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Kulturnachrichten

Sonntag, 25. Januar 2015

Außenminister Steinmeier sorgt sich um deutschen Ruf

Pegida-Kundgebungen wurden auch in Marrakesch, in Tunis und in Algier verfolgt

Zum ersten Mal seit den Anschlägen von Paris ist Außenminister Frank-Walter Steinmeier wieder in der arabischen Welt unterwegs. Er bereist mit einer großen Wirtschaftsdelegation Tunesien, Marokko und Algerien. Die Gespräche, die er zu führen hat, sind nicht einfach. Im Maghreb wirbt er für einen Schulterschluss gegen islamistischen Terror - und sorgt sich wegen der Pegida-Proteste um Deutschlands Ansehen. Überall wurde Steinmeier danach gefragt, ob es in Deutschland jetzt tatsächlich eine anti-islamische Stimmung gibt. Aus Sicht des Außenministers haben die Pegida-Demonstrationen im Ausland jetzt schon Schaden angerichtet. Es gebe inzwischen große Sorge, ob sich in Deutschland "etwas in Richtung bekannter Parolen aus der Vergangenheit zurückentwickelt". Manchmal spüre man Skepsis, ob die Deutschen alle hinreichend gelernt haben. Steinmeier verwies dann stets darauf, dass viel mehr Menschen in Deutschland gegen Pegida auf die Straße gehen als dafür.

Lessingtage in Hamburg eröffnet

Internationale Produktionen aus Theater, Tanztheater, Video und Spektakel

Der amerikanische Kultursoziologe Richard Sennett (72) hat eine veränderte Städteplanung gefordert. "Wir brauchen mehr öffentliche Räume, in denen Menschen ihre Verschiedenheit ausleben können", sagte der Bestsellerautor heute im Hamburger Thalia-Theater in seiner Eröffnungsrede der Lessingtage. Wahre Toleranz bestünde nicht im Vermeiden von Unterschieden, erklärte Sennett, "vielmehr sind gerade solche Reibungen zwischen den Völkern etwas, was uns stimuliert und weiterbringt." Beim sechsten Lessing-Festival wollen bis 8. Februar mehr als 20 internationale Produktionen aus Theater, Tanztheater, Video und Spektakel sowie eine "Lange Nacht der Weltreligionen" zur Reflexion über Themen wie Gewalt, Glauben und Toleranz im Geist der Aufklärung anregen.

Max-Ophüls-Preis 2015 für Schweizer Sozialdrama "Chrieg"

Das 36. Filmfestival Max Ophüls Preis geht heute zu Ende

Der Max-Ophüls-Preis für den besten deutschsprachigen Nachwuchsfilm geht in diesem Jahr an den Film "Chrieg" des Schweizer Regisseurs Simon Jaquemet. Das kraftvolle und packende Erstlingswerk überzeuge auf Anhieb mit seiner "Wucht, Klarheit und Authentizität", urteilte die Jury bei der Preisvergabe am Samstagabend in Saarbrücken. In dem Film geht es um vier rebellische und gewalttätige Jugendliche, die es in eine Berghütte verschlagen hat. Die Schauspieler sind überwiegend Laiendarsteller. Der Preis ist mit 36.000 Euro dotiert und soll Nachwuchsregisseure im deutschsprachigen Raum fördern. Er ist benannt nach dem aus Saarbrücken stammenden Regisseur Max Ophüls.

Premiere von "Nathan der Weise" am Münchener Volkstheater gefeiert

Ein wichtiges von Humanität und religiöser Toleranz erzählendes Stück

Unter großem Applaus hat am Samstagabend im Münchner Volkstheater Gotthold Ephraims Lessings "Nathan der Weise" unter der Regie von Christian Stückl Premiere gefeiert. In der Titelrolle war August Zirner zu sehen. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte Zirner, dass es nie falsch sein könne, dieses von Humanität und religiöser Toleranz erzählende Stück zu spielen. Allerdings räumte er ein, dass die jüngsten Ereignisse auf jeden Fall einen "Hallo-Wach-Effekt" verursacht hätten. Doch selbst wenn Paris und Pegida nicht gewesen wären, "wäre das Stück nicht weniger wichtig und wäre die Diskussion darüber nicht weniger spannend gewesen". Lessing setzt sich in seinem "dramatischen Gedicht" mit den drei großen Religionen Judentum, Christentum und Islam auseinander. Dabei versucht er aufzuzeigen, wie ein friedliches Miteinander gelingen könnte.

Ulmer Münster wird 125 Jahre alt

Heute wird der Auftakt des Jubiläumsjahres gefeiert

Mit einer Ausstellung beginnen heute offiziell die Feiern zum 125. Geburtstag des Ulmer Münsters. Es ist mit 161,53 Metern der höchste Kirchturm der Welt. Gefeiert werde das ganze Jahr mit mehr als 100 Veranstaltungen wie Konzerten und anderen kulturellen Events, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. In der Ausstellung werde unter anderem die Geschichte des Bauwerks in Baden-Württemberg gezeigt. Schon seit dem 1. Januar setzt eine Lichtinstallation des Stuttgarter Künstlers Joachim Fleischer den Turm von innen und außen in Szene. Insgesamt lässt sich die Stadt nach eigenen Angaben das Jubiläumsjahr 1,9 Millionen Euro kosten.

Berlinale-Premiere von Panahis "Taxi" ist ein filmischer Protest

Berlinale für Freiheit von Kunst und Meinungsfreiheit

Aus dem Iran kommt heftige Kritik an der Teilnahme des neuen Films "Taxi" von Regisseur Jafar Panahi bei der Berlinale. "Die Berlinale gehörte mal zu den drei wichtigsten Filmfestspielen der Welt, verfolgt aber in den letzten Jahren mehr politische Ziele", schrieb das konservative Kulturinstitut Aviny auf seinem Webportal. Der Regisseur Panahi war wegen seiner Kritik an der iranischen Regierung im Dezember 2010 zu sechs Jahren Haft und einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt worden - das Urteil wurde jedoch nicht vollständig vollstreckt. Berlinale Direktor Dieter Kosslick (66) erklärte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, warum die Filmfestspiele das neue, heimlich entstandene Werk des iranischen Filmemachers Jafar Panahi zeigen werden. Es sei ein stiller filmischer Protest. Kosslick wolle Panahi solange einladen, bis er kommen kann. Die Berlinale kämpfe seit ihrer Gründung im Jahr 1951 um die Freiheit von Kunst und Meinungsfreiheit und setze sich für Völkerverständigung ein, so Kosslick. Die Berliner Filmfestspiele laufen vom 5. bis 15. Februar.

Beschädigte Tutanchamun-Maske kann restauriert werden

Bart war abgebrochen und nur behelfsmäßig wieder angeklebt worden

Die beschädigte Totenmaske des ägyptischen Pharaos Tutanchamun kann restauriert werden. Diese Einschätzung gab der deutsche Experte Christian Eckmann bei einer Pressekonferenz im Ägyptischen Museum in Kairo ab. Der Bart der Maske war im vergangenen August bei Arbeiten an der Beleuchtung versehentlich abgebrochen worden und behelfsmäßig mit einem Epoxidharz wieder angeklebt worden. Dabei blieb eine Lücke. Dieses Harz könne entfernt werden, um dann den Bart wieder vollständig zu restaurieren, sagte Eckmann. Ein Expertenkomitee sei damit beauftragt. Der Deutsche bestätigte auch, dass auf der Maske eine Schramme entdeckt wurde. Es sei aber noch nicht sicher, ob diese schon länger dort war oder erst durch den Unfall verursacht wurde. Die 3300 Jahre alte Maske ist nach wie vor ausgestellt. Es ist aber deutlich der Klebstoff in einer kleinen Lücke am Bart zu sehen.

Kulturhauptstadt Mons verkleidet sich als Discokugel

Leuchtdrachen, ein glitzerndes Publikum und Van Gogh

Die belgische Stadt Mons ist seit Samstagabend offiziell Europäische Kulturhauptstadt. Zur Eröffnungsfeier kamen mehr als 100.000 Besucher, die silberfarbene Ponchos geschenkt bekamen, um aus der Stadt eine "Discokugel" zu machen. Insgesamt sind bis Dezember mehr als 300 kulturelle Veranstaltungen geplant. Die zweite Kulturhauptstadt 2015, das tschechische Pilsen, war bereits in der vergangenen Woche in das Kulturjahr gestartet. Zu den Höhepunkten des Hauptstadtjahres in Mons gehört eine große Ausstellung über Vincent Van Gogh - der Maler hatte in Mons mit 27 Jahren seine künstlerische Karriere begonnen. Die Schau, die bis 17.
Mai zu sehen ist, öffnet heute ihre Pforten für Besucher.

Tangerine-Dream-Gründer Edgar Froese gestorben

Elektronikpionier erliegt mit 70 Jahren einer Lungenembolie

Im Alter von 70 Jahren ist der deutsche Elektronikpionier Edgar Froese gestorben. Der Gründer von Tangerine Dream sei in Wien einer Lungenembolie erlegen, teilte die Band auf ihrer Internetseite mit. Der Tod Froeses am vergangenen Dienstag sei völlig überraschend gewesen. Er gilt als einer der wichtigsten und innovativsten Pioniere der Elektronischen Musik. Die Band Tangerine Dream und ihr futuristischer Sound sind weltweit bekannt - teilweise erhielten ihre Platten im Ausland deutlich mehr Anerkennung als in ihrem Heimatland Deutschland.

Daniel Libeskind empfindet Berliner Architektur als einfallslos

Der Architekt wünscht sich mehr Mut zur Kreativität

Stararchitekt Daniel Libeskind geht mit dem modernen Erscheinungsbild Berlins hart ins Gericht
"Immer die gleichen Gebäude, immer die gleichen vertikalen Fenster. Diese Stadt wird von ihrer eigenen Entwicklung erstickt, wenn sie nicht aufhört und merkt 'Hey, wir sind Berlin!' Wir sollen doch eine kreative Stadt sein", sagte Libeskind dem "Tagesspiegel". Vielen Quartieren fehle es an Leben, etwa am Spittelmarkt, dem Hausvogteiplatz oder auf der Stralauer Insel, sagte der Architekt des Jüdischen Museums Berlin der Zeitung. Am Potsdamer Platz ließ Libeskind kein gutes Haar. "Wo ist die Betriebsamkeit und Lebenslust, die man wiedererwecken wollte? Der Platz ist steril." Das Areal rund um den Hauptbahnhof sei "schrecklich". Die Politik müsse einen Dialog mit den Bürgern führen, anstatt zu versuchen, sie auszusperren. Das Fiasko mit der Bebauung des Tempelhofer Flughafengeländes sei ein gutes Beispiel dafür, dass die Bürger der Politik nicht mehr vertrauten.

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Fazit

Margaret Atwood wird 80Humanistin und hellsichtige Mahnerin
Die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (picture alliance / AP / Invision / Arthur Mola)

Weltberühmt wurde sie mit ihrer Dystopie "Der Report der Magd". Heute feiert die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood ihren 80. Geburtstag. Über ihre teilweise düsteren Visionen sagt sie: "Ich beschreibe nur, was wir schon tun oder tun könnten."Mehr

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