Seit 01:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 28.07.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Interview / Archiv | Beitrag vom 02.04.2020

Krankenhäuser in der CoronakriseDie Folgen der Fallpauschalen

Gerald Gaß im Gespräch mit Dieter Kassel

Eine Krankenschwester legt auf der Isolierstation für Coronavirus-Behandlungen ihre Schutzkleidung an bevor sie ein Patientenzimmer betritt. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Krankenhauspersonal am Limit - offenbar auch eine Folge des Fallpauschalen-Systems. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Je mehr Menschen am Coronavirus erkranken, desto größer wird der Druck in den Krankenhäusern. Auch eine Folge des Fallpauschalen-Systems, sagt Gerald Gaß von der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Seit 2004 werden Behandlungen in deutschen Krankenhäusern über Fallpauschalen abgerechnet – feste Sätze, die die Krankenkassen zahlen und die dazu führen sollten, dass die Kliniken ökonomischer handeln. An vielen Stellen wurde daraufhin gekürzt. Viele meinen, die Engpässe, die nun während der Coronakrise zutage treten, gründen genau darin.

Natürlich habe das Fallpauschalen-System in der Krankenhauslandschaft Spuren hinterlassen, sagt auch der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß. "Da treten jetzt manche Probleme auf, die deutlich werden durch diese besondere Situation, mit der wir jetzt umzugehen haben."

Jahrelang wurde beim Personal gespart

Als Beispiel nannte Gaß die Personalsituation. Die Fallpauschalen hätten über die vergangenen 17 Jahre Anreize gesetzt zu sparen. "Und wenn man dann in eine Situation kommt wie die jetzige, die einfach außergewöhnlich ist, wo man deutlich mehr Personal braucht, dann merkt man sehr schnell, man kommt an seine Grenzen." Es handele sich um "ein System, das bei guten Wetter einigermaßen funktioniert, aber sobald ein Sturm aufkommt, wird es schwierig." 

Bereits vor der Krise habe man gegenüber der Politik deutlich gemacht, dass Korrekturen am Fallpauschalen-System erforderlich seien, so Gaß. Erforderlich sei dabei ein guter Mittelweg: "Wir brauchen ein System, das Anreize setzt zu guter Qualität, zu effizienten Prozessen – das aber finanziell so ausgestattet ist, dass wir auch mehr Personal und mehr Investitionen finanzieren können."

(cmk)

Mehr zum Thema

Coronavirus - Wie kann Telemedizin bei der Behandlung von COVID-19 helfen?
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 01.04.2020)

Coronakrise - Wie sind Intensiv- und Notfallstationen vorbereitet?
(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 31.03.2020)

Maker-Szene - Beatmungsgeräte im Eigenbau
(Deutschlandfunk Kultur, Breitband, 28.03.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Juristische StandardwerkeKeine Nazis als Namensgeber
Nahaufnahme des "Palandt": ein juristisches Standadwerk zum Bürgerlichen Gesetzbuch. Das Buch ist sehr dick und hat einen weißen Umschlag, die Schrift darauf ist rot und schwarz.  (picture alliance / CHROMORANGE | Udo Herrmann)

Der C.H. Beck Verlag hat erklärt, juristische Standardwerke nicht länger nach Juristen aus der NS-Zeit benennen zu wollen. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich hält den Schritt für notwendig: Namensgeber müssten "integere Persönlichkeiten" sein.Mehr

Klimawandel in SüdamerikaWarum Kaffee teurer wird
Ein offener Sack mit Kaffeebohnen und einer Schaufel aus Metall darin steht auf dem Boden.  (picture alliance / dpa Themendienst / Mascha Brichta)

Kaffee werde künftig teurer und qualitativ schlechter - der Grund dafür liege zu einem großen Teil im Klimawandel, sagt Agrarökonom Christian Bunn. Aktuell sind die Kaffeepreise in Brasilien enorm gestiegen. Aber auch Tee und Kakao sind betroffen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur