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Mittwoch, 21.08.2019
 
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Kulturnachrichten

Montag, 26. November 2018

Israel: Gesetz zur Kürzung der Kulturförderung gestoppt

Zahlungen sollten an "Loyalität" zu Israel geknüpft werden

In Israel ist ein umstrittenes Gesetz zur Kürzung der Fördergelder für "illoyale" Künstler vorerst gescheitert. Die für Montag geplante Abstimmung über ihren Gesetzentwurf im Parlament wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, wie die Regierung mitteilte. In der Knesset gebe es derzeit keine Mehrheit dafür. Das Vorhaben hatte zu Protesten in der israelischen Kulturszene geführt. Der Gesetzesentwurf sah vor, die Vergabe von Mitteln zur Kulturförderung an "Loyalität" gegenüber dem Staat zu knüpfen. So sollten öffentliche Gelder für Kultureinrichtungen einbehalten werden, die die Existenz Israels als demokratischer und jüdischer Staat abstreiten oder den Unabhängigkeitstag als Tag der Trauer darstellen. Letzteres zielte auch auf die arabische Bevölkerung ab: Viele Palästinenser gedenken des Gründungstags Israels als "Nakba" (Katastrophe).

Bedauern über Verlust von Fotobuchsammlung Manfred Heitings

36.000 Fotobände verbrannen bei Buschfeuern in Kalifornien

Die vollständige Zerstörung der Bild- und Fotobuchsammlung des Historikers Manfred Heitings bei den schweren Bränden in Kalifornien ist nach den Worten des Kunsthistorikers Roland Jäger ein unersetzlicher Verlust. Als Dokumentar hatte Heiting rund 36.000 Fotobände, viele davon Einzelstücke, aus der ganzen Welt zusammengetragen. Auf der Grundlage seiner Sammlung hatte er unter anderem über die Entwicklung von Fotografie, Verlagsgeschichte und Propaganda-Fotografie publiziert. Nach Einschätzung Jägers im Deutschlandfunk gibt es weltweit keinen ähnlichen Bestand. Die Zerstörung sei sowohl eine menschliche als auch eine Tragödie für die Buch- und Kulturgeschichte: "Das einzig Produktive, was man eigentlich aus dieser Tragik herausnehmen kann, dass man noch mal innehält und sich überlegt, welche Lebensrisiken gibt es für Kulturgüter, weil sich natürlich Privatsammler gerne mit den Dingen umgeben."
Die Zerstörung der Sammlung Manfred Heitings war vor wenigen Tagen bekannt geworden. Zwar war bereits seit längerem beschlossen, dass das Museum of Fine Arts in Houston die Sammlung übernehmen wird, doch war bis zum Zeitpunkt des Brandes nur ein kleiner Teil der Sammlung bereits im Museum.

Grütters will Raubkunst-Forschung stärker fördern

Im Nationalsozialismus wurden rund 600.000 Kulturgüter enteignet

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will die Aufarbeitung und Rückgabe von NS-Raubgut stärken. Es seien weiter erhebliche Anstrengungen nötig, "um die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs voranzutreiben", sagte Grütters in Berlin zur Eröffnung einer internationalen Tagung über Provenienzforschung und den Umgang mit NS-Raubkunst. Deutschland habe die Rahmenbedingungen für die Erforschung und Rückgabe von NS-Raubkunst seit der Verabschiedung der "Washingtoner Prinzipien" stetig verbessert, so Grütters. Dabei verwies sie auf die steigende Zahl von Restitutionen und den Ausbau der Provenienzforschung. Seit 1998 seien in Deutschland im Bereich NS-Raubkunst mehr als 5.750 Kulturgüter an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückgegeben worden. Hinzu kämen mehr als 11.670 Bücher und anderes Bibliotheksgut. Von 2008 bis 2017 habe der Bund rund 31 Millionen Euro für Provenienzrecherche zur Verfügung gestellt. Für 2018 und 2019 seien rund 17 Millionen Euro vorgesehen.

Regisseur Bernardo Bertolucci ist tot

Oscargekrönter Filmemacher starb mit 77 Jahren

Der italienische Regisseur Bernardo Bertolucci ist am Montag in Rom gestorben. Er werde als einer der Größten des internationalen Films erinnert werden, twitterten die Filmfestspiele von Venedig. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" nannte Bertolucci den "letzten Meister des italienischen Films", der nicht nur Regisseur, sondern auch Dichter, Produzent, Polemiker und brillanter Autor gewesen sei. Bertoluccis Werke erkundeten häufig sexuelle Beziehungen zwischen Figuren, die in psychischen Krisen steckten, sowie Themen zu Politik und Ideologien. Bertoluccis bekannteste Filme sind "Der letzte Tango in Paris" (1972), "Little Buddha" (1993) und auch "Der letzte Kaiser" (1987). Für diesen Film über das Leben des chinesischen Kaisers Puyi erhielt Bertolucci zwei Oscars für die beste Regie und das beste Originalskript. 2007 wurde Bertolucci mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig, 2011 mit der Goldenen Palme der Filmfestspiele in Cannes ausgezeichnet. Für sein Lebenswerk erhielt er 2012 den Europäischen Filmpreis. Bernardo Bertolucci starb nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren.

