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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.01.2020

Krisensitzung bei der QueenKönigshaus ohne Hoffnung

James Hawes im Gespräch mit Vladimir Balzer

Queen Elizsabeth, mit schwarzem Hut und schwarzer Jacke, hat die Augen geschlossen. (Imago Images/ i Images/ Andrew Parsons)
Schwere Zeiten für die Queen und ihre "Firma": Der britische Schriftsteller James Hawes sieht in der Krise um Harry und Meghan das Ende der Monarchie kommen. (Imago Images/ i Images/ Andrew Parsons)

Die Queen hat Verständnis für den Wunsch ihres Enkels Harry auf mehr Privatsphäre. Trotzdem sei der Konflikt damit nicht beendet, glaubt der britische Schriftsteller James Hawes. Am Niedergang des Königshauses seien der Brexit und die Queen beteiligt.

Vergangene Woche haben der jüngere Enkel der Queen, Harry, und seine Frau Meghan bekannt gegeben, dass beide sich von ihren Pflichten als Mitglieder der königlichen Familie zurückziehen wollen. Das Statement erfolgte ohne Rücksprache mit dem Königshaus, britische - und auch internationale - Medien berichten seitdem täglich über die Krise der Monarchie in Großbritannien. Am Montag folgte ein Krisentreffen der Queen mit Harry sowie seinem Bruder William und seinem Vater Charles. Anschließend ließ die Queen offiziell ihre Unterstützung für Harry und Meghan mitteilen. 

Ein Ende der Krise im britischen Königshaus könne er den Aussagen der Queen nicht entnehmen, sagt James Hawes. Der britischer Schriftsteller ist ein genauer Beobachter der englischen Königsfamilie und hat mehrere Bücher über die Geschichte Europas geschrieben.

Der britische Schriftsteller James Hawes (dpa / Horst Galuschka)Der Schriftsteller James Hawes glaubt nicht, dass das britische Königshaus noch lange existieren wird (dpa / Horst Galuschka)

"Die Queen hat gesagt, es bleiben noch Punkte zu klären. 'Im Prinzip' ist man darüber einig, dass sich das Pärchen von der Familie abwenden darf, aber es gibt noch Weiteres zu erklären. Das deutet nicht gerade Gutes an."

Königliche Teilzeit ist unmöglich

Im Grunde gehe es wohl um die Frage, ob man "halbköniglich" sein könne. Wenn es irgendetwas Heiliges an der königlichen Geburt und dem königlichen Dasein gebe, wie könne man sich dann davon halbwegs entfernen, fragt Hawes. "Logischerweise geht das eigentlich nicht." Das Königshaus befinde sich in einer schweren Krise: "Man dachte, dass das schöne, junge Pärchen Meghan und Harry die Familie in eine neue Zukunft leiten könnte."

Nach der Krise um Prinz Andrew und die Unbeliebtheit des Thronfolgers Charles sei der angekündigte Rückzug des Paares für die Queen ein sehr großer Schlag. Im Gegensatz zum eher profillosen älteren Bruder William habe man gehofft, das der "besser aussehende Harry, der sich auch als Soldat durchgeschlagen hat" zwar nicht als Thronfolger in Frage komme, aber als Vertreter des Königshauses favorisiert war, meint Hawes.

Brexit als Krise des Landes und der Königsfamilie

Der angekündigte Rückzug von Harry und Meghan sei auch deshalb so gewichtig, weil sich das ganze Land mit dem Brexit in einer Krise befinde. Seit Jahrhunderten habe es kein englisches, sondern nur ein britisches Königshaus gegeben.

"Jetzt, wo das vereinigte Königreich ganz spürbar am Zerbröckeln ist, bleibt die Frage, was überhaupt die Rolle dieser britischen Königsfamilie sein könnte. In einer Welt, wo der englische – nicht britische – Nationalismus seinen großen Sieg, genannt Brexit, feiert. Was die Familie in einem unabhängigen England treiben sollte, ist gar nicht klar."

Fehler der Queen

Premierminister Boris Johnson habe nach den höchsten Richtern Englands die Queen belogen. Doch es habe keine Konsequenzen daraus gegeben. Ihre Rolle als letzte Hüterin der Verfassung sei damit als nichtig entlarvt worden. Auch das werde Folgen haben.

Für die Königsfamilie und das vereinigte Königreich sehe er keine Hoffnung, sagt Hawes. "Das vereinigte Königreich steht unmittelbar vor dem Ende. Wie und ob das Könighaus das überleben kann, weiß ich nicht."

(mle)

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