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Kulturnachrichten

Freitag, 19. April 2019

Leica bekommt wegen Werbe-Video Ärger in China

Der Kamerahersteller Leica hat wegen eines Werbe-Videos Ärger in China bekommen. Das kritisierte Video zeigt eine Szene von den Protesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989. In sozialen Medien wurde dafür der Konzern unter dem Hashtag "Leica insulting China" ("Leica beleidigt China") heftig kritisiert. "Raus aus China, ihr seid fertig", postete ein Nutzer des Twitter-ähnlichen Dienstes Weibo. Andere lobten das Video. Die meisten Beiträge wurden allerdings am Freitag gelöscht. Nutzer wurden mit dem Hinweis auf Gesetzesverstöße daran gehindert, Beiträge mit dem Namen Leica zu verfassen. In dem rund fünf-minütigen Film mit dem Titel "The Hunt" ("Die Jagd") werden im Stile einer Dokumentation Szenen aus der Arbeit von Kriegsreportern gezeigt, darunter auch der eines Fotografen, der von chinesischen Polizeibeamten verfolgt wird. Aus einem Fenster heraus schießt er ein Foto, in der Linse der Kamera spiegelt sich die berühmte Aufnahme eines Mannes, der aufrecht vor einem Panzer steht. Das Fotos wurde zum Symbol der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden. Ganz am Ende des Videos wird das Leica-Logo eingeblendet. Gegenüber der Zeitung "South China Morning Post" distanzierte sich eine Leica-Sprecherin von dem Video. Es sei kein offizielles Werbe-Video, wird sie zitiert. Leica bedauere, wenn es deshalb zu Missverständnissen und falschen Schlüssen komme. Das Video werde von Leica nicht mehr in sozialen Netzwerken weiterverbreitet.

Ramelow mahnt zur Erinnerung

Thüringens Ministerpräsident, Bodo Ramelow, hat von einer "Ambivalenz zwischen Hochkultur und Untergang" in Weimar gesprochen. Gerade in der Klassikerstadt könne es "kein bequemes Tabu, kein Wegducken, kein Verstecken und keinen Schlussstrich geben - auch wenn es immer wieder Menschen gibt, die dies fordern", warnte der Linken-Politiker bei einem Gedenkkonzert. Im Rahmen der 7. Bach Biennale Weimar wurde mit dem Gedenkkonzert "Die Asche von Buchenwald" an die 3500 gestorbenen und ermordeten Buchenwald-Häftlinge erinnert, die zwischen 1937 und 1940 im städtischen Krematorium eingeäschert wurden. "Die Toten waren Deutsche, Polen, Österreicher und Tschechen. 1500 von ihnen wurden als Juden verfolgt, über 300 als Sinti und Roma", sagte Rikola-Gunnar Lüttgenau, Sprecher der Gedenkstätte Buchenwald.

Geplante Reform beim RAI als sexistisch verurteilt

In Italien gibt es Streit um eine geplante Reform beim öffentlich-rechtlichen Sender RAI. Das Unternehmen will nach verschiedenen Medienberichten einige seiner Fernsehkanäle umstrukturieren. Dabei sollen zwei neue Angebote die bisherigen Filmprogramme Rai Movie und Rai Premium ersetzen: ein Programm speziell für Männer und eines für Frauen. Der britische "Guardian" zitiert eine Quelle bei Rai mit den Worten, dass es darum gehe, männliches und weibliches Publikum passgenauer zu erreichen – und nicht um Geschlechtertrennung. Der Unmut ist dessen ungeachtet aber groß. Für die Gewerkschaft der Rai-Journalisten Usigrai sei die Unterteilung in Geschlechter inakzeptabel. Es bestehe die Gefahr, dass den "schlimmsten Klischees" Tür und Tor geöffnet würden. Das Netzwerk "Frauen gegen Gewalt" bezeichnet die Pläne laut "Guardian" als "grotesk" und "sexistisch". Die Quelle bei Rai, die der "Guardian" zitiert, nennt die Kontroverse dagegen "lächerlich". Fernsehsender, die ihr Programm vor allem auf Frauen ausrichten, gibt es auch in anderen Ländern. In Deutschland etwa sendet "Sixx", der zu ProSiebenSat1 gehört. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gibt es die Sendung "Frau TV" des WDR.

