Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 13.12.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Kulturnachrichten

Montag, 27. November 2017

ARD steigt aus Präsentation von Roger Waters aus

Reaktion auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Pink-Floyd-Star

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) verzichtet wie andere ARD-Sender auch auf eine Präsentation der Konzerte von Pink-Floyd-Star Roger Waters in Deutschland. Damit reagiere der Sender auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Waters teilte der RBB mit. "Hier klar Position zu beziehen, ist für den RBB ein wichtiges Signal auch an die jüdischen Gemeinden in Berlin und Brandenburg", sagte Intendantin Patricia Schlesinger. Andere ARD-Anstalten verzichten auch aus diesem Grund auf eine Präsentation des Künstlers. Waters hat immer wieder zum Boykott Israels aufgerufen und auf Konzerten Ballons in Schweineform mit dem Davidstern aufsteigen lassen. Waters gilt als Unterstützer einer Bewegung, die sich für Sanktionen und einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik einsetzt.

Große Kunstschau Worpswede bekommt neue Leitung

Ab Mitte Januar übernimmt Jan van den Berg die künstlerische Leitung

Der Münchner Kunstwissenschaftler Jörg van den Berg soll künftig die Große Kunstschau in Worpswede leiten. Er trete die Stelle Mitte Januar an, teilte die Kulturstiftung des Landkreises Osterholz mit. Die Große Kunstschau ist Heimat der berühmtesten Gemälde der ersten Worpsweder Malergeneration. Gezeigt werden Werke von Heinrich Vogeler, Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Ottilie Reylaender, Hans am Ende, Fritz Overbeck, Fritz Mackensen und Carl Vinnen. Van den Berg löst die gebürtige Bremerin Katharina Groth ab, die die künstlerische Leitung im Juli kommissarisch übernommen hatte.

Akademie der Künste übernimmt Volksbühnen-Archiv

Archiv der Castorf-Jahre soll rund 600 Umzugskisten umfassen

Die Berliner Akademie der Künste hat das Archiv der Volksbühne unter der Intendanz von Frank Castorf übernommen. Das Archiv der Castorf-Jahre zwischen 1992 bis 2017 umfasse rund 600 Umzugskisten, teilte die Akademie mit. Derzeit würden die Dokumente gesichtet und geordnet. Das Volksbühnen-Archiv umfasse neben einer lückenlosen Dokumentation der einzelnen Produktionen mit Programmheften, Besetzungszetteln und Kritiken eine umfangreiche Fotosammlung sowie Dramaturgie- und Intendantenunterlagen und Plakate. Es gebe außerdem eine umfangreiche Sammlung von audiovisuellen Aufzeichnungen. Auch die Website wurde von der Akademie übernommen. Castorf, seit 1994 Mitglied der Akademie der Künste, habe zusammen mit seinem Bühnenbildner Bert Neumann eine völlig neue Form des Stadttheaters entwickelt, die die Theaterlandschaft weit über das Genre Sprechtheater und weit über Deutschland hinaus beeinflusst habe, so die Akademie.

Documenta-Geschäftsführerin räumt ihren Posten

Stadt Kassel kündigt Aussscheiden von Annette Kulenkampff für 2018 an

Nach viel Kritik und einem Millionendefizit legt die documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff ihr Amt nieder. Das teilte die Stadt Kassel heute mit. Kulenkampff werde zum 1. Juni 2018 ausscheiden. Nach der Sitzung des documenta-Aufsichtsrates Mitte November hatte es zuletzt keine Äußerung zur Personalie Kulenkampff gegeben. Ihr Vertrag lief eigentlich noch bis 2019. Kulenkampff ist seit 2014 Geschäftsführerin der documenta GmbH, in ihre Amtszeit fällt somit die documenta 14, die nach einem aktuellen Stand ein Defizit von 5,4 Millionen Euro hervorgebracht hat. Laut offizieller Mitteilung der Stadt Kassel endet das Arbeitsverhältnis von Kulenkampff einvernehmlich.

