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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.12.2014

Künstlerin Lisa Lucassen"Bach ist der einzig gültige Gottesbeweis"

Von Gerd Brendel

Das Stück "Ende" von She She Pop im Hebbel am Ufer. In der Mitte: Lisa Lucassen
Das Stück "Ende" von She She Pop im Hebbel am Ufer. In der Mitte: Lisa Lucassen

Eigentlich sei sie nicht fromm, sagt die Künstlerin Lisa Lucassen vom Performance-Kollektiv She She Pop. Außer wenn sie Bachs Cello Solo Suiten hört - dann wird ihr ganz religiös zumute.

Lisa Lucassen gehört zum Performance-Kollektiv She She Pop. Seit ihrer Gründung vor 16 Jahren haben die sechs Theaterfrauen und ein Theatermann immer wieder die Grenzen konventioneller Theaterpraxis durchbrochen. Die eigenen Geschichten sind dabei so wichtig wie die Erfahrungen der Zuschauer oder klassische Theatertexte.

Mit "Testament", ein Abend mit den eigenen Vätern und Shakespears King Lear, wurde SheShePop 2011 zum Theatertreffen eingeladen. Zur Zeit sind SheShePop im Staatstheater Stuttgart zu Gast und arbeiten an einem Theaterexperiment zu Brechts Lehrstücken. Gerd Brendel traf Lisa Lucassen in ihrer Wohnküche in Berlin-Kreuzberg:

"Was ist mir heilig? Okay, ich bin keine so richtig fromme Religiöse. Aber woran ich wirklich fest glaube, ist Musik, und zwar ziemlich viel verschiedene Arten von Musik. Aber Bach halte ich für den einzig gültigen Gottesbeweis.

Ich hab' zum Beispiel Cello-Unterricht gehabt und erinnere mich an meinen Lehrer, der mir irgendwann diese Bach Cello Solo Suiten auf den Notenständer stellte, und ich meinte: Andreas, das kann ich nicht spielen. Das ist Bach. Und er meinte: Bach ist nicht Gott. Und hat dann kurz gezögert und dann gesagt: Na, vielleicht doch, aber versuch's doch mal.

Ich fahr' auch viel Fahrrad. Und ich singe stets. Weil beim Fahrrad fahren klingt ja die eigene Stimme viel schöner als bei allen anderen Situationen, weil die vielen Nebengeräusche beim Fahrradfahren, die filtern ja alles doofe raus. Und ich kann auch auf dem Rad auch viel höher singen als anderswo, und allein das macht mich ganz ganz fröhlich.

Singen beim Fahrradfahren

Also, was ich tatsächlich ganz oft beim Fahrradfahren singe ist ein Beatles-Song, der 'You never give me your money' heißt. Das sing ich oft, wenn ich arbeiten fahre.

Ich gehör' zu denen, die dafür sorgen, dass in jedem Stück Musik vorkommt. Zum Beispiel in 'Testament' gibt es eine Szene, wo Sebastian und ich auf dem Tisch stehen und einen Dolly-Parton-Song singen, der 'Daddy's working boots' heißt, und dazu müssen die Väter ein Tänzchen aufführen und die Töchter tanzen auch. Aber zu ganz anderer Musik. Und wenn dieser Song vorbei ist, ist angeblich dieser Generationswechsel auf der Bühne vollzogen und das wird mit Musik und Tanz gefeiert.

Ich geh' jedes Jahr mit Schwester Weihnachtsoratorium Singalong singen. Das ist so eine Veranstaltung für bürgerliche Menschen wie uns, die das Weihnachtsoratorium einfach drauf haben, wir können das. Das gibt es nur in Frankfurt am Main. Da wird ein Orchester angemietet und Solisten und ein Dirigent, und alle, die kommen sind der Chor, man kommt da nur rein, wenn einen Klavierauszug in der Hand hat.

Und es gibt da ein so kleinen Chor. Der ist ganz kurz und davon ist die allerschönste Fassung - gestern angefangen zu üben. Wenn man hauptsächlich den Tenor hört, da ist so ein Sprung drin, da zieht's dir die Schuhe aus!"

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