Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
Freitag, 30.10.2020
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.02.2020

Krimiautor Wolfgang Schorlau zu Plagiatsvorwürfen"Ein Sturm im Wasserglas"

Wolfgang Schorlau im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Autor Wolfgang Schorlau zu sehen mit den Händen gestikulierend. ( Henning Kaiser/dpa)
Hommage oder Plünderei? Die Autorin Petra Reski verdächtigt den Schriftsteller Wolfgang Schorlau, sich bei ihren Recherchen bedient zu haben. ( Henning Kaiser/dpa)

Anfang März erscheint das neue Buch von Krimiautor Wolfgang Schorlau. Im Vorfeld erhebt die Autorin Petra Reski Vorwürfe, Teile des Romans stammten aus ihrer Feder. Schorlau bestreitet dies.

Wolfgang Schorlau schreibt politische Krimis. Sein neuer, zusammen mit dem Schauspieler Claudio Caiolo verfasster, in Italien spielender Roman "Der freie Hund" erscheint in zwei Wochen.

Die Journalistin und Autorin Petra Reski erhebt auf ihrer Webseite Vorwürfe, dass das Buch "mehr oder weniger hemmungslos meine Arbeit plündert: meinen Blog, meine Bücher, meine Krimis, ja sogar meine Facebook-Einträge". Reski lebt in Venedig, beschäftigt sich viel mit der Mafia, mit Massentourismus und Kreuzfahrschiffen. 

Die Autorin Petra Reski sitzt an einem Gartentisch draußen. (imago stock&people)Wenig begeistert: Die Autorin Petra Reski will nicht von Wolfgang Schorlau und seinem Ko-Autor Claudio Caiolo mit deren neuen Buch in Verbindung gebracht werden. (imago stock&people)

Am vergangenen Samstag äußerte sich Reski im Deutschlandfunk Kultur besorgt um ihr Ansehen. Denn ihre Recherchen seien durch die Einbettung in den Roman "Der freie Hund" entstellt worden. Schorlau jedoch erklärt, Ausgangspunkt seines Buches und die Hauptquelle der Recherche seien eigentlich die Erfahrungen des Ko-Autors Caiolo.

Aus Respekt das informative Gespräch gesucht

Um Stellung gegen Kreuzfahrtschiffe in Venedig zu beziehen, müsse man nicht auf Reskis Recherchen zurückgreifen, sagt Schorlau. Vielmehr hätten er und Caiolo das Gespräch mit Reski gesucht, "weil wir sie sehr anerkennen und ihre Arbeit respektieren". Reskis Engagement für ein lebenswertes Venedig finde er bewundernswert. Aber: "Wir schreiben nichts, was man nicht selber sehr schnell recherchieren kann."

Bevor Schorlau und Caiolo mit dem Schreiben des Romans anfingen, haben sie Reski zum Abendessen in Venedig eingeladen, um sich auszutauschen.* Dabei habe er sich Notizen gemacht und am Ende gefragt, ob er sich bei weiteren Fragen erneut an sie wenden dürfe, so Schorlau. Reski habe dies mit einem "ja, klar" erwidert.

"Es war nach meiner Wahrnehmung ein sehr freundschaftliches, kollegiales Gespräch und dafür, dass sie sich drei Stunden Zeit für uns genommen hat, dazu dachte ich, es ist anständig, sich im Nachwort zu bedanken", erläutert Schorlau.

Anschuldigungen seien ein "Sturm im Wasserglas"

Diese Danksagung war der Anlass für Reski, sich einen Anwalt zu nehmen und per Gerichtsbeschluss eine Änderung des Nachworts in der zweiten Auflage des Buches durchzusetzen. Sie empfinde es als "blanken Hohn", wenn das Buch mit ihrem Namen "gerechtfertigt" werde, so Reski auf ihrer Webseite. Eine Figur in dem Buch, die ganz offensichtlich nach Reski benannt ist und laut Schorlau eine "Hommage", eine "Verbeugung" sein solle, findet bei der Wahl-Venezianerin keinen Anklang. 

Den Auftakt seiner neuen Krimireihe durch den Disput sieht Schorlau nicht als "verhagelt" an. Vielmehr empfinde er ihn als "Sturm im Wasserglas". Er ist sich zudem sicher: "Letztendlich entscheiden die Leser und Leserinnen." (kpa)

Das Interview mit Petra Reski können Sie hier nachhören:

*Nicht Petra Reski hat Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo in Venedig zu dem im Beitrag erwähnten Abendessen eingeladen, sondern Petra Reski wurde von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo eingeladen.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsVertrauen ins Vorlesen
Eine Mutter liest in den 90er-Jahren ihrer Familie vor, sie sitzen auf der Wiese. (picture alliance / dpa/ Frederike von Stackelberg)

Wer als Kind nicht vorgelesen bekommen hat, traut sich als Erwachsener weniger, den eigenen Kindern vorzulesen, erfahren wir in der "Welt". Also jetzt in Coronazeiten direkt anfangen. Oder Schriftsteller werden, wie die "Süddeutsche" vorschlägt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur