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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.12.2015

Künstler Christian AweWie gestalten Sie tennisplatzgroße Wandgemälde?

Christian Awe im Gespräch mit Susanne Führer

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Christian Awes Wandgemälde "Adanzé" (Atelier Christian Awe / Bernd Borchardt)
Christian Awes Wandgemälde "Adanzé" (Atelier Christian Awe / Bernd Borchardt)

Mit wilden Farbkompositionen aus Sprühlack und Acrylfarbe hat Christian Awe den Sprung vom Graffiti-Sprayer zum erfolgreichen Maler geschafft. Sein Anliegen ist eine Demokratisierung der Kunst.

Sein Markenzeichen sind tennisplatzgroße abstrakte Gemälde auf Hausfassaden aus Sprühlack und Acrylfarbe, deren Farbschichten er verwischt und zerkratzt. Der 37-jährige studierte an der Universität der Künste Berlin, seine Lehrmeister waren unter anderen Georg Baselitz und Daniel Richter.

Heute sind seine Werke in Galerien und an Hauswänden zu sehen, ob nun im russischen Perm, in Wien oder in seiner Heimatstadt Berlin. Hier hatte er als jugendlicher Sprayer begonnen. 

Malen im Liegen

In Berlin Schöneberg hat Awes 2014 ein riesiges Wandbild geschaffen, dass dort seither eine Brandmauer schmückt.  Das 162 Quadratmeter große Werk "Adanzé" wurde zunächst im Liegen geschaffen, erzählte der Urban Art Künstler im Deutschlandradio Kultur. 

Awe  bemalte zunächst eine tennisplatzgroße Plane, die erst später an der Brandmauer befestigt wurde. Zuvor habe er zusammen mit seinem Team eine Woche lang die PVC-Folie gebügelt, die bei ihm völlig zerknittert angeliefert worden war.

Die nächste Herausforderung sei gewesen, wie die Farbe auf der Plane dauerhaft halten könnte.  Er habe dann im Liegen gemalt und wie ein "Farbarchäologe" in die bunten 5-15 Farbschichten hineingekratzt.

Kunst an die Haustür bringen

"Für mich geht es um so eine Demokratisierung der Kunst, um eine Öffnung", sagte Awes über das Anliegen seiner Arbeit. "Viele Menschen haben nicht das Glück,  aus dem Elternhaus heraus an die Kultur herangeführt zu werden, sei es jetzt Ballett oder Theater oder ins Museum zu gehen."  Er habe sich deshalb vorgenommen, seine Kunst "an die Haustür der Menschen zu bringen" und ihr mit Mal- und Bildungsworkshops das Elitäre zu nehmen.

Der Künstler Christian Awe (Atelier Christian Awe / Klemens Renner)Der Künstler Christian Awe (Atelier Christian Awe / Klemens Renner)

Positives Feedback

Die Reaktionen in der Schöneberger Nachbarschaft seien positiv ausgefallen. "Wenn man irgendwo anfängt, kommen die Leute und sind erst mal sehr, sehr mürrisch, vor allem in Berlin", sagte Awe. Da brauche man als Künstler ein dickes Fell. Da werde man zunächst bespuckt und später dann doch gelobt.  

"Dieselben Leute kommen  später wieder und sagen, wie toll ist das denn, können sie nicht hier meine Kleingartenlaube noch bemalen", erzählte er. Die Gespräche seien sehr differenziert, aber ihm sei das Feedback wichtig.

Dass andere an seiner Kunst teilhaben, ist ihm wichtig: Er spendet viele seiner Gemälde für wohltätige Zwecke oder gibt Malkurse für Jugendliche, die sich das nie leisten könnten.

 

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