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Kulturnachrichten

Sonntag, 27. November 2016

Dresden: Dirigent Sanderling will aufhören

Aus Protest gegen Kürzungen

Wegen Budgetkürzungen für die Dresdner Philharmonie steht Chefdirigent Michael Sanderling nicht mehr für Gespräche über eine Vertragsverlängerung nach 2019 zur Verfügung. "Eine weitere und darüber hinaus führende künstlerische Planung ohne die offensichtlich mangelnde Wertschätzung und ausreichende Unterstützung der eigenen Kultur-Verantwortlichen Dresdens lehne ich ab", schrieb er an Kulturbürgermeisterin Annekathrin Klepsch. Hintergrund ist die vom Stadtrat mit dem Doppelhaushalt 2017/2018 beschlossene Kürzung von jährlich 250 000 Euro für zusätzliche Aufgaben. Das bedeute "nicht weniger als eine signifikante und verantwortungslose Beschneidung der künstlerischen Arbeit der Philharmonie per sofort", erklärte Sanderling. Er warf Klepsch vor, sich nicht für einen der kulturellen Leuchttürme der Stadt eingesetzt zu haben. Es sei zudem "inakzeptabel", ihn als künstlerischen Leiter vorab nicht einmal über den Ernst der Lage zu informieren. Nur aus Verantwortung gegenüber Musikern und Publikum verzichtet Sanderling, der seit 2011 im Amt ist, nach eigenen Angaben auf einen sofortigen Rücktritt.

WDR- Reporterin wieder frei

Die Journalistin wollte in der Türkei über ein Grubenunglück berichten

Die türkische Polizei hat die am Samstag festgenommene Journalistin Hatice Kamer wieder freigelassen. Das meldete der türkische Dienst der BBC, für die Kamer unter anderem arbeitet. Die Reporterin war in der südosttürkischen Provinz Siirt festgenommen worden, wo sie über ein Grubenunglück berichten wollte. Ein Grund für die Festnahme Kamers wurde nicht angegeben. Nach Angaben der BBC geht es der 39-Jährigen gut. Kamer, die auch Vorsitzende eines örtlichen Journalistenverbandes ist, arbeitet außerdem für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und Voice of America. Nach WDR-Angaben war sie aber nicht im Auftrag des Senders in Siirt unterwegs gewesen. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hatte die Festnahme der BBC- und WDR-Reporterin verurteilt. Kamer zähle zu den ganz wenigen Kollegen, "von denen wir noch unabhängige Nachrichten aus dem Land bekommen haben", erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. Nach der Ausrufung des Ausnahmezustands am 21. Juli geht die Regierung in der Türkei hart gegen kritische Medien vor. Nach Angaben der unabhängigen Journalistenplattform P24 sitzen mehr als 140 Journalisten in Haft - das sind mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Volksschauspielerin Lindner gestorben

Sie wirkte in mehr als 100 Fernsehproduktionen mit

Die bayerische Volksschauspielerin Marianne Lindner ist tot. Sie starb im Alter von 93 Jahren in Gmund am Tegernsee an den Folgen eines Sturzes, wie ihre Tochter mitteilte. Die Beerdigung soll voraussichtlich in Gmund stattfinden, wo Lindner bis zu ihrem Tod lebte. Lindner wurde in Bad Blankenburg geboren und wuchs bis zu ihrem 18. Lebensjahr auch in Thüringen auf. Mit ihrem zweiten Ehemann Siegfried Lindner leitete sie dann in Bayern bis 1968 zwei Jahrzehnte lang die "Siegfried-Lindner-Bühne". In den 1960er Jahren wurde die Schauspielerin durch zahlreiche Rollen in der Fernsehsendung "Komödienstadel" des Bayerischen Rundfunks bekannt. Lindner hatte mehrere Gastauftritte an Theatern wie den Münchner Kammerspielen und spielte in mehr als 100 Fernsehproduktionen mit.

Grisebach-Chef über Kulturforum erschüttert

"Atemberaubende Kümmerlichkeit"

Bernd Schultz, Gründer des Auktionshauses Villa Grisebach, das in wenigen Tagen sein 30-jähriges Jubiläum feiert, ärgert sich über den Zustand des Berliner Kulturforums. "Ich bin immer erschüttert, wenn ich in New York bin und dort die Besucher mit ihrer ungeheuerlichen Aufmerksamkeit in den Museen sehe. Es sind richtige Gucker. Mit welcher ästhetischen Lust das dort inszeniert wird", sagte er der "Berliner Morgenpost". "Und wenn ich dann ins Kulturforum gehe, in diese eigentümlich dunklen, kalten Hallen der Gemäldegalerie, dann ist das von atemberaubender Kümmerlichkeit." Florian Illies, der ab 1. Januar 2017 Nachfolger von Schultz in der Grisebach-Geschäftsführung wird, sagte in dem Doppel-Interview: "Die Tristesse des Kulturforums ist symbolisch für die Unfähigkeit Berlins, mit seinen Schätzen und dem Reichtum umzugehen."

Erste Pfarrerin für Frauenkirche

Nachfolgerin von Pfarrer Holger Treutmann

Die Dresdner Frauenkirche hat erstmals eine Pfarrerin: Am Sonntag wurde die Theologin Angelika Behnke in einem Gottesdienst ins Amt eingeführt. Mehr als 1.500 Besucher waren dazu in das symbolträchtige Gotteshaus gekommen, teilte die Stiftung Frauenkirche mit. Die 43-jährige Behnke war im Juni zur Nachfolgerin von Pfarrer Holger Treutmann bestimmt worden. Dieser ist seit Februar Rundfunkbeauftragter der sächsischen Landeskirche und MDR-Senderbeauftragter. Behnke wurde 2010 zur Pfarrerin in Frankfurt/Oder ordiniert. Seit 2013 war sie Inhaberin der Projektstelle "Erwachsen glauben" mit dem Schwerpunkt Erwachsenenpädagogik in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und beim Johanniterorden. Die Frauenkirche gehört zu Deutschlands meistbesuchten Bauwerken.

Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis an Berg

"Subtiler Witz, Hauch von Zynismus"

Die Dramatikerin Sibylle Berg hat in Kaiserslautern den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2016 erhalten. "Es ist ein ganz eigener, unverkennbarer Sound, den Sibylle Berg entwickelt hat", lobte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer die in Weimar geborene und in Zürich und Tel Aviv lebende Autorin bei der Preisverleihung im Pfalztheater. "Ein subtiler Witz, ein Hauch von Zynismus gepaart mit einer ernsthaften Botschaft: Einer unerbittlichen Gesellschaftskritik. Dies hat die Autorin in zahlreichen Romanen, Bühnenstücken und Essays zur Perfektion entwickelt", sagte sie nach Angaben der Mainzer Staatskanzlei. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis zur Förderung der deutschsprachigen Dramatik wird seit 1993 vom Pfalztheater Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur ausgeschrieben.

Benefizauktion für Pinakothek der Moderne

Ergebnis des Vorjahrs noch einmal übertroffen

Einen Erlös von rund 1,1 Millionen Euro hat die 14. Benefizauktion für die Pinakothek der Moderne und das Museum Brandhorst erbracht. Bei der Versteigerung kamen in München Werke von 58 international renommierten Künstlern unter den Hammer. Dabei wurde das Ergebnis des Vorjahrs noch einmal übertroffen, wie der Freundesverein des Museums mitteilte. An der Veranstaltung nahmen rund 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur teil, darunter Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). Bieter aus aller Welt konnten im Vorfeld Gebote abgeben. Mit 222.000 Euro erhielt der Mitteilung zufolge das Werk "Untitled" (2014) von Anselm Kiefer den höchsten Zuschlag des Abends. Ein weiteres Spitzenergebnis erzielte eine Arbeit des mysteriösen Künstlers Banksy mit 60.000 Euro. Bei der Auktion seien auch für weitere Werke Summen aufgerufen worden, die weit über den bisherigen Galeriepreisen lägen, hieß es. Die Erlöse der Versteigerung und weitere Spenden kommen den vier Museen unter dem Dach der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst zugute.

