Dienstag, 22.10.2019
 

Kulturnachrichten

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Zietzschmann und Petrenko unterzeichnen bei Berliner Philharmonikern

Andrea Zietzschmann wird neue Intendantin, Kirill Petrenko Chefdirigent

Die Musikmanagerin Andrea Zietzschmann (46) wird im kommenden Jahr neue Intendantin der Berliner Philharmoniker. Die bisherige Managerin der vier NDR-Klangkörper und der schon im vergangenen Jahr gewählte neue Chefdirigent Kirill Petrenko (44) unterzeichneten am Donnerstag in Berlin ihre Verträge. Zietzschmann tritt am 1. September 2017 die Nachfolge des bisherigen Intendanten Martin Hoffmann an, der auf eigenen Wunsch ausscheidet. Petrenko, seit 2013 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, wird am 19. August 2019 Nachfolger von Chefdirigent Sir Simon Rattle. Petrenko sagte, er sehe mit Zietzschmann beste Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit. "Durch ihre langjährige Erfahrung mit verschiedenen Orchestern weiß sie am besten, wie eine Musikerseele funktioniert." Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, mit dem neuen Duo stünden den Philharmonikern künftig zwei international sehr gut vernetzte, innovative und kreative Persönlichkeiten zur Seite.

Galeristenfamilie verschenkt Chipperfield-Haus

Freudige Überraschung für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Die Galeristenfamilie Bastian will ihr von Stararchitekt David Chipperfield gebautes Haus in Berlin nun überraschend doch selbst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schenken. In der vergangenen Woche hatte die Stiftung mitgeteilt, der schwäbische Unternehmer und Kunstsammler Reinhold Würth werde den Ankauf finanzieren. Am Donnerstag erklärte die Familie Bastian, durch die Pläne sei ihre jahrelange persönliche Verbindung zu dem Haus an der Museumsinsel auf einmal verloren gegangen. "Aber eben diesen Verlust wollten wir nicht hinnehmen. Wir haben uns darum entschieden, in der Übergabe des Hauses auf jegliche Kompensation zu verzichten und das Haus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ohne jede Auflage zu schenken." Stiftungspräsident Hermann Parzinger reagierte überrascht. "Ein solch großzügiges Geschenk erhält man nicht alle Tage", erklärte er. Berliner Familie Bastian hatte das spektakuläre Galeriehaus 2006/2007 nach einem Entwurf von Chipperfield bauen lassen. Es liegt schräg gegenüber dem Neuen Museum, dessen vielfach preisgekrönte Sanierung ebenfalls von Chipperfield stammt. Was aus der geplanten Schenkung des schwäbischen «Schraubenkönigs» Würth wird, blieb zunächst offen.

Politologe will Gewaltpotential des Koran neutralisieren

Hamed Abdel-Samad erklärt weder die friedlichen noch die gewalttätigen Passagen für zeitgemäß

Der islamkritische ägyptisch-deutsche Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad will das Gewaltpotential des Koran neutralisieren. Er stellt sowohl die friedlichen, als auch die gewalttätigen Passagen in historischen Kontext und betont beide seien heute nicht mehr zeitgemäß. Dass er mit seinem neuen Buch „Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses" auch Applaus vom rechten Rand bekommen könnte, irritiere ihn nicht, sagte der Autor im Deutschlandradio Kultur.
Wenn Gott selbst sein Heiliges Buch nicht vor Gewaltmissbrauch schützen könne, dann könne er das auch nicht. Die Debatte über den Islam müsse wieder verstärkt in der Mitte der Gesellschaft geführt werden und es sei "extrem gefährlich" sie nur dem rechten Rand zu überlassen.

Erstmals interreligiöse Jury bei DOK Leipzig

Filmexperten wollen Zeichen setzen gegen Fremdenfeindlichkeit

Das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK Leipzig) beruft zum ersten Mal eine interreligiöse Jury. Sie trete an die Stelle der bisherigen ökumenischen Juroren, teilte das Festival am Donnerstag in Leipzig mit. Neben zwei christlichen Filmexperten besteht die neue Jury nun zusätzlich aus einem muslimischen und einem jüdischen Mitglied. Intendantin Leena Pasanen will "vor dem Hintergrund ansteigender fremdenfeindlicher Ausschreitungen in Deutschland interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit fördern", hieß es. Das diesjährige Motto der DOK Leipzig heißt "Ungehorsam". Das Filmfestival findet vom 31. Oktober bis zum 6. November statt. Rund 300 Filme stehen auf dem Programm. 2015 erreichte das Festival mit 48.000 Zuschauern einen neuen Besucherrekord.

