Seit 23:30 Uhr Kulturnachrichten
Mittwoch, 03.03.2021
 
Seit 23:30 Uhr Kulturnachrichten

Kulturnachrichten

Donnerstag, 5. November 2020

Prix Goncourt bis zur Wiedereröffnung der Buchläden verschoben

Sie kommt nicht unerwartet: Die Entscheidung, den Prix Goncourt in diesem Jahr nicht am 10. November zu vergeben. Für die Verleihung des wichtigsten Buchpreises in Frankreich gibt es aber auch keinen neuen Termin, so Jury-Mitglied Philippe Claudel gegenüber der ARD. Einstimmig wurde beschlossen, die Auszeichnung an einen der vier Finalisten erst zu vergeben, wenn die Buchläden in Frankreich wieder öffnen dürfen. Wegen der Anordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus leide die gesamte Buchbranche und Amazon profitiere davon. Normalerweise beginnt mit der Vergabe des Prix Goncourt im Buchhandel das Weihnachtsgeschäft.

Jüdisches Viertel in Köln soll Weltkulturerbe werden

Das wieder ausgegrabene mittelalterliche jüdische Viertel Kölns soll als Unesco-Weltkulturerbestätte vorgeschlagen werden. Die Stadt Köln und der Landschaftsverband Rheinland haben nach eigenen Angaben einen entsprechenden Antrag beim Land Nordrhein-Westfalen eingereicht. Seit 2007 hatten Archäologen auf dem Rathausplatz im Zentrum der Altstadt das mittelalterliche Judenviertel ausgegraben. Dazu gehören die Ruinen von Tanzhaus, Hospital, Bäckerei und Synagoge. Die Forscher fanden viele kostbare Artefakte, so einen halbmondförmigen, edelsteinbesetzten Goldohrring aus dem 11. Jahrhundert. Zurzeit wird die Fundstätte mit einem Museum überbaut. Die Eröffnung sei für 2024 geplant, sagte ein Sprecher.

Christa Dürscheid erhält Konrad-Duden-Preis

Die Sprachwissenschaftlerin Christa Dürscheid erhält den Konrad-Duden-Preis 2021. Die Germanistin wird für ihre besonderen Verdienste um die Erforschung der deutschen Sprache ausgezeichnet, wie die Stadt Mannheim mitteilte. Der Preis ist mit 12 500 Euro dotiert und wird alle drei Jahre von der Stadt Mannheim und dem Dudenverlag verliehen. Christa Dürscheid ist Professorin für Deutsche Sprache an der Universität Zürich. Sie forscht zur Gegenwartssprache, etwa zur Kommunikation und Variation in den neuen Medien oder der Geschichte des Hashtags. Der Konrad-Duden-Preis wurde 1959 zum ersten Mal vergeben und gilt als der bedeutendste Preis für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Linguistik des Deutschen. Die Auszeichnung soll am 10. März 2021 verliehen werden.

FernsehfilmFestival zeichnet Anke Greifeneder aus

Die Autorin und Produzentin Anke Greifeneder erhält in diesem Jahr den Hans Abich Preis des FernsehfilmFestivals Baden-Baden. Mit ihrer enormen Power, ihren sprudelnden Ideen, ihrer großen Beharrlichkeit und ihrer innovativen Kreativität habe sie den Bereich Fiktion entscheidend mitgeprägt und auch ein Stück weit auf den Kopf gestellt, heißt es in der Begründung der Jury. Als Serien-Spezialistin stehe sie für Innovation, Kreativität, Mut, Kontinuität. Das Festival findet diesmal ausschließlich digital am 27. November statt. Der undotierte Hans Abich Preis wird zum 17. Mal in Erinnerung an den Filmproduzenten, Publizisten und früheren Programmdirektor der ARD und Mitbegründer des Festivals, Hans Abich, verliehen.

