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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 08.03.2019

Korrespondenten berichten über Notruf

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Ein Rettungswagen im Einsatz (dpa)
Mit dem Durchkommen von Rettungsfahrzeugen ist das in Frankreich so eine Sache. Wenn eine Kreuzung verstopft ist, dann ist sie verstopft. (dpa)

In den USA werden Notrufe zum Teil veröffentlicht. In Frankreich hat man sofort einen Arzt am Telefon. Die Argentinier sind sehr stolz auf ihre modernen Rettungswagen. Aber es kann sein, dass man im Notfall eine Stunde auf Hilfe warten muss.

Jürgen König in Paris:

"Wenn man in Frankreich einen Krankenwagen rufen will, ruft man die SAMU an mit der Nummer 15. Dann hat man sofort einen Arzt am Telefon, und das kann natürlich sehr hilfreich sein. Aber mit dem Durchkommen von Rettungsfahrzeugen ist das so eine Sache. Wenn eine Kreuzung verstopft ist, dann ist sie verstopft und dann kann der Rettungswagen noch so sehr hupen, Blaulicht, Lichthupe, was auch immer, es wird sich kaum jemand bereitfinden, irgendetwas zu unternehmen, um dieses Gewusel auf der Kreuzung aufzulösen."

Jana Genth in Johannesburg:

"Der Notruf in Südafrika ist 10111 und da kommt auch sofort auf jeden Fall ein Operator. Ich wähle die Notrufnummer sehr selten, weil, egal, wo man wohnt, hat man so seine eigene Sicherheitsfirma. Ich wohne hier erst seit drei Wochen und ich habe schon sechs Mal den Alarm selbst ausgelöst. Sofort kommt der Anruf, und die Sicherheitsfirma ist dran: Was ist Schlimmes? Und einmal bin ich nicht rangegangen, dann kamen die zwei Minuten später in voller Montur, sechs Mann mit schusssicherer Weste und geladenen Waffen. Wie so ein SEK-Einsatz war die Sicherheitsfirma an meinem Tor und wollte mich retten."

Nicole Markwald in Los Angeles:

"jedes kleine Kind wird hier darauf getrimmt, sich die Notrufnummer zu merken, und die ist auch wirklich sehr einfach: 911. Ich finde es sehr kurios, dass in den USA Notrufe zum Teil veröffentlicht werden. Ich kann mich erinnern, bei diesen Massenschießereien wurden im Nachhinein Notrufe veröffentlicht oder auch wenn Prominente involviert sind. Das finde ich sehr befremdlich, diese sehr angespannten Gespräche des Anrufenden zu hören und zu wissen, in welcher schwierigen Situation diese Menschen zu diesem Zeitpunkt waren. Ich habe neulich mal den Notruf gewählt, weil ich einen Unfall hatte. Es war nur Blechschaden, und ich rief an und dann sagte der Mensch am anderen Ende, stehen sie noch auf der Straße? Ich sagte, nein. Gibt es Verletzte? Nein! Dann sagt er, dann kommt keiner, dann müsst ihr das unter euch klären."

Ivo Marusczyk in Buenos Aires:

"911 ist auch der Notruf in Argentinien. Man ist hier in Buenos Aires zwar sehr stolz darauf, dass man sich jetzt moderne Rettungswagen angeschafft hat und dass das Netz an Rettungsstationen jetzt auch in die Provinz hinaus ausgeweitet wurde, aber im Alltag heißt es trotzdem, wenn was passiert, kann es eben sein, dass man eine Stunde wartet, bis der Rettungswagen kommt. Das gilt dann schon als schnell."

Benjamin Eyssel in Peking:

"Ich habe zusammen mit einer chinesischen Freundin einen Mann gefunden, der vom Fahrrad gefallen war und blutig auf der Straße lag. Da standen dann ein paar Chinesen drum herum und haben Fotos gemacht. Da haben wir erst mal einen Krankenwagen angerufen. Da kam man erstmal zehn Minuten nicht durch. Irgendwann war dann jemand dran und dann haben wir noch die Polizei gerufen. Die kam dann nach einer dreiviertel Stunde, und die hat gesagt, der ist betrunken, der ist selber schuld. Wir gehen jetzt wieder und bestellen den Krankenwagen ab."

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