Ermittlungen wegen Holocaust-Mahnmal-Aktion

Anzeige gegen Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit"

Nach der Mahnmal-Aktion gegen den AfD-Politiker Björn Höcke in dessen Thüringer Wohnort Bornhagen ermittelt die Staatsanwaltschaft Mühlhausen gegen das Künstlerkollektiv "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS). Es bestehe der Anfangsverdacht auf versuchte Nötigung, sagte ein Behördensprecher. Es gehe um die ZPS-Aufforderung an den Politiker, vor dem Holocaust-Denkmal in Berlin oder vor dem Nachbau auf einem Nachbargrundstück Höckes auf Knien um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu bitten - anderenfalls würden in der Vergangenheit über Höcke gesammelte Informationen veröffentlicht. Der Staatsanwaltschaft liegt eine Strafanzeige gegen die ZPS-Aktivisten vor, die aber nicht von Höcke stamme, so die Behörde. Das Künstlerkollektiv hatte am vergangenen Mittwoch in Bornhagen eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals aufgebaut. Es wollte damit gegen eine umstrittene Rede Höckes Anfang des Jahres in Dresden protestieren.

Kythera-Preis für Kunsthistorikerin Savoy

Savoy forscht über Geschichte deutsch-französischer Kulturbeziehungen

Die in Berlin lehrende Professorin für Kunstgeschichte, Bénédicte Savoy, erhält den mit 25 000 Euro dotierten Kythera-Preis. Savoy wird damit für ihre Verdienste um die Vermittlung der romanischen Kultur in Deutschland gewürdigt, wie die Kythera-Kulturstiftung mitteilte. Die 45-jährige Französin lehrt an der TU Berlin und wurde 2016 an das Collège de France in Paris berufen. Für ihre wissenschaftliche Tätigkeit bekam sie zahlreiche Preise, zuletzt den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Auszeichnung war 2001 von der Düsseldorfer Industriellen Gabriele Henkel gestiftet worden. Zu den Preisträgern gehören der Soziologe Wolf Lepenies, der Verleger Klaus Wagenbach, der Dirigent Claudio Abbado und die Regisseure Patrice Chéreau und Volker Schlöndorff. Der Kythera-Preis wird am 11. Dezember in Berlin verliehen.

Tschechischer Kunstpreis für Städel-Absolventen

Jindrich-Chalupecky-Preis für Nachwuchskünstler

Der Videokünstler Martin Kohout hat die wichtigste tschechische Nachwuchsauszeichnung für bildende Kunst, den Jindrich-Chalupecky-Preis, gewonnen. Der 33 Jahre alte Absolvent der Frankfurter Städelschule setzte sich in einem Kurzfilm mit den gesellschaftlichen und psychischen Folgen von Nachtarbeit auseinander. Er befasse sich intensiv mit Fragen der Entfremdung im Technik-Zeitalter, erklärte die Jury. Der Preis ist mit umgerechnet 4000 Euro dotiert und beinhaltet einen zweimonatigen Studienaufenthalt in New York.
Der Wettbewerb für junge Talente unter 35 Jahren ist nach dem Kunstkritiker Jindrich Chalupecky (1910-1990) benannt.

Prinz Harry verkündet Verlobung und Hochzeit

Britischer Thronfolger will US-amerikanische Schauspielerin heiraten

Der britische Prinz Harry und die US-Schauspielerin Meghan Markle heiraten im Frühjahr 2018. Das gab das britische Königshaus heute in London bekannt. Meghan Markle wirkte in mehreren Kinofilmen und TV-Serien mit, unter anderem in der Anwaltsserie "Suits". Im September hatte sich die 36-Jährige erstmals öffentlich zu ihrer Beziehung zum jüngeren Sohn von Prinz Charles geäußert. In einem Interview mit dem Magazin "Vanity Fair" sagte die 36-Jährige, sie habe Harry erstmals im Juli 2016 in London getroffen. Sie seien bereits sechs Monate heimlich zusammen ausgegangen, bevor die Medien von ihrer Beziehung Wind bekommen hätten.

Navid Kermani bekommt NRW-Staatspreis

Schriftsteller erhält Auszeichnung an seinem 50. Geburtstag

Navid Kermani, Publizist und Orientalist, sei einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart, hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Entscheidung begründet. Kermanis Publikationen und viel beachteten Reden dienten dem Zusammenhalt der Gesellschaft. Der in Siegen geborene Sohn iranischer Einwanderer ist Autor, Wissenschaftler, Regisseur und Dramaturg und gilt als einer wichtigsten öffentlichen Intellektuellen der Bundesrepublik. Die Laudatio am heutigen Abend hält Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Kermani hat viele wichtige Auszeichnungen bekommen, unter anderem 2015 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der NRW-Staatspreis ist die höchste Auszeichnung des Landes und mit 25.000 Euro dotiert.

