Seit 04:05 Uhr Tonart

Sonntag, 20.09.2020
 
Seit 04:05 Uhr Tonart

Alltag anders | Beitrag vom 07.08.2020

Korrespondenten berichten überZugluft

Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein Vorhang weht aus einem offenem Fenster. (gettyimages / Priscila Zambotto)
Gerade in heißen Ländern wie China, Singapur oder der Türkei wird lieber die Klimaanlage angemacht, als das Fenster zu öffnen. (gettyimages / Priscila Zambotto)

In der traditionellen chinesischen Medizin sagt man, dass Erkältungen durch Zugluft ausgelöst werden. In Singapur ersetzt die Klimaanlage das Lüften. Auch in Buenos Aires sind offene Fenster selten.

Karin Senz in Istanbul:

"Im Sommer wird es in der Türkei sehr heiß. Dann geht man in die U-Bahn in Istanbul und da ist es kühlschrankmäßig. Man muss im Sommer immer einen Pullover dabeihaben. Klimaanlagen laufen überall auf Hochtouren – 16 Grad – aber das Fenster reißt man trotzdem auf. Frische Luft wird großgeschrieben. Man reißt in der Türkei auf, was geht. In den Wohnungen wird immer weniger geraucht. Ein sehr beliebter Ort ist die Küche. Dann ist da immer das Fenster offen. Die Küche ist dadurch immer ein kalter Ort. Für die Raucher sicher einer der gemütlichsten Orte."

Axel Dorloff in Peking:

"Ich erlebe das in China eigentlich eher, dass es zugebunkert ist. Dass sperrangelweit das Fenster offensteht, gibt es in China selten. Das hängt auch mit der Luftqualität zusammen. In der Nacht sagen die Chinesen: Bloß keine Zugluft. In der traditionellen chinesischen Medizin sagt man, dass Erkältungen durch Zugluft ausgelöst werden, indem das Chi – die Lebensenergie – runtergekühlt wird. Um sich vor Wind und Erkältungen zu schützen, schlafen viele Chinesen daher nicht bei offenem Fenster."

Oliver Neuroth in Madrid:

"Abends, in Madrid meist erst so gegen 23 Uhr, reißt man alles auf und lässt die kalte Luft rein. Zugluft ist also spätabends oder morgens ein Thema. In Spanien ist es in öffentlichen Verkehrsmitteln unmöglich, die Fenster aufzumachen, um sich ein bisschen Luft von draußen zu holen, weil überall die Klimaanlage an ist. Die meisten sind verriegelt: Öffnen nicht möglich."

Ivo Marusczyk in Buenos Aires:

"Das ist eine Manie von den Deutschen, dass die ständig aufschreien: Es zieht! Die Argentinier sind froh, wenn mal ein kleines Lüftchen geht. Wo es eine Klimaanlage gibt, wird sie auch eingesetzt. Dass man sich auch behelfen könnte, indem man zwei Fenster aufmacht und die Luft durchziehen lässt, das ist nicht gefragt und macht auch niemand. Die Klimaanlage muss sein, und die läuft die ganze Nacht durch."

Lena Bodewein in Singapur:

"In Singapur steht die Luft meistens in den Zimmern und ist feucht. Statt Lüften hat man die Klimaanlage an. In der Innenstadt laufen die Klimaanlagen durch. Wenn man dann an den Shoppingmalls vorbeikommt, bekommt man einen Schwall kalter Luft ab. Das ist die absolute Klimasünde. Wenn man in einen Bus steigt, bekommt man ganz schnell einen steifen Nacken, weil man den Wind, den die Klimaanlagen machen, unterschätzt. Zuhause macht man auch ganz selten das Fenster auf in Singapur. Das ist so feucht hier, wenn man da die Fenster aufließe, würden sich alle Papiere wellen. Alle Lederschuhe fangen an zu schimmeln, wenn man mal vergessen hat, die Klimaanlage anzumachen."

"Alltag anders" – wenn Sie einen Themenvorschlag haben, dann schicken Sie ihn gerne an diese E-Mail-Adresse: alltag.anders@deutschlandfunkkultur.de

Mehr zum Thema

Korrespondenten berichten über - Supermarktkasse
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 31.07.2020)

Korrespondenten berichten über - Transgender
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 24.07.2020)

Korrespondenten berichten über - Solidarität
(Deutschlandfunk Kultur, Alltag anders, 17.07.2020)

Studio 9

Filmfestspiele trotz CoronaVenedig belebt das Kino neu
Der Festivaldirektor Alberto Barbera und die Regisseurin Kaouther Ben Hania begrüßen sich per Ellbogen auf dem roten Teppich. Sie tragen Maske. (Getty Images / Pascal Le Segretain)

Die Filmfestspiele in Venedig haben im Kino stattgefunden, nicht digital. Danke dafür, sagt Filmkritiker Patrick Wellinski. Es lohne sich, alles zu versuchen, die Festivals nicht ins Netz abwandern zu lassen – und das Kino zu feiern.Mehr

weitere Beiträge

Hörgame

Kakadu

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur