Künstlerkollektiv MSCHF

    Werke zwischen Design und Aktivismus

    09:50 Minuten
    Eine Hand hält ein Smartphone. Auf dem Display sind schwarze Sneaker zu sehen, für die bei Ebay geboten wird.
    Der "Satan Shoe" des Künstlerkollektivs MSCHF wurde binnen kürzester Zeit zum Sammlerobjekt und erzielte horrende Preise. © picture alliance / STRF / STAR MAX/IPx
    Annekathrin Kohout im Gespräch mit Massimo Maio · 13.04.2021
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    Das kapitalismuskritische Künstlerkollektiv MSCHF macht durch teure Designobjekte auf sich aufmerksam: In kleiner Stückzahl herausgebracht, werden sie in kürzester Zeit zu teuren Sammlerobjekten. Eine Mischung aus Konzeptkunst, Design und Aktivismus.
    Das Konzeptkunst-Kollektiv MSCHF hat gerade von sich reden gemacht wegen seiner Zusammenarbeit mit dem Rapper Lil Nas X. Zu seiner neuen Single "Montero" hat er ein Video veröffentlicht, in dem er seine queere Sexualität auslebt. Das Video sorgte für Aufruhr.
    MSCHF brachten zu diesem Event den "Satan Shoe" heraus, ein Nike Air Max 97-Modell mit Pentagramm-Anhänger an den Schnürsenkeln und einem echten Tropfen Blut in jedem der auf 666 Exemplare limitierten Paar Schuhe.
    Die Künstler bringen ihre Objekte auf den Markt statt nur in Ausstellungsräume und bedienen sich dabei des Vermarktungsmodus der Industrie. Die Produkte kommen als "Drops" heraus: stark verknappte Stücke, die innerhalb von Sekunden ausverkauft sind und anschließend als Sammlerstücke auf Portalen wie Ebay Tausende von Euro erzielen.

    Symbiose aus "Design, Kunst und Aktivismus"

    Der neueste Drop von MSCHF, die sich mit ihren Aktionen auch gegen Rassismus und Homophobie engagieren, sind fünf E-Mail-Adressen mit besonderen Domains wie "angelfire.biz", die wie ein Modeaccessoire für 250 Dollar pro Stück verkauft werden.
    Für die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout ist die Konzeptkunst von MSCHF die gelungene Symbiose aus "Design, Kunst und Aktivismus". In dieser Trias "spiegeln sie alle Anforderungen, die wir derzeit an Kunst stellen". Bislang, so Kohout, habe immer ein Transfer stattgefunden, "der zum Beispiel Mode durch Kunst aufwerten sollte oder andersherum." Und im Hintergrund sei immer die Frage gewesen: "Ist das Kunst oder ist das keine Kunst".

    Kritik am System und den Konsumenten

    Doch genau diese Frage habe an Relevanz verloren, und MSCHF sei ein gutes Beispiel dafür, so Kohout. Das Kollektiv brilliere in allen Bereichen, wie der "Satan Shoe" zeige.
    Indem die Künstler sich der Marketingstrategien des Kapitalismus bedienten, unterwanderten sie diese Strukturen wie mit einem trojanischen Pferd, sagt die Medienwissenschaftlerin, die einen eigenen Blog betreibt. Dies sei eine Art von Systemkritik, bei der auch den Konsumenten ihr Verhalten gespiegelt würde.
    (mkn)
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