Neues Museum im jordanischen Petra eröffnet

Die jordanische Stadt Petra hat ein neues Museum. Gezeigt werden rund 300 Artefakte seit der Steinzeit, wie es in einer Mitteilung des Königshauses heißt. Damit wolle man das kulturelle Erbe der Nabatäerstadt fördern, die 2007 auf die Liste der "neuen Sieben Weltwunder" gewählt wurde. Der Bau am Eingang zum archäologischen Park von Petra erstreckt sich auf über 1.800 Quadratmeter und umfasst acht Ausstellungsräume - einschließlich 22 interaktiver Stationen.

Falsche Spendenaufaufrufe für Notre-Dame

Wegen falscher Spendenaufrufe für den Wiederaufbau von Notre-Dame hat die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet. Man ermittle wegen organisierten Bandenbetrugs, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Zuvor hat die französische Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine Anzeige erstattet, weil Unbekannte in ihrem Namen Spenden sammeln würden. Die Stiftung hatte bereits kurz nach dem Brand eine Sammlung für den Wiederaufbau gestartet. Die Staatsanwaltschaft rief zur Wachsamkeit auf. Unbekannte würden versuchen, per E-Mail und Telefon Spenden einzutreiben und ihre Opfer dazu aufrufen, das Geld per Überweisung auf ihr Bankkonto zu überweisen. Auch das Innenministerium hatte schon vor Betrügern gewarnt und auf die offizielle Internetseite der Regierung verwiesen.

Ritterorden für Michel Houellebecq

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist in die französische Ehrenlegion aufgenommen worden. Staatschef Macron verlieh ihm den Orden eines Ritters der "Légion d'honneur", wie der Elysée-Palast mitteilte. Unter den Gästen der Zeremonie war auch der frühere Staatschef Nicolas Sarkozy. Houellebecq ist einer der erfolgreichsten und international bekanntesten Schriftsteller Frankreichs - und zugleich einer der polemischsten. Sein neuestes Buch "Serotonin" kam im Januar in den Handel. Der düstere Roman über die Hoffnungslosigkeit in ländlichen Regionen Frankreichs schien die Proteste der "Gelbwesten" vorwegzunehmen.

Tschechischer Minister setzt Museumsdirektoren ab

Der tschechische Kulturminister Antonin Stanek hat überraschend zwei der prominentesten Museumsdirektoren des Landes abgesetzt. Der Direktor der Nationalgalerie Prag, Jiri Fajt, und der Leiter des Museums der Kunst in Olmütz, Michal Soukup, hätten sein Vertrauen verloren, erklärte der Minister gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Finanzkontrollen in beiden Häusern hätten Zweifel an der Fähigkeit der beiden Direktoren hervorgerufen, die Nationalgalerie und das Museum wirtschaftlich zu leiten. Gegen den auch international anerkannten Fajt habe er außerdem eine Strafanzeige erstattet, teilte der Minister mit. Dabei gehe es um Fehler bei Honorar- und Mietverträgen. Fajt werde zunächst durch einen Krisenmanager ersetzt, der die Finanzsituation der Nationalgalerie in Ordnung bringen solle. Fajt selbst sowie von der CTK angesprochene Kunstexperten und Oppositionspolitiker kritisierten die Entscheidung des Kulturministers als politisch motiviert. Fajt stehe im Konflikt mit Staatspräsident Milos Zeman, der ihm bis heute die formelle Verleihung des rechtlich korrekt erworbenen Professorentitels verweigere. Die Prager Karlsuniversität habe deshalb den Präsidenten geklagt. Mit Soukup wiederum habe Kulturminister Stanek selbst in der Vergangenheit einen politischen Streit gehabt. Gegen Fajts plötzliche Absetzung protestierten sogleich auch namhafte Museumsdirektoren aus aller Welt in einer Protestnote an Regierungschef Andrej Babis.