Festival Locarno: Italiener Nazzaro übernimmt Leitung

Der Italiener Giona A. Nazzaro wird neuer künstlerischer Leiter des Filmfestivals in Locarno. Der Filmkurator und Journalist soll die Position offiziell zum Jahreswechsel übernehmen, wie die Festivalleitung bekanntgab. Die nächste Ausgabe ist für August 2021 geplant. Nazzaro leitete zuletzt die Kritikerwoche bei den Filmfestspielen in Venedig und arbeitete unter anderem für Festivals in Rotterdam und Rom. Nazzaro folgt auf die Französin Lili Hinstin, die den Posten wegen "unterschiedlichen Auffassungen über die Zukunftsstrategie" nach zwei Jahren wieder verlässt. Locarno gehört neben Cannes, Venedig und Berlin zu den bekannten Festivals in Europa.

Berliner Ensemble: Intendant Oliver Reese verlängert

Theaterregisseur Oliver Reese bleibt Intendant des Berliner Ensembles. Sein Vertrag sei um weitere fünf Jahre bis 2027 verlängert worden, teilte Kultursenator Klaus Lederer mit. Reese habe das Haus "wieder zu einem wichtigen Ort des Gegenwartstheaters" gemacht. Er habe unter anderem mit dem Abschluss eines Haustarifvertrags und der Schaffung neuer Spielstätten wichtige Weichen gestellt. Reese war 2017 nach seiner Zeit in Frankfurt am Main ans Berliner Ensemble gewechselt. Er löste damals den langjährigen Intendanten Claus Peymann ab.

T.C. Boyle: Trump will die Demokratie zerstören

US-Präsident Donald Trump will die amerikanische Demokratie zerstören, befürchtet der amerikanische Romanautor T.C. Boyle. Er kritisierte Trumps Verhalten nach den Präsidentschaftswahlen in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" scharf. Trump wolle verzweifelt im Amt bleiben, auch um einer zivil- und strafrechtlichen Verfolgung unter anderem wegen Steuerbetrug und sexuellen Übergriffen zu entgehen. Boyle äußert zudem die Befürchtung, dass die kommenden Tage Unruhen bringen werden. Schon jetzt sei die Wahl ein Desaster für die Demokratie, auch wenn der Ausgang noch offen sei.

Kulturrat begrüßt Hilfen für Soloselbstständige

Die angekündigten neuen Bundeshilfen für Soloselbstständige sind für den Deutsche Kulturrat ein Schritt in die richtige Richtung. Nun könne über die Bedingungen gesprochen werden, sagte der Geschäftsführer Olaf Zimmermann der dpa in Berlin. Dabei komme es darauf an, "die Hilfe nicht mit bürokratischen Hürden zu verstellen". Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte am Mittwochabend mit den neuen Corona-Hilfen Unterstützung für Soloselbstständige auch aus der Kulturszene angekündigt. Die Förderung von bis zu 5000 Euro bekommen sei auch eine Anerkennung ihrer Lebens- und Arbeitsweise.

Neues Forschungsprojekt zur Radikalisierung

Wie junge Menschen sich radikalisieren, erforschen in den nächsten vier Jahren Wissenschftler in einem Verbundprojekt unter Leitung der Universität Duisburg-Essen (UDE). Dabei geht es um Radikalisierung im rechten, linken und islamistischen Spektrum. Ziel ist nach Angaben der Universität, Maßnahmen zu erarbeiten, um der Radikalisierung entgegen zu wirken. Die Politikwissenschaftlerin Susanne Pickel und der Integrationsforscher Haci-Halil Uslucan von der UDE untersuchen demnach mit Teams von vier weiteren Universitäten, wie sich die Radikalisierung des Islam, seine pauschale Ablehnung und antidemokratische Mobilisierung zunehmend eng verzahnen. Das Verbundprojekt wird mit 2,5 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Jazzfest Berlin startet als Online-Veranstaltung

