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Interview | Beitrag vom 20.12.2018

Krise um LiteraturnobelpreisZweifel an Neuanfang bei Schwedischer Akademie

Björn Dake im Gespräch mit Ute Welty

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Sitzung der Schwedischen Akademie im Jahr 2011. Dabei wurde das neue Mitglied Professor Tomas Riad vom damaligen ständigen Sekretär Peter Eglund eingeführt. (picture alliance / dpa / Henrik Montgomery)
Normalerweise tagt die Schwedische Akademie hinter verschlossenen Türen. Nur die Hauptversammlung ist öffentlich. (picture alliance / dpa / Henrik Montgomery)

Die Schwedische Akademie beruft drei neue Mitglieder. Gelingt ihr damit auf ihrer Hauptversammlung nach dem Vergewaltigungsskandal und der Absage des Literaturnobelpreises ein Neuanfang? ARD-Korrespondent Björn Dake bezweifelt das stark.

Nach den schweren inneren Zerwürfnissen und Krisensitzungen der vergangenen Monate tagt die Schwedische Akademie heute vor 500 Gästen, darunter dem König von Schweden. So viel Transparenz war selten. Doch im Hintergrund, ist sich der ARD-Korrespondent Björn Dake sicher, laufen "Intrigen und Machtkämpfe" weiter.

Die Krise hatte sich an dem Franzosen Jean-Claude Arnault entzündet, der mit Akademiemitglied Katarina Frostenson verheiratet ist. Vor einem Jahr erhoben mehrere Frauen schwere Vorwürfe gegen Arnault, der schließlich wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Aus Protest gegen mangelnde Konsequenzen in der Akademie traten mehrere Mitglieder zurück.

Lebenslange Berufung bleibt Knackpunkt

Nun kommen drei Neue: der Literaturwissenschaftler Mats Malm, der Jurist Eric M. Runesson und die Autorin Jila Mossaed. Sie stünden nicht gerade für eine moderne, verjüngte Akademie, sagte Dake im Deutschlandfunk Kultur: "Mit der Erneuerung ist es nicht so weit her."

Knackpunkt bleibe die lebenslange Berufung der Mitglieder, erläuterte Dake: "Diese lebenslange Berufung ist meiner Ansicht nach überhaupt nicht mehr zeitgemäß und sie passt überhaupt nicht zu dem, wofür Schweden sonst steht, nämlich für eine moderne Gesellschaft, die auch sehr viel auf Gleichberechtrigung Wert legt."

Porträtfoto einer Frau mit langen blonden Haaren in mittleren Jahren, die schwedische Schriftstellerin Katarina Frostenson (Imago)Die Lyrikerin Katarina Frostenson: Die Akademie erwägt, ihr Geld anzubieten, damit sie geht. (Imago)

Dass auch Katarina Frostenson, die die Gewinner des Literaturnobelpreises ihrem Mann vorab verraten haben soll, bisher nicht herausgedrängt werden konnte, sei ein großes Thema in Schweden, so Dake. Man diskutiere derzeit über eine Kompensation. Dabei gehe es um "richtig viel Geld".

(bth)

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