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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 15.02.2019

Korrespondenten berichten über Gewerkschaft

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Marsch der Gewerkschaften am 1. Mai 2016 in Bristol, Großbritannien (picture alliance / ZUMA Press / Simon Chapman)
Die Gewerkschaften in Großbritannien haben an Einfluss verloren, aber es wird immer noch relativ viel gestreikt. (picture alliance / ZUMA Press / Simon Chapman)

In Großbritannien gilt: Beide Seiten kämpfen auf Teufel komm raus! In Russland tun die Gewerkschaften dem Staatsapparat einen Gefallen, weil sie Protest kanalisieren. Das oberste Gesetz in Singapur ist Harmonie: Streiks sind hier nicht erlaubt.

Holger Senzel in Singapur:

"Ich habe keine Kenntnis davon, dass es hier Gewerkschaften gibt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass in Singapur Gewerkschaften irgendwo präsent sind, denn Streiks sind hier nicht erlaubt. Dieses konfrontative Element, das fehlt hier völlig. Das oberste Gesetz in Singapur ist Harmonie. Wer gegen dieses Gebot verstößt, der kriegt aber mächtig Ärger. Es gab mal Proteste in Little India, das ist der indische Stadtteil, vor einigen Jahren. Da kam es zu Krawallen. Ich glaube, es ist ein Bus umgeworfen oder angezündet worden, seitdem ist in ganz Little India Alkohol verboten."

Friedbert Meurer in London:

"Die Gewerkschaften in Großbritannien spielen bei Weitem nicht mehr die Rolle, die sie früher einmal gespielt haben. Ihr Einfluss ist noch vorhanden im öffentlichen Nahverkehr und da tut es dann auch richtig weh, denn es wird hier relativ viel gestreikt. Wir in Deutschland glauben bei Tarifauseinandersetzungen, dass es irgendwo eine Ideallösung gibt und die muss man finden. Dieses Konzept vertritt man hier nicht, sondern der Ansatz ist, beide Seiten kämpfen auf Teufel komm raus."

Thielko Grieß in Moskau:

"Es gibt hier Gewerkschaften, ja, aber kaum jemand kennt sie. Ich habe aber Statistiken gelesen, dass Millionen von Russen Gewerkschaftsmitglieder sind, vielleicht wissen die gar nichts davon. Gewerkschaften tun diesem Staatsapparat auch einen großen Gefallen, indem sie nämlich Protest kanalisieren. Sie haben ein, zweimal aufgerufen zu verschiedenen Demonstrationen und da sind dann ein paar tausend Leute hingekommen, das waren die ganz besonders Empörten und hinterher ist aber nichts dabei rausgekommen. Und wenn immer es ernst wird, dann stimmen sie nicht dagegen. Es gibt dann keine Arbeitskämpfe, es gibt keine Streiks, da kuschen sie dann und machen mit."

Linda Staude in Nairobi:

"Es gibt sehr mächtige Gewerkschaften in Kenia. Die Lautstärkste, die immer wieder in Erscheinung tritt ist zum Beispiel die Lehrergewerkschaft. Streiks gibt es meistens bei öffentlich Bediensteten. Die Krankenschwestern an den staatlichen Krankenhäusern sind in Kenia Staatsangestellte und da hat es in den vergangenen Jahren in Nairobi, in Mombasa Demonstrationen und lange Streiks gegeben, um ihre Forderungen durchzusetzen. Wenn es um andere Bereiche geht, da sind die Gewerkschaften relativ erfolgreich in Kenia, weil es gelungen ist, solche Sachen auszuhandeln wie zu Beispiel einen Mindestlohn."

Tim Aßmann in Tel Aviv:

"Als Israel gegründet wurde, war das ja ein sehr stark am Sozialismus orientiertes Gesellschaftsmodell, sodass die Gewerkschaften hier immer eine sehr starke Rolle hatten, ja, hatten, muss man fast sagen, denn die Bedeutung schwindet. Das kann man zum Beispiel daran sehen, dass momentan in Israel die IT-Industrie sehr boomt, und dort, in diesen Unternehmen ist natürlich Arbeitnehmervertretung überhaupt nicht geregelt, da sind die Gewerkschaften nicht präsent. Das Besondere bei den Palästinensern ist, wenn da gestreikt wird, geht es häufig gar nicht um Arbeitnehmerinteressen, also, Arbeitskämpfe zum Beispiel, sondern häufig um politische Motive. Da gibt es ständig Generalstreiks, da bleibt alles zu, und das ist immer irgendeine Form des Protestes gegen die israelische Besatzung."

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