Russischer Kulturminister droht mit "Höllenfeuer"

Geschichtsaufklärung unerwünscht

Den russischen Kulturminister Wladimir Medinski stört die Entlarvung jahrzehntealter Legenden über sowjetische Heldentaten im Zweiten Weltkrieg. Solche Geschichtsaufklärer sollten "in der Hölle schmoren", sagte der Minister und promovierte Historiker nach Medienberichten. Er machte die drastischen Äußerungen im Museum für eine sowjetische Partisanin im Dorf Petrischtschewo bei Moskau. Sie war 1941 von deutschen Besatzern ermordet worden. Hintergrund ist ein Streit über historische Wahrheit oder Legende in dem Film "28 Panfilow-Soldaten", der den deutschen Angriff auf Moskau vor 75 Jahren schildert und derzeit in russischen Kinos läuft. Der Mann, der damals die Partisanin Soja Kosmodemjanskaja verraten habe, brenne in der Hölle, sagte Medinski. "Genauso werden die brennen, die die Heldentaten unserer Väter in Zweifel ziehen, untergraben und zu leugnen versuchen", zitierte die Agentur Interfax den Minister. Die Sowjetunion hat die Soldaten unter Befehl des Generals Iwan Panfilow über Jahrzehnte als Helden verehrt, die für die Verteidigung Moskaus ihr Leben gegeben hätten. Nach neuen Forschungen stimmt diese Episode so nicht: Viele Soldaten überlebten oder kamen in deutsche Gefangenschaft.

Boy-Gobert-Preis für Gala Othero Winter

"Explodierende Energie und anrührende Komik"

Gala Othero Winter, Ensemblemitglied am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, hat den Boy-Gobert-Preis für Nachwuchsschauspieler an Hamburger Bühnen erhalten. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Körber-Stiftung wurde bei einer Matinee im Hamburger Thalia Theater überreicht. Aus einer souveränen Ruhe heraus entwickle Winter "Figuren von explodierender Energie und anrührender Komik", begründete die Jury unter Vorsitz des Schauspielers Burghart Klaußner die Wahl. Winter wurde 1991 in Hessen geboren und studierte Schauspiel an der Theaterakademie Hamburg. Seit der Spielzeit 2014/15 gehört die 25-Jährige zum festen Ensemble am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, wo sie bereits während ihres Studiums in mehreren Rollen zu sehen war. Sie spielte unter anderem in "Ich, das Ungeziefer", "Die Jungfrau von Orleans" und "Peer Gynt". 2015 erhielt Winter den Alfred-Kerr-Darstellerpreis beim Berliner Theatertreffen.

Robert Wilson besucht oft Dietrichs Grab

Der Regisseur habe viel von ihr gelernt

Der Regisseur Robert Wilson geht bei jedem Berlin-Besuch auf den Friedhof - zur letzten Ruhestätte von Marlene Dietrich. "Jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, besuche ich ihr Grab und lege ein paar Rosen dort ab", sagte der US-Amerikaner der Berliner Zeitung "B.Z.". Dietrichs Grab befindet sich auf dem als Künstlerfriedhof bekannten III. Städtischen Friedhof in der Stubenrauchstraße. "Ich bin ein großer Fan von Marlene Dietrich." Ihre Show in Paris habe Wilson 18 Mal gesehen. "Ich habe viel von ihr gelernt, sie war eine brillante Kennerin von Licht und Bewegung." Wilson inszeniert derzeit am "Berliner Ensemble" Samuel Becketts "Endspiel" - Premiere ist am 3. Dezember.

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