Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Montag, 09.12.2019
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Kulturnachrichten

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Literaturnobelpreis für Patrick Modiano

Franzose überzeugt mit raffinierten Kompositionen aus einfacher Sprache

Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den französischen Schriftsteller Patrick Modiano. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Das Nobelpreis-Komitee würdigte unter anderem die einfache, aber raffiniert gewobene Sprache des 69-Jährigen. Modiano verfasste rund 30 Bücher, vor allem Romane, aber auch einige Kinderbücher.
Die Auszeichnung hat Patrick Modiano überrascht. «Ich konnte es kaum glauben und musste erstmal spazieren gehen», sagte der französische Schriftsteller auf einer Pressekonferenz in Paris, «Das ist fast irreal. Ich würde gerne wissen, warum die Akademie gerade auf mich gekommen ist».
Seine Werke sind vielfach Variationen eines Themas: Erinnerung, Identität, Verlust und Zeit. Während der Geehrte in seiner französischen Heimat sehr bekannt ist, zählt er international zu den weniger berühmten Schriftstellern. Seine Werke seien häufiger ins Schwedische als ins Englische übersetzt worden, sagte Komitee-Sprecher Peter Englund. Modianos Romane sind meist kurz gehalten. «Man kann gut eines seiner Bücher am Nachmittag lesen, zu Abend essen und ein weiteres Buch am Abend lesen», so Englund. Der Carl Hanser Verlag, der in Deutschland Bücher des neuen Literaturnobelpreisträgers vertreibt, ist nach den Worten von Geschäftsführer Jo Lendle von der Komitee-Entscheidung zugunsten des Franzosen ebenfalls überrascht worden. Zwar habe Modiano schon länger auf der Liste der Favoriten gestanden. Doch sei man auf die Auszeichnung nicht vorbereitet gewesen, sagte Lendle heute auf der Frankfurter Buchmesse.

Grütters will unabhängigen Buchhandel mit neuem Preis stärken

Preis soll Erhalt der vielfältigen Verlagslandschaft unterstützen

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will im Herbst 2015 erstmals einen Deutschen Buchhandelspreis verleihen. Damit sollten unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen gestärkt werden, erklärte Grütters am Donnerstag anlässlich der Frankfurter Buchmesse. Mit der Auszeichnung, die mit insgesamt einer Million Euro ausgestattet werden soll, könnten bundesweit viele Buchhandlungen prämiert werden.
Die Hauptpreise sollen jeweils mit 25 000 Euro dotiert sein, die weiteren Preise mit je 15 000 Euro bzw. 7000 Euro. Grütters sprach sich dafür aus, die auf der Buchmesse so vielfältig anzutreffende Verlagslandschaft in all ihren Facetten zu erhalten. Das betreffe die Buchpreisbindung, günstige Mehrwertsteuerregelungen für Hörbücher und E-Books und auch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber großen Akteuren wie dem Online-Händler Amazon.

"Kohl-Protokolle": Altkanzler scheitert mit Einstweiliger Verfügung

Autor Heribert Schwan hatte Kohl über 600 Stunden interviewed und pikante Details veröffentlicht

Altkanzler Helmut Kohl ist mit dem Versuch gescheitert, die Veröffentlichung des umstrittenen Buches "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle" per Einstweiliger Verfügung zu unterbinden. Das Landgericht Köln habe den Antrag Kohls zurückgewiesen, bestätigte der Sprecher des Oberlandesgerichts (OLG), Martin Kessen, am Donnerstag.
Der Sprecher sagte, gegen die Entscheidung des Landgerichts sei sofortige Beschwerde eingelegt worden. Damit sei jetzt das OLG befasst. Gegner in dem Verfahren seien der Heyne-Verlag sowie der Buchautor, Kohls Ghostwriter Heribert Schwan. Wann der zuständige OLG-Senat eine Entscheidung trifft, stehe noch nicht fest.
Kohl war 2001 und 2002 über 600 Stunden lang von Schwan befragt worden. Zweck der Gespräche war die Veröffentlichung von Kohls Memoiren, von denen drei Bände erschienen. Für die heftig diskutierten "Kohl-Protokolle" mit pikanten Details griffen Schwan und sein Mitautor Tilman Jens auf die Mitschnitte zurück. Schwan hatte bei der Vorstellung des Buches betont, es habe keine Vereinbarung mit Kohl gegeben, Teile der Gespräche vertraulich zu behandeln.

