant.

Dreitägiges "Play On Fest" mit Star-Konzerten

Das US-Musiklabel Warner Music startet am Freitagabend gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation ein Online-Festival mit Ausschnitten früherer Konzerte. Das "Play On Fest" mit Auftritten von mehr als 65 Musikern und Bands soll drei Tage lang im Internet zu sehen sein, mit dabei sind Coldplay, Green Day und Ed Sheeran. Alle Einnahmen sollen der WHO im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu Gute kommen. US-Präsident Trump hatte Mitte April die Beitragszahlungen an die WHO ausgesetzt.

Deutscher Filmpreis wird ohne Gala verliehen

In Berlin wird am Freitagabend der Deutsche Filmpreis verliehen. Wegen der Corona-Krise wird die "Lola", die wichtigste deutsche Auszeichnung für Filmschaffende, ohne Gala mit Gästen ausgetragen. Dafür läuft die Verleihung zum ersten Mal live im Fernsehen. In der Kategorie Bester Spielfilm sind "Berlin Alexanderplatz", "Es gilt das gesprochene Wort", "Lara", "Lindenberg! Mach dein Ding", "Systemsprenger" und "Undine" nominiert. Mit insgesamt elf Nominierungen ist die Literaturverfilmung "Berlin Alexanderplatz" einer der Favoriten, das Drama "Systemsprenger" kommt auf neun Nominierungen. Insgesamt werden die Lolas in 20 Kategorien verliehen. Die Bundesregierung stellt Preisgelder in Höhe von knapp drei Millionen Euro zur Verfügung.

Elbphilharmonie eröffnet Musikfest im Internet

Das Eröffnungskonzert des wegen der Corona-Pandemie abgesagten Internationalen Musikfests Hamburg findet in digitaler Form statt. Zur Stunde des geplanten Konzertbeginns am Freitag um 20.00 Uhr geht nach Angaben der Elbphilharmonie ein Video online. Das solle zumindest eine Ahnung davon vermitteln, was das Eröffnungskonzert hätte werden können, heißt es in der Mitteilung. Es könne unter www.elbphilharmonie.de oder www.ndr.de/eo angeschaut werden. Anschließend stehe es als Video on demand im Netz. Die fünfte Ausgabe des Internationalen Musikfests Hamburg war bis zum 25. Mai unter dem Motto "Glauben" geplant. 42 Konzerte standen auf dem Programm, darunter die Oper "St. Francois d'Assise" (Der heilige Franz von Assisi) von Olivier Messiaen.

Kinobetreiber drängen auf Wiederöffnung

Die deutschen Kinoverbände haben mit einem Hygieneplan dafür geworben, dass ihre Häuser demnächst wieder öffnen dürfen. Der Vorstandsvorsitzende der AG Kino, Christian Bräuer, sagte in Berlin, Kinos könnten Hygienekonzepte mit am besten umsetzen. Abstandsregeln könnten zum Beispiel eingehalten werden, indem Säle nicht voll besetzt würden. Im Kassenbereich könnten Markierungen und Schutzwände helfen, schlugen AG Kino und HDF Kino vor. Tickets könnten verstärkt online verkauft werden und Besucher den Saal am Ende über Notausgänge verlassen. Nach Angaben des Branchenverbandes HDF Kino belaufen sich die Verluste in den deutschen Filmtheatern während der Corona-Schließungen auf 17 Millionen Euro pro Woche.

Forscher untersuchen Corona-Informationsverhalten

Forscher der Universität Hildesheim untersuchen nach eigenen Angaben derzeit das Informationsverhalten der Deutschen in Krisenzeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, aus welchen Quellen sich die Bundesbürger über die Corona-Pandemie informieren. Auch wollen die Wissenschaftler erkunden, wie wichtig den Menschen dabei etwa regionale Themen, die Glaubwürdigkeit von Informationen, verlässliche Hilfen im Alltag oder Informationen aus offiziellen Quellen sind. Zudem werde die Rolle von "Fake News" untersucht.

Arbeiten an Notre-Dame beginnen wieder

Am kommenden Montag soll der Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame weitergehen. Zehn Arbeiter sollen dann die Bedingungen für den Neustart schaffen, berichtet die Zeitung "Le Figaro". Am 4. Mai sollen etwa 50 Arbeiter auf die Baustelle zurückkehren; zuletzt waren dort 170 Menschen beschäftigt. Am 15. und 16. April 2019 hatte ein Großbrand Teile des weltbekannten Bauwerks zerstört.

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