Lage der Pressefreiheit in Europa verschlechtert

Die Lage der Pressefreiheit hat sich nach Einschätzung der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen in Europa erneut verschlechtert. Systematische Hetze gegen Journalisten habe dazu geführt, dass "Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten", beklagte die Organisation im Rahmen der heutigen Veröffentlichung der Rangliste zur Pressefreiheit. In Deutschland werden Journalisten demnach zunehmend bei rechtspopulistischen Veranstaltungen bedroht. Zur Situation in Europa erklärte ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger, "gezielte Diffamierungen und aggressive, zum Teil hetzerische Kampagnen populistischer Politiker gegen Medien" mündeten in realer Gewalt. Das gelte etwa für den EU-Beitrittskandidaten Serbien und die Slowakei. Bereits im Vorjahresbericht hatte Reporter ohne Grenzen eine Verschlechterung der Pressefreiheit in Europa angeprangert. Auch in Österreich hätten medienfeindliche Rhetorik und Drohungen gegen Medienschaffende stark zugenommen, seit die rechtspopulistische FPÖ an der Regierung beteiligt ist, sagte Gloger.

Deutschland bietet Hilfe für Notre-Dame an

Deutschland bietet Hilfe beim Wiederaufbau der bei einem Brand schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame an. Experten und Sachverständige könnten fachliche und technische Hilfe leisten und mit Rat und Tat zur Seite stehen, sofern dies von Frankreich gewünscht werde, teilte Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin mit. Mit der Koordination der deutschen Hilfsangebote hat Grütters die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner beauftragt. Die Architektin und Kunsthistorikerin gelte als international renommierte Expertin auf diesem Gebiet, erklärte die Staatsministerin. Schock-Werner werde sie am 30. April nach Paris begleiten. "Der verheerende Brand von Notre-Dame hat uns alle tief erschüttert", betonte Grütters. Die Kathedrale im Herzen von Paris habe nicht nur für Frankreich hohe symbolische Bedeutung, sondern sie präge als Unesco-Weltkulturerbe "unser aller gemeinsame kulturelle Identität in Europa".

Fund von Grab und Mumie aus Pharaonenzeit

Archäologen haben im Süden Ägyptens ein rund 3500 Jahre altes Grab aus der Zeit der Pharaonen und eine jahrtausendealte Mumie entdeckt. Das Grab gehe zurück auf die 18. Dynastie und umfasse auch einen sehr großen Hof, sagte der Generalsekretär des ägyptischen Hohen Antikenrates, Mustafa Wasiri, bei einer Feier an der Grabungsstätte in der Totenstadt Dra Abu al-Naga bei Luxor. Dort werden immer wieder Gräber aus der Pharaonenzeit gefunden.Die Mumie wurde Wasiri zufolge in drei ineinander geschachtelten Särgen an einer anderen Grabungsstätte in der Region entdeckt. Sie gehe auf die Ramessidenzeit zurück, die in etwa vom 13. bis 11.Jahrhundert v. Chr. reichte. Ägypten hat in den vergangenen Monaten mehrfach neue Funde aus der Pharaonenzeit verkündet. Die jahrtausendealten Überreste ziehen viele Touristen an. Ägyptens Regierung bemüht sich darum, die Zahl der Urlauber zu erhöhen. Die unruhigen Zeiten nach dem Sturz von Langzeitherrscher Husni Mubarak im Jahr 2011 haben die Tourismusbranche des Landes schwer getroffen.

Unbekannte Pläne für Bauhaus-Villa entdeckt

Im Stadtarchiv Krefeld sind bislang völlig unbekannte und nicht realisierte Pläne für die Bauhaus-Villa Haus Esters entdeckt worden. Die Zeichnungen aus dem Büro des weltbekannten Architekten Ludwig Mies van der Rohe entstanden teilweise im Juli 1928 und unterscheiden sich grundlegend von dem Bau der Villa, der kurz darauf im Oktober 1928 begann. Es müsse "unterschiedliche Meinungen zwischen Bauherr und Architekt" gegeben haben, sagte der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs, Christoph Moß, der Deutschen Presse-Agentur. So war für Haus Esters zeitweise ein zweites Obergeschoss für Hausangestellte vorgesehen. Außerdem war als Straßenfront zunächst eine gerade Fassade ohne den heutigen Vorbau geplant. Insgesamt lägen drei nicht realisierte Varianten für das Haus Esters vor, von denen eine jedoch nicht datiert sei, sagte Moß. Teilweise sind die Pläne von Mies van der Rohes Assistenten Hermann John signiert. Moß hatte die Grund- und Aufrisspläne Ende Februar in einem nicht beschrifteten Karton mit Unterlagen des Liegenschaftsamts im Stadtarchiv entdeckt.

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