Barrie Kosky bleibt bis 2022 an der Komischen Oper Berlin

Australier überzeugt Publikum und Fachöffentlichkeit seit 2012 mit lebendiger Spielplangestaltung

Der vielgelobte australische Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky (47) hat seinen Vertrag mit der Komischen Oper Berlin bis zum Jahr 2022 verlängert. Wie das Opernhaus heute mitteilte, wäre der bisherige Vertrag 2017 ausgelaufen.
Kosky leitet das Haus seit dem Sommer 2012. Er sagte: "Die Komische Oper Berlin ist meine künstlerische Heimat, und die Menschen, mit denen ich in diesem grandiosen Labor für Musiktheater zusammenarbeite, sind meine künstlerische Familie."

Imre Kertész wird heute 85 Jahre alt

Durch den Nobelpreis sei es nicht leichter geworden

Der ungarische Autor Imre Kertész ist heute eine literarisch-moralische Autorität in Deutschland, nicht nur wegen des Nobelpreises im Jahr 2002. In bewegenden Büchern über die Judenverfolgung und das KZ-System hat er seine eigenen Erfahrungen verarbeitet. Als Jugendlicher überlebte er 1944/45 Auschwitz und Buchenwald. Kertész hat sich nie nach vorne gedrängt, nie den Ruhm gesucht, nie den Anspruch erhoben, «eine moralische Instanz zu sein», wie die Berliner Tageszeitung «taz» 2006 schrieb: «Eben deshalb ist er es.»
In seinem aktuellen Buch «Letzte Einkehr», den Tagebüchern von 2001 bis 2009, zieht Kertész eine kritische, bittere Bilanz seines Lebens. Durch den Nobelpreis sei es nicht leichter geworden. Er nennt die Auszeichnung «eine Glückskatastrophe». Zwar machte ihn das Preisgeld finanziell unabhängig, er konnte ohne Sorgen von 2000 bis 2012 in Berlin leben. Aber die Arbeit sei für ihn schwieriger geworden. Die «Letzte Einkehr» ist unvollendet, eigentlich sollte sie ihn bis zu seinem Tod begleiten. Was er aber «im Vorzimmer des Todes» niederschrieb, ist auch als Fragment ein großes Buch. Im Jahr 2012 zog der an Parkinson erkrankte Kertész wieder nach Budapest. Dort erhielt er am 20. August 2014, am ungarischen Nationalfeiertag, die höchste Auszeichnung, den Orden des Heiligen Stephan. Kertész ist ein ein scharfer Kritiker der konservativ-reaktionären Orbán-Regierung, nahm aber den Orden trotzdem an. Es sei notwendig, zitierten ihn ungarische Medien, in seinem Heimatland einen «Konsens» herzustellen.

Deutscher Kabarett-Preis 2014 geht an Simone Solga

"Kanzlerin-Souffleuse" als Paraderolle

Der Deutsche Kabarett-Preis geht in diesem Jahr an Simone Solga. Die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung bekommt die 51-Jährige für «politisches Kabarett, wie man es sich wünscht: erfindungsreich, frisch, kompromisslos und bissig», wie das Nürnberger Burgtheater heute mitteilte.
Den mit 4000 Euro verbundenen Förderpreis erhält Till Reiners. «Seine hellwachen, originellen Gedanken verpackt er in intelligente und dabei immer unterhaltsame Geschichten», hieß es zur Begründung. Den Sonderpreis (2000 Euro) bekommt «Die bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden». Das Duo Stefan Schramm und Christoph Walther beherrscht die hohe Kunst der scheinbar sinnfreien Unterhaltung nach Ansicht der Jury «aufs Perfekteste».

