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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.03.2020

Krimiautorin Melanie RaabeThriller ohne Serienkiller

Moderation: Susanne Führer

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Melanie Raabe, dunkle, schulterlange Locken, braune Augen, trägt ein weißes Oberteil und schaut lächelnd in die Kamera. (dpa / Stephan Persch)
"Ich glaube, wir leben alle in sehr verunsichernden Zeiten", sagt Melanie Raabe. (dpa / Stephan Persch)

Melanie Raabes Psychothriller stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Das war nicht immer so. Jahrelang schrieb sie für die Schublade, vier Romane wurden abgelehnt, die Autorin machte aber unbeirrt weiter: "Weil ich wirklich gern schreibe."

Die Autorin Melanie Raabe hat die Ausstrahlung eines rundum fröhlichen und positiven Menschen. In ihren Romanen aber geraten die Figuren in psychische Ausnahmezustände, zweifeln an ihrer Wahrnehmung, ihrem Verstand. Ja, sie sei ein optimistischer Mensch, sagt Raabe, aber sie sei auch sehr durchlässig für das Geschehen um sie herum.

"Ich glaube, wir leben alle in sehr verunsichernden Zeiten, und das lässt mich nicht kalt. Ich glaube, das spiegelt sich in meinen Romanen. Da drückt sich eine Facette meiner Persönlichkeit aus." 

"Lächerlich zart besaitet"

Aber eben nur eine Facette. Raabe interessiert sich für Geheimnisse, Mysterien, Rätsel. Bei ihr gibt es keine Serienkiller oder langwierige Aufklärungsarbeit der Polizei. Ihre Thriller sind spannend, aber nicht gewalttätig. Sie selbst sei nämlich "lächerlich zart besaitet". Am Ende ihrer Thriller, sagt sie, schimmere immer Hoffnung auf. Das liegt unter anderem an den Liebesgeschichten, die sich auch in ihren Romanen finden.

"Ich finde, Liebe ist die größte Macht des Universums. Absolut. Dazu stehe ich."

Vier abgelehnte Manuskripte 

Vor kurzem hat Melanie Raabe ihren vierten Roman veröffentlicht, den Psychothriller "Die Wälder". Eigentlich ist es ihr achtes Buch, denn die ersten vier Romane, die sie schrieb, wurden alle von den Verlagen abgelehnt. 

"Beim ersten, das ist schon eine Weile her, war ich noch völlig naiv. Hab das alles selber ausgedruckt, damals noch mit meinem Tintenstrahldrucker, und habe riesige Pakete zur Post gebracht und selbst an die Verlage geschickt. Die kamen natürlich alle zurück, mit so Standard-Absageschreiben - die ich übrigens letztens, als ich mein Büro aufgeräumt habe, noch mal gefunden habe. Das war sehr lustig."

Die Liebe zum Schreiben

Das erste Manuskript wurde also abgelehnt, dann das zweite, das dritte, das vierte. Woher hat Melanie Raabe nur die Courage genommen, trotzdem immer weiter zu schreiben?

"Courage war das gar nicht. Das war einfach die Tatsache, dass ich wirklich gern schreibe. Es war damals ja eher wie ein Hobby. Ich hab das zwar mit sehr viel zeitlichen Einsatz und mit viel Herzblut betrieben. Aber jemand, der gerne in seiner Freizeit Handball spielt, hört ja auch nicht damit auf, nur weil es nicht von Erfolg gekrönt ist oder weil er keinen Meistertitel gewinnt. Und ich hab einfach erst mal wirklich nur für mich geschrieben. Irgendwann ist das ein bisschen frustrierend geworden, die vielen Absagen, weil irgendwann natürlich auch der Wille gewachsen ist, gelesen zu werden. Es klingt jetzt im Nachhinein komisch, aber ich habe ganz lange wirklich nur für mich geschrieben und war damit auch lange total zufrieden."

Kreativität ist ein Muskel

Zurzeit schreibt Melanie Raabe an einem Sachbuch über Kreativität. Ein Thema, das sie schon lange beschäftigt, auf das sie einen sehr eigenen Blick habe. Kreativität sei nämlich ein Muskel, den man trainieren könne. "Ich glaube, dass jede und jeder kreativ ist, nur auf ganz unterschiedliche Art und Weise."

Und, natürlich, macht es ihr "riesigen Spaß, das zu schreiben". 

(sf)

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