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Alltag anders / Archiv | Beitrag vom 07.02.2020

Korrespondenten berichten überAnalphabeten

Von Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt

Frau öffnet ein Buch mit leuchtendem Licht (imago images / Ikon Images)
Viele Menschen weltweit können nicht richtig lesen und schreiben. (imago images / Ikon Images)

In Indien können Viele nicht lesen, aber ein Smartphone bedienen. In Südafrika ist Analphabetismus kaum ein Thema. In Tschechien betrifft es die Roma.

Silke Diettrich in Neu-Delhi:

"Analphabetismus ist in Indien definitiv noch weit verbreitet. Es gibt zum Beispiel im Süden von Indien, in Kerala, einen Bundesstaat, da können fast 99 Prozent aller Menschen  lesen und schreiben. Im Osten gibt es dann wiederum einen, in Bihar, da kann mehr als ein Viertel der Menschen weder lesen noch schreiben. In einer Studie wurde irgendwann auch mal  festgestellt, dass da, wo mehr Analphabeten leben, es auch mehr Kinder gibt. Also, dass eben die, die nicht so gebildet sind, dann auch mehr Kinder in die Welt setzen. In Indien gibt es ganz viele digitale Alphabeten sozusagen. Die können ein Smartphone bedienen, ohne dass sie lesen können, was sie da eigentlich genau machen. Aber darüber können die Sprachnachrichten verschicken, die sehr beliebt geworden sind, oder sie gucken sich dann Videos darüber an und sind dann sozusagen ein bisschen anders alphabetisiert."

Anne-Katrin Mellmann in Mexiko-City:

"Analphabetismus ist ein ganz interessantes Phänomen hier in Mexiko, denn die offiziellen Statistiken sagen, dass 2005 gerade noch etwas weniger als sechs Prozent Analphabeten gezählt wurden. Aber mir fällt es sehr schwer, diesen Zahlen zu glauben. Wenn ich in Mexiko in ein Hochhausgebäude gehe, weil ich einen Termin habe, und der Portier muss dann stundenlang auf seiner Liste nach dem Namen suchen, ich sehe den Namen da schon, er findet es aber nicht, weil er wahrscheinlich Analphabet ist. Oder wenn Sie hier in so einen kleinen Laden gehen auf der Ecke und ein Getränk kaufen und noch einen Müsliriegel, und die Verkäuferin braucht dann um sieben und fünf zusammen zu zählen den Taschenrechner. Also, das Bildungsniveau ist hier wirklich erschreckend schlecht. Ich glaube halt in Mexiko, wie überall auf der Welt, gibt es sehr viele funktionelle Analphabeten."

Peter Lange in Prag:

"Den größten Teil der Analphabeten gibt es im Raum Usti und Karlsbad. Das sind vor allem jene Gegenden, wo viele Roma leben. Wir sprechen von diesem funktionalen Analphabetismus. Die Leute waren in Tschechien mal in der Schule, aber aus irgendwelchen Gründen haben sie das mit dem Lesen und Schreiben nicht gelernt, oder nicht richtig, jedenfalls nicht so, dass sie damit im Alltag umgehen können. Und auch die Kinder der Roma haben ja ‘ne Schulpflicht. Die  gehen auch in die Schule und kommen trotzdem aus diesen Sonderschulen raus und können es trotzdem nicht."

Jana Genth in Johannesburg:

"Es gibt eine Schulpflicht in Südafrika, und viele Leute, die verlassen die Schule super früh, also im Alter von zehn Jahren. Aber bis sie zehn sind, haben sie immerhin schon Lesen und Schreiben gelernt. Also sprich, das normale Lesen und Schreiben, das haben die Südafrikaner drauf. Es gibt halt wirklich diese minimale Zahl von fünf Prozent der Südafrikaner, die nicht lesen und schreiben können. Das ist wirklich gering. Und man merkt das auch. Man kann wirklich mit den einfachsten Menschen Notizen aufschreiben.  Und wenn man irgendwas austauschen muss, dann notieren die das. Also sprich, Lesen und Schreiben, das haben die alle drauf."

Thielko Grieß in Moskau:

"In Russland ist der offizielle Anteil der Analphabeten wirklich sehr gering. Das war vor etwas mehr als einhundert Jahren noch sehr sehr anders. Und das hat sich verändert nach der Oktoberrevolution.  Denn, die Bolschewiken waren ja darauf angewiesen, dass ihre Propaganda funktioniert. Der sowjetische Mensch sollte aber bitte schön lesen und schreiben können, damit er versteht, was sich die Parteiführung ausgedacht hat."

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