Studienanfängerinnen an deutschen Unis in der Mehrheit

Frauenanteil in höheren Besoldungsgruppen weiterhin niedrig, obwohl Quote der Professorinnen steigt

An deutschen Hochschulen sind Frauen inzwischen in der Mehrheit - zumindest bei Studienanfängern und -abschlüssen. Bei Doktorarbeiten und Habilitationen auf dem Weg zur Professur sieht es dagegen noch anders aus, wie aus einer Datensammlung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) hervorgeht. Aber immerhin stieg die Quote der Professorinnen in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich an - von gut acht auf 22 Prozent. "Differenziert man allerdings nach Besoldungsgruppen, so zeigt sich weiterhin: Je höher die Besoldungsgruppe, desto niedriger der Anteil der Frauen", schreibt die GWK zu ihrer Datensammlung. Seit 1989 werden Daten zur Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung aufbereitet.

Hermann-Hinrich Reemtsma ausgezeichnet

Mäzenaten-Preis für vielfältiges Engagement

Der Hamburger Mäzen Hermann-Hinrich Reemtsma wird für sein vielfältiges Engagement für Kunst, Kultur und soziale Projekte mit dem Maecenas-Preis 2016 ausgezeichnet. Die undotierte Auszeichnung vergibt der Bonner "Arbeitskreis selbstständiger Kultur-Institute" (AsKI) für herausragendes privates Mäzenatentum. Der 1935 geborene Reemtsma gründete 1989 gemeinsam mit seiner Frau Eike die nach seinem Vater benannte Hermann Reemtsma Stiftung. Sie fördert unter anderem das Ernst Barlach Haus, weitere Museen und Kultureinrichtungen in Hamburg, aber auch Einrichtungen in den neuen Bundesländern. Der Preis wird am 7. November bei einem Festakt im Ernst Barlach Haus in Hamburg überreicht. Träger des seit 1989 für private Kulturförderung verliehenen Maecenas-Preises sind unter anderem die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter, die Kunstsammler Anette und Udo Brandhorst und das Bankiersehepaar Sylvia und Friedrich von Metzler.

Philosoph György Markus gestorben

Bedeutender Vertreter der Budapester Schule Georg Lukacs

Der ungarische Philosoph György Markus starb im Alter von 82 Jahren im australischen Sydney, meldeten ungarische Medien am Donnerstag unter Berufung auf eine Mitteilung des Budapester Atlantisz-Verlag. Markus galt als bedeutendster Vertreter der Budapester Schule des marxistischen Philosophen Georg Lukacs (1885-1971). Er protestierte 1968 gegen die Niederschlagung des "Prager Frühlings" durch Truppen des Warschauer Pakts und 1973 gegen die Maßregelung jüngerer Philosophen durch das kommunistische Regime in Ungarn. Wegen faktischem Berufs- und Publikationsverbot emigrierte Markus 1977 nach Australien. Noch in Ungarn hatte er 1972 im Untergrund zusammen mit György Bence und Janos Kis die bahnbrechende Studie «Wie ist eine kritische Wirtschaftstheorie möglich?» veröffentlicht. Darin unterzogen die drei Lukacs-Schüler den real existierenden Sozialismus einer Kritik auf marxistischer Grundlage. Während sich die meisten Vertreter der Lukacs-Schule wie Heller oder Kis später dem Liberalismus oder wie der 2006 gestorbene Bence dem Konservativismus zuwandten, blieb Markus bis zu seinem Tod einer kritischen marxistischen Philosophie verbunden.

Deutscher Buchhandlungspreis zum 2. Mal vergeben

Insgesamt wurden 181 inhabergeführte Läden ausgezeichnet

Als Deutschlands beste Buchhandlungen sind die Friedrich-Wagner-Buchhandlung in Ueckermünde, die Buchhandlung Böttger in Bonn sowie die Nimmerland Kinderbuchhandlung in Mainz ausgezeichnet worden. Die Auszeichnungen seien eine "Anerkennung für den Mut, sich mit Individualität und innovativen Geschäftsmodellen in einem schwierigen Markt zu behaupten", sagte Kulturstaatsministerin Grütters bei dem Festakt in Heidelberg. Die Hauptpreise sind mit jeweils 25.000 Euro dotiert. Für den Preis hatten sich 500 kleinere Buchhandlungen mit anspruchsvollem Sortiment und kulturellem Rahmenprogramm beworben. Er wurde zum zweiten Mal vergeben.

KMK berät über Bildung für Flüchtlingskinder

Zigtausende müssen in deutsche Schulen integriert werden

Die Kultusminister der Länder wollen sich gemeinsam mit dem Bund heute und morgen in Bremen über die Bildung und Ausbildung von Flüchlingskindern austauschen. Nordrhein-Westfalens Ministerin Löhrmann fordert dafür mehr Hilfe vom Bund. Der Deutschen Presse Agentur sagte sie, der Bund müsse mehr tun, denn es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Kultusministerkonferenz wünsche sich intensivere und langfristige Kooperationen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Bei Gesprächen mit Migrantenorganisationen solle geprüft werden, wie wirksam die bisherigen Maßnahmen sind. Die KMK will in Bremen zum Thema Integration durch Bildung auch eine Erklärung beschließen.