Koreanisches Wrestling als Kulturerbe anerkannt

Nord- und Südkorea hatten gemeinsamen Antrag an UNESCO gestellt

Die UN-Kulturorganisation UNESCO hat das traditionelle koreanische Ringen, das Ssireum, in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen. Ssireum sei ein Nationalsport und eine beliebte kulturelle Praxis zugleich und habe für alle Koreaner eine tiefe Bedeutung, teilte die UNESCO mit. Für die Bewerbung zur internationalen Anerkennung hatten sich Nordkorea und Südkorea zusammengeschlossen. Dies sei ein "symbolträchtiger Schritt" auf dem Weg zur Aussöhnung zwischen den koreanischen Staaten, sagte UNESCO Generaldirektorin Audrey Azoulay. Nach Angaben lokaler Medien hatte Südkorea den gemeinsamen Antrag bei einem Treffen der beiden Präsidenten Moon Jae In und Kim Jong Un im April vorgeschlagen. Die ältesten erhaltenen Spuren des Ssireum-Ringens stammen aus dem 4. Jahrhundert, es wird ihm jedoch teilweise ein Alter von bis zu 5.000 Jahren zugeschrieben.

Holocaust-Forscher Randolph L. Braham gestorben

Wissenschaftler veröffentlichte mehr als 60 Bücher

Der Historiker und Holocaust-Forscher Randolph L. Braham ist im Alter von 95 Jahren in New York gestorben, wie der Verbandes der jüdischen Gemeinden in Ungarn auf Facebook mitteilte. "Wir haben es Professor Braham zu danken, dass wir die Wahrheit nie wieder loswerden", schrieb der Vorsitzende des Verbandes, Andras Heisler, in seinem Nachruf. "Es möge die Zeit kommen, wo ihm jeder Ungar dafür danken wird." Braham verfasste mehr als 60 Bücher, die sich fast alle mit dem Holocaust an den ungarischen Juden während des Zweiten Weltkriegs befassen. Seine Studie "The Destruction of the Hungarian Jewry" gilt als Standardwerk. Mehr als eine halbe Million Juden wurden in Ungarn ermordet. Auch Braham verlor seine Familie: seine Eltern und Geschwister starben im Konzentrationslager in Auschwitz. Braham lehrte an der Universität New York und war auch im wissenschaftlichen Beirat der wichtigsten Holocaust-Gedenkstätte in den USA tätig, dem Holocaust Memorial Museum in Washington. Nachdem die Politik in Ungarn unter rechtsnationaler Führung ab 2010 begann die Verantwortung am Holocaust des damaligen Ungarns zu verharmlosen, gab Brahman aus Protest 2014 seinen Verdienstorden der Republik Ungarn zurück.

Stiftungsrat beruft Gedenkstätten-Leiter Knabe ab

Experte für DDR-Unrecht soll sexuelle Belästigung geduldet haben

Der Stiftungsrat der Gedenkstätte Hohenschönhausen hat Hubertus Knabe als Vorstand und Direktor mit sofortiger Wirkung abberufen. Das teilte die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa nach einer außerordentlichen Sitzung des Stiftungsrats mit. Das Vertrauensverhältnis zwischen Stiftungsrat und Vorstand sei in einem Maße zerrüttet, "das die weitere Wahrnehmung des Amts als Vorstand durch Herrn Dr. Hubertus Knabe ausschließt", hieß es. Da die Entscheidung über die im September erklärte Kündigung Knabes sowie seine Freistellung hinausgehe, könne Knabe nicht zur Arbeit zurückkehren, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte der Stiftungsrat Knabe zum 31. März 2019 entlassen und ihn bis dahin freigestellt. Grund dafür ist, dass er nicht genug gegen die sexuelle Belästigung von Frauen durch seinen Stellvertreter getan haben soll. Knabe hatte eine Einstweilige Verfügung gegen seine Freistellung erwirkt. Der evangelische Pressedienst teilte mit, dass Knabe trotz der Abberufung durch den Stiftungsrat am Montag an seine Arbeitsstelle zurückgekehrt ist.

Experten beraten über NS-Raubkunst in Berlin

Konferenz will Prinzpien der "Washingtoner Erklärung" mit neuem Leben erfüllen

In Berlin beraten von heute an rund 1.000 Experten aus aller Welt über den Umgang mit NS-Raubkunst. Zwanzig Jahre nach Verabschiedung der "Washingtoner Erklärung" wollen sie erneut die historische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Erben ausloten. Unter anderen wird auch Ronald Lauder, der Präsident des World Jewish Congress, erwartet. Der US-Unternehmer hatte Deutschland erst kürzlich wieder vorgeworfen, zu wenig für die Suche nach NS-Raubkunst zu tun. Auch die deutsch-französische Kolonialismus-Expertin Bénédicte Savoy ist als Rednerin geladen. In der "Washingtoner Erklärung" hatten sich zahlreiche Staaten 1998 verpflichtet, im Umgang mit NS-Raubkunst "faire und gerechte Lösungen" mit den Erben zu finden. Die Konferenz zwanzig Jahre später findet auf Einladung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg statt. Finanziert wird sie größtenteils aus dem Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Rapper Kollegah weist Antisemitismus-Vorwurf zurück

Nach Vergleich von Holocaust und Lage in den Palästinenser-Gebieten

Der Rapper Kollegah hat den Vorwurf zurückgewiesen, antisemitisches Gedankengut zu verbreiten. "Für mich macht Rassismus oder jegliche Form von Diskriminierung einer Menschengruppe aufgrund von Ethnie, Hautfarbe, Religion oder sonstigen Eigenschaften überhaupt gar keinen Sinn", sagte der 34-Jährige in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "In meiner Welt sind Rassismus und Antisemitismus sowas von absurd. Das geht komplett gegen mein Verständnis von der Welt", fügte Kollegah hinzu. Seit Kollegah mit Farid Bang die Zeile "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" textete, gilt er als Skandalrapper, der antisemitischen Überzeugungen Auftrieb gibt. Dennoch bekam er für das inzwischen indizierte Album "Jung, brutal, gutaussehend III" einen "Echo". Dies führte zu einem Eklat, der schließlich das Aus für den Musikpreis bedeutete. Seit einem Besuch des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz gibt sich Kollegah geläutert. Allerdings hatte er zuletzt erneut für Empörung gesorgt, weil er die Ermordung von sechs Millionen Juden mit der Situation in den Palästinensergebieten verglich.

NDR bekommt gestohlenen Nolde zurück

Ein weiteres Nolde-Gemälde bleibt weiter verschwunden

Der Norddeutsche Rundfunk hat das Ölgemälde "Sonnenblumen" von Emil Nolde zurückerhalten, das ihm 1979 in Hamburg gestohlen worden war. Im Mai 2017 habe sich die Besitzerin gemeldet und das Gemälde für 20.000 Euro "Finderlohn" an den NDR zurückgegeben, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor. Der Wert des Bildes wird auf eine Million Euro geschätzt. Es soll erstmals im April 2019 in Hannover öffentlich gezeigt werden. Ungewöhnlich an dem Raub 1979 im Hamburger Funkhaus war, dass es keine Einbruchsspuren gab. Außerdem wurde das Nolde-Aquarell "Landschaft mit Bauernhaus" gestohlen, das bislang noch nicht wieder aufgetaucht ist. Eine Berliner Anwältin hatte sich im März 2017 beim NDR gemeldet, um über eine mögliche Rückgabe zu verhandeln. Angeblich soll die Besitzerin das Gemälde von einem Freund ihres verstorbenen Mannes geschenkt bekommen haben, der Mitarbeiter beim NDR war und ebenfalls verstorben ist.

Carillons läuten europaweit für Klimaschutz

Komponist Klaus Wüsthoff hat dafür eine Klimaglocken-Melodie geschaffen

Carillons in ganz Deutschland und Europa sollen in den nächsten Wochen für den Klimaschutz läuten. Initiator der Kampagne ist der Berliner Komponist Klaus Wüsthoff, der dafür eigens eine Klimaglocken-Melodie geschaffen hat, kündigten der Deutsche Musikrat und der Deutsche Tonkünstlerverband in Berlin an. Der 96-jährige Komponist von Orchester- und Chorwerken und Erfinder von Werbemelodien der 60er und 70er-Jahre ist einem breiten Publikum als Schöpfer des Jingle der ZDF-"heute"-Sendung bekannt. Der 1922 geborene Wüsthoff habe in seinem Leben Krieg und Katastrophen überlebt. Nun möchte er dabei helfen, die absehbare Klimakatastrophe zu verhindern, heißt es. Ein Carillon (französisch: Turmglockenspiel) ist ein spielbares, großes Glockenspiel, das mittels einer Klaviatur durch einen Spieler oder mechanisch etwa über eine Walze gespielt werden kann. In Deutschland gibt es derzeit 43 Carillons.

Schuster bleibt Präsident des Zentralrats der Juden

Einstimmig für weitere vier Jahre gewählt

Josef Schuster bleibt Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Das Präsidium wählte ihn im Rahmen einer nicht-öffentlichen Versammlung in Frankfurt einstimmig für eine weitere vierjährige Amtszeit, wie der Zentralrat mitteilte. Schuster hat das Ehrenamt seit 2014 inne. "Auch in Zeiten eines wachsenden Antisemitismus lassen wir uns nicht entmutigen", erklärte Schuster nach seiner Wiederwahl. "Wir werden unseren Beitrag zu einem toleranten und weltoffenen Deutschland leisten." Als Vizepräsidenten wurden der Offenbacher Diplom-Ingenieur Mark Dainow und Abraham Lehrer aus Köln, der Geschäftsführer eines Softwareunternehmens ist, in ihren Ämtern bestätigt. Das Präsidium des Zentralrats hat neun Mitglieder, die für je vier Jahre gewählt werden.

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