Kunstausstellung documenta findet auch in Athen statt

Zum ersten Mal wird es einen zweiten festen Standort neben Kassel geben

Kassel bleibe Hauptausstellungsort für die documenta 2017, betonte die Geschäftsführerin der documenta, Annette Kulenkampff. Nach Angaben des künstlerischen Leiters Adam Scymczyk beginnt die 14. documenta im April 2017 zunächst in Athen, sie wird danach am 10. Juni 2017 in Kassel fortgesetzt. Die documenta gilt als weltgrößte Schau zeitgenössischer Kunst. Zur documenta 13 kamen 2012 mehr als 860 000 Besucher nach Kassel.

Peter Härtling gewinnt Hessischen Kulturpreis 2014

Der 81-Jährige sei einer der "ganz großen Autoren unserer Zeit"

Härtling habe ein Leben lang das Kulturwesen in Hessen und darüber hinaus geprägt. Der mit 45.000 Euro dotierte Kulturpreis soll dem Schriftsteller am 7.
November in der Bad Homburger Schlosskirche überreicht werden. Härtling ist Autor sehr verschiedener Gattungen. So verfasste er Kinderbücher wie «Ben liebt Anna», Gedichte, Essays und Erzählungen. Zudem war er Moderator beim Hessischen Rundfunk. Geboren 1933 in Chemnitz lebt Härtling heute in Mörfelden-Walldorf.

Erste Mopsmodelle für Loriot-Denkmal fertig

"Waldmopszentrum" entsteht in Loriots Geburtsstadt Brandenburg

Die Berliner Künstlerin Clara Walter (24) hat bereits drei Mopsmodelle fertig, das vierte ist in Arbeit. Acht Bronzefiguren sind zunächst vorgesehen. "Wir sind im Zeitplan", sagte Friedrich Christian Perker, stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Kulturvereins. Das Denkmal soll zur Eröffnung der Bundesgartenschau in der Havelregion am 18. April 2015 fertig sein. Es erinnert an einen Sketch von Vicco von Bülow (1923-2011) alias Loriot, in dem der Humorist über den "Wilden Waldmops" referierte.

Wiener Philharmoniker in Stockholm mit Birgit-Nilsson-Preis geehrt

Eine große Ehre - selbst wenn es nicht der Nobelpreis ist

Das Orchester aus Österreich bekam den mit einer Million Dollar (umgerechnet rund 790000 Euro) dotierten Preis am Mittwoch auf einer Zeremonie im Konzerthaus überreicht, an der auch der schwedische König Carl XVI. Gustaf und seine Frau Silvia teilnahmen. Das Geld werden die Philharmoniker unter anderem zum Ausbau ihresArchivs nutzen, wie sie erklärten. Bisherige Preisträger waren der italienische Dirigent Riccardo Muti im Jahr 2011 sowie der spanische Startenor Plácido Domingo 2009. Der Birgit-Nilsson-Preis ähnelt in seinem Ursprung dem Nobelpreis: Wie Alfred Nobel gründete auch die Opernsängerin Nilsson zu Lebzeiten eine Stiftung, die nach ihrem Tod außergewöhnliche Leistungen im Bereich der Musikkunst auszeichnen sollte.