Nach Ende der Ermittlungen spricht Böhmermann von einem traurigen Witz

Einen Tag nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft ergreift der Satiriker das Wort

"Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das nicht das Problem des Witzes, sondern des Staates." Mit diesem Satz hat sich Jan Böhmermann nach Einstellung der Ermittlungen gegen ihn an die Öffentlichkeit gewandt. Via Youtube kommentierte der 35jährige dabei auch die türkische Politik: "Im Vergleich zu dem, was kritische Journalisten, Satiriker oder Oppositionelle in der Türkei damals und auch jetzt gerade durchmachen, ist dieses ganze Theater um die Böhmermann-Affäre schon wieder ein großer trauriger Witz". Wegen seiner Ende März in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" vorgetragene "Schmähkritik" auf den türkischen Präsidenten Erdogan war der Grimme-Preisträger 2016 mehrfach angezeigt worden. Die Staatsanwaltschaft Mainz hatte daraufhin auch wegen des Verdachts auf Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts ermittelt, diese aber gestern eingestellt und dabei auf die freie Meinungsäußerung verwiesen.

Philosoph Charles Taylor erhält Berggruen-Preis

Der nach dem Investor Nicolas Berggruen benannte Preis ist mit einer Mio.Dollar dotiert

Zum ersten Mal ist der mit einer Million Dollar (etwa 893 000 Euro) dotierte Berggruen-Preis für Philosophie vergeben worden. Der kanadische Philosoph Charles Taylor erhielt die nach dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen benannte Auszeichnung, wie das Berggruen-Institut mitteilte. Der 1931 geborene Taylor sei einer der führenden Philosophen weltweit und habe Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die öffentliche Debatte mitgeprägt. Der Berggruen-Preis soll nun jedes Jahr an einen Denker vergeben werden, dessen Ideen für das Selbstverständnis und die Entwicklung der Menschheit von großer Bedeutung sind.

Originale Handschrift von Rosa Luxemburg gestohlen

Einbruch bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen

Einbrecher haben in Leipzig einen Brief der marxistischen Politikerin Rosa Luxemburg (1871-1919) gestohlen. Sie entwendeten die originale Handschrift aus einem Tresor der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, wie die Polizeidirektion Leipzig am Mittwoch mitteilte. Der Brief stammt aus dem Jahr 1902 und ist an die sogenannte Presskommission der "Leipziger Volkszeitung" gerichtet. Luxemburg pflegte einen guten Kontakt zu dem 1894 gegründeten Blatt, das zur damaligen Zeit eine der bedeutendsten sozialdemokratischen Zeitungen war. Die Stiftung hatte den Brief 2010 aus privater Hand erworben. Gestohlen wurden außerdem eine dreistellige Summe Bargeld, ein Beamer und drei Laptops. Der Schaden wird nach ersten Schätzungen auf rund 5.000 Euro beziffert.

International Actors Award Cologne an Peter Simonischek

Jury ehrt seine "bestechenden schauspielerischen Fähigkeiten"

Der österreichische Schauspieler Peter Simonischek erhält den mit 10.000 Euro dotierten International Actors Award Cologne. Er werde für seine "bestechenden schauspielerischen Fähigkeiten", zuletzt in "Toni Erdmann", geehrt, teilte das Film Festival Cologne mit. Zu den diesjährigen Preisträgern der neu konzipierten International Film Awards NRW gehören auch der Kameramann Christopher Doyle und der belgische Dokumentarfilmer Pieter-Jan de Pue.

Schauspieler Hans Korte ist tot

Er starb mit 87 Jahren bereits am 25. September

Der Schauspieler Hans Korte ist tot. Der 87-Jährige sei bereits am 25. September gestorben, bestätigte in München ein Freund der Familie einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Der Schauspieler stand auf vielen großen Theaterbühnen und führte auch selbst Regie. Außerdem spielte er in Fernsehfilmen und Serien mit, darunter "Der große Bellheim", "Der König von St. Pauli" und "Lutz & Hardy". Mit rund 70 Jahren fing Korte an, Hörbücher prominenter Autoren einzusprechen und erntete dafür großes Kritikerlob. So befand die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 2008, Korte habe mit der Lesung von "Erklärt Pereira" von Antonio Tabucchi "die Bildmacht des Kinos besiegt". Am vergangenen Sonntag wurde er beigesetzt, in aller Stille, wie seine Witwe Barbara Rath-Korte in einer Traueranzeige in der Zeitung bekanntgab.

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