Patricia Kopatchinskaja und Camerata Bern beim Heidelberger Frühling

Über das Verlassen: „Exile“

88:12 Minuten
Patrica Kopatchinskaja steht in einer Unterführung mit Graffiti. Sie trägt ihren Geigenrucksack auf dem Rücken und hält Noten in der Hand. Das Bild fängt ihre Bewegung mit ein.
Patrica Kopatchinskaja ist weltweit unterwegs. Viele Komponisten widmen ihr Werke, doch sie komponiert auch selbst, wie es früher reisende Virtuosen oft taten. © Marco Borggreve
Moderation: Mascha Drost · 23.04.2024
„Wo ist Heimat? Wo wir geboren werden oder wo wir sterben? Ist Exil Schmerz oder auch eine Inspirationsquelle?“ Das fragte sich Geigerin Patricia Kopatchinskaja. Sie präsentiert ein eigenes Werk und sucht Antworten bei Komponisten wie Ysaÿe und Schnittke.
Sie selbst emigrierte als Kind aus Moldawien nach Wien, trägt die Melodien und Klänge ihrer Heimat aber immer mit sich.Genauso wie der russische Komponist Alexej Retinsky, der wegen des Ukraine-Krieges nach Westeuropa geflohen ist.
„Was für Komponisten, für uns Musiker, uns Menschen bleibt, ist das Exil in die Kunst, in das Unsagbare der Musik, das sich jeder Begrifflichkeit entzieht. Sie werden in diesem Konzert Klänge hören, die das vielleicht wissen. Hören wir zu, was sie uns sagen.“, so die Geigerin zu ihrem Konzert im Rahmen des Heidelberger Frühlings.

Eigene Erfahrungen abgleichen

Ihr eigenes Werk steht neben Kompositionen von Andrzej Panufnik, der als Pole im britischen Exil zum Sir ernannt wurde, von Alfred Schnittke, der zeitlebens zwischen den staatlichen und künstlerischen Stühlen saß aber auch von Franz Schubert, der wie kein anderer von Sehnsucht und unfreiwilliger Wanderschaft erzählen konnte.
Aufzeichnung vom 18.03.2024 in der Aula der Neuen Universität Heidelberg

Patricia Kopatchinskaja
"Wut" für Violine und Streicher

Musik aus ukrainisch-russischer sowie moldawischer Folklore

Alfred Schnittke
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 (Bearbeitung von Martin Merker)

Franz Schubert
Fünf Menuette und Trios für Streichquartett D 89: Nr. 3

Eugène Ysaÿe
"Exil!", Poème symphonique für sechs Violinen und zwei Violen op. 25

Andrzej Panufnik
Konzert für Violine und Streicher

Alexey Retinsky
"Die Konturen der Verlorenen" für Streichensemble, Cembalo und Stimmen (Uraufführung)

Patricia Kopatchinskaja, Violine und Leitung
Thomas Kaufmann, Violoncello
Camerata Bern

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