Komponist Konrad Boehmer tot

Er starb im Alter von 73 Jahren in Amsterdam

Der gebürtige Berliner schrieb akustische und elektronische Musik. 1983 erhielt er für die Oper "Doktor Faustus" den Rolf-Liebermann-Preis. Boehmer setzte sich zeitlebens für die zeitgenössische Musik ein und kritisierte die Unterhaltungsbranche scharf. "Unterhaltungskünstler produzieren heute für einen Markt, der alle 60 Sekunden nach einer Innovation schreit. Die produzieren nur noch für den Supermarkt. Läuft das Produkt nicht sofort, fliegt es aus dem Regal.", so der Komponist in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Konrad Boehmer wurde 1941 in Berlin geboren und studierte in Köln neben Komposition auch Soziologie, Philosophie und Musikwissenschaft. Nach einer Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen Anfang der 60er Jahre im Studio für Elektronische Musik des WDR in Köln veröffentlichte er seine Doktorarbeit: "Zur Theorie der offenen Form in der neuen Musik". 1966 verlegte er seinen Wohnsitz nach Amsterdam, wo er bis zu seinem Tod lebte. Er unterrichtete von 1972 bis 2006 an der Königlichen Musikhochschule in Den Haag, war von 1994 bis 2006 Leiter des "Instituut voor Sonologie", schrieb als Musikkritiker für die Wochenzeitung Vrij Nederland und gab Kurse und Vorträge in Europa und den USA. 2007 stellte er "Sensor", ein elektronisches Musiktheater nach Texten des Münchner Schriftstellers Albert Ostermeier vor. Die dazugehörige Partitur hatte er kostenfrei zum Download auf seiner Webseite bereitgestellt.

Friedensnobelpreis für Kohl oder Snowden?

Nie zuvor gab es so viele Anwärter auf den Friedensnobelpreis wie in diesem Jahr

Aus einer Rekordzahl von Kandidaten wird das norwegische Nobelkomitee morgen den Preisträger des Friedensnobelpreises 2014 benennen. 278 Namen enthält die Liste, die den Juroren seit Februar vorliegt. Im Rennen um die prestigeträchtige Auszeichnung ist auch wieder Helmut Kohl (CDU). Manche meinen, für den Altkanzler sei es 25 Jahre nach dem Fall der Mauer die letzte Chance auf die prestigeträchtige Auszeichnung. Neben prominenten Politikern sind auch frühere Favoriten wie die 17-jährige pakistanische Menschenrechtsaktivistin Malala Yousafzai und umstrittene Anwärter wie der US-Whistleblower Edward Snowden nominiert. Als Mitfavoriten gehandelt werden auch der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege, der Agrarwissenschaftler Yuan Longping aus China, UN-Generalsekretär Ban-Ki Moon und Papst Franziskus.
Außerdem soll die Organisation Ärzte ohne Grenzen, deren Mitarbeiter derzeit in vielen Ebola-Gebieten im Einsatz sind, unter den Nominierten sein.

New Yorker Metropolitan Museum zeigt erstmals Lauder-Sammlung

Milliardenschwere Sammlung kubistischer Kunst

Die rund 80 Gemälde von bedeutenden Künstlern wie Pablo Picasso, Georges Braque, Juan Gris und Fernand Léger, die Lauder dem Museum im vergangenen Jahr geschenkt hatte, sollen ab dem 20. Oktober zu sehen sein, teilte die Ausstellungshalle am New Yorker Central Park mit. Die von Experten auf einen Wert von rund einer Milliarde Dollar (etwa 770 Millionen Euro) geschätzte Kollektion gilt als eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen kubistischer Kunst. Der 81 Jahre alte Sohn der US-Unternehmerin Estée Lauder (1906-2004) hatte sie in den vergangenen Jahrzehnten zusammengesammelt. Die Werke sollen vorerst bis Mitte Februar 2015 im Metropolitan Museum zu sehen sein.

Kulturnachrichten hören

Oktober 2014
MO DI MI DO FR SA SO
29 30 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

Fazit

Nach dem SPD-ParteitagFortgesetzte Selbstverzwergung
Ein Schkoladen-Nikolaus steht auf einem Tisch beim SPD-Parteitag (picture alliance/Michael Kappeler/dpa)

Der SPD-Parteitag sollte der Partei Aufwind geben. Aber ist die Sozialdemokratie gerettet? SPIEGEL-Journalist Nils Minkmar hat Zweifel. Die Genossen müssten internationaler denken, die Intellektuellen zurückgewinnen und die Selbstzweifel bekämpfen. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur