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Kulturnachrichten

Donnerstag, 22. Februar 2018

Heiner-Carow-Preis für Flüchtlingsfilm "Styx"

Preis erinnert an den Regisseur von "Die Legende von Paul und Paula"

Der Flüchtlingsfilm "Styx" von Regisseur Wolfgang Fischer ist bei der Berlinale mit dem Heiner-Carow-Preis ausgezeichnet worden. Die vergebende DEFA-Stiftung erklärte, mit "Styx" sei ein besonders beeindruckender Film gelungen. Tief berührend und mit dem meisterlichen Spiel der beiden Protagonisten stelle er elementarste Fragen der menschlichen Existenz. In dem Film wird eine selbstbewusste Ärztin (Susanne Wolff) bei einem Segeltörn plötzlich mit dem Schicksal kenternder Flüchtlinge konfrontiert. Sie funkt vergeblich um Hilfe und steht bald vor der Entscheidung, selbst etwas zu tun. Die Auszeichnung erinnert an den 1997 gestorbenen Regisseur Heiner Carow, der in den Babelsberger DEFA-Studios wichtige Filme drehte, etwa "Die Legende von Paul und Paula".

Spanien: Empörung wegen Haftstrafe für Rapper

Unverständnis in allen politischen Lagern

Die Verurteilung des Rappers Valtònyc aus Mallorca zu dreieinhalb Jahren Gefängnis sorgt in Spanien für Empörung. Die Entscheidung des Obersten Gerichts, das ein früheres Urteil bestätigt hatte, wird nicht nur von linken Politikern, Rapper-Kollegen, alternativen Künstlern und Anti-System-Bewegungen kritisiert. Mit den Richtern des "Tribunal Constitucional" gehen auch Leute wie Toni Bolaño hart ins Gericht. "Das Urteil ist skandalös", schimpfte der angesehene Kolumnist der konservativen und monarchistischen Zeitung "La Razón" in einer Fernseh-Talkrunde. Unverständnis kommt auch von Expertenseite. Die Meinungs- und Kunstfreiheit sei nicht nur für Dinge und Aussagen gedacht, "die uns gefallen, sondern auch für jene, die uns missfallen oder sogar beleidigen", betonte der Sprecher des Richterverbandes "Jueces para la Democracia", Ignacio González Vega. Valtònyc wurde für schuldig befunden, in seinen Liedern unter anderem den Terrorismus verherrlicht, die Royals sowie Politiker beleidigt und mit dem Tode bedroht zu haben. Vor rund einem Jahr war er in erster Instanz vom Landgericht der Balearen verurteilt worden.

Regisseur Imhoof: Heimat nicht zu Abgrenzung nutzen

Sonst seien wir bald beim Stacheldraht

Das Thema Heimat darf nach Ansicht des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof nicht dazu benutzt werden, um sich bewusst von anderen abzugrenzen. "Es ist ganz wichtig, dass man zu sich selber stehen kann, sich selber erkennen kann, dass das auch ein Land oder eine Nation kann", sagte der 76-Jährige auf der Berlinale. Das müsse aber immer in einer "schöpferischen und beweglichen Relation" zum Anderen geschehen. Wenn man beginne sich abzugrenzen, "dann sind wir bald beim Stacheldraht". Im Deutschlandfunk Kultur sagte Imhoof: "Das Wort Flüchtlingskrise ist eigentlich die größte Täuschung. Es ist nicht eine Krise, es ist ein Zustand, der andauern wird und der noch zunehmen wird." Imhoof, der bei der Berlinale 1981 für "Das Boot ist voll" einen Silbernen Bären gewonnen hatte, ist in diesem Jahr mit der Dokumentation "Eldorado" über das Schicksal von Bootsflüchtlingen und die europäische Flüchtlingspolitik außer Konkurrenz im Wettbewerb vertreten.

