Kriege und ihre Rolle in der Geschichte

Der Krieg als treibende Kraft - für die Antike traf das zu. © AP
06.08.2008
Wie ist das geflügelte Wort "Der Krieg ist der Vater aller Dinge" des alten Heraklit zu verstehen? Ein neuer, anschaulicher Sammelband über die Kriege des Altertums von China über Europa bis nach Amerika nimmt das Verhältnis von Krieg und Geschichte unter die Lupe.
"Der Krieg ist der Vater aller Dinge", hat der griechische Philosoph Heraklit gesagt, er hat auch das berühmte "Panta rhei" ("Alles fließt") geprägt, Sätze, mit denen er die Wandelbarkeit alles Seienden untermauern wollte. Heute klingt das geflügelte Wort nicht mehr ganz so überzeugend, für die Antike allerdings traf es zu. Der Krieg veränderte, ja, er war die "treibende Kraft des gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Fortschritts", schreibt der 44jährige Dubliner Altphilologe und Marinespezialist Philip de Souza ("Seefahrt und Zivilisation") in der Einführung des von ihm herausgegebenen Sammelbands. Darin schreiben zwanzig angelsächsische Forscher über die kriegerischen Auseinandersetzungen des Altertums von China über Europa bis Amerika.

Ohne den Krieg wäre die technische Entwicklung nicht so schnell vorangeschritten. Die Konstruktion von Streitwagen und der Bau von Schiffen erforderten große Ingenieurleistungen, aber auch der Aufbau eines Staates und seiner Verwaltung wurde durch den Krieg, d.h. seine Vorbereitung entschieden beeinflusst; der berühmte Kodex Hammurabi (ca. 1750 v. Chr.), die gültige Gesetzessammlung des altbabylonischen Königs, zeigt die enge Verflechtung von Militär und Zivilleben.

Der Krieg, definiert als "Form kollektiver Gewaltanwendung zwischen zwei verfeindeten Gruppen", ist älter als alle schriftliche Überlieferung. Die älteste dokumentierte Schlacht fand 1468 vor Chr. zwischen Ägyptern und rebellischen syrischen Städten statt, aber erste Hinweise auf Kriege gibt es seit 8.000 v. Chr. im Gebiet des heutigen Nordirak. Was wiederum bedeutet, dass es eine "Zeit vor dem Krieg" gegeben haben muss. Diese These jedenfalls vertritt der amerikanische Konfliktforscher Brian Ferguson.

Hier zeigt sich auch, dass die Beiträger des Buches die Geschichte nicht als reine Abfolge von isolierten Schlachten begreifen. Es gibt nicht nur die Auswirkung des Krieges auf die Gesellschaft, sondern auch umgekehrt. Bestimmte Bedingungen mussten erfüllt werden, damit Krieg erst möglich wurde: Sesshaftigkeit, Bevölkerungszunahme, kollektive Identität.

Der Sammelband bietet einen sehr brauchbaren Überblick, der sich an ein größeres Publikum richtet. Er bietet zahlreiche Abbildungen, übersichtliche Karten sowie Kästen, in denen wichtige Begriffe, Waffen, Personen erklärt werden. Besonders anschaulich sind die Doppeltafeln berühmter Schlachten ("333: bei Issos Keilerei"), auf denen man die taktischen Tricks großer Heerführer studieren kann und durch die man begreift, dass der Begriff "Kriegskunst" nicht von ungefähr kommt.

Rezensiert von Peter Urban-Halle

Philip de Souza (Hg.): Die Kriege des Altertums. Von Ägypten bis zum Inkareich.
Aus dem Englischen von Werner Kügler und Walter Spiegl.
Verlag Koehler & Amelang, Leipzig 2008
320 Seiten, 35 Euro