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Kulturnachrichten

Montag, 20. April 2015

Schauspieler Reinke kritisiert ungarische Politik

Eklat im Theater

Der deutsche Schauspieler Martin Reinke hat bei einem Theaterfestival in Budapest einen Eklat ausgelöst. Er verlas am Ende einer Vorstellung des Wiener Burgtheaters überraschend im ungarischen Nationaltheater eine Erklärung, in der er die rechtsnationale ungarischen Regierung kritisierte. Für diesen Vorgang verlangte der Direktor des Nationaltheaters, Attila Vidnyánszky, eine Erklärung von der Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann. Das Burgtheater ist ebenso wie das Hamburger Thalia-Theater und andere Bühnen Europas bei dem Festival MITEM zu Gast, das vom Nationaltheater organisiert wird. Zum Programm gehörte die Burgtheater-Aufführung von Anton Tschechows "Möwe", mit Reinke in der Rolle des Jewgeni Sergejewitsch Dorn. Am Ende der Vorstellung am Sonntagabend äußerte Reinke Sorgen um die "schwere Situation" des ungarischen Volkes und der Kultur und beklagte, dass sich das Land unter Ministerpräsident Viktor Orban "immer mehr vom Geist der Demokratie und von Europa entfernt".

Neuer NS-Gedenkort eröffnet

70 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen erinnert ein neuer Gedenkort an ein Außenlager

Der Geschichtspark Klinkerwerk in Oranienburg (Oberhavel) soll dokumentieren, unter welchen Bedingungen KZ-Häftlinge dort arbeiten mussten. Zunächst sollten dort Ziegel für die Nazi-Bauvorhaben in Berlin gefertigt werden. Ab 1943 wurde das Werk für die Rüstungsproduktion genutzt. Der Ort hat vor allem für Homosexuelle eine besondere Bedeutung: Nahezu alle der mit einem rosa Stern gekennzeichneten KZ-Häftlinge wurden 1942 dorthin verlegt und später ermordet. Bislang sind laut Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten die Namen von etwa 200 Männern bekannt.

4.600 Jahre altes königliches Grab entdeckt

Sensationsfund bei Kairo

Im nordägyptischen Quesna ist ein königliches Grab aus der 3. Dynastie (2.700 bis 2.620 v.Chr.) entdeckt worden. Laut der ägyptischen Zeitung "Ahram Online" handelt es sich bei dem Lehmziegelbau um das erste bekannte Grab aus der Regierungszeit von Pharao Chaba, dessen Wirken weithin im Dunkeln liegt. Antikenminister Mamdouh Eldamaty hob als weitere Besonderheit hervor, dass der Bau in Quesna gefunden wurde; die Stadt im Nildelta nördlich von Kairo ist an sich eher für Gräber aus griechisch-römischer Zeit bekannt. Von der Auswertung des Fundes erhofft man sich Erkenntnisse über die Verwaltung im Alten Reich.

Deutsches Einwanderungsmuseum geplant

Genauer Standort in NRW aber noch unklar

Deutschland soll ein zentrales Migrationsmuseum bekommen. Dies solle nicht nur ein Geschichtsmuseum werden, sondern "ein Museum für Vergangenheit und Zukunft", sagte die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth als Schirmherrin des Projekts in Köln. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) bezeichnete ein solches Museum als "überfällig". Das Museum gehöre nach Nordrhein-Westfalen, weil dies seit jeher das Einwanderungsland Nummer 1 sei. Eine Entscheidung über den Standort ist aber noch nicht gefallen. Mit einer Studie soll zunächst geprüft werden, wie sich das Museum verwirklichen lässt. Den Grundstock würden die Bestände des Kölner "Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland" (DOMiD) bilden.

Dresdner Münzkabinett vor dem Einzug in neue Räume

Heute wurden die Räume für die neue Dauerausstellung im Georgenbau des Schlosses übergeben

Das Dresdner Münzkabinett kann nun nach zweieinhalb Jahren Bauzeit einziehen. Eröffnet wird die Präsentation der größten Schätze der bedeutenden Sammlung von europäischem Rang am 7. Juni. Rund 4000 Exponate sollen dann von den Anfängen der Münzprägung in Sachsen zeugen, Anekdoten "Rund ums Geld" erzählen sowie das Geldwesen der Antike bis zur Gegenwart und die Entwicklung der Medaillenkunst beleuchten. Die 1945 zerstörte Residenz von Sachsens Kurfürsten und Königen aus dem 16. Jahrhundert wird seit 1985 rekonstruiert.

Jüdisches Museum erhält Nachlass renommierter Goldschmiedin

Großartige Schenkung

Das Jüdische Museum in Berlin erhält den Nachlass der 1943 in Auschwitz ermordeten jüdischen Künstlerin Paula Straus. Die Schenkung enthalte mehr als 500 Briefe, Fotografien und Werkzeichnungen für Silbergeräte und Schmuck und gebe einen Einblick in Straus' künstlerisches Schaffen, teilte das Museum mit. Als Gold- und Silberschmiedin von Luxusartikeln und Industriewaren sei die Künstlerin in den 1920er Jahren in eine Männerdomäne eingedrungen. Die feierliche Übergabe des Nachlasses findet morgen im Jüdischen Museum statt. Erst jüngst war die 1894 geborene Künstlerin durch Ausstellungen im Bröhan-Museum Berlin und im Badischen Landesmuseum Karslruhe wiederentdeckt worden.

Beifall und Buhrufe für Nürnberger "Siegfried"

Gespaltene Kritik

Die Premiere des "Siegfried" am Staatstheater Nürnberg hat gestern Abend gemischte Publikumsreaktionen ausgelöst. Vor allem mit der Schlussszene der Wagner-Oper schien Schmiedleitner einen Teil des Publikums verstört zu haben, nachdem noch der erste Aufzug mit starkem Beifall bedacht worden war. Der österreichische Theatermann deutete den hoch emotionalen Abschluss, in dem Brünnhilde ihre Göttlichkeit für die Liebe mit dem jungen Helden "Siegfried" opfert, zum banalen Fernsehabend auf brauner Kunstledercouch bei Chips und Bier um. Schmiedleitner bediente sich ähnlich wie in "Rheingold" und "Walküre" auch beim "Siegfried" krasser Szenenbilder. Den ersten Aufzug, an dem sich der junge Siegfried an seinem Ziehvater Mime reibt, verlegte der Theatermann in einen ausgebrannten Bunker, möbliert mit schmuddeligen Möbeln. Der Drache Fafner hat sich unter den Betonplatten einer zerstörten Autobahn verschanzt.

"Moses und Aron" in Berlin

Mammutprojekt von Barry Kosky

Am Abend stellte er an der Komischen Oper Berlin Arnold Schönbergs unvollendetes Zwölftonwerk "Moses und Aron" vor. Mit fast 200 Darstellern auf der Bühne macht der gebürtige Australier die Saga vom Exodus der Juden aus Ägypten zu einem hochemotionalen Glaubenskrieg zwischen dem puristischen Propheten Moses und seinem trickreichen Zauberbruder Aron. Am Schluss wird Moses eins mit einem riesigen Berg toter Körper, wenn er mit seiner Klage endet: "O Wort, du Wort, das mir fehlt!" Großer Applaus für die beiden Hauptdarsteller Robert Hayward und John Daszak, vor allem aber für den herausragenden Chor. Dramaturgisch gesehen sei für ihn "Moses und Aron" sicher das radikalste Stück des 20. Jahrhunderts, sagt Kosky.

Filmpreis für japanische Regisseurin Naomi Kawase

"Still the water" ist bester Spielfilm

Nach Ansicht der Jury zeugt der Film der japanischen Filmemacherin Naomi Kawase "von höchster filmischer Meisterschaft, ist visuell atemberaubend und steckt bis zum Ende voller Überraschungen", wie das Festivalbüro vom Internationalen Frauenfilmfestival mitteilte. Kawase war bei der Preisübergabe nicht selbst anwesend. Der deutsche Verleiher des Films, Jürgen Lütz, nahm den mit 15.000 Euro dotierten RWE Filmpreis entgegen. 5.000 Euro der Preissumme gehen an die Regisseurin, der Verleih erhält 10.000 Euro, um den Vertrieb des Gewinnerfilms nachhaltig zu fördern. Mit der Preisverleihung ging das Frauenfilmfestival 2015 zu Ende. Seit Dienstagabend waren insgesamt 107 Produktionen aus 32 Ländern zu sehen, außerdem standen Ausstellungen, Konzerte, Diskussionen, Vorträge und Workshops auf dem Programm.

Warhols "Mona Lisa" für vier Millionen Euro verkauft

Die Kustmesse Art Cologne ist heute zu Ende gegangen

Auf Deutschlands wichtigster Kunstmesse, der Art Cologne, ist der teuerste Verkauf ein Kunstwerk von Andy Warhol gewesen. Der Siebdruck der vierfachen Mona Lisa "Mona Lisa (four times)" brachte nach Angaben der Messe 4,4 Millionen Dollar ein. Zu haben war auch die "Szene aus dem Sommernachtstraum" von Ernst Ludwig Kirchner - für 7,59 Millionen Euro. Sie fand während der Messe aber offenbar keinen Käufer. Die 49. Art Cologne hatten insgesamt 56 000 Interessenten besucht. Sie konnten unter Werken von 200 Galeristen wählen.

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