Programm erkennt Hassbotschaften

Hetzerische Wörter in Tweets werden in Echtzeit aufgespürt

Forscher der Universitäten Antwerpen und Hildesheim haben ein Programm entwickelt, das Hassbotschaften in deutscher Sprache auf Twitter aufspüren kann. Die Software entstand im vergangenen Jahr als Teil eines Projektes, bei dem die politische Kommunikation vor der Bundestagswahl untersucht wurde, wie die Universität Hildesheim mitteilte. Dazu analysierten der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt und die Hildesheimer Medienlinguistin Sylvia Jaki Polit-Talkshows und Kommentare in sozialen Medien. "Um ein besseres Verständnis zu gewinnen, wie politisch motivierte Hassbotschaften in den sozialen Medien aussehen, berücksichtigen wir auch nonverbale Elemente wie Bilder oder Emojis", erklärte Jaki das Programm. Es spüre hetzerische Wörter und Wortkombinationen in Tweets in Echtzeit auf. Laut De Smedt kann die Software auch damit umgehen, dass sich die Sprache des Hasses verändert. In Tests habe das Programm eine Trefferquote von 80 Prozent erreicht.

Geldstrafe wegen verbotener Stalin-Komödie

Moskauer Kino zeigte "The Death of Stalin" trotz Verbots

Ein Moskauer Kino ist wegen der Aufführung der in Russland verbotenen britischen Komödie "The Death of Stalin" zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die Betreiber müssen 100 000 Rubel (rund 1400 Euro) Bußgeld zahlen, wie ein Gericht in der Hauptstadt urteilte. Das "Pioner"-Kino hatte im Januar den Film über den sowjetischen Diktator Josef Stalin gezeigt, obwohl der Streifen kurz vor der Premiere vom russischen Kulturministerium landesweit verboten worden war. Nach einer Polizeidurchsuchung nahm das Kino den Film wieder aus dem Programm. Die Komödie des britischen Regisseurs Armando Iannucci thematisiert die letzten Tage Stalins im Jahr 1953 und den Machtkampf nach seinem Tod. Duma-Abgeordnete hatten den Film als untragbar bezeichnet und ein Verbot gefordert. In Deutschland soll er Ende März in die Kinos kommen.

Mehr E-Books verkauft, aber Umsätze sinken

Käufer bevorzugten günstigere Titel

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr mehr E-Books gekauft. Eine rückläufige Kundenzahl und sinkende Preise führten dennoch zu einem Umsatzminus von 1,4 Prozent, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt mit. Das E-Book verzeichnet zum zweiten Mal in Folge Käuferrückgänge. Insgesamt wurden 29,1 Millionen E-Books verkauft; das waren eine Million mehr als im Vorjahr. Zugleich gaben die E-Book-Käufer mehr für ihre digitale Lektüre aus: nämlich 53,13 Euro oder 6,8 Prozent mehr als 2016. Im Schnitt legte sich jeder Käufer 8,3 E-Books in den Warenkorb. Dass der Gesamtumsatz dennoch um 1,4 Prozent sank, liegt den Angaben zufolge zum einen daran, dass die Käufer günstigere Titel bevorzugten. Der durchschnittlich bezahlte Preis ging weiter zurück, von 2016 auf 2017 um 5,1 Prozent, und lag somit zuletzt bei 6,38 Euro. Zum anderen sank die Zahl der Käufer um 7,7 Prozent von 3,8 Millionen 2016 auf 3,5 Millionen im letzten Jahr.

Geldmangel: Römerstadt kann nicht freigelegt werden

Versunkene Ruinenstadt vor Tansanias Küste ist vielleicht Rhapta

Die Freilegung der antiken römischen Handelsstadt Rhapta könnte sich um weitere Jahre hinauszögern. Grund sei eine fehlende Finanzierung zur Erforschung, sagte der tansanische Archäologe Felix Chami in Daressalam. Die einstige Metropole Rhapta gilt als südlichster Stützpunkt des Römischen Reiches. Sie liegt nach jüngsten Erkenntnissen als Ruinenstadt versunken an Afrikas Ostküste. "Könnten wir beweisen, dass es sich bei den Ruinen um Rhapta handelt, wäre das eine bahnbrechende Entdeckung - nicht nur für unsere Region, sondern auch für die Liste des Unesco-Weltkulturerbes", sagte Chami. Die Ruinen bei Mafia Island, einer Insel vor der tansanischen Küste im Indischen Ozean, wurden von einem südafrikanischen Taucher entdeckt. Nach Angaben des Archäologen Chami stimmt die geografische Lage der versunkenen Anlage mit jener in historischen Berichten überein.

