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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 06.10.2017

Kriechspur statt Datenautobahn Verschläft Deutschland die Digitalisierung?

Moderation: Birgit Kolkmann

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Collage mit Hand, Globus und Tastatur (imago stock&people)
Was muss sich ändern, damit Deutschland nicht den digitalen Anschluss verliert? Darüber diskutieren die Gäste im Wortwechsel. (imago stock&people)

Das kleine Estland macht es vor: So geht Digitalisierung. Warum sich Deutschland so schwer damit tut und wie es die Transformation angehen sollte, darum soll es heute im Wortwechsel gehen.

"Schnelles Internet für alle. Überall." Das verspricht die "Digitale Agenda" der bisherigen Bundesregierung bis 2018. Deutschland soll "das digitale Wachstumsland Nr. 1 in Europa" werden. Die Realität sieht anders aus: Gerade einmal Dreiviertel aller Haushalte verfügt über einen Breitbandanschluss, viele ländliche Regionen sind digital abgehängt. In Sachen Glasfaserausbau gehört Deutschland zu den Verlierern in Europa. Vom Vorzeigeland Estland sind wir meilenweit entfernt. Deutschland braucht dringend ein Update!

Was muss sich ändern, damit Deutschland nicht den digitalen Anschluss verliert?
Wie weit sind wir beim Stichwort Industrie 4.0 und der elektronischen Verwaltung?
Sind Bildung und Wirtschaft darauf eingestellt?
Droht durch den digitalen Umbruch eine neue Massenarbeitslosigkeit?
Brauchen wir ein eigenes Bundesministerium für Digitalisierung?

Über diese und andere Fragen diskutierten im Wortwechsel:

Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen

"Es ist ein Teil der Daseinsvorsorge: der Staat trägt die Verantwortung, dass auch im ländlichen Raum der Anschluss da ist. ( …) Wenn man gleiche Lebensverhältnisse im Jahr 2017 haben will in Deutschland, dann muss man eben auch die Infrastruktur ausrollen."

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom

"Wir sind auch im Bereich des Breitbands besser als unser Ruf.(…) Wir unterscheiden uns von vielen anderen Ländern durch eine Besonderheit: Wir vergraben die Kabel und ziehen sie nicht über Pfosten und nicht an Hausfassaden entlang. Deswegen kostet die Verlegung von Breitband im Festnetz vier bis fünf Mal so viel wie in Spanien. Und solange das so ist, werden wir über ein Investitionsvolumen von 80 bis 100 Milliarden Euro reden. . (..) Und wenn wir darüber reden, dass wir eine Million Kilometer Kabel verlegen müssen – das braucht Zeit. ( …)Wenn wir heute anfangen und noch Glasfaser machen, brauchen wir 20 Jahre. Wer in kürzeren Zeiträumen denkt, vergisst, dass wir die Verlege-Kapazitäten gar nicht haben."  

Thomas Knüwer, Medienjournalist und Gründer der Unternehmensberatung "kpunktnull"

"Wenn wir 20 Jahre dafür brauchen, dann können wir den Wirtschaftsstandort Deutschland zuklappen. Dann lasst uns auswandern, dann war´s das mit Deutschland als führender Wirtschaftsnation. Wir haben es komplett verschlafen."

Anke Domscheit-Berg, Die Linke (MdB)

"Ich glaube tatsächlich, dass bezahlte Arbeit abnehmen wird, und dass wir aus diesem Grund mit der digitalen auch eine soziale Revolution brauchen. (…) Wir reden davon, dass sehr viele Arbeitsplätze wegfallen werden. (…) Wir werden 800.000 Berufskraftfahrer haben, die durch autonome Fahrzeuge ihre Arbeit verlieren werden."

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