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Studio 9 | Beitrag vom 20.01.2019

Künstliche IntelligenzFacebook finanziert neues Münchner Forschungszentrum

Von Marcus Schuler

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Ein Mann trägt eine EEG-Kappe (Michaela Handrek-Rehle)
An der TU München wird seit langem zu neuronalen Prozessen geforscht, demnächst in einem neuen Zentrum. (Michaela Handrek-Rehle)

An der TU München soll ein Forschungszentrum zu Künstlicher Intelligenz entstehen. Dafür überweist Facebook mehr als sechs Millionen Euro. Eine Charme-Offensive in einer Zeit, in der Facebooks zögerliches Vorgehen bei Hass und Hetze kritisiert wird?

Facebooks Co-Chefin Sheryl Sandberg hat das wohl schwierigste Jahr in der Geschichte des sozialen Netzwerks hinter sich. Der Cambridge Analytica Skandal im vergangenen Jahr, bei dem eine Analysefirma Zugriff auf rund 85 Millionen Nutzerdaten hatte, hat dem Ansehen des kalifornischen Unternehmens schwer geschadet. In Europa verlor das Unternehmen gut zwei Millionen Nutzer, der Aktienkurs sackte um zeitweilig bis zu 30 Prozent ab, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wurde vor den Kongress in Washington und vor das EU-Parlament zitiert und musste dort Rede und Antwort stehen.

"Das Jahr 2018 war für uns ein wichtiges Jahr des Wandels. Wir sind ein anderes Unternehmen als noch vor einem Jahr. Vor uns liegt noch eine Menge Arbeit. Wir haben große Anstrengungen unternommen, um Schaden abzuwenden. Wir haben unser Sicherheitsteam mehr als verdreifacht. Wir sind gegen gefälschte Nutzerkonten vorgegangen und haben die Verbreitung von falschen Informationen reduziert. Wir haben sichergestellt, dass die Nutzer ihre Profile besser kontrollieren können und sind deutlich transparenter geworden."

Nach Kritik vergrößert Facebook sein Sicherheitsteam

Die 49-Jährige verweist darauf, dass man innerhalb weniger Monate tausende neue Stellen geschaffen habe. Unter anderem sei das Sicherheitsteam um mehr als das dreifache vergrößert worden. Gefälschte Konten, sogenannte Fake Accounts, seien gesperrt worden und man sei hart gegen die Verbreitung von Falsch-Nachrichten vorgegangen. Selbstkritisch gibt sie aber auch zu:

"Bei den Wahleinmischungen im Jahr 2016 hatten wir sehr wohl die staatlichen Hacker und deren klassische Angriffsmethoden im Fokus. Hier können wir auf eine hohe Erfolgsquote verweisen. Was wir aber nicht vorhergesehen haben, war eine neue Qualität der Einmischung – das Verfassen gefälschter Informationen. Das war unser Fehler".

Von Seiten der Politik drohen Facebook nun Auflagen – sowohl aus Washington als auch aus Brüssel. Hier zeigt sich die für operative Geschäft zuständige Sandberg gesprächsbereit.

"Wir sind offen für Regulierung, wenn sie richtig ist. Wir wollen hier mit der deutschen und anderen Regierungen auf der Welt zusammenarbeiten. Wir müssen uns aber die Frage stellen, welche Art von Internet wollen wir, was sind die richtigen Regeln dafür? Regierungen haben nicht nur die Aufgabe sondern auch die Pflicht ihre Bürger zu schützen. Und das bedeutet Regulierung."

Facebook zahlt Millionen an Münchner Hochschule

Allein in Deutschland kommt das Unternehmen auf rund 24 Millionen aktive Nutzer pro Monat.

Facbook will nun verloren gegangenes Vertrauen wieder aufbauen. Eine Maßnahme ist unter anderem eine neue Partnerschaft mit der TU München:

"Wir unterstützen die TU München mit umgerechnet 6,6 Millionen Euro. Das neue Institut ist akademisch unabhängig von Facebook. Hier sollen kritische Fragen der Künstlichen Intelligenz zu Sicherheit, Fairness und Ausgewogenheit untersucht werden."

Sandberg legt allerdings Wert darauf, dass das neue Institut akademisch unabhängig arbeiten solle, und ihr Unternehmen nur eines unter anderen Partnern sein möchte. Auf die Frage, weshalb sich ihr Facebook hier engagiere, sagt Sandberg: "Deutschland nimmt beim Datenschutz eine führende Rolle in der Welt ein."

Auch bei Facebook nutze man Technologien wie Künstliche Intelligenz. Damit sei es zum Beispiel blinden Nutzern möglich, die Inhalte von Fotos zu verstehen. Viele Menschen betrachteten den Einsatz von künstlicher Intelligenz aber auch sehr kritisch. Das sei ein Grund, so Sandberg, weshalb man sich mit den Experten an der TU München zusammengetan habe.

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