Dua Lipa und Stormzy holen "Brit Awards"

Ed Sheeran geht bei der Verleihung der begehrten Musikpreise leer aus

Die Rythm'n'Blues-Sängerin Dua Lipa ("New Rules") ist bei den Brit Awards in London als beste weibliche Künstlerin ausgezeichnet worden. Bei der Preisverleihung setzte sich die 22-jährige Britin gegen Konkurrentinnen wie Paloma Faith und Kate Tempest durch. Es solle mehr Frauen auf Bühnen geben, mehr Gewinnerinnen von Musikauszeichnungen und "mehr Frauen, die die Welt übernehmen", rief Lipa den jubelnden Fans zu. Erst im vergangenen Jahr hatte sie ihr erstes Album herausgebracht - daher wurde Dua Lipa zugleich auch als beste Nachwuchskünstlerin geehrt. Bester männlicher Künstler wurde der britische Rapper Stormzy, der unter anderem Ed Sheeran hinter sich ließ. Für "Gang Signs & Prayer" erhielt Stormzy außerdem den besonders begehrten Preis für das beste britische Album. Die US-Rocker Foo Fighters bekamen ihren ersten "Brit Award" als beste internationale Band. Zur besten internationalen Künstlerin wurde die Neuseeländerin Lorde gewählt, bei den Männern ging dieser Preis an Kendrick Lamar.

Bühnenvereinspräsident: "Theater wird immer wichtiger"

Bewusstsein von Gemeinsamkeit zwischen Politik und Kultur werde stärker

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins, erwartet einen Bedeutungszuwachs des Theaters in den kommenden Jahren. "Das Theater wird immer wichtiger in der schlingernden Fahrt, die wir gerade erleben. Das spüre ich auch an den Reaktionen der Politik. Ohne dass man sich verbrüdert, gibt es ein viel stärkeres Bewusstsein von Gemeinsamkeit zwischen der Politik und Kultur", sagte Khuon im Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es habe Zeiten gegeben, in denen dieser Dialog viel gestörter gewesen sei. Auch die Zuschauer spürten das demokratische Erdbeben unserer Tage und befragten das Theater danach, was Demokratie eigentlich bedeute.

Zensurvorwürfe auf Madrider Kunstmesse ARCO

Kunstwerk zu Katalonien Konflikt wurde abgehängt

Auf Bitte der Organisatoren der Internationalen Messe für Zeitgenössische Kunst ARCO in Madrid hat die zuständige Galerie das aus 24 Bildern bestehende Werk "Politische Gefangene" des Künstlers Santiago Sierra entfernt. Der auch international bekannte 51-jährige Konzeptkünstler warf den Verantwortlichen daraufhin "Zensur" vor. Die Porträtbildern sind verpixelt, anhand von Texten unter den Fotos sind die abgebildeten Menschen aber zu identifizieren. Es handelt sich um inhaftierte katalanische Separatisten, um verurteilte Gewerkschaftler und auch um Künstler, die wegen ihrer Werke ins Gefängnis mussten. Die Messe-Gesellschaft teilte mit, man habe eine "Polemik" verhindern wollen, die der gesamten Ausstellung geschadet hätte. Die Maßnahme wurde von zahlreichen Künstlern und Politikern, aber auch von der Stadtverwaltung Madrids scharf kritisiert. Madrid trete für Meinungs- und Kunstfreiheit ein und habe ein Treffen einberufen, um zu erreichen, dass die Entfernung rückgängig gemacht werde, schrieb die Stadtsprecherin Rita Maestre auf Twitter.

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