US-Schauspieler Rance Howard ist tot

Das Oberhaupt einer bekannten Hollywood-Familie ist mit 89 Jahren gestorben

Der US-amerikanische Schauspieler Rance Howard war Patriarch einer der bekanntesten Schauspielfamilien Hollywoods. Sein ältester Sohn ist der Regisseur und Oscarpreisträger Ron Howard. Rance Howard spielte in Dutzenden Filmen mit - darunter allein 15 unter der Regie seines Sohnes Ron, beispielsweise auch in "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn", einem oscarprämierten Meisterwerk von Ron.

"Dark"-Regisseur kritisiert nischenloses Denken

bo Odar: Serien müssen in Nischen spielen

"In Deutschland wird zu wenig in Nischen gedacht", sagte der Regisseur Baran bo Odar der "Welt am Sonntag". Alle erfolgreichen Serien seien Nischenserien, sagte er weiter. "Mad Men" etwa spiele im Milieu der New Yorker Werbebranche in den 60er Jahren. "Breaking Bad" sei "wahnsinnig nischig". Dagegen sei es das Grundproblem bei deutschen Filmprodukten, "dass sie nie nischig genug denken": "Das Fernsehen versucht immer, so viel abzudecken, statt zu sagen, lass uns ganz speziell sein, am Anfang nur wenige anzusprechen und darauf zu vertrauen, dass es sich, wenn's gut ist, schon rumsprechen wird", so bo Odar weiter. Die erste deutsche Netflix-Serie "Dark" läuft am 1. Dezember an. Über die Zusammenarbeit mit Netflix schwärmte der Regisseur, er habe in seinem ganzen Arbeitsleben noch nie so gute Erfahrungen gemacht. "Das einzige Kriterium, an dem sie festhalten - und manchmal scheitern sie auch -, ist Qualität", sagte bo Odar.

Deutscher Nachwuchsfilmpreis verliehen

Junge Filmemacher aus Hamburg, Köln und Freiburg ausgezeichnet

Junge Filmemacher aus Hamburg, Köln und Freiburg haben in diesem Jahr den Deutschen Nachwuchsfilmpreis erhalten. Sie wurden beim internationalen Filmfestival "Up and Coming 2017" in Hannover ausgezeichnet. Der Preis ging an "Artist Talk" von Bela Brillowska und Rudi Zylka aus Hamburg, an "Am Tag die Sterne" von Simon Schneckenburger aus Freiburg und an "Blake" von Shamila Lengsfeld aus Köln. Die Auszeichnungen sind mit je 2000 Euro dotiert und mit einer Produzentenpatenschaft verbunden. Mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1000 Euro dotierten Bundes-Schülerfilm-Preis wurden Zoë Steingaß aus Baden-Württemberg und ihr Film "TAGIIR" geehrt.

Mittelschicht in Deutschland verbittert

Soziologe Bude: "Menschen fühlen Schutzlosigkeit"

Der Soziologe Heinz Bude sieht in den Gesellschaften der westlichen Industriestaaten einen gravierenden Stimmungswandel. Der Wunsch nach Zugehörigkeit zu Gruppen sei stark gewachsen, sagte er der "Welt am Sonntag". Eine Mehrheit der Menschen fühle sich der Schutzlosigkeit preisgegeben, sagte der Wissenschaftler weiter. Es herrsche ein breites Gefühl dafür, dass der Neoliberalismus nicht seriös gewesen sei. Bude verwies auf eine große Gruppe in der Gesellschaft, die das Gefühl habe, dass ihre Stimme nicht zähle: "Das sind Leute mit einer 'kleinen Habe', die sich um ihre Anstrengungen betrogen fühlen." Die künftige Bundesregierung müsse sich vor allem um die Verbitterten in der Mittelschicht kümmern, "deren Fähigkeiten und Erfahrungen nicht mehr nachgefragt werden", betonte der Soziologe. Die Menschen fühlten sich von der Globalisierung, der kommenden Digitalisierung und einer vermeintlichen Deindustrialisierung bedroht.

Kulturnachrichten hören

November 2017
MO DI MI DO FR SA SO
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 1 2 3

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Trump-Thanos-MemeAushöhlung des demokratischen Diskurses
Screenshot des Memes, in dem der Kopf von US-Präsident Donald Trump auf den Filmheld Thanos montiert wurde (Trump War Room)

US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Wahlkampf-Videoclip als Comic-Bösewicht Thanos inszeniert. Ein Beispiel für die Strategie Neurechter, die offene Gesellschaft mit ihren eigenen Mitteln zu bekämpfen, urteilt Kulturwissenschaftler Daniel Hornuff.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur