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Kompressor | Beitrag vom 15.01.2016

Künstlerin übermalt KriegsbilderBlumen statt Bomben

Von Johannes Nichelmann

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Saba Jalla sorgt mit ihren Bildern für heiße Debatten auf Facebook (Screenshot: www.facebook.com/sabajallas2015/)
Saba Jalla sorgt mit ihren Bildern für heiße Debatten auf Facebook (Screenshot: www.facebook.com/sabajallas2015/)

Eine jemenitische Künstlerin nimmt Kriegsfotos aus ihrer Heimat und übermalt sie, so dass sie hoffnungsfrohe Botschaften werden. Auf Facebook folgen ihr bereits tausende.

Ein Freund hat mir den Link zu der Facebook-Seite von Saba Jallas geschickt. Sie ist Künstlerin aus Jemen und verwandelt Kriegsfotos aus ihrer Heimat von Bombeneinschlägen, von Menschen mit angsterfüllten Blicken, von Feuerwalzen in Motive des Friedens, indem sie aus den Rauchwolken zum Beispiel Blumen macht oder einem Jungen anstatt eines kümmerlichen Vogels eine Friedenstaube in die Hand malt. Schöne Bilder irgendwie. Aber auch erschreckend. Ich hab sie gleich angeschrieben und wir haben uns für jetzt zum Gespräch verabredet. Das war gestern. Und was sie mir schon geschickt hat ist diese kurze Testaufnahme hier:

"Hi! I am Saba!"

Blumen statt Bomben. Saba Jallas ist 31 Jahre alt, stammt aus Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Momentan lebt sie außerhalb des Landes, wo genau will sie aus Sicherheitsgründen nicht verraten, denn ihre Bilder voller freundlicher Gesichter und Friedenstauben enthalten natürlich die Kritik an den vielen verschiedenen Kriegsparteien.

"Zuletzt habe ich ein kleines Mädchen gezeichnet. Es hat hübsch gelächelt und einen wirklich schönen Blumenstrauß in der Hand gehalten. Ich versuche hässliche Dinge in schöne und hoffnungsvolle Bilder zu verwandeln."

"Rauch hat schöne Formen"

Es sind Bilder aus dem Krieg. Seit 2015 fliegt eine Militärkoalition unter der Führung Saudi-Arabiens Luftangriffe. Diese Bombardements haben im vergangenen Sommer Saba Jallas dazu gebracht ihre Motive auf die Kriegsfotos zu setzen.

"Ich kann nicht verstehen, was hier um uns herum passiert. Aber worin ich mir sicher bin ist, dass wir Liebe und Optimismus brauchen. Nachrichten zu gucken tut uns einfach nur weh."

Die Bilder zeichnet sie auf ihrem Smartphone mit einem speziellen Stift. So verändert sie das Foto einer Stadt, die von der Ferne aus fotografiert wurde. In der Mitte eine riesige Rauchwolke nach einem Bombenangriff. In der Form und den Umrissen erkennt Saba Jallas eine lächelnde Mutter, die ihren Säugling auf dem Arm trägt.

Saba zeichnet die Figuren entlang des grauen und bedrohlichen Rauchs. Im Haar der Mutter: eine farbige Rose. 

"Rauch selbst hat schöne Formen. Zuerst sehe ich mir die Fotos einfach an. Manchmal nur für Sekunden, manchmal minutenlang, um auf eine Idee zu kommen. Ab und an sehe ich es sehr klar, ohne darüber nachzudenken. Oder aber es ist recht schwer."

"Ich möchte das echte Leben malen"

Ein Haus. Davor ein Baum. Dahinter eine Rauchwolke, die sich in zwei Schwaden aufteilt. Saba Jallas erkennt darin die Flügel einer Friedenstaube. Der Baum wird zu einem Korb voller Blumen, die der Vogel mit seinem Geläuf festhält. Diese Bilder mögen naiv wirken, aber für Saba erfüllen sie ihren Zweck. Sie sind Ventil ihrer eigenen Hilflosigkeit und halten für ihre Freunde in den bombardierten Städten für ein paar Sekunden die Zeit an.

"Viele Leute sagen mir 'Dankeschön' und 'das macht uns Hoffnung'. Sie baten mich weiter zu machen. Also ist es meine Pflicht das fortzusetzen. Eine nette Nachricht kann den Unterschied machen. Vielleicht keinen großen aber am Ende kann ich nicht einfach nur zusehen, was mit meinem Land passiert. Ich kann etwas tun. Auch, wenn es nur zeichnen ist."

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

"Ich werde mit den Zeichnungen weiter machen, auch wenn der Krieg vorüber ist. Was ich dann zeichnen will ist besser als das, was ich gerade mache. Ich möchte das echte Leben malen. Echte Blumen und das wirkliche Lächeln in den Gesichtern der Menschen im Jemen. Ich weiß nicht wie, aber ich werde das tun. In der Zukunft."

Sie hat mir jetzt gerade noch eine Nachricht hinterher geschickt:

"I wanted to say one more thing. I wanted to say to the world: help us to live, help us to be safe. Don't send us bombs. No! We don't need bombs. We just need to live in a peace. Help us to do that. Stop war in Yemen. Stop against children and women. Just this."

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