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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 17.07.2020

Korrespondenten berichten über Solidarität

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Dämmerung: Ein Junge macht ein Foto der Fütterung, auf einem weitläufigen Platz vor einer Wohnsiedlung sind bestimmt an die hundert Hunde. (Getty Images / NurPhoto / Nasir Kachroo)
In Indien gibt es eine sehr große Solidarität mit Tieren - auch mit den vielen Straßenhunden. (Getty Images / NurPhoto / Nasir Kachroo)

Inder helfen oft, weil sie möchten, dass ihnen auch selbst etwas Gutes widerfährt. In China ist es außerhalb der Familie schnell vorbei mit der Solidarität. In Südafrika geben in Coronazeiten Farmer einen Teil ihrer Ernte ab.

Silke Dietrich in Neu-Delhi:

"In Indien gibt es definitiv Solidarität unter den Menschen. Wenn ärmeren Menschen was gespendet wird, dann hat das oft einen Hintergrund, dass einem selbst dann auch etwas Gutes widerfährt. Also, dass Kinder zu ihren Geburtstagen zu ärmeren Menschen gehen, dann wurde zu Hause gekocht und dann gibt man diesen ärmeren Menschen das Essen. Aber im Hinterkopf hat man dann, dass einem selbst auch Besseres widerfährt, weil man selbst auch Gutes getan hat.

Was man in der Coronakrise sehr gut sehen konnte, war eine sehr große Solidarität den Tieren gegenüber. Indien hat die meisten Straßenhunde auf der Welt. Eigentlich durfte keiner vor die Tür treten, aber dann haben so viele Leute protestiert und haben sogenannte Hundefütterer-Ausnahmesituationspässe bekommen, haben dann zu Hause kiloweise Essen gekocht und das dann an die auf der Straße lebenden Hunde verteilt."

Steffen Wurzel in Shanghai:

"Interessant ist in China zu sehen, dass das Land von der sogenannten kommunistischen Partei regiert wird, aber so wirklich solidarisch? Kommt oft nicht so rüber. Im Gegenteil. Innerhalb von chinesischen Familien wird 100 Prozent Solidarität gelebt. Von der ersten bis zur letzten Minute, komplett.

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Darüber hinaus ist es in China oft sehr schnell vorbei mit der Solidarität. Ich erinnere mich an Szenen, dass eine ältere Frau auf nasser Straße ausgerutscht ist. Da sind alle Leute drumherum gelaufen. Sie haben dieser Frau nicht geholfen. Das ist so ein bisschen typisch, weil man sagt, ich kenne diese Frau nicht, ich habe mit der nichts zu tun. Das ist also das Gegenteil von Solidarität."

Anne-Katrin Mellmann in Mexiko:

"Ich erlebe die Mexikaner als ein sehr solidarisches Volk. Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass es keine Sozialsysteme gibt. Jetzt in der Coronakrise gibt es noch mehr Spenden- und Sammelaktionen, denn es ist in Mexiko nicht so wie in Deutschland, dass der Staat gleich die Taschen aufmacht.

Deswegen versuchen die Menschen, die etwas haben, davon abzugeben und den Ärmeren zu helfen. Das sind eben sehr viele. In Mexiko leben etwa 50 Prozent in Armut."

Katrin Senz in Istanbul:

"Solidarität wird in der Türkei schon großgeschrieben. Wir haben das gerade auch in Coronazeiten erlebt. Da gab es zum Beispiel in Istanbul eine Aktion, dass man die Rechnung eines anderen bezahlt, zum Beispiel die Wasserrechnung oder die Stromrechnung, wenn der die nicht bezahlen kann.

Das lief anonym ab. Man hat über das Internet seine Rechnung an die Stadt geschickt, ein anderer hat sich dann um diese Rechnung beworben. Bewerben ist tatsächlich das richtige Wort, denn die Rechnung war meistens schon weg, weil die Nachfrage auch auf der zahlenden Seite relativ groß war."

Jana Genth in Johannesburg:

"In dieser Coronasituation entdecken die Südafrikaner die Solidarität richtig für sich. Privatpersonen geben etwas, ganze Nachbarschaften sammeln ständig, Farmer geben ein Teil ihrer Ernte ab. Die Rugby-Weltmeister in Südafrika verkaufen jetzt virtuell Tickets.

Es gibt natürlich kein Spiel, aber die Ticketnummern gehen am Ende in eine Verlosung und da verlosen sie ihre WM-Utensilien. Der Erlös geht in Essen und das wird auch wieder verteilt. Solidarität habe ich so in diesem Land noch nicht gesehen. Ich muss sagen, das berührt mich auch selbst."

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