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Musikfeuilleton | Beitrag vom 25.11.2018

Krzysztof Penderecki zum 85. GeburtstagDer unheimlich Populäre

Von Matthias Nöther

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Krzysztof Penderecki am 30. Mai 2018 in Krakau (imago/Eastnews)
Krzysztof Penderecki im Mai 2018 in Krakau (imago/Eastnews)

Für Ohren, die das Neue in der Musik suchen, wirken die Werke von Krzysztof Penderecki oft ein bisschen zu harmonisch, zu traditionell. Und doch war Penderecki einst ein führender Vertreter der polnischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg.

Am 30. März 1966 wurden in der westdeutschen Musikwelt viele Gewissheiten erschüttert. Krystof Pendereckis Lukas-Passion wurde bei ihrer Uraufführung im Dom von Münster zu einem klaren Publikumserfolg - ein religiöses Werk, eine traditionelle Passionsmusik. Schon drei Wochen nach der Uraufführung 1966 folgte eine Aufführung in Pendereckis Heimatstadt Krakau, dann gab es ein Gastspiel bei der Biennale in Venedig und beim polnischen Festival "Warschauer Herbst".

In den nächsten Jahren wurde die Passion weit mehr als hundert Mal aufgeführt, in Turin und Helsinki, in Berlin und Paris, in Zürich, Mexico City und New York und an vielen anderen Orten in der Welt.

Eine Zwölftonreihe als Grundformel

Wer die Partitur analysiert, kann sogar eine Zwölftonreihe als Grundformel feststellen und damit Penderecki in der Nachfolge Arnold Schönbergs und seiner Nachkriegserben sehen. Dabei ist bekannt, dass der Pole Penderecki die abstrakte Art des Komponierens in Reihen, den sogenannten Serialismus in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, eigentlich ablehnte.

Penderecki, 1933 in einer kleinen Stadt östlich von Krakau geboren, erfuhr seine Sozialisation als Kompositionsstudent in den 1950er Jahren im Umfeld des neu gegründeten Festivals "Warschauer Herbst". Hier sollte nach Stalins Tod eine größere Freiheit für die Künstler des Ostblocks genutzt werden, aber es herrschte nicht der gleiche Radikalismus vor wie in den westdeutschen Avantgarde-Zentren Darmstadt und Donaueschingen.

Aus westdeutscher Sicht machten junge Komponisten in Polen "liebenswerte Kompromisse", wie damals ein Kritiker schrieb. Penderecki seinerseits blickt sehr kritisch auf Komponisten wie Stockhausen, Boulez und Cage, die in der jungen Bundesrepublik den Ton angaben.

Suche nach kompositorischen Lösungen

Krzysztof Penderecki sucht nach kompositorischen Lösungen, in der Tradition der großen Sinfoniker des 19. Jahrhunderts von Beethoven bis Mahler. Vielleicht ist dies das Altmodische an ihm. Penderecki habe seine einstigen fortschrittlichen Grundsätze verraten, hört man deshalb oft aus den Kreisen der westlichen Musikavantgarde. Wobei man heute zugleich erkennen kann, dass der Aspekt des Altmodischen schon in einem Werk wie "Polymorphia" aus den 1960er Jahren vorhanden ist, das auch westlich des Eisernen Vorhangs geschätzt und gespielt wurde.

Vielleicht hat Krzysztof Penderecki der Neuen Musik, zu der er selbst sich immer bekannt hat, auch einfach nur das wiedergeben wollen, was ihr in ihren ganz wilden Jahrzehnten fehlte: den Kontakt zur Tradition. Und ein bisschen Glamour.

Mit Aussagen von Krzysztof Penderecki:

Krzysztof Penderecki:
"Ich kann mich erinnern an den Schock, als er gehört hat von mir, ich möchte eine Passion schreiben. Er glaubte, dass es ein Witz ist. Aber ich sagte nein, Schluss jetzt mit dieser Musik, die ich bisher geschrieben habe, jetzt schreibe ich eine Passion."

"Ich wollte Geiger werden eigentlich, nicht Komponist. Ich habe als Kind schon, mit sechs oder sieben Jahren, Geige gespielt und ziemlich gut eigentlich. Aber dann hat die Komposition mich mehr gepackt und ich dachte, es ist doch viel wichtiger, dass ich  komponiere als spiele. Und dann habe ich aufgegeben. Wissen Sie, in den Nachkriegsjahren in Polen, da waren kaum Noten zu finden. Da habe ich die Etüden für mich geschrieben."

Zu seiner Komposition "Polymorphia":
"Das war eigentlich nicht wegen Humor. Das ist ein ganz verrücktes Stück eigentlich, mit auch neuen Techniken. Damals, das war vielleicht 1960 oder 1961. Und nach einem Akkord, wo alle Instrumente spielen, 48 Instrumente in Vierteltönen, ist C-Dur am Schluss eine Lösung. Nicht nur eine Überraschung, das ist eine Lösung. Man kann nicht weiter. Weiter ist nur die Wand."

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