Heute startet das Jazzfest Berlin, in diesem Jahr erstmals als reine Online-Veranstaltung. Im Mittelpunkt der 57. Ausgabe stehen die Avantgarde-Szenen aus New York und Berlin, wie die Berliner Festspiele mitteilten. An den vier Festivaltagen werden bis Sonntag mehr als 24 Stunden Konzerte im Livestream auf der Plattform Arte Concert gezeigt. Alle 27 Auftritte werden als Video und teilweise auch live im Rundfunk übertragen. Eröffnet wird das Festival mit einer Gesprächsrunde von Musikern aus dem Berliner Kulturquartier silent green über Herausforderungen in Corona-Zeiten und die Auswirkungen der Wahl in den USA. In Zusammenarbeit mit ARD und Deutschlandfunk Kultur zeigt das Festival erstmals Studio-Konzerte aus acht Funkhäusern.

Fitzek über US-Wahl: "Drehbuchartige Dramaturgie"

Der Wahlkrimi in den USA wäre aus Sicht von Autor Sebastian Fitzek (49, "Das Paket") zu unrealistisch für einen fiktionalen Politthriller. "Der Präsident, der in den Umfragen hinten liegt und kurz vor der Wahl an einem Virus erkrankt, das er geleugnet hat, erklärt sich vorzeitig zum Sieger. Und am Ende der Zitterpartie könnte ein Gericht, das er vor der Wahl strategisch neu besetzt hat, entscheiden. Das sind Wendungen, die dir kein Lektor durchgehen lassen würde", sagte Fitzek der Deutschen Presse-Agentur. Fitzek führt mit seinem Psychothriller "Der Heimweg" die aktuellen Bestsellerlisten an.

Weniger TV-Zuschauer bei US-Wahlberichterstattung

Trotz einer hohen Wahlbeteiligung sind die Einschaltquoten bei der US-Präsidentschaftswahl gesunken. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmen Nielsen Company schauten sich etwa 56,9 Millionen US-Bürger die Auszählung am Dienstagabend auf einem von 21 Fernsehsendern an. 2016 waren es noch 71,4 Millionen Zuschauer gewesen. Fox News hatte mit 13,6 Millionen die meisten Zuschauer, gefolgt von CNN mit 9,1 Millionen und MSNBC mit 7,3 Millionen, teilte Nielsen mit. Dahinter liegen die Sender ABC, NBC, CBS und Fox.

"Fiktiver Unternehmerlohn" für Einnahmeausfälle

Um die Einnahmeausfälle der Kultur- und Veranstaltungsbranche auszugleichen, sollen die Betroffenen während des Teil-Lockdowns im November vom Staat einen "fiktiven Unternehmerlohn" erhalten. Wie Regierungssprecher Seibert in Berlin ankündigte, sollen Kulturunternehmen 75 Prozent ihres Umsatzes als direkte Hilfe bekommen. Solo-Selbstständige könnten dabei wahlweise den Umsatz des Novembers 2019 oder ihren monatlichen Durchschnittsverdienst des Vorjahres zugrunde legen. Staatliche Hilfen gebe es auch für diejenigen, die indirekt von den coronabedingten Schließungen betroffen seien, betonte Seibert. Anspruchsberechtigt seien alle Unternehmen, die regelmäßig 80 Prozent ihrer Umsätze mit Einrichtungen erzielten, die jetzt geschlossen seien.

Kulturnachrichten hören

November 2020
MO DI MI DO FR SA SO
26 27 28 29 30 31 1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 1 2 3 4 5 6

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Dr. SeussSind seine Bücher rassistisch?
Ein Kinderbuch steht neben anderen Büchern von Dr. Seuss in einer New Yorker Buchhandlung. (picture alliance / UPI photo / John Angelillo)

Sechs Bücher von Dr. Seuss sollen nicht mehr gedruckt werden. Sein Nachlassverwalter spricht von "verletzenden Darstellungen". Den Rassismus-Vorwurf hält Comic-Experte Andreas Platthaus für unzutreffend – er befürchtet "eine unheimliche Entwicklung".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur