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Alltag anders | Beitrag vom 24.01.2020

Korrespondenten berichten überArbeitslosengeld

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

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Eine Hand hält einen Dollarschein in die Kamera, der Kopf versteckt sich dahinter. (unsplash/Lucas Favre)
Arbeitslosengeld (unsplash/Lucas Favre)

In Südafrika bekommt man ein Jahr lang Arbeitslosengeld. In Mexiko gibt es das gar nicht, und in Tschechien herrscht eher Arbeitskräftemangel.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

"Arbeitslosengeld, so wie wir das aus Deutschland kennen, gibt es in Indien gar nicht. Wer in Indien keinen Job mehr hat, der muss sich einfach schnell wieder einen suchen. Denn das ist kein Grund, um vom Staat Geld zu bekommen. Es gibt immer mal wieder Wahlversprechen, dass alle Bauern, die einen Ernteausfall hatten, Zuschüsse bekommen. Die Regel ist aber eher, dass Unterstützung entweder in Form von Lebensmitteln erfolgt oder von Gaskartuschen, damit sie überhaupt etwas zu essen kochen können." 

Anne-Katrin Mellmann in Mexiko:

"In Mexiko gibt es überhaupt kein Arbeitslosengeld. Es gibt hier auch nichts, was vergleichbar wäre mit Hartz IV. Was in Mexiko immer ganz gut funktioniert, ist die Kreativität der Menschen. Also, wenn Sie ihren Job hier verlieren und sich von heute auf morgen, weil Sie keinerlei Absicherung haben, etwas anderes überlegen müssen, dann ist es gut, wenn Sie kreativ sind und sich alles vorstellen können. Denn im Grunde ist Mexiko auch ein Land, in dem dann alles möglich ist. Sie brauchen hier keinen Meisterbrief, um morgen eine Autowerkstatt aufzumachen oder einen Friseursalon. Sie können es einfach tun."  

Peter Lange in Prag:

"Auch in Tschechien gibt es Arbeitslosengeld für Leute, die keine Arbeit mehr haben oder zwischen zwei Beschäftigungsverhältnissen stehen. Im Moment ist Arbeitslosigkeit in Tschechien kein Thema. Tschechien hat die niedrigste Arbeitslosigkeit in ganz Europa. Und deswegen ist hier im Moment nicht Arbeitslosigkeit das Thema, sondern Arbeitskräftemangel."

Jana Genth in Johannesburg:

"Das wird wahrscheinlich sehr überraschen, wenn man das in Deutschland hört, aber ja: Südafrika hat Arbeitslosengeld. Das nennt sich hier Arbeitslosenversicherung, man zahlt da ganz normal ein, auch als Putzfrau. Als Arbeitgeber ist man dazu verpflichtet, sie anzustellen und dann jeden Monat etwas für sie abzuführen. Wenn man entlassen wird, dann bekommt man Arbeitslosengeld. Das kriegt man auch ein Jahr lang. Auch in Südafrika ist es so, dass man Jobangebote annehmen muss. Wenn man ein Angebot bekommt, darf man nicht lange hadern und überlegen. Man muss es annehmen, sonst wir das Arbeitslosengeld gekappt."

Thielko Grieß in Moskau:

"Es gibt in Russland keine Arbeitslosenversicherung, aber es gibt Arbeitslosengeld. Das fällt allerdings sehr gering aus. Das Minimum beträgt 1500 Rubel – das sind etwa 20 Euro im Monat. Das ist nicht viel Geld. Das Maximum sind 8000 Rubel, ungefähr 110 Euro. Daran ist schon abzulesen, dass man davon eigentlich nicht leben kann. Das wird auch nur einige Monate gezahlt. Ich kenne persönlich niemanden, der Arbeitslosengeld bezieht. Die Arbeitslosenquote ist ganz gering in Russland. Das liegt aber daran, dass die allermeisten, die keine Arbeit haben, sich gar nicht arbeitslos melden, weil sie auf die Prozedur keine Lust haben, weil es wenig Geld gibt und weil sie sich stattdessen einen Job suchen, bei dem sie das Geld bar auf die Hand bekommen. Dann müssen sie auch keine Steuern zahlen."

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